Das Bein ist weg – der Schmerz bleibt

Veröffentlicht am 06.05.2015 11:51 von redaktion

Wiesbaden. Das Bein ist amputiert – der Schmerz bleibt trotzdem. Phantomschmerzen nach Amputationen führen bei bis zu 80 Prozent der Patienten noch Jahre nach der Operation zu starken Einschränkungen im Alltag. Medikamentöse Behandlungen, wie sie in der Regel nach der Reha verschrieben werden, sind nicht nur teuer, sondern bringen häufig auch erhebliche Nebenwirkungen mit sich. Erfolg ohne Nebenwirkungen verspricht dagegen in der rehabilitativen Behandlung und Nachsorge bisher vor allem das Training mit der so genannten „Spiegeltherapie“. Dabei wird mittels eines parallel zur Körpermitte angeordneten Spiegels das fehlende Gliedmaß optisch simuliert und dem Gehirn des Patienten vorgetäuscht, es sei noch vorhanden. Bisher geht das nur im klinischen Umfeld.

Training am Tablet-PC

Die Kaasa health GmbH hat mit der nutzerzentrierten Anwendungssoftware „Telereha Phantomschmerz“ eine App für Tablets entwickelt, die die Spiegeltherapie über die eingebaute Kamera per Software möglich macht.

Die Kaasa health GmbH hat mit der nutzerzentrierten Anwendungssoftware „Telereha Phantomschmerz“ eine App für Tablets entwickelt, die die Spiegeltherapie über die eingebaute Kamera per Software möglich macht.

Doch lassen sich die gleichen Therapieeffekte auch mittels Teletherapie am eigenen Tablet-PC erreichen? Wie schneidet die „Reha via App“ im Vergleich zu der klassischen Spiegeltherapie und Physiotherapie ab? Die Kaasa health GmbH in Düsseldorf, Entwickler innovativer Medizinprodukte, wollte es wissen. Sie hat mit der nutzerzentrierten Anwendungssoftware „Telereha Phantomschmerz“ eine App für Tablets entwickelt, die die Spiegeltherapie über die eingebaute Kamera per Software möglich macht. Durch ein virtuelles Übungs- und Trainingsprogramm sowie Video-Anleitungen führen die Patienten die Therapie eigenständig zu Hause weiter, um den Therapieerfolg (Reduzierung der Phantom-schmerzen) langfristig sicherzustellen. Unter Begleitung eines Therapeuten, der ein maßgeschneidertes Übungsprogramm zusammenstellt und kontrolliert, können die Betroffenen selbstständig üben. „Wir haben gemeinsam mit sieben Reha-Kliniken ein Jahr lang geforscht und die weltweit größte Therapiestudie zum Phantomschmerz absolviert. Heute können wir sagen: Telerehabilitation wirkt und bietet neue Möglichkeiten für die Zeit nach der Reha“, erklärt Andreas Rothgangel, Leiter des Projekts Telereha bei Kaasa health.

Niederländische Wissenschaftler und deutsche Kliniken beteiligt
Im Rahmen des von der EU und dem Gesundheitsministerium NRW geförderten Forschungs- und Entwicklungsprogramms PACT (PAtient Centred Telerehabilitation) ging man im Mai 2014 zusammen mit dem Forschungszentrum CAPHRI am Lehrstuhl für Rehabilitationsmedizin der Universität Maastricht und der Zuyd University of Applied Sciences in Heerlen auf die Suche nach alternativen medikamentenfreien Wegen, um dem Phantomschmerz ein Ende zu bereiten. Innerhalb des Projekts wurden an den sieben teilnehmenden Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen bislang 32 Probanden nach den unterschiedlichen Methoden behandelt. Bis zum Jahresende sollen noch viele weitere Patienten hinzukommen.

Klaus-Miehlke-Klinik in Wiesbaden behandelt Patienten

An der Klaus-Miehlke-Klinik, ein von sieben in die Studie eingebundenen Kliniken, konnte innerhalb von nur vier Wochen durch die Spiegeltherapie via Telerehabilitation bei 80 Prozent der Patienten die Schmerzen deutlich reduziert werden.

An der Klaus-Miehlke-Klinik, ein von sieben in die Studie eingebundenen Kliniken, konnte innerhalb von nur vier Wochen durch die Spiegeltherapie via Telerehabilitation bei 80 Prozent der Patienten die Schmerzen deutlich reduziert werden.

