Gesundheits-Apps kommen im ersten Gesundheitsmarkt an

Veröffentlicht am 07.05.2019 19:27 von Redaktion RehaNews24

Krankenversicherungen und Ärzte Empfehler mit den höchsten Wachstumsraten.

Berlin, 6.5.2019 Digitale Gesundheitslösungen werden Teil des ersten Gesundheitsmarktes.  Und immer mehr Bürger und Patienten erhalten digitale Therapieempfehlungen direkt von Krankenkassen und Ärzten. Allerdings: Trotz insgesamt wachsender Nutzerzahlen wächst auch eine digitale Schere zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern. “Jetzt kommt Dampf in den Kessel. Die Widerstände insbesondere der Versorger schwinden, der Wettbewerb um die besten Lösungen im Markt ist im vollen Gange. Gewinnen wird, wer Markt und Zielgruppe am besten kennt.” so Dr. Alexander Schachinger, Geschäftsführer der EPatient Analytics GmbH bei der Vorstellung des 8. EPatient Survey. Die Entwicklung betrifft allerdings nicht alle Nutzergruppen gleichmäßig. Deswegen müssen die Anbieter künftig ihre Strategien stärker an den ihren jeweiligen Zielgruppen ausrichten. Der EPatient Survey ist mit 8800 Befragten und über 140 Antwortmöglichkeiten die umfassendste Online-Befragung zum digitalen Patienten.

Abb 1: Verbreitung von digitalen Gesundheitsanwendungen im Markt im Vergleich zum Vorjahr Quelle: EPatient Survey 2019

Marktdurchdringung therapiebezogener Apps nimmt zu.
Insgesamt wurden 13 digitale Gesundheits- und Therapielösungen abgefragt. Die Nutzung von Medikamenten-Apps unter Patienten wuchs innerhalb eines Jahres von 11 auf 18 Prozent, die Verbreitung von Diagnostik-Apps verdoppelte sich von 6 auf 12 Prozent. Die Online-Terminbuchung konnte ihre Verbreitung von 24 auf 28 Prozent weiter ausbauen. Auf Platz Vier: Zweitmeinungs-Apps mit einem Verbreitungsgrad von 10 gegenüber 8 Prozent im Vorjahr. Noch nicht punkten konnte die Online-Gesundheitsakte mit aktuell 4 Prozent (2 Prozent im  Vorjahr).

Ärzte und Krankenkassen wachsen in Empfehlerrolle hinein.
Gesundheits-Apps überzeugen inzwischen auch die wichtigsten Player im ersten Gesundheitsmarkt. Private und gesetzliche Krankenversicherungen und die Ärzteschaft empfehlen inzwischen digitale Therapielösungen. Eine Trendwende, fast ein Dammbruch zeigt sich im Verhältnis von klassischen Gesundheitsmarkt und den neuen digitalen Angeboten. Private und gesetzliche Krankenversicherungen und die Ärzteschaft sprechen und werben immer stärker für die Nutzung digitaler Angebote. Versicherte erhalten digitale Gesundheits- und Therapieempfehlungen um das Dreifache häufiger von ihren Krankenversicherungen im Vergleich zu den Vorjahren (Zunahme von 5 auf 16 Prozent). Ebenfalls dreimal so viele Patienten erhalten von ihren Ärzten App-Empfehlungen (Zunahme von 3 auf 9 Prozent).

