Freitag, Februar 9th, 2018

 

Koalitionsvertrag eröffnet Perspektiven für die Versorgung älterer Patienten in Deutschland

 

 

 

Pressemitteilung 01-2018 (09.02.2018)

 

Koalitionsvertrag eröffnet Perspektiven für die Versorgung älterer Patienten in Deutschland – stärkere Fokussierung auf diese wachsende Patientengruppe bleibt jedoch weiterhin notwendig!

 

Mit der nachhaltigen Stärkung der sektorübergreifenden Versorgung, des Präventionsgedankens und dem Ziel, frühzeitig Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, werden für die Versorgung geriatrischer Patienten wichtige Themen im Koalitionsvertrag aufgegriffen. Die vereinbarten Strukturreformen im Krankenhausbereich, insbesondere die vorgesehene Finanzierung der Pflegepersonalkosten unabhängig von Fallpauschalen, werden deutliche Auswirkungen auf die Geriatrien im Krankenhaus haben. Als personalintensiver Versorgungsbereich müssen hier sachgerechte Umsetzungsregelungen entwickelt werden, die nicht zu einer Verschlechterung der Versorgung führen dürfen. Vielmehr muss eine Stärkung der Versorgung unmittelbar am Patienten erreicht werden.

 

Aus Sicht des Bundesverbandes Geriatrie ist die noch stärkere Ausrichtung der medizinischen Versorgung am Bedarf des Patienten sehr zu begrüßen. Die Geriatrie kann insbesondere bei der angestrebten nachhaltigen Stärkung der sektorübergreifenden Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten. Der Versorgungsbedarf geriatrischer Patienten liegt, bedingt durch die typische Multimorbidität dieser Patientengruppe und ihrer allgemeinen Gebrechlichkeit (Frailty), an der unmittelbaren Schnittstelle zwischen Akutversorgung, Reha und pflegerischer Versorgung und erstreckt sich von der vollstationären, teilstationären bis hin zur ambulanten Versorgung. „Diese Versorgungsziele der zukünftigen Regierungspartner sind im Sinne der geriatrischen Patienten sehr zu begrüßen“, so der Vorstandsvorsitzende des BV Geriatrie Ansgar Veer. „Die Koalitionspartner wollen zudem den Hospiz- und Palliativbereich stärken. Hier muss die Geriatrie als fachspezifische Versorgung in der Zeit vor bzw. während der Palliativ- und Hospizversorgung mitgedacht und entsprechend gefördert werden. Nur so kann das Vereinbarungsziel sinnvoll im Sinne der Patienten erreicht werden“, mahnte Veer an.

 

Die vorgesehene Finanzierung der Pflegepersonalkosten unabhängig von Fallpauschalen stellt eine weitere Neuerung dar, welche die Geriatrien als personal- und insbesondere pflegeintensiven Bereich stark beeinflussen wird. Hier ist die konkrete Umsetzung abzuwarten, die jedoch dem geriatriespezifischen Versorgungsauftrag entsprechen muss. Ebenso ist die Neupositionierung des MDK zu begrüßen, sofern dadurch Bürokratie abgebaut und ein fachbezogenes Miteinander erzielt werden kann.

 

Die Herausforderung, bestehende Versorgungshemmnisse zwischen ambulant und stationär abzubauen, zeigt sich nicht nur im Bereich der Notfallversorgung. Auch der geriatrische Patient braucht hier eine reibungslose Versorgung ohne Versorgungslücken an dieser Nahtstelle. Insofern sollte der Blick bei der Umsetzung der Vereinbarung weiter gefasst werden.

 

Im Bereich der Prävention gibt es in der Geriatrie eine Vielzahl von Ansatzpunkten, sodass eine weitere Schwerpunktsetzung in diesem Aufgabenfeld richtig und wichtig ist. Somit ist die Vorgabe, Prävention ´in allen Lebensbereichen´ stärken zu wollen auch für geriatrische Patienten ein sachgerechter Ansatz.

 

Ein echtes Versäumnis der Vereinbarung ist, dass der Rehabilitationsbereich vollkommen unerwähnt bleibt. Nicht nur, dass beispielsweise die Themenfelder Digitalisierung, Stärkung der Qualität oder Pflegepersonalkosten nur auf Krankenhäuser bezogen werden, auch darüber hinaus gibt es keine Impulse zur Verbesserung der Versorgung. „So bleibt z. B. die wichtige sektorübergreifende Versorgung in Richtung Pflegeversicherung zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit unerwähnt“, gibt Veer zu bedenken.

 

Bundesverband Geriatrie e.V.
Reinickendorfer Straße 61
13347 Berlin
Tel.: 030 / 339 88 76 – 10
Fax: 030 / 339 88 76 – 20
E-Mail: Geschaeftsstelle@bv-geriatrie.de

 

 

Bundesverband Geriatrie e.V.

Vorstandsvorsitzender: Dipl.-Kfm. Ansgar Veer

Geschäftsführer: RA Dirk van den Heuvel

Reinickendorfer Straße 61

13347 Berlin

Tel.: 030 / 339 88 76 – 10

Fax: 030 / 339 88 76 – 20

E-Mail: geschaeftsstelle@bv-geriatrie.de

http://www.bv-geriatrie.de

 

 

Der Bundesverband Geriatrie ist ein Verband von Trägern die rund 360 geriatrische Kliniken bzw. Einrichtungen betreiben und über ca. 22.000 Betten/Rehaplätze verfügen. Die auf Geriatrie spezialisierten Einrichtungen halten dabei sowohl stationäre, teilstationäre und ambulante Versorgungsangebote vor, sodass alle Ebenen der medizinischen Versorgung umfasst werden..

