Donnerstag, Mai 3rd, 2018

 

Wolfram-Keup-Förderpreis 2018

Preisträgerin Jun.-Prof. Dr. Sophie Baumann (Mitte) mit Dr. Wibke Voigt, Vorsitzende des buss, und Dr. Bernd Wessel, stellvertretender Vorsitzender

Wirken computergenerierte Rückmeldebriefe besser als persönliche Beratungsgespräche? In ihrer Studie „How alcohol use problem severity affects the outcome of brief intervention delivered in-person versus through computer-generated feedback letters“ untersuchten Jun.-Prof. Dr. Sophie Baumann (Medizinische Fakultät TU Dresden/Universitätsmedizin Greifswald) und ihre Forschergruppe, ob Personen mit unterschiedlicher Alkoholproblemschwere unterschiedlich von persönlichen Beratungen und ressourcensparenden computergenerierten individualisierten Rückmeldebriefen profitieren. Für diese Arbeit wurden sie mit dem Wolfram-Keup-Förderpreis 2018 ausgezeichnet. Der Preis wurde bei der Eröffnung der 104. Wissenschaftlichen Jahrestagung des Bundesverbandes für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss) im März in Berlin verliehen. In diesem Rahmen stellte Jun.-Prof. Dr. Sophie Baumann ihre Studie in kurzen Zügen vor:

Allgemeinkrankenhauspatientinnen und -patienten im Alter von 18 bis 64 Jahre mit gesundheitsriskantem Alkoholkonsum (n = 961) wurden zufällig einer von drei Studienbedingungen zugeordnet:
a) persönliche Kurzberatung,
b) computergenerierte individualisierte Rückmeldebriefe oder
c) keine Intervention (Kontrollgruppe).

Beide Interventionen wurden direkt auf der Station sowie einen und drei Monate später übermittelt. Ergebnismaß war die Veränderung im Alkoholkonsum pro Tag nach sechs, zwölf, 18 und 24 Monaten. Der Wert des Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT-Wert) wurde als Moderator der Interventionswirksamkeit untersucht.

Es konnte festgestellt werden, dass Personen mit einem AUDIT-Wert von 8 oder weniger, die computergenerierte individualisierte Rückmeldebriefe erhielten, ihren Alkoholkonsum signifikant stärker reduzierten als Personen in der Kontrollgruppe (p < 0,05). Persönliche Beratungen waren bei Personen mit höherem Alkoholkonsum tendenziell wirksamer als keine Intervention, der Unterschied war allerdings nicht statistisch signifikant. Personen mit einem AUDIT-Wert zwischen 7 und 8, die Rückmeldebriefe erhielten, reduzierten ihren Alkoholkonsum nach sechs, zwölf und 18 Monaten signifikant stärker als Personen, die persönliche Beratungen erhielten (ps < 0,05). Kostengünstige computergenerierte individualisierte Rückmeldebriefe können also bei Personen mit einer niedrigen Alkoholproblemschwere einer persönlichen Beratung überlegen sein. Personen mit höherer Problemschwere benötigen eher ein intensiveres Beratungsangebot. Eine Zusammenfassung der Studie auf Deutsch steht auf der Website des buss zum Download bereit.

Der Wolfram-Keup-Förderpreis wird alle zwei Jahre vom Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss) für eine wegweisende wissenschaftliche oder praxisorientierte Arbeit aus der Suchthilfe vergeben und ist mit einem Preisgeld von 2.000 Euro ausgestattet. Er wurde dieses Jahr zum fünften Mal verliehen. Informationen über den Preis, die bisherigen Preisträger/innen und die prämierten Arbeiten finden sich auf der Website des buss (www.suchthilfe.de > Verband > Förderpreis).

Zur Jury des Wolfram-Keup-Förderpreises 2018 gehörten Dr. Wibke Voigt, Vorstandsvorsitzende des buss, die Vorstandsmitglieder Hans-Joachim Abstein, Ulrike Dickenhorst und Thomas Hempel sowie folgende externe Gutachterinnen:

  • Dr. Ursula Havemann-Reinecke, Oberärztin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Göttingen, Vorstandsmitglied der DHS
  • Dr. Dunja Hinze-Selch, Chefärztin, Fachkliniken St. Marien – St. Vitus GmbH, Neuenkirchen
  • Doris Sarrazin, ehem. Referatsleiterin der LWL-Koordinationsstelle Sucht, Münster

Der nächste Wolfram-Keup-Förderpreis wird 2020 verliehen. Die Ausschreibung hierfür wird im April 2019 bekannt gegeben.

buss, 03.05.2018

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Gemeinsam gegen Rheuma & Co

 

Forschungsnetzwerk Muskuloskelettale Erkrankungen tagt in Berlin

 

Berlin – Schmerz, der nicht mehr weicht, ist Alltag für viele Menschen, die an einer sogenannten muskuloskelettalen Erkrankung leiden. Dazu zählen Rückenschmerzen verschiedener Ursachen, Arthrose und Osteoporose, vor allem aber auch die Vielfalt der rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen. In Deutschland sind rund 30 Millionen Menschen von Muskuloskelettalen Erkrankungen betroffen. Deshalb fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im „Forschungsnetz zu Muskuloskelettalen Erkrankungen (MSK-Netzwerk)“ seit dem Jahr 2015 acht Forschungsverbünde. Das BMBF stellt für die vierjährige Förderung bis zu 35 Millionen Euro zur Verfügung. Auf dem BMBF-Jahrestreffen des MSK-Netzwerks am 3. und 4. Mai 2018 in Berlin präsentieren die Verbünde ihre Ergebnisse.