Abb 2: Verbreitungskanäle für digitale Therapieangebote: Woher erhalten Bürger und Patienten ihre Therapie-Apps? Quelle: EPatient Survey 2019

Steigender Werbedruck, steigender Wettbewerb. Und steigendes Risiko, daneben zu liegen.
Während bisher weitgehend online für digitale Angebote geworben wurde, scheint jetzt für viele Anbieter der Zeitpunkt gekommen, auch offline, in traditionellen Massenmedien, für Gesundheits-Apss zu werben. 14 Prozent der Nutzer greifen aufgrund analoger Werbung zu einer digitalen Gesundheitslösung. Aber “Wer seine Zielgruppe nicht genau kennt, kann hier völlig falsch liegen”, warnt Alexander Schachinger. Denn durchschnittlich zunehmende Akzeptanz darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Zielgruppenverhalten weiter auseinander entwickelt, wie soziographisch spezifizierte Sonderauswertungen zeigen”. Ein beispielsweise häufig unterschätzter Faktor ist der Bildungsstand. Im Alterssegment 50+ unterscheiden sich entsprechend der Smartphonebesitz und die Nutzung von Gesundheits-Apps je Zielgruppe bis um das Siebenfache.

Anbieterseitig zeigt der Markt erste Tendenzen von digitalen Lösungen mit marktbeherrschender Stellung. Ob in einzelnen Therapiegebieten (bspw. MySugr für Diabetes) oder bei  Angeboten für Therapieformen im Allgemeinen (bspw. MyTherapy für Medikamente) verbreiten sich diese Anbieter immer erfolgreicher in ihrer speziellen Zielgruppe. Bevor die Gesundheitspolitik und die Selbstverwaltung sich auf bestimmte Digital Health Regulationen geeinigt hat, sind ihre Gestaltungsspielräume eventuell schon früher als geahnt eingeschränkt.

Patienten haben den Nutzen erkannt. Und erwarten weitere Unterstützung.
Selbst Nutzer von Digital Health-Lösungen fühlen sich mit den Apps oftmals alleine gelassen. Entsprechend wünschen sich 59% der Nutzer für eine digitale Therapieanwendung beispielsweise einfache Videos als Start- und Erklärhilfe, nahezu jeder Dritte möchte sogar eine persönliche Einweisung durch eine medizinische Fachkraft.

56% der App-Nutzer würden ihre App-Daten mit ihrer Krankenkasse teilen, wenn sie basierend ihrer Daten individuelle Therapieempfehlungen von ihrer Kasse erhalten würden. Die Nutzenerwartung überlagert also zunehmend Datenschutzbedenken.

Das Erkennen eines klaren Mehrwertes einer digitalen Anwendung für die individuelle Therapiesituation des Patienten ist zu 83 Prozent eine der stärksten Faktoren für die Zahlungsbereitschaft insbesondere kostenpflichtiger Angebote. Wird dieser konkrete Mehrwert nicht gesehen, wird die Anwendung erst gar nicht begonnen oder ist für einen schnellen Nutzungsabbruch verantwortlich. Für Schachinger ein deutlicher Hinweis: “Das individuelle Nutzenempfinden findet bei der Entwicklung digitaler Versorgungsstrategien noch zu wenig Berücksichtigung.”.

Abb 3: Die Customer Journey von digitalen Therapieanwendungen: Wie verhalten sich Nutzer einer digitalen Therapie-App? Quelle: EPatient Survey 2019

Digitale Anwendungen für die Arztpraxis, die Apotheke und die Online-Gesundheitsakte.
In offenen Fragen wurden die Studienteilnehmer nach digitalen Anwendungsideen im Kontext Arztpraxis, Apotheke und Online-Gesundheitsakte gefragt. Aus den über 12.000 gesammelten Vorschlägen zeichnet sich in der aktuell noch laufenden Auswertung folgendes Bild ab: Neben dem Zugriff zu jeglichen Formen von  Befund- und Therapiedaten, suchen Patienten insbesondere Erklärungen, Einordnungen und Verhaltensempfehlungen für ihren individuellen Alltag basierend ihrer Patientendaten.

