Bade

 

Beim Entlassmanagement verlangt das Schiedsamt vom Gesundheitssystem Unmögliches!

Der Rahmenvertrag zum Entlassmanagement zeigt vor allem auf der Prozessebene erhebliche Schwachstellen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat am 9. Januar 2017 Klage beim Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg gegen die Festsetzung des Rahmenvertrages zum Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V durch das erweiterte Bundesschiedsamt eingelegt. Die Klage hat, gemäß DKG, aufschiebende Wirkung, sodass die Rechtswirkungen des Rahmenvertrages bis zum Abschluss des Klageverfahrens suspendiert sind. Die DKG beabsichtigt, rein vorsorglich, auch die Kündigung des festgesetzten Rahmenvertrages zum 30.06.2018. Die nachfolgenden Ausführungen gelten unter Vorbehalt der Entscheidung des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg über die Anfechtungsklage.

Zielsetzung des Rahmenvertrages sei, dass der Patient und seine Bedürfnisse im Zentrum der Bemühungen aller an der Versorgung beteiligten Personen stünden. Gut gemeint, aber mit der am 13. Oktober 2016 getroffenen Schiedsamtentscheidung zum Entlassmanagement nicht zu verwirklichen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht vom bürokratischen Super-GAU und betrachtet selbstverständlich den Krankenhausbereich. Die DKG rechnet auch gleich aus, dass mindestens 50 Millionen Minuten Arbeitszeit gebraucht und jährlich 38 Millionen Blatt Papier durch das Ausfüllen von zwei Formblättern generiert würden.

Der AOK-Bundesverband macht bei seiner Betrachtung zum Rahmenvertrag Entlassmanagement einen kleinen Ausflug in das Wirtschaftsgeschehen außerhalb des Gesundheitswesens. Danach seien die Patienten Kunden der Krankenhäuser und diese hätten einen Anspruch auf einen After-Sales-Service, sprich Entlassmanagement. Erfolgreiche Unternehmen verfügten über einen derartigen Service und könnten damit Kunden an sich binden. Warum solle das Krankenhäusern nicht auch gelingen, so der AOK Bundesverband.

Damit meint die AOK wohl, dass das System kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen braucht. Eine Refinanzierung der anfallenden Kosten für das Bereitstellen des notwendigen Fachpersonals und der Leistungserweiterung für das Entlassmanagement sieht der Rahmenvertrag deshalb gar nicht vor. Der hausärztlich-geriatrische Betreuungskomplex wird bei niedergelassenen Ärzten mit € 16,59 pro Behandlungsfall vergütet – das Fachpersonal in Krankenhäusern erhält für vergleichbare Aufgaben kein Geld. Kein Wunder, dass die Kassen von einem After-Sales-Service der Krankenhäuser sprechen. Denn § 2 Absatz 3 des Rahmenvertrages schreibt den Anspruch des Patienten auf ein Entlassmanagement im Rahmen der Krankenhausbehandlung gegenüber dem Krankenhaus fest, gegenüber der Kranken- bzw. Pflegekasse besteht nur ein Anspruch auf Unterstützung.

Prozesse eines standardisierten Entlassmanagement mit multidisziplinärer Zusammenarbeit von Ärzten, Psychotherapeuten, Pflegepersonal, Sozialdienst, Krankenhausapothekern und weiteren beteiligten Berufsgruppen sind extrem komplex. Gemäß Rahmenvertrag erfolgt unter Verantwortung des Krankenhausarztes ein geeignetes Assessment und der patientenindividuelle Bedarf für die Anschlussversorgung soll möglichst frühzeitig erfasst und ein Entlassplan aufgestellt werden. Die Komplexität eines Entlassmanagements hat wohl auch das Schiedsamt erkannt, denn zukünftig wird zwischen patientenindividuellem Bedarf und komplexem Versorgungsbedarf nach der Entlassung unterschieden.

Für Patienten und Angehörige wird die Situation dadurch nicht gerade überschaubarer. Stellen die Beteiligten im Rahmen des Assessments einen Versorgungsbedarf explizit für die Anschlussversorgung nach Krankenhausbehandlung fest, kann das Krankenhaus frühzeitig Kontakt zum weiterbehandelnden und ggf. weiterversorgenden Leistungserbringer aufnehmen, um die Überleitung des Patienten anzubahnen. Das macht auch Sinn, denn die durchschnittliche Verweildauer von Patienten in deutschen Krankenhäusern liegt bei 7,4 Tagen. Hat der Krankenhausarzt aber genehmigungspflichtigen Bedarf erkannt (z.B. häusliche Krankenpflege, genehmigungspflichtige Hilfsmittel) muss das Krankenhaus den Kontakt zur Kranken- bzw. Pflegekasse noch vor der Einbindung eines entsprechenden Leistungserbringers aufnehmen. Durch die patientenbezogene Abstimmung in den genannten Bereichen leitet die Kranken- bzw. die Pflegekasse das Antrags- bzw. Genehmigungsverfahren umgehend ein und nimmt Beratungspflichten gegenüber dem Patienten wahr. Dafür stellen bundesweit alle Krankenkassen ab 1. Juli 2017 zu ihren Geschäftszeiten die telefonische Erreichbarkeit eines für die Unterstützung des Entlassmanagements verantwortlichen Ansprechpartners sicher.

Den Prozess Entlassmanagement nach dem Rahmenvertrag schlüssig durchzudeklinieren ist nicht möglich. Am Tag der Entlassung soll der Patient und mit dessen Einwilligung der die Anschlussversorgung durchführende Arzt einen Entlassbrief, mindestens jedoch einen vorläufigen Entlassbrief erhalten. Zusätzlich ist verpflichtend eine Rufnummer eines zuständigen Ansprechpartners für Rückfragen der weiterbehandelnden Leistungserbringer anzugeben. Kenner im deutschen Gesundheitswesen werden schnell feststellen, dass diese „eine Rufnummer“ bei weiterbehandelnden Leistungserbringern nicht existiert, zusätzlich muss der Datenaustausch mit den Kostenträgern bei allen genehmigungspflichtigen Leistungen ratzfatz gehen, sonst weiß weder Patient noch Krankenhaus welche Leistungserbringer die Nachsorge übernehmen. Trotz allem muss aber das Krankenhaus gemäß § 8 Absatz 1 des Rahmenvertrages den Informationsaustausch mit den an der Anschlussversorgung des Patienten beteiligten Leistungserbringern sicherstellen. Ohne Digitalisierung und die entsprechenden IT-Strukturen ist das nicht umzusetzen. Man darf gespannt sein, ob bis 1. Juli 2017 IT-Strukturen vorhanden und juristische Fallstricke geklärt sind. Die Justitiare haben natürlich im Rahmenvertrag verankert, dass bei allen verordneten Leistungen das Recht des Patienten auf freie Wahl des Leistungserbringers sowie § 128 SGB V zu beachten sind. Jeder Krankenhausarzt weiß natürlich, dass anderweitige gesetzliche Regelungen dem entgegenstehen können, trotz alledem ist die Bevorzugung eines Anbieters nicht statthaft. Vereinbarungen oder Absprachen zwischen Krankenhäusern und Apotheken oder sonstigen Leistungserbringern veranlasster Leistungen, die auf eine Zuweisung von Patienten abzielen, sind unzulässig.

