Der kranke Mensch und die moderne Medizin

Veröffentlicht am 11.06.2018 10:27 von Redaktion RehaNews24.de

Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik und seit vier Jahren Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. © Universitätsklinikum Heidelberg

Magersucht, chronische Schmerzen, Depression und Ängste – Wo steht die Medizin bei der Behandlung psychosomatischer Beschwerden? / Symposium zur Verabschiedung von Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik Heidelberg am 15. Juni 2018 / Journalisten sind herzlich eingeladen, Professor Herzog steht im Vorfeld für Interviews zur Verfügung

„Eine Erkrankung betrifft immer beides – Körper und Geist. In der Behandlung müssen wir Ärzte daher den gesamten Menschen im Blick behalten“, fordert Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik und seit vier Jahren Dekan der Medizinischen Fakultät. Er wird im Oktober nach 20 Jahren als Ärztlicher Direktor in den Ruhestand verabschiedet, am 15. Juni 2018 findet ein großes Symposium zu seinen Ehren statt. Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter beleuchten in „Tandem-Vorträgen“ aktuelle Entwicklungen in der Psychosomatik in Deutschland sowie am Universitätsklinikum Heidelberg. Themen sind unter anderem der Umgang mit Körperbeschwerden wie z.B. chronischer Schmerzen ohne organische Ursache, das in Heidelberg erfolgreich praktizierte „Dreistufenmodell der Psychosomatik“, die Rolle der Arzt-Patienten-Kommunikation und der Psychotherapie bei der Behandlung psychosomatischer Beschwerden sowie die Therapie der Essstörungen.

Die Veranstaltung findet in der Alten Aula der Universität Heidelberg, Grabengasse 1, statt. Journalisten sind herzlich eingeladen, Professor Herzog steht im Vorfeld gerne für Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an presse@med.uni-heidelberg.de, Tel.: 06221 / 56 4537.

Neue ambulante Therapiekonzepte bei Magersucht

Die Behandlung der Essstörungen wie beispielsweise der Magersucht ist eines von Professor Herzogs langjährigen wissenschaftlichen Schwerpunktthemen. Die psychisch bedingte Erkrankung Anorexia nervosa, die mit ausgeprägter Mangelernährung und einem gestörten Körpergefühl einhergeht, ist zwar selten – ca. 0,5 Prozent der Frauen in Deutschland sind betroffen, Männer deutlich seltener -, kann aber extrem gefährlich sein: „Magersucht ist die häufigste Todesursache junger Frauen. Trotz Behandlung kommt es bei 20 bis 30 Prozent zu einem schweren und chronischen Verlauf; rund 15 Prozent sterben daran“, erklärt Herzog. Gerade diese schwer betroffenen Patientinnen sind bei ihm und seinem Team meist stationär in Behandlung, denn am Universitätsklinikum ist im Notfall die Intensivstation in Reichweite.

„Essstörungen zwischen Lifestyle und Intensivstation“ lautet denn auch der Titel des Symposiums-Vortrags von Professor Dr. Stephan Zipfel, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen, und Professor Dr. Beate Wild, Leiterin Sektion Psychosomatische Interventions- und Prozessforschung am Universitätsklinikum Heidelberg. Sie werden neben Ursachen und Auslösern der Essstörungen auch auf neue Therapiekonzepte wie z.B. die weltweit größte ambulante Psychotherapiestudie bei Magersucht eingehen, die aus Tübingen und Heidelberg koordiniert wurde.

Psychosomatische Beschwerden werden immer häufiger diagnostiziert

Überlastung, beruflicher und privater Stress sowie Depressionen können die Gesundheit stark beeinträchtigen. Die Symptome reichen von chronischen Verdauungsproblemen, über schwer zu behandelnde chronische Schmerzen bis hin zur Verschlechterung von bestehenden Herzproblemen wie der Koronaren Herzkrankheit. „Es wird in Zukunft immer wichtiger werden, auf diese psychosomatischen Körperbeschwerden eine passende therapeutische Antwort zu finden, denn die Anzahl der Betroffenen nimmt stetig zu“, erläutert Professor Herzog. Allein im Zeitraum 2012 bis 2016 stieg die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund von Überlastung und Erschöpfung um 50 Prozent, in den letzten 20 Jahren wurden 2,5 Mal mehr psychosomatische Erkrankungen diagnostiziert als zuvor. „Die große Rolle der Psyche bei vielen Erkrankungen muss viel häufiger mit bedacht werden, denn die Symptome allein sind schwer oder gar nicht zu behandeln“, so der Internist und Psychosomatiker. Den Körperbeschwerden in Psychosomatik und Allgemeinmedizin ist ein Symposiumsbeitrag gewidmet.

Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele gibt es auch in umgekehrter Richtung, wenn z.B. ein Herzinfarkt oder eine Krebsdiagnose Depressionen und Angststörungen hervorrufen. Auch hier ist Sensibilität und Empathie der behandelnden Ärzte gefragt. „In den letzten Jahren hat die psychosomatische Mitbehandlung in der Hochleistungsmedizin an Bedeutung gewonnen, psychoonkologische Dienste greifen Krebspatienten in vielfacher Weise unter die Arme. Letztlich braucht aber jeder Arzt einen psychosomatischen Blick auf seine Patienten“, so Herzog.

Geschichte der Psychosomatik in Deutschland

Die Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg hat eine lange Tradition: Sie wurde durch renommierte Ärzte wie Ludolf Krehl (1861-1937) und Viktor von Weizsäcker (1886-1957) geprägt, die gleichzeitig als die Begründer der integrierten Psychosomatischen Medizin in Deutschland gelten. Ludolf Krehl, nach dem heute die Medizinische Klinik benannt ist, forderte als einer der ersten Mediziner, den kranken Menschen als ganze Persönlichkeit mit Körper, Geist und Seele zu therapieren: „Wir behandeln keine Krankheiten, sondern kranke Menschen“. Die Psychosomatische Klinik der Universität Heidelberg, älteste Klinik dieser Fachrichtung in Deutschland, wurde 1950 vom Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich gegründet. Heidelberger Ärzte entwickelten einen großen Teil der heute gebräuchlichen Standards in der stationären Psychotherapie und der Behandlungsrichtlinien vieler psychosomatischer Krankheitsbilder.

Als einzige Psychosomatische Abteilung in Deutschland ist die „Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin“ gleichzeitig in eine Internistische Medizinische Klinik und in ein Zentrum für Psychosoziale Medizin integriert. Bei diesem „Drei-Stufen-Modell der Psychosomatik“ wird – je nach Beschwerdebild des Patienten – auf der allgemein-internistischen Station, auf der internistisch-psychosomatischen Station oder auf den beiden spezialisierten Psychosomatik- und Psychotherapiestationen behandelt.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pressestelle/VK/2018/2_Apr_Jun/1…
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.1088.0.html
http://www.klinikum-heidelberg.de

 

Quelle: https://idw-online.de/de/news697178, 08.06.2018

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