Dienstag, März 27th, 2018

 

Fernpendeln belastet die Psyche

Berlin (ots) – Mit der Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort steigt bei Pendlern die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung. Das ist das Ergebnis einer Fehlzeitenanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen liegen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei denjenigen, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zurücklegen müssen. “Lange Fahrstrecken zum Arbeitsort belasten die Psyche. Wird die Distanz zum Arbeitsort durch einen Wohnortwechsel verkürzt, kann die relative Wahrscheinlichkeit von Fehltagen aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent reduziert werden”, so Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Dies konnte mit Hilfe einer Analyse der Arbeitsunfähigkeiten der AOK-versicherten Beschäftigten in den letzten fünf Jahren ermittelt werden.

Bei knapp 58 Prozent der mehr als 13 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder des Jahres 2017 liegen Wohn- und Arbeitsort bis zu 10 Kilometer auseinander. Dahingegen müssen 10,6 Prozent von ihnen Distanzen von mehr als 50 Kilometern zum Arbeitsort überbrücken. Ihr Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 9,8 auf 10,6 Prozent gestiegen. Am deutlichsten sind die Pendelstrecken bei den 30 bis 39-Jährigen (durchschnittliche Distanz 26,5 Kilometer). Tendenziell nehmen Männer einen längeren Arbeitsweg in Kauf als Frauen (Distanz 26,2 zu 20,4 Kilometer).

AOK-versicherte Beschäftigte, die maximal 10 Kilometer Wegstrecke zum Arbeitsplatz zurücklegen, wiesen 2017 durchschnittlich 11 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder aufgrund psychischer Erkrankungen auf. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern sind es bereits 12 und bei mehr als 500 Kilometern zur Arbeit waren es 12,6 Fälle. Nicht nur die Anzahl der Krankschreibungen, auch die durchschnittlichen Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen steigen dabei von 2,9 auf 3,4 Fehltage pro AOK-Mitglied. Treiber ist dabei die Diagnose “Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen” (ICD F43). Hierunter fallen depressive Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen.

Für seine Analysen hat das WIdO auch die Fehltage-Verläufe innerhalb eines Fünfjahreszeitraumes dahingehend analysiert, ob ein Wohnortwechsel mit einer Veränderung der Entfernung zum Arbeitgeber Auswirkungen auf die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen hat. Bei den knapp 5 Millionen kontinuierlich AOK-versicherten Beschäftigten haben 5,1 Prozent in diesem Zeitraum die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort verkürzt, bei 6,1 Prozent ist die Strecke länger geworden. Bei einem Vergleich der Fehltage ein Jahr vor und ein Jahr nach dem Wohnortwechsel zeigt sich: Bei einer Verkürzung der Wegstrecke steigen die psychisch bedingten Fehlzeiten unterdurchschnittlich, eine Verlängerung erhöht sie überdurchschnittlich. Bei der Gruppe der Arbeitnehmer, die nach einem Wohnortwechsel zu Fernpendlern werden, also einen Fahrweg von mindestens 50 Kilometern zum Arbeitsort in Kauf nehmen, war der Anstieg der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen am größten (plus 54,4 Prozent). Kann die Distanz hingegen auf unter 50 Kilometer verkürzt werden, ist der Anstieg mit 7,9 Prozent deutlich geringer. In der Vergleichsgruppe derjenigen, die in den letzten fünf Jahren keinen Wohnortwechsel vorgenommen haben, lag der Anstieg bei 49,4 Prozent.

“Vergleicht man Beschäftigte, die in einem Fünfjahreszeitraum nicht umgezogen sind, mit denjenigen, die durch einen Umzug ihren Arbeitsweg auf unter 50 Kilometer verkürzen konnten, zeigt sich, dass die relative Veränderung der Fehltage aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent sinkt”, so Helmut Schröder. “Es lohnt sich also, wenn Beschäftigte ihren Arbeitsweg verkürzen oder Arbeitgeber ihre Mitarbeiter beispielsweise bei der Wohnungssuche vor Ort unterstützen.”