Da ein Entlassmanagement im Sinne von Case-Management nicht ohne Zuweisung an nachsorgende Leistungserbringer umzusetzen ist, bietet der Rahmenvertrag ein findiges Ergebnis, das aber an der Umsetzbarkeit scheitert, da Krankenkassen nicht über das notwendige Personal verfügen und die Frage nicht beantwortet wird, wer eigentlich was macht. Nach § 10 Absatz 1 ist es Aufgabe der Krankenkasse, gemeinsam mit dem Krankenhaus, rechtzeitig vor der Entlassung die für die Umsetzung des Entlassplans erforderliche Versorgung zu organisieren, etwa die notwendigen Leistungserbringer zu kontaktieren (z. B. Vertragsärzte, Reha-Einrichtungen, ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen) und für deren zeitgerechten Einsatz zu sorgen.

Zwar forcierten gesetzliche Änderungen zum Entlassungsmanagement eine oberflächliche Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe, doch bedarf es für die Etablierung tragfähiger Formen der integrierten und kooperativen Gesundheitsversorgung weiterer Voraussetzungen und Anstrengungen, die weit über den Rahmenvertrag Entlassmanagement hinausgehen. Da im Gesundheitswesen niemand für Aufbau und Pflege der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen strukturell verantwortlich und eine Finanzierung nicht gewährleistet ist, bleibt Interdisziplinarität auch nach der Schiedsamtsentscheidung ohne Leben.

Interdisziplinäre Kooperationen in der regionalen Gesundheitsversorgung brauchen funktionierende IT-Lösungen, digitale Prozessabläufe und klare, rechtssichere Verantwortlichkeiten. Nach Vorliegen der Schiedsamtsentscheidung müssen Entlassmanagement Strukturen weiterhin finanziell durch Fördergelder oder Modellvorhaben unterstützt werden, da der Rahmenvertrag die Finanzierung eines Case-Managements nicht vorsieht. Fördergelder oder Drittmittel sind aber langfristig nicht tragfähig, weil daraus weder für Kranken- oder Pflegekassen noch Leistungserbringer rationale Finanz-, Personal- und Geschäftspläne entwickelt werden können.

Anläßlich der DEGEMED Veranstaltung am 25.11.2016 in Berlin wird der Autor zum Rahmenvertrag Entlassmanagement referieren:

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V. (DEGEMED): Anforderungen an ein Versorgungs- und Entlassmanagement in Reha-Kliniken, 25.11.2016, Berlin.

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Erst die Zusammenführung von Technik und Dienstleistungen macht die Wohnung zum dritten Standort für Gesundheit!

Bundesweit mit Vorbildcharakter – Ermündigung® stellt zertifiziertes Qualitätsmanagement System auf dem Zukunft Lebensäume Kongress 2016 in Frankfurt vor!

Im April 2016 wurde Ermündigung®, ein Unternehmensbereich der OTB GmbH, nach der Normenreihe DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert. „Erst die Umsetzung eines Qualitätsmanagements in den Bereichen Technik sowie angrenzender Gesundheits- und Versorgungsdienstleistungen gewährleistet eine prozessorientierte und gut abgestimmte Betroffenenversorgung“, sagt Tiago da Silva, Geschäftsführer der OTB GmbH. Auf dem diesjährigen Zukunft Lebensräume Kongress in Frankfurt war Ermündigung® am 20. und 21. April 2016 mit einem Messestand vertreten. Zusätzlich referierte der Geschäftsführer, Tiago da Silva, vor dem Fachpublikum.

Das Ermündigung® Management System verfolgt als Ziele Telematik-Anwendungen, wohnraumverbessernde Maßnahmen und technische Assistenzsysteme in einem qualitätsgesicherten Prozess – von der Analyse bis zur erfolgreichen Umsetzung bei der Gesundheitsversorgung – bereitzustellen und die Nutzung und Einhaltung von definierten und relevanten Qualitätsstandards sicherzustellen.

Die Zusammenführung von Technik und angrenzenden Dienstleistungen in einem Managementsystem schafft die Voraussetzung vernetzte Sensorsysteme, wohnraumverbessernde Maßnahmen und Gesundheitstelematik zur Unterstützung des selbstbestimmten Wohnens in der eigenen Wohnung installieren, verwalten, betreuen und bewerten zu können. Durch die Festlegung von interoperablen Dateninhalten und -strukturen wird die Voraussetzung geschaffen, die Zusammenarbeit von Einrichtungen (Arztpraxen, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen, Pflege) zu gewährleisten. Mit interoperablen Dateninhalten wird erreicht, dass Daten nicht nur sicher ausgetauscht werden, sondern auch in den empfangenden IT-Systemen der verschiedenen Anwender zielgerichtet weiter genutzt werden können. Erforderliche Kompetenzen in den relevanten Bereichen wie Versorgungsmanagement, Telematik und Gesundheitsökonomie werden dadurch gleichwertig abgedeckt.

Zur Stärkung einer Ergebnisorientierung für Leistungserbringer, Kostenträger und medizin-technische Industrie werden konsequent Versorgungsziele als wesentliche Anforderung gesetzt. Wesentliche Elemente der Ziellösung und der Erfolgskriterien sind strukturierte Kernprozesse und die systemischen Wirkungszusammenhänge mit den Unterstüzungsprozessen. Diese Prozesse sichern mittels transparenter Abläufe und definierter Qualitätskriterien die Interoperabilität und die Etablierung von Anwendungen in der alltäglichen Versorgungspraxis.

Für den Bereich von Verfahrens- und Arbeitsanweisungen wurde ein strukturierter Prozess zur Entwicklung, Bewertung und Nutzung von Anforderungen, Profilen und anderer Spezifikationen entwickelt. Über strukturierte, digitale Formate werden der Einsatz von Telematik Anwendungen und technischer Assistenzsystem im häuslichen Bereich mit einem zentralen Datenmanagement verbunden. Das Ermündigung® Datenmanagement ist eine strukturierte, gepflegte Sammlung von anonymisierten Versorgungsprofilen sowie unterstützenden Dokumenten (Ergebnismessung).

„Elementarer Bereich unseres Qualitätsmanagements bildet die Prozessebene Schulung und Support“, führt da Silva weiter aus. In diesem Kernprozess wird der Betroffene, seine informell und formell Pflegenden sowie Ärzte über Einsatz und Anwendung technischer Assistenzsysteme und digitaler Anwendungen geschult. Das Ziel ist der sichere Umgang mit allen Systemkomponenten. Die Prozessebene Schulung und Support zielt darauf ab, den Betroffenen und seinen Dienstleistern bei allen Funktionen, Fragen zu und technischen Problemen von Systemkomponenten zu unterstützen. Eine prozessorientierte Dokumentation und Evaluation aller Anwendungen und Dienstleistungen trägt dazu bei, Wirksamkeit und Effizienz von Gesundheitsfürsorge und Krankheitsvorbeugung zu verbessern, da sich Betroffene, Angehörige, Leistungserbringer und Kostenträger ein genaueres Gesamtbild über den Einsatz technischer Assistenzsysteme machen können.

Die erlangte Auszeichnung für Ermündigung® durch das Qualitätsmanagement Zertifikat der mdc medical device certification GmbH macht deutlich, dass systematisch und erfolgreich an der Optimierung einer Betroffenenbetreuung und -versorgung gearbeitet wird.
„Alle unsere Dienstleistungen müssen sich zukünftig daran messen lassen, inwieweit es ihnen gelingt, die häusliche Lebens- und Pflegesituation von Betroffenen zu stabilisieren und dadurch Teilhabe sowie Selbstbestimmung zu sichern“, betont Kristina Hede, Qualitätsmanagementbeauftragte der OTB GmbH. Erst dadurch schaffen wir die Wohnung als dritten Standort für Gesundheit. Grundlagen bilden die individuelle Lebenswelt und das Alltagsmanagement der Menschen, die es zu erfragen, zu erfassen und aufzugreifen gilt.

