APS legt Handlungsempfehlung für ambulante Gesundheitseinrichtungen vor

Veröffentlicht am 12.04.2018 14:10 von admin

Handeln bevor etwas passiert:

APS legt Handlungsempfehlung für ambulante Gesundheitseinrichtungen vor

 

Das APS empfiehlt Berichts- und Lernsysteme im ambulanten Bereich einzuführen und aktiv zu nutzen

 

Berlin – „Hinterher ist man immer schlauer“ und „aus Fehlern lernt man“ – solche Volksweisheiten gelten im Gesundheitswesen nicht automatisch. Damit Ärzte und Pflegepersonal aus kritischen Ereignissen lernen und Fehler in Zukunft vermeiden können, empfehlen Experten des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. (APS) Berichts- und Lernsysteme (CIRS) in Gesundheitseinrichtungen einzuführen. Für den Ausbau dieser Systeme in der ambulanten Versorgung hat das APS nun eine Handlungsempfehlung herausgegeben. Diese wird in einem Test in bis zu 400 Praxen erprobt. Interessierte Einrichtungen können sich noch bewerben.

 

Jeden Tag werden hunderttausende Patienten in Deutschland ambulant behandelt, be­raten und gepflegt. Die Versorgung ist oft komplex und meist sind zahlreiche Personen über diverse Schnittstellen hinweg beteiligt. „In der Regel verläuft die Versorgung nach Plan. Dennoch passieren manchmal Dinge, die nicht hätten passieren sollen und die, unter an­deren Umständen, hätten vermieden werden können“, sagt Hardy Müller, Geschäftsführer des APS. Solche Ereignisse treten zum Beispiel auf, wenn Ärzte Medikamente oder Medizin-produkte für einen Patienten falsch dokumentieren. Auch bei der Kommunikation mit den Erkrankten oder bei der Durchführung von Untersuchungen können Fehler auftreten. Damit Mitarbeiter in ambulanten Einrichtungen aus solchen kritischen Situationen lernen, hat das APS nun eine neue Handlungsempfehlung herausgegeben. Sie richtet sich an Führungskräfte und interessierte Mitarbeiter in ambulanten Einrichtungen[1] – beispielsweise in Einzel- und Gemeinschaftspraxen –, die die Patientensicherheit stärken wollen. Die Empfehlung soll die Personen dabei unterstützen, ein internes Berichts- und Lernsystem einzuführen und zu betreiben.

 

Die Folgen von kritischen Situationen in Gesundheitseinrichtungen sind in den meisten Fällen harmlos. Manchmal erleiden Patienten dabei aber auch einen Schaden – und dann können die Konsequenzen dramatisch sein. „Nicht nur die Betroffenen und deren Angehörige haben die Folgen zu tragen, sondern auch die an der Behandlung beteiligten Personen. Sie haben dann häufig Versagensängste oder werden sogar bestraft“, so Müller. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass in den allermeisten Fällen nicht eine einzelne Person, sondern die Verkettung unglücklicher Umstände und das Versagen von Sicherheitsbarrieren zu dem unerwünschten Ereignis geführt haben. Wenn sich jedoch am Ablauf nichts ändert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das Ereignis in gleicher oder ähnlicher Weise wiederholt. „Deshalb ist es wichtig, solche Ereignisse zu erkennen und ihre Ursachen mit Berichts- und Lernsystemen zu analysieren“, meint Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. „Wenn die Gründe bekannt sind, können gezielte Maßnahmen aus solchen Situationen abgeleitet werden, die die Wahrscheinlichkeit verringern, dass das gleiche Problem in Zukunft noch einmal auftritt.“

 

Genau hier setzen Berichts- und Lernsysteme (CIRS) an. Mit Hilfe von Mitarbeiterberichten zielen sie darauf ab, Risiken, Fehler und kritische Ereignisse und deren Ursachen zu erkennen und gemeinschaftlich daraus zu lernen. Solche Systeme sind – auch international – bewährt und als integrativer Bestandteil des Qualitäts- und Risikomanagements in Einrichtungen des Gesundheitswesens anerkannt.

 

Die neue Handlungsempfehlung des APS wurde im Rahmen eines vom Innovationsfonds geförderten Projektes entwickelt und steht allen Interessierten im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung. Zur Erläuterung gibt es einen Videoclip, in dem der bekannte „Online Arzt“ Dr. Johannes die Motivation zur Teilnahme an Berichts- und Lernsystemen (CIRS) erklärt. „Wir erstellen unsere Empfehlungen nach von uns festgelegten Qualitätskriterien – und nach dem Motto aus der ‚Praxis für die Praxis‘“, so François-Kettner abschließend.

 

Weiterführendende Informationen

Die Handlungsempfehlung, Arbeitsmaterialien, Informationen zum Film und Möglichkeiten zur Teilnahme an der Praxisphase stehen unter http://www.aps-ev.de/Projekte/cirsforte/ zur Verfügung.

 

Information zum APS

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) wurde im April 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet. Es hat heute 700 Mitglieder aus allen Bereichen des Gesundheitswesens. Das Bündnis finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und durch Projektfinanzierungen. Das APS setzt sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein – und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden.

 

 

 

[1] Ambulante Einrichtungen erbringen Behandlungsleistungen außerhalb von Krankenhäusern; dazu zählen z. B. Einzelpraxen, Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), aber auch Praxisnetze oder andere Verbünde von Ärzten, Psychotherapeuten und Zahnärzten; Ambulante Pflegedienste; Apotheken und Praxen von Physiotherapeuten und Ergotherapeuten.

 

 

 

Pressestelle:

Friederike Gehlenborg

Postfach 30 11 20

70451 Stuttgart

Telefon: 0711 8931-295

Telefax: 0711 8931-167

gehlenborg@medizinkommunikation.org

www.aps-ev.de

[1] Ambulante Einrichtungen erbringen Behandlungsleistungen außerhalb von Krankenhäusern; dazu zählen z. B. Einzelpraxen, Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), aber auch Praxisnetze oder andere Verbünde von Ärzten, Psychotherapeuten und Zahnärzten; Ambulante Pflegedienste; Apotheken und Praxen von Physiotherapeuten und Ergotherapeuten.

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