Donnerstag, Februar 8th, 2018

 

Adipositas – Motivation steht im Behandlungsmittelpunkt

Dr. Tatjana Schütz, Dipl. Ernährungswissenschaftlerin, leitet die Core Unit Ernährung und klinische Phänotypisierung am IFB AdipositasErkrankungen – www.ifb-adipositas.de, © Privat
Dr. Tatjana Schütz, Dipl. Ernährungswissenschaftlerin, leitet die Core Unit Ernährung und klinische Phänotypisierung am IFB AdipositasErkrankungen – www.ifb-adipositas.de, © Privat

Dr. Tatjana Schütz, Dipl. Ernährungswissenschaftlerin, leitet die Core Unit Ernährung und klinische Phänotypisierung am IFB AdipositasErkrankungen – www.ifb-adipositas.de, © Privat

Der 16. Mai 2018 steht im Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) ganz unter dem Thema des Ernährungsverhaltens in unserer Gesellschaft. In Kooperation mit dem Leipziger IFB AdipositasErkrankungen veranstaltet das BFW Leipzig das rehawissenschaftliche Kolloquium „Durch Dick und Dünn – Essstörungen in der Arbeitswelt“. Fachleute werden u.a. mit ihren Vorträgen das gesellschaftliche Phänomen der „dicker werdenden Gesellschaft“ beleuchten und sich den Fragen der Gäste stellen.

Frau Dr. Tatjana Schütz, Ernährungswissenschaftlerin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen, spricht in einem Vorabinterview über Adipositas als eine Erscheinungsform der Wohlstandsgesellschaft, die Ursachen und mögliche Ansätze, die „Volkskrankheit“ in den Griff zu bekommen.

Frage:      Kann man von einem Ansteigen der „Volkskrankheit“ Adipositas reden und wo liegen die Ursachen?

Antwort: Ja, aus weltweit erhobenen Daten geht hervor, dass die Menschen in vielen Regionen immer dicker werden. Betrachten wir Europa gibt es regional Unterschiede, die aber auch an den Lebensbedingungen festgemacht werden können. Insgesamt sind in Europa laut einer OECD-Studie* aus dem Jahr 2017 mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig. Und die Schwankungen speziell bei adipösen Erwachsenen liegen zwischen Italien mit 9,8 Prozent und

Ungarn mit 30 Prozent weit auseinander. Deutschland liegt mit 23,6 Prozent über der Durchschnittsmarke der OECD von 19,5 Prozent.

Zum Vergleich: 1990 bis 1992 lag der Bevölkerungsanteil mit Adipositas in Deutschland für die Frauen noch bei 23,9 Prozent und für die Männer bei 18,1 Prozent. Seither nahm die Adipositas besonders im jungen Erwachsenenalter am stärksten zu.

Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Der zunehmende Wohlstand in den westeuropäischen Staaten führte zu einer veränderten Lebensweise: weniger körperlich schwere Arbeit, ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln für wenig Geld, größeres mediales Angebot. Wir sind im Schlaraffenland angekommen. Unser Lebensstil ist nicht mehr zu vergleichen mit den Zeiten unserer Großeltern.

Die Balance zwischen Bewegung, Ruhe und Nahrungsaufnahme ist nicht mehr gegeben. Wir führen unserem Körper mehr Kalorien zu als wir verbrauchen und hören nicht auf den Körper, wenn er genug hat. Wir können über unser Sättigungsgefühl hinaus essen. Daraus kann sich langsam, aber stetig Adipositas entwickeln. Und Adipositas tut erst einmal nicht weh.

Frage:      Welche Chancen bestehen, den Prozess insgesamt wieder umzukehren?

Antwort: An erster Stelle steht die Prävention. Die Programme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) z.B. zielen direkt auf die gesunde Lebensweise mit Ernährung und Bewegung als Schwerpunkte in Kindertagesstätten, Schulen und am Arbeitsplatz ab. Es geht um das Erlernen des Bewusstseins, wie man mit seinem Körper umgeht. Was kommt auf meinen Teller? Esse ich aus Stress oder Langeweile? Wie kann ich auch zwischendurch gesund essen? Greife ich lieber zu einem kalorienarmen Getränk und gehe vielleicht als Ausgleich zur Büroarbeit zu Fuß zur Arbeit?

Wir können somit täglich kleine Entscheidungen über unsere Lebensgewohnheiten treffen und diese so ausrichten, dass unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden davon profitieren. Dies sind erste Schritte, um dem Trend einer zunehmend adipösen Gesellschaft entgegen zu wirken. Letztlich ist jeder für seinen Körper auch selbst verantwortlich. Es ist also wichtig, den Menschen für diese Entscheidungen zu motivieren, um aus sich selbst heraus zum Behandlungserfolg beizutragen.

Frage:      Es gibt deutschlandweit immer mehr Adipositaszentren. Ist dieses Mehr an Zentren auch ein Mehr an Hilfe?

