Bundesregierung lehnt Verbesserungen für Rehabilitationskliniken ab / Branchenexperten zeigen sich alarmiert

Veröffentlicht am 09.11.2018 20:55 von Redaktion RehaNews24

Gleiche Arbeit, gleiches Geld? Nicht für Rehapflegekräfte, wenn es nach dem Bundesgesundheitsministerium geht

Köln: Viele Fachleute aus der Gesundheitsbranche hatten sich in den vergangenen Wochen und Monaten dafür eingesetzt, dass die Bundesregierung Verbesserung am geplanten Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG) vornimmt. Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK)  äußerte sich besorgt zum geplanten Inkrafttreten des Gesetzes. Und auch der Bundesrat rief in seiner Stellungnahme vom 21.09.2018 dringend dazu auf, das PpSG nachzubessern. Morgen, am 09.11.2018 soll das PpSG trotz Protesten im Bundestag verabschiedet werden.

Der Kritikpunkt der Experten: Das Inkrafttreten des PpSG Anfang 2019 gefährde die Rehabranche unmittelbar. Denn während das PpSG Krankenhäuser und Pflegeheime richtigerweise dabei unterstütze, mehr Pflegepersonal einzustellen, indem sie die zusätzlichen Kosten von den Krankenkassen erstattet bekommen, gehen die mehr als 30.000 Rehapflegekräfte in Deutschland leer aus. „Wenn das PpSG in Kraft tritt, wie es jetzt geplant ist, schafft es ungleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Rehakliniken um die wenigen Pflegekräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das gefährdet unsere Branche – und damit die Versorgung der Rehapatienten in Deutschland – enorm“, so Dr. Ursula Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Becker Klinikgruppe. Dennoch lehnt die Bundesregierung weiterhin Verbesserungen für Rehabilitationskliniken ab.

Patientenversorgung gefährdet

Für Dr. Ursula Becker, zu deren Klinikgruppe neun Rehaeinrichtungen gehören, vollkommen unverständlich. Sie befürchtet eine massive Abwerbewelle im umkämpften Markt um Pflegefachkräfte: „Reha-Pfleger werden in den besser bezahlten Akut-Bereich abwandern, was ihnen auch keiner übel nehmen kann. Aber irgendwann werden Rehakliniken schließen müssen, weil sie wegen Personalmangel die Patientenversorgung nicht mehr aufrechterhalten können. Das Gesetz gefährdet in seiner jetzigen Ausführung eine der wichtigsten Säulen des deutschen Gesundheitssystems.“ 

Leidtragende sind die Rehapflegekräfte

Im Gegensatz zu den Akuthäusern ist die Gehaltsentwicklung in Rehabilitationskliniken durch die sogenannte Grundlohnrate gedeckelt. Für Dr. Ursula Becker eine große Ungerechtigkeit: „Die aktuelle Regelung entbehrt jeder Logik. Die Pflegekräfte in unseren Teams leisten ebenso gute Arbeit, wie es die Fachkräfte in den Akuthäusern tun. Dafür wollen wir ihnen auch weiterhin das gleiche Gehalt zahlen können!“ Die Geschäftsführerin möchte sich weiter verstärkt dafür einsetzen, dass das Bundesgesundheitsministerium diese Ungleichstellung anpasst. Dafür hat Becker die Gesprächsoffensive „Rehapflege unter dem Radar“ ins Leben gerufen. Sie und ihre Kollegen/innen der Dr. Becker Klinikgruppe sowie weitere Rehaklinikbetreiber führen seit Mitte des Jahres regelmäßig Gespräche mit Politikern/innen, um sie über das Missverhältnis zu informieren. „Unser Ziel ist es, dass die Bundesregierung das PpSG in seiner aktuellen Fassung überarbeitet und die Rehapflege so stellt, wie sie es verdient: nämlich auf eine Stufe mit der Akut- und Altenpflege!“

Bedarf an Rehabilitationsplätzen ist gestiegen

Und das tut dringend Not. Denn schon jetzt wechseln Pflegekräfte aus Rehaeinrichtungen in die mitunter besser zahlenden Akutkliniken. Damit gerät die Rehabilitationsversorgung im Anschluss an die Krankenhausbehandlung in Gefahr. Während einerseits immer mehr Patientinnen und Patienten immer früher nach Schlaganfällen, Herzoperationen, Endoprothesen und Krebserkrankungen in die Rehabilitation verlegt und dort pflegerisch versorgt werden müssen, sind andererseits Rehabilitationsplätze wegen fehlender Fachkräfte schon heute schwer zu bekommen. Ohne eine Möglichkeit, Preise an stärker steigende Personalkosten anpassen zu können, wird sich der Personalmangel in den Rehabilitationskliniken verstärken. „Noch sind wir personell gut aufgestellt. Unsere Mitarbeiter arbeiten gerne bei uns. Auch, weil sie sich bei uns auf planbare Arbeitszeiten verlassen können und wirklich Zeit für die Patientenbindung da ist. Aber diese Vorteile können extreme Gehaltsunterschiede nicht ewig ausgleichen“, so Dr. Ursula Becker. Die Bundesregierung müsse daher gewährleisten, dass Reha-Kliniken bundesweit ihre Pflegekräfte ebenso gut bezahlen können wie Krankenhäuser und das PpSG dringend überarbeiten, so ihre Forderung.

Dr. Becker Klinikgruppe

Die   Dr.   Becker   Klinikgruppe   ist   ein   inhabergeführtes mittelständisches Familienunternehmen   mit Hauptsitz  in  Köln.  Deutschlandweit  betreiben  die  beiden  Schwestern  Dr.  Petra  Becker  und  Dr.  Ursula Becker  neun  Rehabilitationskliniken  mit  den  Indikationen  Orthopädie,  Neurologie,  Kardiologie  und Psychosomatik sowie drei ambulanten Therapiezentren. Rund 1.300 Mitarbeiter betreuen jährlich 19.000  stationäre und 700 ambulante Patienten. „Wir wollen die Reha des 21. Jahrhunderts gestalten www.dbkg.de

Weitere Informationen zur Gesprächsoffensive erhalten Sie unter: www.dbkg.de/Pflegemangel

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