7. Business-Dinner von Softsolution 11.06.2015

Veröffentlicht am 08.07.2015 13:22 von Softsolution International Ltd.

Reha vor Pflege wird gestärkt, Prävention vor Reha jetzt Aufgabe der Rentenversicherung

Verfasser: Staatssekretär a. D. Neithart Neitzel

Reha vor Pflege wird gestärkt, und Prävention vor Reha wird jetzt Aufgabe der Rentenversicherung. Das waren die beiden Hauptthemen beim 7. Business Dinner, das die Firma Softsolution International Ltd. anlässlich des Hauptstadtkongresses in Berlin durchführte. Hochrangige Referenten sprachen unter der bewährten Moderation von Universitäts-Professor Dr. Günter Neubauer vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik.

Dr. Günter Neubauer vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik

Dr. Günter Neubauer vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik

Neubauer verwies darauf, dass die Große Koalition sechs große Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht oder bereits verabschiedet habe, die zwar in der Regel die Rehabilitation nur am Rande beträfen, von denen aber zwei wichtige neue Gesichtspunkte für die medizinische Rehabilitation enthielten:

  1. Im Präventionsgesetz, das sich zur Zeit in der parlamentarischen Beratung befindet, werde Prävention auch bei der Rentenversicherung deutlich gestärkt, so dass in diesem Sektor künftig Prävention vor Rehabilitation ein wichtiger Grundsatz werde.
  2. Im Pflegestärkungsgesetz II, welches im Laufe des Jahres eingebracht werden soll und die Neufassung des Pflegebegriffs enthalten wird, solle der Grundsatz „Reha vor Pflege“ durch ein neues Assessmentverfahren des MDK gestärkt werden.

Das war auch das Stichwort für den CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Irlstorfer, den Berichterstatter für Pflegeberufe und Qualität in der Pflege der CDU/CSU-Fraktion sowie Berichterstatter für Pflege der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag:

Ernst Irlstorfer MdB CDU/CSU-Fraktion

Ernst Irlstorfer MdB CDU/CSU-Fraktion

Er wies darauf hin, dass der GKV-Spitzenverband im September 2014 auf der Basis des Pflege- Neuausrichtungs-Gesetzes von 2012 über die Empfehlungen der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung berichtet habe. Dabei wurde das Jahr 2013 ausgewertet. Nach diesem Bericht seien bei knapp 1,3 Millionen Begutachtungen nur rund 5.300 Empfehlungen zu einer medizinischen Rehabilitation ausgesprochen worden – in seinen Augen eine sehr geringe Zahl. Bei dieser Einschätzung war zu spüren, dass Irlstorfer vor seiner Abgeordnetentätigkeit 20 Jahre bei der AOK Bayern auch im Bereich medizinische Rehabilitation und Pflege tätig gewesen war.

Irlstorfer bezog sich auch auf die Studie „Reha XI – Erkennung rehabilitativer Bedarfe in der Pflegebegutachtung des MDK – Evaluation und Umsetzung“ von Professor Dr. Heinz Rothgang, die 2014 abgeschlossen wurde. Aus ihr ergab sich zwar ein Anteil von 6,3 % möglichen Rehabilitationsempfehlungen, aber die tatsächliche Empfehlungshäufigkeit lag mit 1 % deutlich darunter. Bei einem verbesserten Verfahren wäre die Quote höher gewesen. Das neue Verfahren wurde im Anschluss an die Studie in einen neuen Begutachtungsstandard umgesetzt, bei dem Pflegefachkräfte und Ärzte nach einem einheitlichen Curriculum geschult werden. Diese Arbeiten stehen im Zusammenhang mit dem Neuen Begutachtungsassessment zur Pflegebedürftigkeit, wie es mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Rahmen des geplanten Pflegestärkungsgesetzes II vorgesehen ist.

In diesem Zusammenhang setzte sich der Bundestagsabgeordnete auch für eine Förderung der mobilen Reha als Form der ambulanten geriatrischen Reha –auch im Pflegeheim – ein. Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, wurde die mobile Reha, wie Irlstorfer berichtete, in

  • 40 SGB V explizit aufgenommen: Ambulante Reha kann auch in Form der mobilen Reha durch wohnortnahe Einrichtungen erbracht werden.

Abschließend wies Irlstorfer darauf hin, dass vor dem Hintergrund des demographischen Wandels die Sensibilität für die medizinische Rehabilitation gestärkt werden müsse. Während es derzeit 2,5 Millionen Pflegebedürftige gebe, werde die Zahl im Jahr 2030 auf 3,5 Millionen und im Jahr 2050 auf 4,5 Millionen gestiegen sein – dem Grundsatz „Reha vor Pflege“ komme daher zunehmende Bedeutung zu.

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse

Anschließend kamen nach der Politik die Kostenträger zu Wort. Als erster sprach Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Er verwies zunächst darauf, dass die TK mit einem Marktanteil von 12 – 13 % die größte gesetzliche Krankenkasse sei. Der demographische Wandel sei für die Krankenkassen deshalb nicht der maßgebende Kostentreiber, weil die meisten Gesundheitsausgaben in den letzten beiden Lebensjahren eines Versicherten anfielen. Der medizinische Fortschritt sei der größte Kostentreiber im Gesundheitssystem. Dagegen sei der demographische Wandel für die Rentenversicherung ein echtes Problem: Immer weniger aktive Beitragszahler stünden immer mehr Rentenbezieher mit immer längeren Rentenbezugszeiten gegenüber.