Dadurch schafft das Ermündigung® Qualitätsmanagement System die Voraussetzungen für Kranken- und Pflegekassen, Gesundheitstelematik und technische Assistenzsysteme in Leistungskataloge und Satzungsleistungen aufzunehmen, um sie auf dem “Ersten Gesundheitsmarkt” zu etablieren, und deren Leistung somit zu vergüten. „Mit unserem Management System sind wir in der Lage die Kassen auch von tatsächlichen Einsparpotentialen zu überzeugen“ betont da Silva.

Pressekontakt:

OTB GmbH
Meeraner Straße 7
12681 Berlin
Anja Schlicht
Telefon: 030-549873-161
E-Mail: a.schlicht@otb.info

Ermündigung® Webseite

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Wer managt erfolgreich Entlassungen aus dem Krankenhaus?

Ist es der niedergelassene Arzt, das krankenhausnahe MVZ, die App auf Tablet und PC oder der Fallmanager im Krankenhaus?

Mit dem GKVseminar_2016_2-Versorgungsstärkungsgesetz hat die Bundesregierung die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen zum Entlassmanagement konkretisiert und erweitert. Antworten auf die Fragen wurden aber nicht gegeben. Wie das neue Verordnungsrecht für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel sowie häusliche Krankenpflege von Krankenhäusern im Detail auszulegen ist, hat der Gemeinsame Bundesausschuss in seinen Richtlinien zum Jahresanfang bestimmt. Ob Krankenhäuser die Aufgaben des Entlassungsmanagements auf einen niedergelassenen Arzt oder ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) übertragen werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Rahmenverträge der Selbstverwaltung bieten leider nur ungenügend Handlungsszenarien für betroffene Leistungserbringer und es herrscht nach wie vor Unsicherheit im Markt, welche Aspekte besonders zu beachten sind.

In einem Tagesseminar am 26. April 2016 in Berlin wird die optimale strategische und organisatorische Aufstellung für das Management von Krankenhaus Entlassungen und dem Aufbau von notwendigen Netzwerkorganisationen vermittelt.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. med. Burkhard John, wird die Sicht der niedergelassenen Ärzte beim Entlassungsmanagement beleuchten. Managementberater Thomas Bade bringt alle Seminarteilnehmer auf den neuesten Stand bezüglich sozialrechtlicher Anforderungen, referiert über begleitende Regelungen durch Gemeinsamen Bundesausschuss und GKV Spitzenverband und betrachtet die Ausrichtung an eine erforderliche Digitalisierung. Die dringende digitale, intersektorale Patientenkoordination und Prozesssteuerung für Ärzte, Kliniken, Dienstleister und Patienten wird von Prof. Dr. Alexander Alscher, Geschäftsführer samedi GmbH, detailliert dargestellt.

Agenda, Anmeldung, PDF Programm

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Der Gemeinsame Bundesausschuss konkretisiert das Entlassungsmanagement!

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Entlassungsmanagement der Zukunft

Ein einheitliches Verfahren zur Umsetzung des sozialrechtlichen Anspruchs auf ein Entlassungsmanagement nach Krankenhausaufenthalt gibt es in Deutschland bisher nicht. Jedes Krankenhaus und jede nachsorgende Einrichtung haben seit Jahren zu den Themen „Entlassung“ oder „Überleitung“ eigene Vorstellungen. Valide Versorgungsanalysen liegen schon gar nicht vor und der Gesetzgeber versucht durch ständige Anpassung der Sozialgesetzbücher Leistungserbringer und Krankenkassen zum Handeln zu bringen. Nun handelt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), mit wichtigen Folgen für alle Player im Markt.
Im Juni 2014 hatte der G-BA die Erarbeitung einer Konzeptskizze für ein einrichtungsübergreifendes und möglichst sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren für das Entlassungsmanagement beim AQUA-Institut in Auftrag gegeben. Ein Jahr später hat das AQUA-Institut einen Bericht über Qualitätsdefizite und Verbesserungspotenziale zum Entlassungsmanagement veröffentlicht und Qualitätsziele abgeleitet. Die Konzeptskizze wurde am 17. September 2015 vom G-BA abgenommen. Über die weitere Umsetzung entscheidet der G-BA wahrscheinlich Mitte 2016. In der Konzeptskizze Entlassungsmanagement werden erstmalig Fragestellungen und Prozessabläufe zum Entlassungsmanagement konkretisiert, die Eignung von Erhebungsinstrumenten geprüft sowie Empfehlungen ausgearbeitet.
Auf Basis der Versorgungsanalysen im Rahmen der Themenerschließung wurden Potenziale zur Qualitätsverbesserung hinsichtlich der patientenrelevanten Endpunkte

  • ungeplante Wiederaufnahmen,
  • ambulante Notfallbehandlungen,
  • Versorgungslücken nach der Beendigung des Krankenhausaufenthalts sowie
  • Selbstbestimmtheit und Kompetenz des Patienten im Versorgungsprozess

ermittelt.
Viele Leistungserbringer, die sich mit dem Thema in den letzten Jahren beschäftigt haben, werden sagen, dass sie das alles schon wussten. Aber der G-BA liefert erstmals Fakten, die so manchen Krankenhausdirektor und Kassenchef überraschen werden.
Das Phänomen des Drehtüreffektes wurde durch Hochrechnungen anhand von Routinedaten einer Krankenkasse bei 14 % (N = 10.401.752) der Krankenhausfälle als Wiederaufnahme innerhalb von  30 Tagen identifiziert. Am sechsten Tag nach einer Entlassung aus einem Krankenhaus wurden auf das gesamte Jahr bezogen über 80.000 Fälle wieder aufgenommen. Ambulante Notfallbehandlungen innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung wurden bei 5 % (N = 10.401.752) aller aufgetretenen Krankenhausfälle evident. So manches Krankenhaus mit etablierten Entlassungsmanagement wird überrascht sein, dass ein Drittel der Notfallkontakte bereits in den ersten vier nachstationären Tagen stattfand.

