Chancen und Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt – Chefsache Inklusion in Mitteldeutschland

Veröffentlicht am 15.07.2016 14:09 von Petra Hoffmann

Chancen und Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt – Chefsache Inklusion in Mitteldeutschland

Über 80 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der mitteldeutschen Wirtschaft, Politik und der Sozialverbände hatten sich am 8.Juni in Jena zu einem Wissens- und Erfahrungsaustausch rund um die Einstellung und Weiterbeschäftigung von Menschen mit Behinderung getroffen. Eingeladen hatten hierzu die mitteldeutschen Berufsförderungswerke Dresden, Leipzig, Sachsen-Anhalt, Halle/Saale und Thüringen.

Zum Auftakt betonte Dr. Maria Heinelt in ihrer Begrüßung, dass die Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt nur mit der gemeinsamen Anstrengung aller Akteure gelingen kann.

Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner, zitierte in ihrem Grußwort Richard von Weizäcker: „Was wir zu lernen haben, ist so schwer und doch so einfach und klar: Es ist normal, verschieden zu sein.“ Arbeit gehört zu wichtigsten Schlüsselfaktoren für gesellschaftliche Teilhabe“, betonte die Ministerin. „Wir fordern mehr Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung.“

Es gewinnt – der Mensch, der trotz gesundheitlicher Einschränkungen, im Erwerbsleben gebraucht wird, der Arbeitgeber, der seine erfahrene Fachkraft weiter im Unternehmen einsetzen kann, die Solidargemeinschaft, weil Sozialversicherungsbeiträge fließen und die Berufsförderungswerke, weil diese mit dem erforderlichen Engagement die Beschäftigungsfähigkeit erhalten. „Damit diese vierfache Win-Situation tatsächlich eintritt , ist es natürlich wichtig, das alle Chefs die Beschäftigung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu Chefsache machen “, so das Fazit Dr. Ina Ueberschär, stellvertretende Geschäftsführerin der deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland in ihrem Impulsreferat.

Schon seit Jahren setzt das Unternehmen leistungsgewandelte Mitarbeiter erfolgreich ein, so die Personalleiterin Susann Brückner vom AUTOMOTIVE LIGHTING Konzern. Weltweit beschäftigt dieser derzeit über 18.000 Mitarbeiter, davon arbeiten 750 am Standort Brotterode. Das Werk am Fuße des Inselberges ist der größte Industriebetrieb in Südthüringen. Die gestandene Personalleiterin sprach über die Chancen, das heißt über die positiven Erfahrungen und aber auch über Risiken. Wir als Unternehmen sind gefordert, Arbeitsplätze, Aufgaben und das Kommunikationsverhalten an die jeweiligen Leistungsvoraussetzungen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden anzupassen. Eine große Herausforderung stellt die Einbindung leistungsgewandelter Mitarbeiter in zeitlich straff durchstrukturierte Organisationsabläufe in einem Industrieunternehmen dar.

Prof. Michael Behr, Leiter der Abteilung Arbeit und Qualifizierung im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie stellte in seinem Impulsvortrag: Arbeitsmarkt – Demographie -Inklusion – Neue Herausforderungen und Chancen auf dem Arbeitsmarkt fest, dass die demografische Entwicklung und die wirtschaftliche Dynamik auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft immer mehr Integrationsbemühungen erfordert.

Inklusion kulturell aufbereitet – der Komiker Martin Fromme –  hat auf unterhaltsame, aber nachdenkliche Weise sich dem Thema gestellt. Er hinterfragte ironisch Vorurteile und provoziert mit seinen Statements.

Positive Erfahrungen mit Inklusion gibt es in Mitteldeutschland viele. Die Erfolgsbeispiele aus der Praxis zeigten, dass Unternehmen jeder Größe vom Beschäftigungspotential behinderter Menschen profitieren können. Ob es der mittelständischer Elektronik-Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister MAZeT GmbH, der Personaldienstleister Orizon GmbH, die Stadtverwaltung Halle/Saale, die Versandapotheke „Zur Rose“ Pharma GmbH oder der Dienstleister für Sparkassen S Direkt-Marketing GmbH & Co. KG ist – die Qualifizierung, Beschäftigung oder Weiterbeschäftigung von Menschen mit Handicap erweist sich in ihren Unternehmen als erfolgreich zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs und zur Bewältigung des demografischen Wandels.

In der Podiumsdiskussion wurde über das Thema zu diskutiert, Potentiale und Herausforderungen wurden verdeutlicht, die besondere Bedeutung aufgezeigt. Den Gästen boten sich während der Veranstaltung vielfältige Möglichkeiten, sich zum Thema zu informieren beziehungsweise sich auszutauschen.

„Das Thema Inklusion ist bei den Unternehmen angekommen“, so lautet das Fazit von Ludger Peschkes, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Berufsförderungswerke, nach dem vierten regionalen Expertenforum „Chefsache Inklusion“ in Mitteldeutschland.

Die ausführliche Veranstaltungsdokumentation mit Impressionen, Präsentationen und Vorträgen sowie die Termine der kommenden Regionalveranstaltungen finden Sie unter  www.chefsache-inklusion.de.

 

 

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