Das Fehlen eines Entlassungsmanagements nach Krankenhausaufenthalt wird ab Januar 2013 zum Behandlungsfehler durch Unterlassen !

Veröffentlicht am 12.11.2012 09:32 von Bade

Mit dem Patientenrechtegesetz ab Januar 2013 werden Dokumentationsversäumnisse beim Entlassungsmanagement die Nichtdokumentation einer ärztlich gebotenen Maßnahme bedeuten. Dies wird zur Folge haben, dass dem Krankenhaus unterstellt wird, dass die Maßnahme “Entlassungsmanagement” unterblieben ist. Hierbei wird es sich zukünftig um die Vermutung eines Behandlungsfehlers durch Unterlassen handeln. Aus diesem Grund müssen alle Prozesse und Leistungen des Entlassungsmanagements mittels valider Bewertungsinstrumente kategorisiert werden, um eine effiziente Fehlervermeidung und eine nachvollziehbare und durchgängige Dokumentation aller Prozessabläufe zu gewährleisten.

Durch das Patientenrechtegesetz wird die Qualität der Dienstleistung “Entlassungsmanagement” als Wettbewerbsfaktor für Krankenhäuser immer wichtiger. Dabei ist die Dienstleistungsqualität in entscheidendem Maße durch die Qualifikation und Beruflichkeit sowie die transsektoralen Dienstleistungsbeziehungen bestimmt.

Dienstleistungen im Krankenhaus folgen anderen ökonomischen Regeln als der Leistungsaustausch in traditionellen Märkten. Dienstleistungsarbeit im Krankenhaus ist Interaktionsarbeit mit Patienten, ambulanten Leistungserbringern und Kostenträgern. Der Wert und die Wertschöpfung von pflegerischen und organisatorischen Arbeiten im Krankenhaus müssen im Hinblick auf die gesetzlichen Anforderungen an ein Entlassungsmanagement transparent und messbar dargestellt werden. Daher sollten Krankenhäuser umgehend eine betriebswirtschaftliche und organisatorische Basis schaffen, um alle Dienstleistungen zum Entlassungsmanagement als eigenen strategischen Management- und Organisationsbereich im Krankenhaus zu erschließen.

Das Angebot eines gut organisierten Entlassungsmanagements wird einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Krankenhäusern leisten, da die pflegerischen und organisatorischen Aufgaben durch Gesetzesänderungen, Expertenstandards und Richtlinien zwingend vorgeschrieben sind. Zusätzlich müssen Verfahren, Prozesse und Verbindungen zu den Patienten oder Angehörigen so gestaltet sein, dass keine Ressourcen verschwendet werden.

Krankenhäuser stehen auch ein Jahr nach Einführung des gesetzlich vorgeschriebenen Entlassungsmanagements vor der Herausforderung, die Verknüpfung von strategischer und operativer Ebene zu garantieren. Dabei zeigen sich in vielen Krankenhäusern nach wie vor sehr große Defizite, da die notwendigen sektorenübergreifenden Kooperationen meist nicht der Erschließung von Qualitätsstandards und Wirtschaftlichkeitsreserven dienen, sondern die Unabhängigkeit des Arztes gefährden und wirtschaftliche Interessen über die medizinischen Erfordernisse stellen. Entlassungsmanagement wird als unentgeltliche Dienstleistung privater Beratungsunternehmen für das Krankenhaus durchgeführt, die über ein Umlageverfahren refinanziert wird. Das angebotene Entlassungsmanagement richtet sich damit gegen die Interessen des Patienten und ist letztlich auch wettbewerbsschädlich.

Die Etablierung eines hohen Informationsniveaus der Leistungserbringer, die Messbarkeit von Qualität, der Einsatz eines verbindlichen Ordnungsrahmens sowie die Existenz eines funktionsfähigen Qualitätsmanagements müssen beim Entlassungsmanagement im Mittelpunkt stehen. Ein funktionierendes, multiprofessionelles Schnittstellenmanagement wird Wohlfahrtsverluste reduzieren und Ineffizienzen vermeiden, die aufgrund von Koordinationsdefiziten entstehen.

Krakenhäuser müssen zukünftig Ziele und Leitbilder der Gesundheitsversorgung entwickeln, die die Stärkung von Souveränität, Eigenverantwortung und Eigenkompetenz der Patienten gewährleisten. Nur durch die konsequente und transparente Darstellung von allen Kooperationen beim Entlassungsmanagement wird die Wahrung der Autonomie der Patienten gestärkt und ihre Einbindung in gesundheitliche Entscheidungsprozesse ermöglicht.

Weiterführende Informationen zum Entlassungsmanagement.

Print Friendly, PDF & Email

Hits: 13






Diesen Beitrag kommentieren

Your email address will not be published. Required fields are marked as *

Ich stimme der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten nach der EU-DSGVO zu und akzeptiere die Datenschutzbedingungen.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.