Interpretiert man diese Zahlen als Fehlversorgung oder sogar Behandlungsfehler stellt sich die Frage nach Verantwortlichkeiten und Konsequenzen. Offensichtlich hat der G-BA erkannt, dass der sozialrechtliche Anspruch auf ein Entlassungsmanagement bei vielen Leistungserbringern ein negatives Image hat. Bisher wurde der Begriff vom Gesetzgeber nicht genau definiert und notwendige Leistungen können im Fallpauschalen System der Krankenhäuser oder durch Vergütungsregelungen im ambulanten Bereich nicht refinanziert werden. Probleme von Zuweisungen gegen Entgelt und unzulässiger Kooperationen erschweren zusätzlich so manch gut gemeinte Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und nachsorgenden Leistungserbringern. Daher wurde in dem Konzeptpapier die Finanzierung des Entlassungsmanagements als generelles Problem angesprochen. Gutes Entlassungsmanagement koste auch was, steht im Anhang D3 zu lesen. Vorstellbar für den G-BA wäre, dass für Fälle, bei denen Leistungen durch ein initiales Assessment ausgelöst wurden, eine Vergütung des Entlassungsmanagements von 50€ pro Fall erfolge. Eine Beratung zur Pflegeversorgung könne auch als regelhafte Leistung von ambulanten Pflegediensten übernommen werden, so der G-BA.
Die vom AQUA-Institut identifizierten patientenrelevanten Endpunkte beim Entlassungsmanagement manifestieren sich vornehmlich in der Lebenswirklichkeit des Patienten in seinem Sozialraum (Wohnraum, Pflege, Hilfsmittel) und können daher auch nur von den nachsorgenden Leistungserbringern erfasst und bewertet werden. Voraussetzung zur Bewältigung dieser Aufgaben seien eine funktionierende Informationsübermittlung und gute Patientenzuweisung, so die AQUA Experten. Wenn die Konzeptskizze vom G-BA in den Regelbetrieb übernommen werden sollte, wird sehr deutlich, dass bisher keine einheitlichen Kommunikationsstrukturen, Arbeitsplattformen und Kennzahlensysteme für Entlassungsmanagement Projekte vorliegen. Da das AQUA-Institut die Befragung der nachsorgenden Leistungserbringer für die Abbildung von Qualitätszielen als am besten geeignet einschätzt, müssten vor allem bei den ambulanten Diensten der Pflege, Hilfsmittel- und HomeCare-Versorgung die notwendigen Prozesse rechtzeitig aufgebaut werden. Ein zeitaufwendiger Prozess, da für die Dokumentation alle Leistungserbringer eine zertifizierte QS-Dokumentations-Software benötigen.
Die Konzeptskizze Entlassungsmanagement stellt einen ersten Schritt zur Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens dar, mit der zunächst geklärt werden soll, ob ein solches Verfahren grundsätzlich realisierbar ist. Die Krankenkassen werden aber die 176 Seiten schon jetzt sehr aufmerksam lesen, da die Zahlen zu Wiederaufnahmen und Notfallbehandlungen jeden Medizincontroller zum Nachdenken bringen. Mit Blick auf selektiv Verträge, Modellprojekte und Innovationsfonds sollten sich Pflegedienste, Sanitätshäuser und HomeCare Unternehmen verstärkt mit Assessment-Verfahren im häuslichen Bereich und der Abbildung von Hilfsmittelversorgungen mit Positionsnummern befassen.

Der Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege müsste dabei für den stationären sowie häuslichen Bereich eine Schlüsselfunktion übernehmen. Kognitive Softwarelösungen könnten Mobilitätsdefizite durch Assessment identifizieren, Mobilitätsbedürfnisse einschätzen, einen geeigneten Versorgungsplan zusammenstellen, die Versorgungsleistungen steuern sowie die Resultate und Ergebnisse an Krankenhäuser oder Rehabilitationseinrichtungen liefern.

Ausführliche Informationen mit Handlungshinweisen zur Konzetskizze.

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Erste „Ermündigungswohnung“ eröffnet

Senator Mario Czaja (Gesundheitssenator Berlin), Prof. Birgit Wilkes (Technische Hochschule Wildau), Brigitte Bührlen (WIR! Stiftung) und Tiago da Silva (Geschäftsführer OTBGmbH & Co. KG)

Musterquartier bietet auf 140 Quadratmetern 88 Assistenzsysteme, die das Leben in den eigenen vier Wänden komfortabler und sicherer machen.

Berlin, den 24.11.2014

  Senator Mario Czaja (Gesundheitssenator Berlin), Prof. Birgit Wilkes (Technische Hochschule Wildau), Brigitte Bührlen (WIR! Stiftung) und Tiago da Silva (Geschäftsführer OTBGmbH & Co. KG)

Senator Mario Czaja (Gesundheitssenator Berlin), Prof. Birgit Wilkes (Technische Hochschule Wildau), Brigitte Bührlen (WIR! Stiftung) und Tiago da Silva (Geschäftsführer OTBGmbH & Co. KG)

Die erste „Ermündigungswohnung“, die das Leben in den eigenen vier Wänden komfortabler und sicherer macht, wurde gestern in der Meeraner Straße in Berlin-Marzahn eröffnet. Der auf orthopädische und technische Hilfsmittel spezialisierte Gesundheitsdienstleister OTB errichtete diese einzigartige Musterwohnung in Kooperation mit 44 Partnern aus Forschung, Industrie und Dienstleistung, die in dem Quartier insgesamt 88 den Alltag erleichternde Assistenzsysteme integriert haben.

Auf einer Gesamtwohnfläche von 140 Quadratmetern wird eine klassische Wohnsituation dargestellt – mit Wohn-, Schlaf- und Badezimmer sowie Flur, Küche und WC. Alle dort installierten technischen Komponenten und Funktionen sind bereits auf dem Markt erhältlich.
Den gewählten Begriff „Ermündigungswohnung“ erläutert OTB-Geschäftsführer Geschäftsführer Tiago da Silva, der das Projekt – von der Idee bis zur Fertigstellung – innerhalb von zwölf Monaten mit seinem Team realisierte, wie folgt: „Wir wollen in dieser Wohnung zeigen, wie Menschen durch innovative Technik zu bezahlbaren Preisen in die Lage versetzt werden, ihr Leben gesichtswahrend so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu organisieren. Damit wenden sie eine drohende Entmündigung ab. Insofern sprechen wir hier von der ersten Ermündigungswohnung in Deutschland, die in Berlin-Marzahn entstanden ist.“

Zur Ausstattung der Musterwohnung zählt u. a. ein elektrischer Kleiderlift, der Bekleidung platzsparend hoch oben in Schränken verstaut und auf Knopfdruck herunterfährt. Ähnlich funktioniert ein Gardinenlift, der älteren oder gebrechlichen Menschen die riskante Nutzung der Leiter erspart und die Gardinen, wenn sie gereinigt werden sollen, elektrisch absenkt. Praktisch für Menschen aller Altersgruppen sind beleuchtete Sockelleisten, die mit einem Funkschalter oder Bewegungsmelder gekoppelt sind und nachts beispielsweise den Weg ins Bad ausleuchten. In der Küche wurden u. a. absenkbare Oberschränke und ein automatisch abschaltbarer Herd installiert, der mit einem Bewegungssensor kombiniert ist. Ein hoch innovatives Ausstattungselement ist die Heizung mit selbstlernender Einzelregelung. Über Sensoren „erlernt“ die Heizung das Verhalten des Bewohners in den einzelnen Räumen und passt dementsprechend die Raumtemperatur an. Im Bad wurden neben der barrierefreien Einrichtung auch multifunktionale Fenstergriffe montiert. Diese verfärben sich bei hoher Luftfeuchtigkeit oder geben Signale an einen Pflegdienst, falls ein beispielweise dementer Bewohner über Tage nicht den Raum lüftet. Eine ähnliche Funktion erfüllt ein Wasserflusssensor, der eine Meldung an Angehörige oder die Pflegezentrale auslöst, wenn über einen längeren Zeitraum kein Wasser entnommen wird.

In der Musterwohnung werden neben antizipierten Unterstützungsszenarien auch diesich bietenden Möglichkeiten familiärer und institutioneller Hilfen vorgestellt. Darüber hinaus bietet das Projekt praktische Hilfen an, wie ältere Menschen bei eingetretener Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit eigenverantwortlich Entscheidungen hinsichtlich der Umrüstung ihrer bestehenden Wohnung mit sinnvollen Assistenzsystemen treffen können.

