Burnout in Zeiten der Industrialisierung

Veröffentlicht am 18.02.2014 08:33 von redaktion

   

Hamburg . Schon während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert klagten immer mehr Menschen über Reizbarkeit, ständige Erschöpfung und Kopf- oder Rückenschmerzen – sie litten unter Burnout, wie die Zeitschrift P.M. HISTORY in ihrer März-Ausgabe berichtet. Mit der Entwicklung der Industriestädte veränderte sich der Arbeitsalltag der Menschen: In den Fabriken wurde in immer schnellerem Takt immer mehr Ware produziert. Die Arbeiter wurden zu neuen Höchstleistungen angetrieben; ein Arbeitstag dauerte oft bis zu 16 Stunden.

George Miller Beard, ein US-amerikanischer Arzt, veröffentlichte 1869 einen Aufsatz im Boston Medical and Surgical Journal, in dem er das damals noch rätselhafte Unwohlsein beschrieb. Viele seiner New Yorker Patienten klagten darüber. Er fasste das Leiden unter dem Begriff Neurasthenie (griechisch für Nervenschwäche) zusammen. Der Ausdruck war nicht neu, doch Beard brachte ihn in Zusammenhang mit dieser Krankheit. Grund für die zunehmende Zahl an Neurasthenie-Patienten sah Beard in der sich verändernden Zivilisation: wachsende Städte, dampfende Eisenbahnen, elektrisch beleuchtete Boulevards und riesige Kaufhäuser überforderten die Menschen. Aber auch die Erfindung der Taschenuhr sei einer der Gründe, denn der moderne Mensch blicke andauernd auf die Uhr, um sich bloß niemals zu verspäten.

Beard sah die Neurasthenie als rein amerikanische Krankheit an, doch auch in Deutschland litten Menschen unter der Nervenschwäche. Der Schriftsteller Rainer Maria Rilke schrieb 1903 in einem Brief, dass er unter Müdigkeit und Schmerzen litt. Sobald er sich an die Arbeit machen wollte, fühlte er sich wie gelähmt. Viele Mediziner hielten damals andere Arbeit als die gewohnte für ein Allheilmittel gegen Erschöpfung. Rilke bezeichnete seine wiederholten Aufenthalte in einer Naturheilanstalt als Kur-Arbeit: Holzsägen, Waldläufe und Gymnastik standen dabei auf dem Tagesplan. Doch diese Frischluftkur half immer nur kurzfristig gegen die Nervenschwäche.

Unter den Nationalsozialisten, die Sensibilität verachteten und den „Triumph des Willens“ feierten, geriet die Neurasthenie in Vergessenheit. Allerdings nur vorübergehend: Heute macht die nervöse Erschöpfung unter dem Etikett „Burnout“ wieder Schlagzeilen.

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