Antwort: Das wird die Zeit zeigen. Es ist erst einmal zu begrüßen, dass in diesen Zentren der Behandlung der Adipositas und den daraus resultierenden Begleiterkrankungen eine zentrale Rolle zukommt. Hier gibt es die Fachkompetenz und die medizinische Ausstattung, um den Betroffenen zu helfen. Es wird eine Kombination von Ernährungsberatung, psychologischer Betreuung, Sporttherapie und gegebenenfalls Adipositaschirurgie angeboten, und gleichzeitig werden bereits gewonnene Erkenntnisse aus der Forschung u.a. unseres IFB AdipositasErkrankungen umgesetzt.

In erster Linie müssen jedoch die Hausärzte gestärkt werden. Sie sind die ersten, die mit dem Patienten, der an Adipositas erkrankt ist, in Berührung kommen. Hausärzte müssen den schleichenden Prozess von einem BMI im Übergewichtsbereich hin zu einer Adipositas mit einem BMI von über 30 kg/m² erkennen. So sollte das Wiegen des Patienten zu einem festen Bestandteil der Untersuchung werden, egal ob man wegen eines Routine Check-Ups oder wegen akuter Rückenschmerzen zum Arzt kommt. Wir müssen die Hausärzte befähigen, ein aufklärendes Gespräch zum Thema Adipositas mit dem Patienten zu führen und ihm geeignete Therapieangebote zu unterbreiten. Die Krankenkassen können z.B. bei der Information über die Infrastruktur und einer besseren Vernetzung der Angebote helfen: Gibt es Unterstützung durch Präventionsangebote wie Ernährungsberatung, Bewegungsangebote oder Stressmanagement bei zu hohem ? Wo finde ich diese Angebote in meiner Nähe, wo gibt es spezialisierte Zentren? Bekomme ich zeitnah einen Therapietermin? Darauf brauchen die Hausärzte Antworten, um ihren Patienten die entsprechende Hilfe anbieten zu können.

Von Seiten des IFB AdipositasErkrankungen Leipzig bieten wir Materialien an, wo sich Hausärzte informieren können. Gern organisieren wir auch Fortbildungsveranstaltungen oder treten auf Foren wie dem rehawissenschaftlichen Kolloquium im BFW Leipzig auf, um die Informationen eins zu eins weiterzugeben und ins Gespräch zu kommen. Krankenkassen wie die AOK Plus für Sachsen und Thüringen ziehen mit uns an einem Strang mit dem gemeinsamen Programm „Leipziger Adipositasmanagement“, um ihren Versicherten zu helfen. Die DAK Gesundheit geht offensiv mit einer Aufklärungskampagne in Form der Fotoausstellung SCHWERE[S]LOS und eigenen Studien in die Öffentlichkeit. So können wir Schritt für Schritt den Prozess der Adipositasentstehung verlangsamen. Und vielleicht auch wieder umkehren, wenn viele Partner aus Politik, Gesundheitswesen, Bildung und Wirtschaft mitmachen.

6.276 Zeichen
Das Interview führte: Michael Lindner/BFW Leipzig

* OECD Obesity Update 2017 (Quelle: http://www.oecd.org/health/obesity-update.htm; http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Zahl_des_Monats/Archiv2016/2016_5_Zahl_des_Monats.html

**Anja Schienkiewitz, Gert B. M. Mensink, Ronny Kuhnert, Cornelia Lange. Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland. Journal of Health Monitoring · 2017 2(2)
DOI 10.17886/RKI-GBE-2017-025; http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_2017_02_Uebergewicht_Adipositas_Erwachsene.pdf;jsessionid=59CDFB9763F5DAAAE95B88DDBB94D451.1_cid381?__blob=publicationFile

Weitere Informationen zum Rehea-Kolloquium:

http://www.bfw-leizpig.de/reha-kolloquium

Schlagworte:

BFW Leipzig, Reha-Kolloquium, Essstörungen, IFB AdipositasErkrankungen, Adipositas, OECD, Übergewicht

BFW Leipzig

Seit 25 Jahren ist das Berufsförderungswerk Leipzig als Spezialist auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation tätig. Hier werden Menschen ausgebildet und bedarfsorientiert unterstützt, die durch Krankheit oder Unfall aus dem gewohnten Arbeitsleben scheiden mussten. Mit individuellen Erprobungs-, Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen werden neue Möglichkeiten für den Weg zurück in ein erfülltes Arbeitsleben angeboten. Die Angebote als überregionaler Dienstleister auf den Gebieten Beratung, Diagnostik und Assessment, Qualifizierung, Prävention und Rehabilitation stehen neben der Hauptstelle in Leipzig in den Außenstellen in Brand-Erbisdorf, Chemnitz, Döbeln, Plauen und Zwickau zur Verfügung. Die vielfältigen Leistungen sind ein wichtiger Beitrag nicht nur um Menschen wieder in den Arbeitsprozess zurückzuführen, sondern diese tragen auch durch die Orientierung am Arbeitsmarkt zur Lösung des Fachkräftemangels in der Wirtschaft bei. Darüber hinaus werden an der Bildungseinrichtung verschiedene Kurse der beruflichen Weiterbildung angeboten.