Professor Birgit Wilkes von der Technischen Hochschule Wildau, die die Schirmherrschaft über das Projekt hat, erläuterte bei der gestrigen Eröffnung den Nutzen der Musterwohnung: „Sie ist angelegt wie ein Supermarkt – man findet fast alle Lösungen. Aber am Ende kauft der Kunde genau die Dinge, die für ihn sinnvoll und hilfreich sind. Nahezu alle technischen Lösungen, die hier vorgestellt werden, sind sowohl in Eigenheimen als auch in Geschosswohnungen nachrüstbar, ohne die Wände aufreißen zu müssen.“

Berlins Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) würdigte die „Ermündigungswohnung“ in der Meeraner Straße als Leuchtturmprojekt der Berliner Gesundheitswirtschaft: „Hier wird anschaulich demonstriert, wie Menschen vielfältige Hilfe in den eigenen vier Wänden erhalten und damit lange in ihrem privaten Umfeld leben können, auch wenn sie pflegebedürftig werden.“ Derzeit, so Czaja, gebe es in Berlin 100.000 pflegebedürftige Menschen, von denen die Hälfte von eigenen Angehörigen gepflegt würde. Dies sei oft nicht leicht, da 95 Prozent der Wohnungen nicht altersgerecht ausgestattet seien.
Die Musterwohnung in der Meeraner Straße 7 kann von jedermann besichtigt werden.
Öffnungszeiten:
Dienstag 10.00-12.00 Uhr
Donnerstag 15.00-17.00 Uhr
Individuelle Terminvereinbarungen sind per E-Mail (info@ermuendigung.de) möglich.

Internetseite: www.ermuendigung.de

Bildmaterial:  Senator Mario Czaja (Gesundheitssenator Berlin), Prof. Birgit Wilkes (Technische Hochschule Wildau), Brigitte Bührlen (WIR! Stiftung) und Tiago da Silva (Geschäftsführer OTBGmbH & Co. KG)

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Erster Qualitätsbericht für die Hilfsmittel- und HomeCare-Versorgung

In Düsseldorf wurde am 25. September 2014 der deutschlandweit erste Qualitätsbericht für die Hilfsmittel- und HomeCare-Branche vorgestellt. Die Vorlage des Berichts durch die OTB GmbH & Co. KG ist ein Durchbruch auf dem Weg zu einer gesicherten Überprüfbarkeit der Versorgungs- und Ergebnisqualität von Leistungserbringern nach § 126 SGB V und ein wesentlicher Schritt hin zu mehr Transparenz. „Der Qualitätsbericht wird einen Beitrag zur notwendigen Diskussion über Qualität und Nachweisorientierung leisten“, betont Tiago da Silva, geschäftsführender Gesellschafter der OTB GmbH & Co. KG, bei der Übergabe des Qualitätsberichts an Carla Grienberger, Referatsleiterin Abteilung Hilfsmittel GKV-Spitzenverband, auf der Rehacare.

Vor allem Patienten, Angehörige, Ärzte und Krankenkassen erhalten damit erstmals Informationen und Entscheidungshilfen im Vorfeld eines Versorgungsfalls über Versorgungsqualität, die wesentlichen Strategien und unterstützenden Leitlinien. Der Qualitätsbericht ist nach dem Modell der Europäischen Stiftung für Qualitätsmanagement (EFQM) strukturiert und entsprechend der dort definierten Kriterien für Qualitätsmanagement aufgebaut. „Mit dem EFQM-Modell für Excellence will die OTB alle relevanten – und sich ständig weiterentwickelnden – Anforderungen dynamisch und fortlaufend integrieren und eine Methode vor allem zur Beurteilung der Ergebnisqualität einrichten“, sagt Kristina Hede, Leiterin Qualitätsmanagement bei der OTB GmbH & Co. KG.

Die Vorstellung des ersten Qualitätsberichts seiner Art in Deutschland ist ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Diskussion über die Ergebnismessung von Hilfsmittel- und HomeCare-Versorgungen. Der Bericht stellt eine systematische Organisations- und Qualitätsbeschreibung der OTB GmbH & Co. KG und seiner Dienstleistungen dar. Er dokumentiert die Entwicklung des Unternehmens seit seiner Umstrukturierung im Jahr 2012 und beschreibt Stärken, aber auch Verbesserungspotenziale. Auf mehr als 60 Seiten werden die wichtigsten Qualitätsmerkmale beschrieben. Zugleich zeigt der Qualitätsbericht, wo Verbesserungsbereiche liegen und welche Schritte zu deren Optimierung unternommen werden. Mit dem Qualitätsbericht, der die Umsetzung von strategischen und operativen Zielen der OTB darstellt, wird vor allem der Dialog mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern gesucht. Er verknüpft Leistungsversprechen und Mission des Unternehmens mit der Beschreibung, was Mitarbeiter in den Vertriebsregionen tun, um diese einzuhalten.

„Die über das Dokument vermittelte Transparenz erleichtert den Transfer des Lernens und guter Praktiken untereinander und bietet Hilfestellung bei der Priorisierung, Ausrichtung und Umsetzung von Verbesserungen sowie beim Erkennen und Transfer von exzellenten Praktiken“, erläutert Thomas Bade, dessen Management Beratung an der Erstellung des Berichts beteiligt war.

“In Zeiten interdisziplinärer Versorgungsstrukturen und steigender Anforderungen an Qualität und Professionalität sozialer Dienstleistungen wollen wir mit der Veröffentlichung des Qualitätsberichts ein Signal für mehr Transparenz in der Hilfsmittel- und HomeCare-Versorgung setzen“, führt da Silva weiter aus.

Gegenüber Kostenträgern bietet sich eine überprüfbare Grundlage im Sinne eines Leistungs- und Qualitätsnachweises. Perspektivisch ist der Bericht aber auch als Basis für die stärkere Integration der Hilfsmittel- und HomeCare-Versorgung in neue Versorgungsstrukturen beim Versorgungs- und Entlassungsmanagement sowie der hausärztlichen oder pflegerischen Versorgung gedacht. Die dazu notwendigen Messkriterien und -ergebnisse werden im Dialog mit ärztlichen Fachgesellschaften, Pflegeeinrichtungen und Krankenhausträgern konsensual erarbeitet und umfassend dargestellt.

Um die Bedeutung einer „Ermündigung“ von Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern voranzubringen, bietet die OTB GmbH & Co. KG einen einfachen und ganzheitlichen Überblick über ihre wesentlichen Aktivitäten komplexe Prozesse im direkten Umgang mit Menschen zu hinterfragen und neu zu gestalten. Mit dem vorliegenden Qualitätsbericht gibt das Unternehmen eine Zusammenfassung der operativen Umgebung seiner Organisation, Struktur, Interessengruppen und strategischen Ziele. Als integraler Teil des Managementsystems wird der Qualitätsbericht zukünftig in Form jährlicher Aktualisierung veröffentlicht.

Pressekontakt

OTB GmbH & Co. KG
Tiago da Silva (Geschäftsführer)
Meeraner Str. 7
12681 Berlin
T.daSilva@otb.info
Tel: 030 – 549 873 110
www.otb.info

Management Beratung Thomas Bade
Thomas Bade
Westenstraße 39
85072 Eichstätt
info@thomas-bade.de
Tel: 08421 708 34 98
www.thomas-bade.de

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Expertenstandard verlangt fachübergreifende Prozessinnovationen !

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelte im Auftrag der Vertreter von Pflegeeinrichtungen und Pflegekassen nach § 113a SGB XI den Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“. Er wird im Gegensatz zu den bisherigen Expertenstandards für jeden Pflegedienst verbindlich sein. Aus rechtlicher Sicht bedeutetet dies, dass bereits die Nichtanwendung eine unmittelbar bestrafende Wirkung nach sich ziehen kann. Als Konsequenz werden zukünftig umfangreiche Nachweise in Bezug auf Risikoerhebung, Risikoaktualisierung, Information, Beratung, Anleitung, Planung, Koordination und professionenübergreifende Fallbesprechungen von Pflegefachkräften eingefordert. Auch wenn mit dem in Kraft treten des Expertenstandards erst Mitte 2015 zu rechnen ist, sollten sich ambulante
Pflegedienste, stationäre Einrichtungen und betroffene Leistungserbringer mit Umsetzungsfragen schon heute intensiv auseinander setzen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass Umsetzung und Erfüllung des Expertenstandards nicht anlassbezogen zu erfolgen hat. Im Expertenstandard wird davon ausgegangen, dass alle Menschen, die pflegerische Unterstützung benötigen, ein erhöhtes Risiko aufweisen, Beeinträchtigungen der Mobilität oder eine Verstärkung von Mobilitätseinbußen erleben, und insofern der Expertenstandard bei jedem pflegerischen Auftrag, unabhängig vom expliziten pflegerischen Auftrag zur Erhaltung und Förderung der Mobilität, umzusetzen ist.