In den letzten Jahren kann unter allen Beschäftigten ein kontinuierlicher Anstieg von Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen beobachtet werden. Angesichts von großen Studien in Deutschland, die keine Zunahme von psychischen Störungen in Deutschland verzeichnen, sind die Gründe einer Verlagerung in Richtung psychischer Erkrankungen nicht abschließend geklärt. “Es wird deutlich, dass Arbeitnehmer, die lange Anfahrtswege zur Arbeit in Kauf nehmen, psychischen Belastungen ausgesetzt sind. So eröffnet die Arbeitsstelle in einer anderen Stadt beispielsweise neue Lern- und Entwicklungschancen, ist aber eben auch mit Risiken verbunden”, sagt Schröder.

Krankenstand bleibt stabil

Insgesamt ist der Krankenstand im Jahr 2017 wie in den beiden Vorjahren mit 5,3 Prozent konstant geblieben. Damit hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt. Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen sind in den letzten 10 Jahren konstant angestiegen (67,5 Prozent). Psychische Erkrankungen führen außerdem zu langen Ausfallzeiten. Mit 26,1 Tagen je Fall dauerten sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall im Jahr 2017.

Der Analyse des WIdO liegen die Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern zugrunde, die 2017 in mehr als 1,5 Millionen Betrieben beschäftigt waren.

Hinweis für die Redaktionen: Grafiken zum Thema finden Sie auf www.aok-bv.de

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Rücken, Hüfte, Knie – Frühjahrstreffen des Forschungsverbunds medizinische Rehabilitation

26.03.2018 11:04

Über die richtige Diagnostik und eine individuell angepasste Therapie bei chronischen Rückenschmerzen spricht Prof. Dr. med. Frank Mayer von der Universität Potsdam am 11. April in der Median Klinik Hoppegarten. Der Sportmediziner hält den Impulsvortrag zum Frühjahrstreffen des Forschungsverbundes medizinische Rehabilitation, in dem die Universität mit Reha-Kliniken der Region Berlin-Brandenburg vernetzt ist. Im Mittelpunkt stehen diesmal orthopädische Erkrankungen.

Mit Spannung erwartet werden die Ergebnisse einer Studie zur „Telemedizinisch gestützten Bewegungstherapie nach Hüft- oder Kniegelenksersatz“ – ein Leuchtturm-Projekt des Forschungsverbundes, in dem mehrere Reha-Kliniken mit dem Fraunhofer Institut FOKUS sowie Sportmedizinern und Rehabilitationswissenschaftlern der Universität Potsdam zusammenarbeiteten. Digitale Assistenzsysteme werden inzwischen auch bei Morbus Parkinson und im Alltag herzinsuffizienter Patienten eingesetzt. Hierzu stellen Experten aus dem Verbund aktuelle Forschungsprojekte vor.
Einen Gastvortrag hält Prof. Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Unter der Überschrift „Mediterran versus Nordic“ fragt er, welche Ernährungsform am ehesten das Risiko chronischer Krankheiten und insbesondere eines Herzinfarkts senken kann.
Das Frühjahrstreffen fügt sich ein in die Reihe „Rehabilitation im Dialog“, die dem Forschungsverbund ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Kliniken und Fachdisziplinen bietet und den Transfer von Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis fördert. Programm und Anmeldung sind im Internet unter www.uni-potsdam.de/rehawiss zu finden.

Zeit: 11.04.2018, 15.00–18.15 Uhr
Ort: Median Klinik Hoppegarten, Rennbahnallee 107, 15366 Hoppegarten, Raum E112
Kontakt: Prof. Dr. med. Heinz Völler, Professur für Rehabilitationswissenschaften der Universität Potsdam
Sekretariat: Beate Barnack
Telefon: 0331 977-4063
E-Mail: beate.barnack@uni-potsdam.de
Internet: www.uni-potsdam.de/rehawiss

Medieninformation 26-03-2018 / Nr. 043
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