Alzheimer selbst vorbeugen

Veröffentlicht am 31.08.2010 13:20 von redaktion

Prof. Dr. Harald Hampel macht Frankfurt zum Spitzenstandort für Alzheimerforschung

Seit Jahresbeginn ist Prof. Dr. Harald Hampel (47) neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt. Er zählt zu den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der psychiatrischen Forschung, insbesondere der Alzheimerforschung. Mit seiner Berufung erhält die große Klinik ein neues Gesicht – personell, baulich und strukturell.

Zur Person

Prof. Hampel hat zwischen 1986 und 1993 an den Universitäten Witten/Herdecke und München sowie am Albert Einstein-College of Medicine in New York Medizin studiert. Nach verschiedenen klinischen und Forschungsaufenthalten an renommierten Institutionen im Ausland (u.a. an der Nationalen Gesundheitsbehörde der USA, NIH) promovierte er 1996 an der Universität München. Neben dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie absolvierte Prof. Hampel dort eine fakultative Weiterbildung zur Klinischen Geriatrie. Nach Berufung zum Universitätsprofessor und Tätigkeit als Geschäftsführender Oberarzt am Klinikum der Universität München folgte er 2006 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Psychiatrie am Trinity College der University of Dublin, Irland. Dort nahm er auch die Position eines leitenden Untersuchers am Trinity College Institute of Neuroscience ein. Nach weiterem Ruf zurück nach Deutschland auf den Lehrstuhl für Psychiatrie in Frankfurt ist Prof. Hampel seit dem 1. Januar 2010 Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der J.W. Goethe-Universität.

Aufgaben und Ziele

Prof. Hampel hat sich zum Ziel gesetzt, ein international herausragendes Zentrum für Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen in Frankfurt zu schaffen. „Meine Aufgabe ist es, eine der bundesweit größten Psychiatrischen und Psychosomatischen Universitätskliniken zum optimalen Funktionieren zu bringen – und nicht nur das, sie soll Leuchtturmfunktion in Deutschland und auch weit darüber hinaus erhalten“, betont der neue Klinikdirektor. Um das zu erreichen, wird die Klinik derzeit sowohl baulich als auch strukturell nachhaltig modernisiert. Teil des neuen Konzepts von Prof. Hampel ist die Errichtung einer integrierten Ambulanz, die verschiedenste Spezialangebote und Fachrichtungen unter einem Dach vereint.

Verändert wurde bereits die teilstationäre Behandlung der Patienten. Diese wird nun innerhalb der integrierten tagesklinischen Struktur durchgeführt, also in enger Zusammenarbeit mit den Schwerpunkstationen der Klinik. Teile der Behandlung, wie ärztliche und psychologische Einzelgespräche, medikamentöse Behandlung aber auch die Diagnostik, finden im Rahmen der Station statt. Fachtherapeutische und pflegerische Angebote werden in den Räumlichkeiten der integrierten tagesklinischen Struktur ermöglicht. Der Vorteil der integrierten Behandlung besteht darin, die Patienten während des gesamten Aufenthalts beim gleichen Behandlerteam und unter Beibehaltung der gleichen Therapiemaximen kontinuierlich und ohne Transferverluste zu behandeln. Diese integrierte tagesklinische Struktur ist ein erster Schritt hin zur Entwicklung von erkrankungsspezifischen Behandlungseinheiten, sogenannten Tracks, die den Patienten in jeder Phase der Behandlung (ambulant, teilstationär, vollstationär) die optimale Therapie anbieten.

Die Lehre in den Fächern ‚Psychiatrie und Psychotherapie’ sowie ‚Psychosomatische Medizin und Psychotherapie’ ist in das moderne und erfolgreiche Unterrichtskonzept des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität eingebettet. Dieses Unterrichtskonzept orientiert sich an den Erfordernissen der klinischen ärztlichen Tätigkeit und soll die späteren Ärzte in die Lage versetzen, aufgrund ihrer Ausbildung wissenschaftliche Fragestellungen und Forschungsmethoden optimal einsetzen und weiterentwickeln zu können. Für ärztliche Kolleginnen und Kollegen besteht ständig die Herausforderung einer qualifizierten Fortbildung. Daher bietet die Klinik für Fachärztinnen und Fachärzte sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten seit Jahren vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten zur Vertiefung ihrer sozialpsychiatrischen, psychopharmakologischen und psychotherapeutischen Kenntnisse an. Dabei wird modernstes Wissen über biologische Krankheitsgrundlagen, klinische Diagnostik und Behandlung vermittelt.