Das bedeutet, dass jeder der 2,5 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland dem Assessment unterworfen ist und jeder versorgte pflegebedürftige Mensch, insbesondere im ambulanten und teilstationären Bereich, auf mobilitätsfördernde und -erhaltende Faktoren hin beraten werden muss.

Grundlegende Probleme des theoriegeleiteten Expertenstandards werden sich im Pflegealltag vor allem bei der Prozessplanung und Nachweisdokumentation zeigen. Die Umsetzung des Expertenstandards setzt explizit einen entsprechenden pflegerischen Auftrag voraus. Dieser Auftrag muss in Rahmenverträgen oder in der individuellen Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegediensten festgelegt werden.

Die modellhafte Implementierung ab Oktober 2014 ermöglicht Pflegediensten zusammen mit weiteren Berufsgruppen Praxistauglichkeit, Einführungskosten und dauerhafte Kosten zu ermitteln. Hier müssen vor allem Konzepte von Leistungserbringern der Hilfsmittel Branche gemeinsam mit Pflegediensten entwickelt werden, die die Prozess- und Beratungsressourcen abbilden:

  • Entwicklung von Versorgungsmanagement Konzepten entsprechend § 11 Abs. 4 SGB V.
  • Umsetzung des Methodenstandards Case Management in der Pflege.
  • Ermittlung des Bedarfes durch eine durchgängige ICF Konzeption.
  • Bereitstellung und Einsatz von IT-gestützten Informationsmaterialien zum Hilfsmitteleinsatz, zu Prozessen der Versorgung und zu Sonderanfertigungen.

Schon während der modellhaften Implementierung muss darauf hingewirkt werden, dass Leistungskomplexe in den Rahmenverträgen zu den Betreuungsleistungen gemäß § 124 SGB XI ergänzt und die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur häuslichen Krankenpflege überarbeitet werden. Bisher ist die allgemeine Krankenbeobachtung Bestandteil jeder einzelnen Leistung der häuslichen Krankenpflege und von daher nicht gesondert verordnungsfähig.

Die Nutzung von Hilfsmitteln und die Beschaffenheit der räumlichen Umgebung, die sich hemmend, aber auch fördernd auf die Mobilität auswirken können, sind beim Expertenstandard von sehr großer Bedeutung. Pflegedienste und stationäre Einrichtungen werden aufgefordert im internen Qualitätsmanagementhandbuch oder einem schriftlichen Konzept zur Förderung und Erhaltung der Mobilität Aussagen zum Einsatz von notwendigen und individuell angepassten sowie technisch einwandfreien Hilfsmitteln zu machen. So müssen Ansatzpunkte zur Mobilitätsförderung, die sich aus der Einschätzung ergeben, eindeutig benannt werden. Die Pflegefachkraft übernimmt dabei die Verantwortung für die Koordination der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen wie z.B. der Physiotherapie, Technischen-Orthopädie und Reha-Technik, Medizin sowie Ergotherapie.

Sanitätshäuser sollten daher zusätzlich, ähnlich wie Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten, die Möglichkeit prüfen, einer Rahmenvereinbarung gemäß den §§ 37 Abs. 3 und 45 SGB XI oder einem bestehenden Pflegeberaternetzwerk beizutreten.

Nicht alle im Expertenstandard empfohlenen Maßnahmen unterliegen dem alleinigen Einfluss der Pflege, vielmehr bestehen Abhängigkeiten von Dritten bei bestimmten Prozesskriterien (P2-P5). Einige Hilfsmittel, die von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen genutzt werden, müssen individuell an die Situation der Pflegebedürftigen angepasst werden. Pflegedienste haben entsprechend dem Expertenstandard dafür Sorge zu tragen, dass Mitarbeiter im Umgang mit diesen Hilfsmitteln geschult sind und entsprechende Kooperationen mit versorgungsberechtigten Sanitätshäusern bestehen. Hier fehlen entsprechende Hinweise im Expertenstandard, dass beim Scheitern der Kooperationen mit anderen Berufsgruppen (z.B. Ablehnung des beantragten Hilfsmittels, keine Versorgungsberechtigung gemäß SGB V durch den Kooperationspartner), die empfohlenen Maßnahmen nicht umsetzbar sind.

Durch fehlende leistungsrechtliche Rahmenbedingungen, vor allem zwischen SGB V und SGB XI, sind einige Prozesskriterien nur eingeschränkt möglich. Bei der Durchführung von mobilitätsfördernden Maßnahmen müssen z.B. die vom pflegebedürftigen Menschen verwendeten Hilfsmittel berücksichtigt und deren korrekter Einsatz geprüft werden. Gegebenfalls muss im Vorfeld eine Anpassung der Hilfsmittel erfolgen. Zusätzlich schreibt der Expertenstandard vor, dass regelmäßig eine Überprüfung stattfinden soll, ob der Pflegebedürftige die Hilfsmittel tatsächlich benötigt und sie angemessen nutzt. Hier werden eindeutig Leistungen aus dem SGB V (Hilfsmittelversorgung und Hilfsmittel-Richtlinien) im Expertenstandard der Pflege verankert.

Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen und Sanitätshäuser müssen jetzt die Gelegenheit nutzen, ihr gemeinsames Leistungsangebot durch den Expertenstandard umfassend darzustellen. IT-Systeme und IT–Lösungen müssen alle Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit durch erhöhte Effizienz der betrieblichen Abläufe unterstützen. Die Nutzung von IT bildet damit die Basis für wesentliche Prozessinnovationen und ist ein Schlüssel zur Optimierung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses bei der Umsetzung des Expertenstandards. Alle Mitarbeiter müssen bei Beratung, Koordination und Dokumentation durch digitale Lösungen unterstützt werden, um Effizienz und Prozesstreue zu verbessern und Konformität mit dem Expertenstandard zu gewährleisten.

Es geht bei der Umsetzung des Expertenstandards darum, die verbindliche Leitlinie fundiert in einer Prozess Struktur abzubilden, um Versorgungsentscheidungen zu erleichtern und deren Leitlinienkonformität beurteilen zu können. Erst dadurch ergeben sich kooperative Versorgungsansätze, die das Behandlungsergebnis beeinflussen und die Einhaltung von Versorgungsstandards garantieren. Die Hilfsmittelbranche und hier vor allem die Technische-Orthopädie müssen als Konsequenz entsprechende Versorgungskonzepte definieren und in die praxistaugliche Umsetzung bringen. Wenn die Branche es in den nächsten Monaten auf Grundlage des Expertenstandards nicht schafft zusammen mit der Pflege, klare Prozesse zu entwickeln, wird sie zukünftig versorgungs- oder abrechnungstechnisch erhebliche Probleme bekommen. Der Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege bietet die einmalige Chance, alle Beteiligten dahin zu bringen, sich in Zukunft wirklich mit interdisziplinären Versorgungsstrukturen zu beschäftigen.