Geriatrie, oder auch Altersmedizin, befasst sich mit den speziellen Erkrankungen oder Unfallfolgen älterer Menschen. Das Besondere an dieser Patientengruppe ist, dass ältere Menschen zumeist mehrfach krank (multimorbid) sind. Die geriatrischen Kliniken bieten, hierauf abgestimmt, multidimensionale geriatrische Therapien. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der sich auf psychische, funktionelle, soziale und ökonomische Belange erstreckt. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der älteren Menschen zu erhalten, bzw. soweit wie möglich wieder herzustellen.

Neben der Interessenwahrnehmung als politischer Verband sieht der Bundesverband Geriatrie e.V. seine besondere Aufgabe in der Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der Versorgung.

Dazu wurde frühzeitig ein Daten- und Vergleichssystem mit Namen GEMIDAS aufgebaut und zu Gemidas Pro weiterentwickelt sowie die Erfahrungen für die Entwicklung eines eigenen Qualitätssiegels Geriatrie, welches von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle vergeben wird, genutzt. Finanziell trägt sich der Verband über die Beiträge seiner Mitglieder. Der Bundesverband ist daher auch aus finanzieller Sicht eine unabhängige Organisation.

 

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Gute Patientenversorgung nur mit zukunftsfähigen Konzepten

 

Berlin, 9. Februar 2018 – Der BDPK teilt das im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD formulierte Leitbild der Patientenorientierung. Positiv ist die Zusage von Investitionsmitteln für Umstrukturierungen, neue Technologien und für Digitalisierung in Krankenhäusern. Dazu gehört auch die geplante Förderung arbeitsteiliger Prozesse durch die Etablierung neuer Berufsbilder in der stationären Patientenversorgung. Das befähigt Kliniken dazu, gute Patientenversorgung zu organisieren und ihrem Versorgungsauftrag nachzukommen.

Personaluntergrenzen sind keine Lösung

Erhebliche Folgeprobleme sieht der Verband mit der Festlegung von abteilungsbezogenen Personaluntergrenzen für die Pflege auf die Kliniken und ihre Patienten zukommen:

  • Wenn in allen Pflegeheimen und Krankenhäusern starre Personalvorgaben eingeführt werden, besteht die Gefahr, dass wegen Fachkräftemangels Krankenhausbetten und Pflegeplätze in Pflegeheimen wegfallen. Wartelisten und Unterversorgung wären die Folge.
  • Der Bedarf an pflegerischem Personal lässt sich nicht zentral für alle Krankenhäuser definieren, sondern ergibt sich unter anderem aus den Versorgungsbedürfnissen der Patienten des einzelnen Hauses.
  • Moderne Patientenversorgung erfolgt wegen der Mulitmorbidität der Patienten zunehmend interdisziplinär und abteilungsübergreifend. Außerdem bestehen viele neue Berufsbilder, die in die Patientenversorgung eingebunden sind, die sich dem klassischen Pflege- und Arztberuf nicht eindeutig zuordnen lassen.
  • Zusätzliche Bürokratie durch MDK-Prüfungen halten Pflegekräfte und Ärzte vom Patienten fern.

„Besser wäre es, pflegerelevante Qualitätsindikatoren (Häufigkeit Dekubitus, nosokomiale Infektionen, Komplikationsraten) und Patientenzufriedenheit konsequent zu messen und zu veröffentlichen. Das schafft die Grundlage, Pflegepersonal sinnvoll einzusetzen. Eine solche Herangehensweise wäre weitaus konstruktiver und sinnvoller, als sich mit dem Zählen von Köpfen zu beschäftigen,“ sagt BDPK-Hauptgeschäftsführer Thomas Bublitz.

Krankenhausbehandlung ist Teamarbeit!

Rückwärtsgewandt ist die Entscheidung, das DRG-System bei den Personalkosten für Pflege außer Kraft zu setzen. „Damit werden Pflegekräfte willkürlich aus der organisatorischen Einheit Krankenhaus gehoben. Das heißt auch, dass Krankenhäuser für ca. ein Drittel ihrer Personalkosten, die sie für die Pflege aufwenden, zur Selbstkostendeckung zurückkehren,“ kritisiert Thomas Bublitz. Bestehende Organisationsstrukturen werden konserviert, Arbeitsteilung verhindert und Anreize für organisatorische Weiterentwicklung verschwinden.

Um eine Vision der medizinischen Versorgung der Zukunft zu entwickeln, benötigen Krankenhäuser organisatorische und finanzielle Hilfestellungen. Eine Expertenkommission auf Bundesebene sollte Vorschläge zur Organisation des Krankenhauses der Zukunft erarbeiten. Handlungsbedarf gibt es vor allem bei der Verbesserung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen und dem Einsatz der Digitalisierung für eine bessere Patientenversorgung bei Diagnostik und leitliniengerechter Behandlung.

Sehr sinnvoll ist die Intention der Koalitionäre, die rehabilitative Versorgung der pflegenden Angehörigen zu verbessern und den Ärzten die Direktverordnung von Rehabilitationsleistungen zu erlauben. Das allein reicht nicht. Der wachsenden Zahl von Pflege abhängigen Menschen, kann nur mit Rehabilitation begegnet werden. Deshalb ist die Direktverordnung für alle Patienten der GKV notwendig.

 

Ihr Ansprechpartner:
Thomas Bublitz
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes
Deutscher Privatkliniken e.V.
Friedrichstraße 60
10117 Berlin
Tel.: 0 30 – 2 40 08 99 – 0
Fax: 0 30 – 2 40 08 99 – 30

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