Das Diagnostik- und Therapiespektrum soll durch interdisziplinäre Kooperationen, wie mit dem Institut für Neuroradiologie und dem Brain Imaging Center des Uniklinikums erweitert werden. „Die Psychiatrie und Psychosomatik hat die Domäne der vorwiegend ‚sprechenden’ Disziplin längst erweitert. Psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen sind oft auch organisch begründete Erkrankungen des Gehirns. Zudem stehen uns immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung, Ursachen wie die molekularen Mechanismen der Erkrankungen zu identifizieren und die Erkrankung so frühzeitig im Gehirn des Patienten darzustellen – oftmals bevor größere Schäden entstanden sind und schwere Symptome das Leben der Patienten und ihrer Angehörigen massiv belasten“, erläutert der Co-Direktor des Brain Imaging Center, Prof. Hampel. Mittels modernster MRT-Technik sowie mit Hilfe von Krankheitsmarkern im Blut und Nervenwasser können bereits frühe Veränderungen im Gehirn dargestellt werden. Die Bilder und Daten liefern Erkenntnisse über die Ausbreitung und Prognose einer Krankheit, ermöglichen den frühstmöglichen Einsatz wirksamer Therapiemaßnahmen und erlauben die Überprüfung der Wirkung und des Erfolgs der Therapien.

Neben der bildgebenden Diagnose ist die Biomarkerforschung ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Hampel. Auch hier ist er einer der wenigen weltweit führenden Kliniker und Wissenschaftler. Die modernen Verfahren können ebenfalls helfen, frühe unklare Gedächtnisstörungen, Alzheimer-Demenz (AD) und andere psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Die Marker sind ein objektives Maß für den in der Tiefe des Gehirns ablaufenden biologischen oder krankhaften Prozess. So können das Vorliegen und das Stadium einer Alzheimererkrankung sehr früh festgestellt und sogar das Risiko, später an AD zu erkranken, ermittelt werden. Mit Hilfe dieser neuen Diagnosemethoden können Demenzerkrankungen bereits bei frühesten Anzeichen, wie zum Beispiel bei ersten Beeinträchtigungen des Denkens und des Gedächtnisses, erkannt und behandelt werden. Neben der Verbesserung der Diagnose arbeitet Prof. Hampel auch an innovativen medikamentösen und alternativen Therapieansätzen. Hier werden zur Zeit in der Frankfurter Klinik von Prof. Hampel die weltweit neuesten viel versprechenden pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Therapieansätze bei Alzheimer geprüft, an denen Patienten mit leichter kognitiver Störung oder bereits bestehender klinischer AD teilnehmen können. Zu den besonders innovativen nicht-medikamentösen Therapiemaßnahmen gehören so genannte „kognitive Interventionen“, die Prof. Hampel und seine Mitarbeiter aktuell intensiv und sehr erfolgreich in Studien untersuchen.

Kognitive Intervention zur psychischen Gesunderhaltung und im Kampf gegen psychische Erkrankungen

Gezieltes körperliches und geistiges Training kann den Krankheitsverlauf von AD positiv beeinflussen. Dies beweist Prof. Hampel in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Reviews Neurology in dem Artikel Cognitive Intervention in Alzheimer’s Disease. Demnach zeigen Forschungsergebnisse, dass eine regelmäßige und gezielte Stimulation des Gehirns zu dessen Gesundheit bis ins höchste Alter und zum Erhalt kognitiver Fähigkeiten, wie des Denkens und des Gedächtnisses, substantiell beiträgt. „Nicht nur körperliches Fitnesstraining sollte zur Krankheitsprävention gehören, sondern auch geistiges. Denn was hilft es einem, wenn man zwar körperlich fit altert, aber gleichzeitig geistig massiv abbaut“, kommentiert Prof. Hampel und fügt hinzu: „Hier müssen die Gesellschaft und die Menschen umdenken und erkennen, dass unser wertvollstes und wichtigstes Organ, das Gehirn, auch lebenslang einer gezielten Fürsorge, Pflege und Aufmerksamkeit bedarf, was einige Änderungen in den Einstellungen und im Lebensstil vieler Menschen nach sich zieht“. Diese Art der Gesunderhaltung des Gehirns, auch im Sinne einer gezielten Behandlung, wird als „kognitive Intervention“ bezeichnet und kann dem Verfall des Gedächtnisses vorbeugen. Betroffenen kann so geholfen werden, Herausforderungen im Alltag besser zu meistern. Prof. Hampel nennt ein Beispiel: „Vergisst man auf dem Weg in den Keller, was man eigentlich von dort holen wollte, liegt ein Gedächtnisproblem bei der Einspeicherung in das Gedächtnis vor“. Eine praktische Hilfsmaßnahme und Übung ist die aktive Unterstützung des Abspeicherungsprozesses. Das gelingt, indem man länger an die zu holende Sache denkt und sich diese bildhaft vorstellt. Die Information wird so stärker verankert und bleibt abrufbar.