Ausführliche Informationen zum Expertenstandard

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Wie ist aktuell das Entlassungsmanagement der Asklepios Kliniken Hamburg organisiert ?

In einer großen Anfrage der SPD Fraktion an die Hamburger Bürgerschaft vom Februar 2014 (Drucksache 20/10883) wird die Organisation der Sozialdienste und das Entlassungsmanagement an Hamburger Krankenhäusern sehr kritisch hinterfragt. Die Antworten des Senats geben ein detailliertes Bild über Versorgungssituation, Kooperationsverträge und Anbieter von Entlassungsmanagement Leistungen.

Eine umfassendere Darstellung über Organisation, Qualifikationen der Mitarbeiter, Kooperationsverträge und die Umsetzung von Expertenstandards zum Entlassungsmanagement ist derzeit nicht verfügbar. Vielleicht greift die SPD Bundestagsfraktion den Fragenkatalog auf, um Initiativen zum Entlassungsmanagement von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu stützen.

Hamburger Krankenhäuser garantieren offensichtlich die optimale Verknüpfung von strategischer und operativer Ebene, da sektorenübergreifende Kooperationen ausschließlich der Weiterentwicklung der Qualitätsstandards dienen und die Unabhängigkeit des Arztes niemals durch wirtschaftliche Interessen gefährdet werde. Selbst wenn private Firmen das Entlassungsmanagement durchführen richte es sich nicht gegen die Interessen der Patienten und sei auch nicht wettbewerbsschädlich. Hamburger Krankenhäuser würden die Empfehlungen der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft befolgen, keine Gestaltungen des Entlassungsmanagements einzugehen, die eine Kanalisierung der Leistungen auf einzelne Anbieter oder Netzwerke von Anbietern von Reha- und Nachsorgeleistungen vorsehen oder ermöglichen, und keine Beauftragung von externen Anbietern vorzunehmen, die eine unentgeltliche Leistungserbringung vorsieht.

Die Etablierung eines hohen Informationsniveaus, der Einsatz eines verbindlichen Ordnungsrahmens sowie die Existenz eines funktionsfähigen Qualitätsmanagements stünden bei allen Hamburger Krankenhäusern im Mittelpunkt. Die Frage nach Einzelheiten von zweiseitigen Verträgen gemäß § 112 SGB V zwischen der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen wurde leider von der Hamburger Bürgerschaft nicht gestellt.

Der Hamburger Senat teilt aber mit, dass die Struktur der klinischen Sozialarbeit bei den Asklepios Kliniken Hamburg zum Teil aus eigenen Mitarbeitern und zum Teil aus externen Dienstleistern bestehe. Detaillierter wird die direkte Ausgliederung des Sozialdienstes an externe Firmen beschrieben. So sind Leistungen zum Entlassungsmanagement in der Praxisklinik Bergedorf auf die DRK Sozialstation, im Israelitischen Krankenhaus auf die Gesundheitsdienst Deutschland GmbH (GHD), in der HELIOS ENDO-Klinik auf die Casemanagement Reha Nord GmbH und in der Schön Klinik Hamburg Eilbek auf die Firma Careline übertragen.

Die Vorgehensweise der Beratung zum Entlassungsmanagement sei bei allen Krankenhäusern standardisiert. Nach Erfragen der häuslichen Situation, des sozialen Netzwerks sowie der Selbstständigkeit des Patienten werden Patienten nach ihren Wünschen bezüglich der Nachsorgeeinrichtung befragt. Nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten werde eine Empfehlung gegeben. Diese Empfehlung orientiere sich an den Vorgaben der Kostenträger. Sofern Hilfsmittel erforderlich seien, werden diese von den Therapeuten, Pflegekräften oder dem Sozialdienst festgestellt und an das krankenhausinterne Hilfsmanagement weitergeleitet. Das Hilfsmanagement reiche die ärztlichen Verordnungen ein und beantrage die erforderlichen Hilfsmittel bei den jeweiligen Kostenträgern. Der Hilfsmittelbedarf werde in der Regel über kooperierende Sanitätshäuser der Kliniken, sofern der Patient kein anderes wünsche, gewährleistet. Sonst erfolge eine Weitergabe an das Sanitätshaus der Wahl. Hierüber erfolge die zeitnahe Beratung und es werde sichergestellt, dass das benötigte Mittel spätestens zum Zeitpunkt der Entlassung für die Nutzung in der Häuslichkeit oder der weiterversorgenden Einrichtung zur Verfügung stehe.

Es bleibt abzuwarten, ob die Große Anfrage der SPD Fraktion an die Hamburger Bürgerschaft zum Entlassungsmanagement, ähnlich wie bei der Gesetzesinitiative des Hamburger Sentas zur Korruption im Gesundheitswesen, bundesweit Impulse setzt und andere Bundesländer dem Beispiel Hamburgs folgen.

Alle Fragen und Antworten der Hamburger Bürgerschaft im Internet.

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VERAH® ist dann mal weg !

In der letzten Woche haben sich die Mitgliedsverbände der Fachberufekonferenz der Bundesärztekammer für eine noch engere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und eine optimierte Koordination von Behandlungsprozessen ausgesprochen. Erst im Januar einigten sich die Bundesärztekammer und der Hausärzteverband bisher unterschiedliche Qualifikationen wechselseitig anzuerkennen, um die Einheitlichkeit und die Flexibilität in der Versorgung zu fördern.

Die Qualifizierungsoffensive für die in der Hausarztpraxis angestellte Medizinische Fachangestellte (MFA) in Form der Versorgungsassistentin der Hausarztpraxis (VERAH®) bildet dafür die Grundlage. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Hausarztpraxis als zentralen Ort der Versorgung zu stärken und Hausärzte durch hochqualifizierte Unterstützungsleistungen zu entlasten.

Die Bundesärztekammer ist bereit Kompetenzbescheinigungen im VERAH® Konzept anzuerkennen und es erfolgt die Anerkennung der Qualifikationen einer nichtärztlichen Praxisassistentin auf die VERAH® Qualifikation. Dadurch leistet die Bundesärztekammer einen wichtigen Beitrag zur Vergütung von Kooperationsleistungen. Sie fordert seit Jahren, dass interprofessionelle Kontakte (Befundübermittlungen, Therapieberichte, Fallbesprechungen, interdisziplinäre Konferenzen, Antrags- und Verordnungsmanagement ) abrechenbar sein.

Dies sind wichtige Weichenstellungen vor allem für die ambulante Pflege, Sanitätshäuser und HomeCare Unternehmen, denn der Einsatz einer Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis als VERAH® ist der Weg der Zukunft.

Die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis setzt vor allem auf Hausbesuche und Fallmanagement, zusätzlich müssen praktische Tätigkeiten unter Einbeziehung von Netzwerkpartnern dokumentiert werden. Dieses optimierte Schnittstellenmanagement hat die AOK Baden-Württemberg als erste erkannt und vergütet seit 2011 eine VERAH® in der Arztpraxis mit bis zu 1.000 EURO pro Quartal. Andere Krankenkassen folgten der AOK und nehmen zum Teil richtig Geld in die Hand. Mittlerweile sind bundesweit fast 4.500 VERAHs im Einsatz. Auch im Kollektivvertragssystem ist die VERAH® fest etabliert. Zahlreiche Vereinbarungen in Hausarztverträgen beinhalten jährliche Förderungen oder Zuschläge, wenn in der Praxis eine VERAH® angestellt ist.

EBM-Nummern garantieren in Regionen, in denen Unterversorgung, drohende Unterversorgung oder lokaler Versorgungsbedarf im hausärztlichen Bereich bestehen, zusätzlich außerbudgetäre Einnahmen.