„Im Zuge der klinischen Studie haben wir in Wiesbaden kostenlos freiwillige Patienten in unterschiedlichen Gruppen jeweils zehn Behandlungen mit der klassischen Spiegeltherapie, der klassischen Physiotherapie oder der innovativen Telerehabilitation unterzogen“, berichtet Dr. med. Johannes Schröter, Chefarzt Orthopädie der Klaus-Miehlke-Klinik, „Die Patienten wurden dabei durch einen persönlichen Therapeuten betreut und mit ihm zusammen die Ergebnisse hinsichtlich des Phantomschmerzes dokumentiert.“ Der Erfolg kann sich sehen lassen: Innerhalb von nur vier Wochen konnten durch die Spiegeltherapie via Telerehabilitation bei 80 Prozent der Patienten die Schmerzen deutlich reduziert werden – das ist weit mehr als bei den bisher klassischen Behandlungen. „Wir waren vom Ergebnis positiv überrascht und sehen für die Telerehabilitation große Chancen“, so Dr. Johannes Schröter, „Die Patienten können insbesondere nach der Reha zu Hause selbstständig und häufiger Übungen mit dem Tablet durchführen und so den Erfolg der Therapie nachhaltig verbessern.“

Im Juni sollen nun die ersten Ergebnisse der multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie veröffentlicht und eine wissenschaftliche Aussage zur Kosteneffektivität der Telerehabilitation gemacht werden. Das dürfte insbesondere die Renten-, Unfall- und Krankenversicherungen als Kostenträger interessieren. Perspektivisch könnte das Prinzip der Telerehabilitation dann auch auf andere chronische Erkrankungen erweitert werden.

Kompetente Behandlung bei Amputationen
Die Klaus-Miehlke-Klinik der RHM-Klinikgruppe in Wiesbaden bietet als zertifizierte Fachklinik eine hochqualitative medizinische Behandlung in den Fachgebieten Orthopädie, Rheumatologie und Psychosomatik an. Eine herausragende Stellung nimmt die prothetische Versorgung von Amputationen im Bereich der oberen und unteren Extremitäten ein. Die Klaus-Miehlke-Klinik verfügt dazu über ein eigenes Konzept, das sich an der nationalen Leitlinie zur „Rehabilitation nach Majoramputation oberhalb des Fußes“ orientiert. Die Klinik ist aufgrund ihrer räumlichen und personellen Ausstattung in der Lage, Patienten bereits sehr früh nach einer Amputation aufzunehmen und umgehend die Mobilisation mit Prothesen zu beginnen. Auch im arabischen und russischen Ausland hat sich die Klinik in den vergangenen Jahren einen guten Namen gemacht.

Wissenschaftliche Begleitung:

  • Forschungszentrum CAPHRI, Lehrstuhl für Rehabilitationsmedizin, Universität Maastricht, Niederlande
  • Expertise Zentrum Autonomie & Partizipation von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Innovative Versorgung & Technologie, Zuyd University of Applied Sciences, Heerlen, Niederlande

Beteiligte Kliniken:

  • Klaus-Miehlke-Klinik der RHM Klinikgruppe, Wiesbaden
  • Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, Nümbrecht
  • Geriatrische Rehabilitationsklinik am St. Marien-Hospital, Köln
  • Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Städtische Kliniken Köln-Merheim
  • Klinik Münsterland der DRV Westfalen, Bad Rothenfelde
  • AGE ArbeitsGemeinschaft Ergotherapie, Mönchengladbach
  • Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU) Murnau

Kontakt und Nachfragen:

Klaus-Miehlke-Klinik
Rehabilitationsklinik für Orthopädie, Rheumatologie und Psychosomatik
der RHM Klinikgruppe
Chefarzt Orthopädie Dr. med. Johannes Schröter
Leibnizstraße 23 | 65191 Wiesbaden
Tel.: +49(0)611 575-811 | Fax: +49(0)611 575-802
E-Mail: schroeter@rhm-kliniken.de
Internet: www.klaus-miehlke-klinik.de | www.rhm-kliniken.de | www.rhm-kliniken.ru

Kaasa health
Andreas Rothgangel
Flinger Str. 11 | 40213 Düsseldorf | GERMANY
Tel.: +49(0)211 730635-11 | Mobil: +49(0)177 3762527
E-Mail: ar@kaasahealth.com
Internet: www.kaasahealth.com

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