Zur Entwicklung der medizinischen Reha nannte Ballast fünf Punkte:

  1. Im ärztlichen Bereich und bei den Krankenhäusern gebe es eine immer größere Spezialisierung. Dem stehe der Patient gegenüber, dessen Multimorbidität steige. Daher müsse man künftig stärker in Versorgungsketten einschließlich der Rehabilitation denken.
  1. Durch den im GKV-VSG vorgesehenen Innovationsfonds könnten ab 2016 neue Versorgungsformen unter Einschluss der Reha gefördert werden.
  1. Die Reha müsse mehr zum Patienten kommen: Dazu sei die ambulante besser als die stationäre Reha geeignet. Der im Krankenhausstrukturgesetz, das von der Bundesregierung als Regierungsentwurf beschlossen worden ist, vorgesehene Strukturfonds ermöglicht, auch neue stationäre Einrichtungen durch Umwandlung von Krankenhäusern.
  1. Die Qualitätsanforderungen an die Reha steigen. Deshalb müsse man die Frage stellen, ob „Pay for performance“ auch in diesem Bereich möglich sei.
  1. Die Evidenz für die Ergebnisqualität wird vom Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen bei der Rehabilitation problematisiert.

Ballast schloss mit zwei Nachrichten – einer guten und einer schlechten. Die schlechte zuerst: Das „Kostenträgerwirrwarr“ werde bleiben. Die gute: Angesichts der Tatsache, dass die „Baby-Boomer“ ins Reha-Alter kämen, werde die medizinische Rehabilitation nötiger denn je.

Michael Zellner, Abteilungsleiter Kliniken der DRV Bayern-Süd

Michael Zellner, Abteilungsleiter Kliniken der DRV Bayern-Süd

Als nächster Redner sprach Michael Zellner, Abteilungsleiter Kliniken der DRV Bayern Süd. Er griff die Bemerkungen von Thomas Ballast zum demographischen Wandel auf und kritisierte die Große Koalition, die mit der Rente ab 63 die Probleme der Rentenversicherung verschärft habe. Damit sei die „Rente mit 67“, die zum Teil die sinkende Zahl der Beitragszahler kompensieren sollte, desavouiert worden. Wichtig sei, dass bereits vor dem in Beratung befindlichen Präventionsgesetz, die Prävention durch die Rentenversicherung gestärkt wurde. Dazu sei der Firmenservice der DRV ausgebaut worden, um Prävention flächendeckend durch Kontakte zu den Betrieben und den Betriebs- und Werksärzten zu ermöglichen. Wenn die Prävention nicht ausreiche, sei das Feld für die Rehabilitation geöffnet.

Zur nachhaltigen Reha – so Zellner weiter – gehöre auch die MBOR, d.h. die Medizinisch Beruflich Orientierte Reha. Vor dem Hintergrund von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen müsse diese bereits im Kindes- und Jugendalter ansetzen, um die jungen Menschen schul- und arbeitsfähig zu machen, weil sie als Beitragszahler dringend benötigt würden.

Für die psychosomatische Rehabilitation forderte Zellner eine bessere Abstimmung zwischen Krankenkassen und Rentenversicherung. Ziel müsse es sein, die Erwerbsminderungsrenten in diesem Bereich zu senken, weil es bei einem Durchschnittsalter von 49 Jahren bei Erwerbsminderungsrenten in der Psychosomatik nicht vertretbar sei, dass der Versicherte 15 Jahre keinen Rentenbeitrag zahle, um dann seine normale Rente erhalten. Nachhaltige Reha – so Zellner abschließend – solle die Teilhabe auch am Arbeitsleben stärken.

Dr. med. Hans Peter Gmünder, Direktor des Schweizer Paraplegikerzentrums Nottwil

Dr. med. Hans Peter Gmünder, Direktor des Schweizer Paraplegikerzentrums Nottwil

Zum Abschluss sprach Dr. med. Hans Peter Gmünder, Direktor des Schweizer Paraplegikerzentrums Nottwil. Er ging der Frage nach, ob die Rehabilitation in der Schweiz es besser hat als die Rehabilitation in Deutschland. Dr. Gmünder hob hervor, dass in der Schweiz die Vergütung zwar besser sei, aber gleichwohl nicht alle Wünsche der medizinischen Rehabilitation erfüllt werden. Bei einem direkten Vergleich der beiden Länder sieht er deutliche Vorteile bei der Rehabilitation in der Schweiz.

Diese Bewertung trifft Dr. Gmünder vor dem Hintergrund, dass er sowohl in deutschen als auch in schweizerischen Einrichtungen tätig war und ist.

Ein ausführlicher Bericht über den Vortrag von Dr. Gmünder wird in der schweizerischen Fachzeitschrift „clinicum“ 04/15 nachzulesen sein.

Falls Interesse daran besteht, können Sie sich an Frau Ute Schalles, uschalles@softsolution.de wenden.

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