Eine Steilvorlage für andere Gesundheitsfachberufe, denn VERAHs sollen auch durch Hospitation u.a. in Pflegeheimen, bei ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern oder Sanitätshäusern Arbeitsabläufe, Techniken und Personen kennen lernen. Die Bundesärztekammer gibt den Handlungsleitfaden gleich vor, damit die zwischen allen Beteiligten abgestimmte Betreuung gelingt.

Es komme sowohl auf klar geregelte Zuständigkeiten der einzelnen Berufe, arbeitsteilige Prozessorganisationen als auch auf ein kooperierendes Miteinander an. Schließlich tragen die anderen Gesundheitsberufe in Netzwerken die Durchführungsverantwortung für ihre Tätigkeiten am Patienten, für die sie ausgebildet und gesetzlich zuständig sind. Da der Arzt nach der Gesetzeslage unstreitig die medizinische und haftungsrechtliche Verantwortung für den diagnostischtherapeutischen Pfad dieses Versorgungsmanagements hat, müssen die anderen Gesundheitsberufe im offenen Dialog auf die Ärzteschaft zugehen. Denn die ärztliche Verordnung bildet für die meisten Leistungserbringer nach wie vor die wirtschaftliche Grundlage für ihre Unternehmen.

Jetzt sind Unternehmen der Sanitätshaus-, HomeCare und Pflege-Branche gefordert entsprechend fachkundige, qualifizierte und tragfähige Konzepte auszuarbeiten und vorzulegen, damit Initiativen der Ärzteschaft nicht im ärztlichen Sektor stecken bleiben und Wege der Zukunft mal wieder ins Leere laufen.

Weiterführende Informationen.

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Entlassungsmanagement ist besser, als sein Ruf !

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will Leistungslücken beim Übergang vom stationären in den ambulanten Versorgungsbereich überwinden, indem das Entlassungsmanagement durch eine gesetzliche Koordinationsfunktion der Krankenkassen ergänzt wird. So steht es zumindest im Koalitionsvertrag vom November letzten Jahres.

Der strategische und operative Umsetzungsprozess beim Entlassungsmanagement nach Krankenhausaufenthalt und die dabei eingesetzten Steuerungsinstrumente offenbaren bisher erhebliche Leistungslücken, über die die Große Koalition nachdenkt. Auch der Sozialverband Deutschland e.V. kritisiert in seiner aktuellen Stellungnahme zum Koalitionsvertrag die mangelhafte bisherige Umsetzung.

Ein zentrales Problem beim Entlassungsmanagement ist nach wie vor, dass sich die Umsetzungslücke zwischen Strategie und operativem Handeln trotz sozialrechtlicher Vorschriften und Rahmenempfehlungen der Fachgesellschaften bisher nicht verändert hat. Diese Entwicklung zeigt, dass offensichtlich die Schwierigkeit darin besteht, die Vision und Strategie eines Entlassungsmanagements zu vermitteln und umzusetzen.

Wie sich bei genauerem Hinsehen zeigt, sind es offenbar vier Hauptmängel, die den strategischen Prozess bei zahlreichen Entlassungsmanagement Konzepten prägen und es erscheint fraglich, mit Hilfe einer stärkeren Koordinierung durch Krankenkassen, diese Mängel zu beheben. Eigentlich reicht es aus den bestehenden gesetzlichen Auftrag der Krankenhäuser zu realisieren.

Mangel Nr. 1
Fehlende Methodensicherheit bei der Umsetzung
Wenn sich Leistungserbringer in einer Phase der Adaption von gesetzlichen Vorgaben und Experten- oder Methodenstandards zum Entlassungsmanagement befinden, wird verständlich, dass in der Praxis Verunsicherung darüber herrscht, welche Methoden auf welche Weise zur Umsetzung beim Entlassungsmanagement eingesetzt werden sollten. Das heißt, dass es für die Entwicklung und Implementierung keine standardisierte, allgemein gültige Lösung gibt, sondern jedes Krankenhaus und jede Region den für sich geeigneten Steuerungsansatz individuell definieren muss.

Mangel Nr. 2
Geringe Akzeptanz durch fehlende Leistungsanreize
Der sozialrechtliche Anspruch auf ein Entlassungsmanagement hat bei vielen Leistungserbringern ein negatives Image, denn er wurde vom Gesetzgeber nicht genau definiert und kann im Fallpauschalen System der Krankenhäuser oder durch Vergütungsregelungen im ambulanten Bereich bisher nicht refinanziert und abgebildet werden. Landeskrankenhausgesetze und Verträge nach § 112 SGB V enthalten bundesweit keine Aussagen zu qualifikatorischen Mindestanforderungen zum Entlassungsmanagement und der Sozialdienste.

Mangel Nr. 3
Begrenzte Durchführbarkeit komplexer Bedarfe
Leistungserbringer verfügen zwar über ein schier unerschöpfliches Reservoir an „Hintergrundinformationen“ zum Entlassungsmanagement und können sich über moderne Informationssysteme ein umfassendes Bild von der Situation eines Krankenhauses und regionaler Versorgungsstrukturen verschaffen. Krankenhausmanager bekennen aber, dass sie bereits bei der Strategieplanung zum Entlassungsmanagement von der verfügbaren Literatur und Definitionsvielfalt überwältigt werden und nur selten Gelegenheit finden, Strategieinnovationen im Dialog mit Leistungserbringern der nachsorgenden Versorgungsebene zu erarbeiten.

Mangel Nr. 4
Hohe Unsicherheit bei der Strategieumsetzung
Bereits auf oberster Führungsebene der Leistungserbringer und Krankenkassen herrscht keine vollkommene Klarheit über die strategische Ausrichtung beim Entlassungsmanagement. Strategieformulierungen – zum Beispiel „Wir verstärken die Patientenorientierung “ – lassen große Interpretationsspielräume zu, so dass weder im Krankenhaus noch bei ambulanten Diensten ein deckungsgleiches Grundverständnis der Strategie vorliegt. Die Folgen sind Reibungsverluste und eine schleppende Implementierung, die sich in Fällen einer hohen regionalen Wettbewerbsdynamik durch die geplante gesetzliche Koordinationsfunktion der Krankenkassen existenzbedrohend auswirken können.
Um diese Mängel zu beseitigen müssen sich Krankenhäuser, Leistungserbringer und Krankenkassen
mit ausgewogenen und auf die Umsetzungsprozesse eines Entlassungs- und Case-Managements
fokussierenden Steuerungsansätzen befassen.

Aus diesem Grund hat die Management Beratung Thomas Bade ein Handbuch „Netzwerk Balanced Scorecard“ entwickelt und veröffentlicht. Dieses Handbuch gewährleistet die Umsetzung eines Entlassungsmanagements im wechselseitigen Dialog mit den beteiligten Leistungserbringern und die Festlegung einer gemeinsam getragenen Netzwerkpolitik. Dabei bildet die Netzwerk Balanced Scorecard, als Modul einer durchgängig wertorientierten Entlassungssteuerung, den Rahmen. Die inhaltliche Ausgestaltung erfolgte durch Übernahme case-management-relevanter Anforderungen aus aktuell verfügbarer Literatur der Fachgesellschaften.

Die ausführliche Vorstellung des Handbuchs „Netzwerk Balanced Scorecard“ erfolgt bei Seminaren der Heimerer Akademie in Dresden (15.3.2014) und Leipzig (18.09.2014) sowie beim QVH Tagesseminar in Berlin (06.05.2014).

Weiterführende Informationen

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