Angespannte wirtschaftliche Situation – Reha-Kliniken im Dialog

Veröffentlicht am 30.05.2011 15:46 von Andre Jackson

Kiel, 30.05.2011 – Vertreterinnen und Vertreter aus 17 schleswig-holsteinischen Reha-Kliniken fanden sich am 27. Mai 2011 im Rahmen des regelmäßig tagenden „Runden Tisches Reha“ der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein e.V. (KGSH) zum Erfahrungsaustausch und zum Dialog mit den Kostenträgern im Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit (MASG) in Kiel zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand dabei die schwierige wirtschaftliche Situation der Einrichtungen.

Für Bernd Krämer, Geschäftsführer der KGSH, stehen die Reha-Kliniken in Schleswig-Holstein vor einem Dilemma: „Einerseits hat der Stellenwert der medizinischen Rehabilitation in den letzten 10 – 15 Jahren stetig zugenommen und sie ist jetzt als dritte Säule im Gesundheitswesen anerkannt. Denn sie lindert oder heilt nicht nur körperliche und seelische Leiden, sondern erhält und stärkt die Arbeitskraft von Menschen aller Generationen. Somit werden lange krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Frühverrentung und Pflegebedürftigkeit verringert bzw. verhindert und Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen gesteigert. Andererseits sind die Rehabilitationskliniken aufgrund erheblicher Kostensteigerungen, für die es keine Kompensation gibt, zunehmend in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.“

Beispielhaft für die Kostensteigerungen nennt Krämer die Tarifabschlüsse aus den Jahren 2008 und 2009, die Energie- und Lebensmittelkostensteigerungen sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer. – Und damit nicht genug: Zusätzlicher Kostendruck entsteht durch wachsende Qualitätsansprüche seitens der Kostenträger, Patienten und auch der Politik sowie durch erforderliche Investitionen aus Eigenkapital, immer kürzeren Verweildauern und zunehmend multimorbider und oftmals nur eingeschränkt Reha-fähiger Patienten. Auch hierfür gibt es bislang keinen finanziellen Ausgleich. „Diese Entwicklungen erfüllen uns mit Sorge, und wir können nur an die Politik und Kostenträger appellieren, die Reha-Kliniken nicht kaputt zu sparen. Denn gerade für chronisch erkrankte oder behinderte Menschen ist Rehabilitation unerläßlich und verbessert ihre Lebensqualität“, unterstreicht Krämer.

Welche hohe Bedeutung die Reha-Kliniken neben der medizinischen Versorgung der Bevölkerung auch für das Land Schleswig-Holstein an sich haben, belegt eine von der KGSH im Frühjahr 2010 bei der Baseler Prognos AG in Auftrag gegebene Studie: Bereits heute sind rund 8.400 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 416 Mio. Euro sowie gut 3,3 Mio. Übernachtungen und damit 15% aller Übernachtungen im gesamten touristischen Sektor Schleswig-Holsteins auf die Reha-Kliniken im Land zurückzuführen. Sie sind daher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit Zukunftsperspektive.

Nach Bekanntgabe dieser Studienergebnisse haben unter Moderation des MASG inzwischen mehrere Gespräche zwischen den Kliniken und den Krankenkassenverbänden über eine auskömmlichere Vergütungssystematik in der Rehabilitation stattgefunden. Künftig ist auch die Einbindung der Rentenversicherungsträger vorgesehen. Hierzu ist unter anderem auch ein regelmäßiger Austausch im Rahmen des Runden Tisches Reha geplant.

Gedeckelte Budgets der Kostenträger sowie fehlende gesetzliche Rahmenvorgaben dürften nach Einschätzung von Krämer die Abstimmung konsensfähiger Lösungsansätze für eine neue Vergütung in der Rehabilitation allerdings erschweren. Dennoch sieht Krämer die Gesprächsbereitschaft der Kostenträger grundsätzlich als positives Signal: „Wenn wir künftig dazu kommen, Pflegesatzverhandlungen auf Augenhöhe mit den Kostenträgern zu führen, werden wir auch überzeugende Argumente gegenüber dem Gesetzgeber vorbringen können, daß für die medizinische Rehabilitation mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Genau dies ist erforderlich, um den Kliniken die notwendige Planungssicherheit zu geben.“

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Andre Jackson

Ulrike Petersen
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