Kognitives Training hilft aber nicht nur bereits Erkrankten, es vergrößert auch die kognitive Reserve gesunder Menschen, also die erhöhte geistige und psychische Kapazität und Belastungsfähigkeit, vergleichbar der erhöhten Leistungsreserve einer gut trainierten Muskulatur oder eines gut trainierten Herz-Kreislaufsystems. Studien belegen, dass Personen mit großer kognitiver Reserve ein um 46 Prozent geringeres Risiko besitzen, an Demenz und Alzheimer zu erkranken. Geistiges Training ist also auch in diesen Fällen besonders sinnvoll und kann der Krankheit vorbeugen. Es kann in Kombination mit wirksamen pharmakologischen Therapieansätzen, einer sinnvollen förderlichen Ernährung und gezieltem körperlichem Training, das ebenfalls die Gehirnfunktion und Gesunderhaltung deutlich fördert, eingesetzt werden. Dies plant Prof. Hampel den Patienten der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ganzheitlich, als umfassendes Therapieprogramm, zu Gute kommen zu lassen. Er sieht hier aber bewusst nicht nur die Aufgabe der Klinik in der Behandlung bereits vorliegender psychischer und psychosomatischer Erkrankungen, sondern auch den gesellschaftlichen Auftrag, eine umfassende und wirksame Gesundheitsprophylaxe für alle Menschen anzubieten und die Öffentlichkeit hierüber zu besser zu informieren.

Eine frühe Erkennung von Risikopatienten durch neue und verbesserte Diagnoseverfahren sowie kombinierte und gezielte Therapieansätze bieten die große Chance, wirkungsvolle und breit angelegte Vorsorgeprogramme für die zahlenmäßig stark anwachsende und gesellschaftlich bedrohliche Volkserkrankung AD zu entwickeln. Die Erkenntnisse der Alzheimerforschung lassen sich aber auch auf die anderen wichtigen Schwerpunkte der Frankfurter Psychiatrie unter Führung von Prof. Hampel übertragen. Fieberhaft arbeitet sein Team an neuen und optimierten Diagnose- und sicheren und besonders wirksamen Therapieverfahren für Schizophrenie, Psychosen und Depression. Dazu gehören die Prophylaxe und Behandlung bei Leistungsabfall und „Burn-Out“, die in unserer modernen Gesellschaft, auch im Großraum Frankfurt, deutlich zunehmen. „Eine Anzahl gerade psychischer Erkrankungen, wie Demenz, Schizophrenie und Depression, gehören zu den zehn wichtigsten Erkrankungen weltweit. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens daran zu erkranken, ist sehr hoch. Es ist deshalb ein gesellschaftlicher Auftrag, hier eine frühzeitige Diagnose für alle Patienten zu ermöglichen und neue Präventionsmaßnahmen sowie wirksame und sichere Therapien zu entwickeln“, so Prof. Hampel.

Frankfurt am Main, 31. August 2010

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Harald Hampel
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon (0 69) 63 01 – 63 73
Fax (0 69) 63 01 – 87 30 3
E-Mail harald.hampel@med.uni-frankfurt.de
Internet www.psychiatrie.uni-frankfurt.de

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon (0 69) 63 01 – 77 64
Fax (0 69) 63 01 – 83 22 2
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet www.kgu.de

Für Zuweiser und Patienten:

Die Anmeldung zur ambulanten Behandlung erfolgt zentral über unsere integrierte Ambulanz. Von hier werden Sie zu den Spezialambulanzen und -sprechstunden weitergeleitet, inkl. der Gedächtnisambulanz.

Für Fragen oder zur Terminvereinbarung:
Fon (0 69) 63 01 – 50 79
Fax (0 69) 63 01 – 70 87
Internet www.psychiatrie.uni-frankfurt.de/klinik/integrierte_ambulanz

Bei Interesse an der Teilnahme an unseren wissenschaftlichen Studien können Sie über unser Studientelefon oder Studienfax von unseren wissenschaftlichen Mitarbeitern weitere Informationen erhalten:

Fon (0 69) 63 01 – 76 34
Fax (0 69) 63 01 – 38 33
Internet www.psychiatrie.uni-frankfurt.de/Forschung

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