Brandenburger Konsortium erforscht neue Ansätze zur Schlaganfallrehabilitation im häuslichen Umfeld

Veröffentlicht am 07.03.2012 13:09 von Redaktion RehaNews24

Pressemitteilung

EU-Projekt StrokeBack stößt auf großes internationales Interesse

Frankfurt (Oder), Januar 2012: Das kürzlich gestartete StrokeBack Projekt,  erweckt bereits jetzt großes Interesse in der internationalen  Forschungslandschaft und bestätigt damit die praktische medizinische Relevanz
für diesen Forschungsschwerpunkt. So ist der technische Projektleiter Dr. Steffen
Ortmann eingeladen, die Ziele dieser Forschungsarbeit auf dem 9. Weltkongress
für Gehirnschädigungen am 24. März 2012 in Edinburgh
zu präsentieren. Davor
wird das Projekt auf der Internationalen Konferenz für Gesundheitsinformatik im
portugiesischen Vilamoura vorgestellt. Aufbauend auf diesem wissenschaftlichen
Know-how wird am 11.04.2012 ein Symposium für Telerehabilitation im IHP in
Frankfurt (Oder)
stattfinden. Das Projekt wird im 7. EU-
Forschungsrahmenprogramm (2007-2013) im Forschungsschwerpunkt „Personal
Health Systems (PHS) – Personalisierte Gesundheitssysteme“ gefördert.

Das Ziel von StrokeBack (deutsch: „zurückschlagen“) ist die Entwicklung
eines telemedizinischen Gesamtsystems, das die ambulante Rehabilitation
von Schlaganfallpatienten in deren eigenen vier Wänden unterstützt und
mit minimaler medizinischer und therapeutischer Intervention auskommt.
Es beabsichtigt neue technische Mittel und Service Strukturen zur Verfügung zu
stellen, um den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten zu verbessern,
indem diese die Anzahl und Qualität ihrer Übungsumfänge steigern können und
dennoch vom System beobachtet und angeleitet werden. Durch die
Sicherstellung der korrekten Ausführung therapeutischer Übungen unter
automatischer Anleitung, die durch klinische Kenntnisse reguliert und nur wenn
nötig therapeutisch überwacht werden, bietet das System den Patienten alle
Möglichkeiten selbst sehr viel mehr und in besserer Qualität zu üben als es heute
möglich ist. Dadurch verbessert und beschleunigt StrokeBack den Fortschritt der
Rehabilitation und somit die Lebensqualität des Patienten.

Dazu wird der Patient mit modernsten drahtlosen Sensoren ausgestattet, die
sowohl seinen Gesundheitszustand als Vitalparameter, als auch die Ausführung
von physiotherapeutischen Übungen, überwachen. Das minimal-invasive System
assistiert dem Patienten bei der Ausführung seiner Rehabilitationsmaßnahmen.
Es hat dabei die Aufgabe ihn zu motivieren und gegebenenfalls zu korrigieren.
Da einige dieser Sensoren nicht nur während der Übungseinheiten sondern auch
im Alltag getragen werden, kann das System den tatsächlichen Erfolg der
Übungen in Alltagssituationen überprüfen. Das heißt, das System bestimmt
Umfang, Genauigkeit und Intensität der Alltagsbewegungen und gibt so
Aufschluss über die Wirksamkeit der Therapiemaßnahmen.

Vervollständigt wird das System durch eine persönliche Gesundheitsakte in der
therapeutische Übungen, Übungsergebnisse und Vitaldaten des Patienten
gespeichert werden. Diese Akte bietet alle notwendigen Informationen, die
medizinische und therapeutische Experten benötigen, um den Erfolg der
Rehabilitation beurteilen und entscheidend beeinflussen zu können. Der Patient
erhält somit bisher nicht verfügbare Detailinformationen zur Einschätzung seines
Gesundheitszustandes und ein direktes Feedback zum Erfolg seiner Übungen
und Verbesserungen der letzten Tage und Wochen, um auch deren Motivation
hoch zu halten.