Der nunmehr 8. EPatient Survey 2019, umgesetzt von Dr. Alexander Schachinger (EPatient Analytics GmbH), ist die größte jährlich stattfindende Online-Befragung zum „Patient im Netz“. Hierzu wurden dieses Frühjahr 8800 Gesundheits-Surfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Unterstützung führender Krankenkassen, Gesundheitsportalen, Patientenorganisationen und Startups befragt. Seit 2010 wurden über 80.000 Personen befragt. Der Datenpool ermöglicht Sonderauswertungen für spezifische Angebots- und Zielgruppensegmente.

Hintergrund
Der EPatient Survey ist die jährlich stattfindende größte Online-Befragung zum Thema Digitale Gesundheit und „Patient im Netz“. Die anonyme Befragung läuft dabei auf den reichweitenstärksten Webseiten und Newslettern von Krankenversicherungen, Gesundheits- und Publikumsportalen, Patientenorganisationen, Startups und weiteren Gesundheitsakteuren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit 2010 haben über 70.000 Gesundheits- Surfer an der Befragung teilgenommen.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Angebotsvielfalt digitaler Versorgungslösungen und Startups bedarf es zunehmend empirischer Markt- und Nutzerdaten für eine fundierte Evaluation seitens des Gesundheitswesens. Die Fragethemen des EPatient Surveys bilden hierfür eine praxisorientierte Grundlage.
Neben soziodemografischen Angaben, eigenen Erkrankungen, der erhaltenen Therapie sowie dem aktuellen Behandlungspfad, werden im Detail Fragen zu Nutzungsmustern und Nutzungsverbreitung, Auswirkungen, Zahlungsbereitschaft und weitere Aspekte im Segment der digitalen Gesundheitsanwendungen für Gesunde wie Patienten abgefragt.
Die in der Pressemitteilung dargestellten Ergebnisse sind als Erstergebnisse zu sehen. Die Auswertung der Datensätze nach 140 Antwortvariablen, Nutzersegmenten, Früh-/Spätanwendern sowie Behandlungspfad, Erkrankung und weiterer Variablen wird in den nächsten Wochen fortgesetzt.
Für Krankenversicherungen, Leistungserbringer, Hersteller, Startups aber auch die Gesundheitspolitik sind die Erkenntnisse des EPatient Survey eine wesentliche Grundlage, digitale Gesundheitsanwendungen fundiert zu planen und patientenzentriert umzusetzen. Insgesamt liegen derzeit deutlich zu wenig empirische Marktkennzahlen zur Wirkungsweise wie auch kollektiver Nutzungsmuster digitaler Patientendienste in Deutschland vor. Seit 2010 wurden über 80.000 Personen befragt. Der Datenpool ermöglicht Sonderauswertungen für Trend und soziographische Differenzialanalysen.

Zur ePatient Survey Projektseite

Zum Unternehmen
Das Unternehmen, zuvor bekannt als EPatient RSD GmbH, hat seinen Unternehmensnamen in EPatient Analytics GmbH geändert. Der Hintergrund hierfür ist eine schärfere Positionierung auf Analytics-Dienstleistungen sowie der Launch des ersten Analytics Tools für eine browserbasierte Analyse des digitalen Gesundheitsmarktes und digitaler Patientenzielgruppen für individuelle Fragestellungen. Für Kunden und Partner steht das neue Analytics Tool als Browser-Dashboard ab Ende Mai 2019 zu Verfügung.
Die EPatient Analytics GmbH ist ein Marktforschungsunternehmen für den digitalen Gesundheitsmarkt. Das Alleinstellungsmerkmal liegt in einer unabhängigen und ganzheitlichen Datenbank für Anbieter- und Zielgruppendaten für das Digital Health Segment.
Zu den Kunden gehören sowohl Unternehmen des Gesundheitssystems (Kostenträger, Hersteller, Leistungserbringer, Ministerien, Verbände, Forschungsinstitute) sowie Startups, Patientenorganisationen, Verlags- und Medienhäuser, IT- und Softwareunternehmen.

 

Quelle: https://www.epatient-analytics.com/aktuelles/pmeps2019-5nsj7, 06.05.2019

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