 

Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane bringen teils erhebliches Leid über die Betroffenen, sind schmerzhaft – und unheilbar. Auch deshalb sind sie sowohl gesundheitspolitisch als auch gesellschaftlich bedeutend. Denn sie sind nicht nur weit verbreitet, sondern gehen meist mit einer erheblichen Belastung für Patienten und Angehörige sowie mit hohen Krankheitskosten einher. „Die Bedeutung dieser Volkskrankheiten und deren Erforschung für eine bessere Versorgung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betont Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) e.V.. Das BMBF fördert deshalb seit rund vier Jahren acht überregionale multidisziplinäre Forschungsverbünde. Diese Forschung auch zukünftig zu stärken und zu verstetigen sei eine wichtige Aufgabe der Politik und auch der Institutionen.

 

Als häufigste chronisch-entzündliche Erkrankungen des Menschen spielen die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder die sogenannten Kollagenosen und Vaskulitiden eine besondere Rolle. Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. „Durch biologisch wirksame Medikamente konnten wir in den letzten 15 Jahren viel in der Behandlung der Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erreichen“, erläutert Professor Dr. med. Gerd-Rüdiger Burmester von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er koordiniert den Verbund ArthroMark, der Biomarker und Bildgebung zur Diagnose und Stratifizierung der Rheumatoiden Arthritis und Spondyloarthritis erforscht. „Jetzt müssen wir es erreichen, die Krankheitsprozesse bei jedem einzelnen Patienten noch besser zu verstehen, um die Substanzen gezielter einsetzen zu können“, so der Rheumatologe.

 

Insgesamt 52 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen arbeiten in den Verbünden zusammen. Inhaltlich sind sie auf translationale Forschung auf dem Gebiet der muskuloskelettalen Erkrankungen fokussiert. Mit ihren Forschungsprojekten leisten sie einen Beitrag, wissenschaftliche Fragen zu beantworten, die für die Versorgung der Betroffenen von großer Bedeutung sind. Dies umfasst Prävention, Diagnose und Therapie ebenso wie Rehabilitation von muskuloskelettalen Erkrankungen, das Verständnis der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen und neue oder bislang nicht ausreichend bewertete Therapieansätze. Zur nachhaltigen Stärkung der Forschungsaktivität messen die Koordinatoren der Vernetzung der Verbünde besonderen Wert bei und fördern diese Strukturen. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Nachwuchsförderung in Form der Nachwuchsakademie (www.msk-nachwuchsakademie.de).

 

Die Forschungsverbünde OVERLOAD-PrevOP, METARTHROS, TOKMIS, PROCLAIR, PROFinD 2, NEUROIMPA, DIMEOs, ArthroMark verfolgen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte. Auf dem BMBF-Jahrestreffen des MSK-Netzwerks an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow, stellen sie am 3. und 4. Mai 2018 ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor. Zu den jeweiligen Teilprojekten präsentieren die Forscher vor Ort Poster.

Insbesondere werden in diesem Jahr verbundübergreifende Querschnittsthemen wie die personalisierte Medizin (Biomarker, Genetik), advanced diagnostic methods and therapies, Pathophysiologie und Grundlagenforschung (zu Entzündung, Schmerz) sowie BigData und Digital Health – Transfer in die Versorgung und Versorgungsforschung diskutiert, die im Falle einer Anschlussförderung Gegenstand weiterer Forschung sein könnten.

 

Weitere Informationen zu den einzelnen Forschungsverbünden finden Interessierte auf der Homepage (Link einfügen auf Texte s.u.) der DGRh.

 

Die DGRh ist mit mehr als 1.400 Mitgliedern die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert hierzulande seit 90 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirt­schaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

 

 

Quelle:

www.bmbf.de/de/erkrankungen-des-bewegungsapparates-besser-behandeln-449.html

 

Sie finden weitere Informationen auch auf der Homepage der DGRh. Bei Rückfragen sprechen Sie uns gerne an.

 

 

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V.
Geschäftsstelle
Anna Julia Voormann

Generalsekretärin

Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, Aufgang C
10179 Berlin
Tel. +49 30 240 484 70
Fax +49 30 240 484 79
anna.voormann@dgrh.de

dgrh.de

 

 

Pressekontakt für Rückfragen:

Stephanie Priester

Pressestelle

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

Postfach 30 11 20

70451 Stuttgart

Tel.: 0711 8931-605

Fax: 0711 8931-167

E-Mail: priester@medizinkommunikation.org

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