In Europa erleiden mehr als zwei Millionen Menschen pro Jahr einen
Schlaganfall. Diese Menschen verlieren einen Teil ihrer physischen und
kognitiven Fähigkeiten, zumindest für eine gewisse Zeit. Mehr als ein Drittel
dieser Patienten – mehr als 670.000 pro Jahr – kehren mit Einschränkungen in ihr
gewohntes Lebensumfeld zurück und ihre Lebensqualität ist erheblich
vermindert. Zusätzlich wird mit zunehmendem Durchschnittsalter der
Bevölkerung auch die Anzahl der Schlaganfallpatienten steigen. Experten sagen
für die nächsten Jahrzehnte einen Anstieg um das Dreifache der heutigen Fälle
voraus. Damit wird ein enormer Druck in punkto Kosten und Pflegequalität auf die
Gesundheitssysteme zukommen.

Da sich im Zuge des demografischen Wandels gerade im Flächenland
Brandenburg sich dies besonders auswirkt, passt das Projekt hervorragend in
den Masterplan „Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg“. Deshalb haben das
brandenburgische Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
und die ZukunftsAgentur Brandenburg das Projekt bereits in der Antragsphase
befürwortet und weitere Unterstützung zugesichert.

„Das anvisierte System wird Patienten befähigen, selbst sehr viel mehr für den
Rehabilitationsfortschritt beizutragen, als es heutzutage möglich ist, ohne auf
therapeutische Anleitungen verzichten zu müssen. Es versorgt medizinische
Experten mit bisher nicht verfügbaren Informationen über individuelle Prozesse
und kann daher zu einem besseren Verständnis des Rehabilitationsprozesses,
dessen Geschwindigkeit und Qualität beitragen. Wir erhoffen uns damit
notwendige Kosten einzudämmen und dennoch die Lebensqualität der Patienten
steigern zu können“ erklärt Dr. Steffen Ortmann, technischer Projektleiter am
IHP.

Das Projekt wird von einem Konsortium unter Leitung des Leibniz-Instituts für
innovative Mikroelektronik (IHP) in Frankfurt (Oder) durchgeführt. Den
Projektumfang von insgesamt 4,3 Millionen EURO fördert die Europäische
Kommission mit 3 Millionen EURO. Neben den vier brandenburgischen Partnern
IHP Frankfurt (Oder), Brandenburg Klinik Bernau bei Berlin, MEYTEC
Informationssysteme in Werneuchen und der Universität Potsdam, beteiligen sich
die INTRACOM TELECOM (Griechenland), die Universität von Southampton
(Großbritannien), die Universität von Pannonia (Ungarn) and Research for
Science, Art and Technology LTD (Großbritannien) an dem Projekt. Mit einem
zweitätigen Treffen aller beteiligten Partner am IHP in Frankfurt (Oder) ist das
europäische Forschungsvorhaben „StrokeBack – Telemedicine System
Empowering Stroke Patients to Fight Back“ erfolgreich gestartet.

Weitere Information zu diesem Projekt sind verfügbar unter: www.strokeback.eu

Ansprechpartner:

Heidrun Förster                                                                              Dr. Steffen Ortmann
Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit                                   Techn. Projektleiter
Tel: 0335 5625 204                                                                         Tel: 0335 5625 723
Fax: 0335 5625 222
Email: foerster@ihp-microelectronics.com                         ortmann@ihp-microelectronics.com

Über das IHP:

Das IHP ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und betreibt Forschung und
Entwicklung zu siliziumbasierten Systemen, Höchstfrequenz-Schaltungen und –
Technologien einschließlich neuer Materialien. Es erarbeitet innovative Lösungen
für Anwendungsbereiche wie die drahtlose und Breitbandkommunikation, Luft-
und Raumfahrt, Biotechnologie und Medizin, Automobilindustrie,
Sicherheitstechnik und Industrieautomatisierung. Das IHP beschäftigt ca. 300
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es verfügt über eine Pilotlinie für technologische
Entwicklungen und die Präparation von Hochgeschwindigkeits-Schaltkreisen mit
0,13/0,25 µm-BiCMOS-Technologien, die sich in einem 1000 m² großen
Reinraum der Klasse 1 befindet.

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