Weitere Informationen und Bildmaterial:

Berufsförderungswerk Leipzig gemeinnützige GmbH
Michael Lindner
Leiter PR | Unternehmenskommunikation
Georg-Schumann-Straße 148
04159 Leipzig
Tel.: 0341 | 9175120
Fax: 0341 | 917563120
E-Mail: presse@bfw-leipzig.de
Internet: http://www.bfw-leipzig.de/presse

Hits: 75


Fachtagung Berufliche Rehabilitation schädel-hirn-verletzter Menschen

 

Termin:           01.-02.06.2018

Ort:                      Festsaal der Berliner Stadtmission Diakonie Betriebs GmbH, Lehrter Str. 68, 10557 Berlin

Veranstalter:   REHAaktiv Darr GmbH und neuroraum Fortbildung

Neben mehr oder weniger prominenten körperlichen Handicaps dominieren bei den Betroffenen nach Schädel-Hirn-Verletzungen häufig kognitive Störungen, wie Störungen der Aufmerksamkeit, der konzentrativen Belastbarkeit, des Gedächtnisses, der Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, aber auch Verhaltensstörungen in Familie, Beruf und Sozialraum. Ergänzt durch individuelle Faktoren des Rehabilitanden, wie berufsbezogene Neigungen und Interessen, regionale Standort und Strukturaspekte sowie die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt beeinflussen vielzählige Faktoren das Ergebnis einer beruflichen Rehabilitation nachhaltig und machen eine Wiedereingliederung oft ebenso aufwändig und anspruchsvoll, wie die Auswahl und Durchführung zielgerichteter Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Ausgehend von diesem komplexen Gefüge aus Umwelt und personenbezogenen Faktoren stellt die differenzierte klinisch-neuropsychologische Diagnostik und Therapie der kognitiven, emotionalen und verhaltensmäßigen Defizite und Ressourcen Schädel-Hirn-Verletzter eine zentrale Rolle im Prozess der beruflichen Reintegration dar. Während die Fokussierung auf berufliche Aspekte im Rahmen der stationären neurologischen Rehabilitation im deutschsprachigen Raum mittlerweile zum Standard gehört, zeigt sich die Verzahnung in den ambulanten / Nachsorge-Bereich weiterhin als problematisch. Durch die Auflösung typischer Schnittstellenprobleme können Betroffene im Rahmen poststationärer Maßnahmen zielgerichteter beim Wiedereinstieg in das Berufsleben begleitet werden.

Schwerpunktthemen sind:

  • Diagnostische Einschätzung der Erwerbsfähigkeit in der stationären neurologischen Rehabilitation
  • DRV – Leistungen zu Teilhabe am Arbeitsleben
  • MboR
  • Berufliche Reha bei REHAaktiv – NATIS-Programm (Neuropsychologische Aktivierungs- und Integrationssteuerung)
  • Fallkonferenz
  • Podiumsdiskussion

Zur Fachtagung sind Personen aller Berufsgruppen eingeladen, die sich für das Management von neurologischen Erkrankungen im Kontext beruflicher Rehabilitation interessieren.

Mehr Informationen hier: http://pdf.neuroraum.de/kurs/FB180601A.pdf

Kontakt:

neuroraum Fortbildung, Semmelstraße 36/38, 97070 Würzburg,

Telefon: 0931 – 46 07 90 33, Fax. 0931 – 46 07 90 34, info@neuroraum.de

Hits: 235


Chefarzt aus Bad Lippspringe bei der Hockey-WM in Berlin im Einsatz

Herausforderung und Ehre für den Orthopäden

Dr. Alexander Strassburg ist in diesem Jahr bei der Hallenhockey-WM Local Medical Officer. Foto: Heiko Appelbaum

Dr. Alexander Strassburg ist in diesem Jahr bei der Hallenhockey-WM Local Medical Officer. Foto: Heiko Appelbaum

Bei der diesjährigen Hallenhockey-Weltmeisterschaft vom 7. bis zum 11. Februar treten in der Max-Schmeling-Halle in Berlin sowohl bei den Frauen als auch bei den Herren jeweils zwölf Teams gegeneinander an. Dr. Alexander Strassburg, Chefarzt der orthopädischen Teutoburger-Wald-Klinik in Bad Lippspringe, begleitet das Ereignis als Local Medical Officer aktiv. Er organisiert die ärztliche Versorgung und hat das Wohlergehen der Besucher und Teams im Blick.

Zuletzt war der Orthopäde 2015 bei der Hockey-WM in Leipzig ärztlich aktiv und hat sich mit großem Engagement für weitere Aufgaben empfohlen. „Als die Anfrage des Hockey-Weltverbands kam, habe ich nicht lange überlegt und nach kurzer Rücksprache mit meinem Arbeitgeber, dem Medizinischen Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe, zugesagt“, sagt Dr. Alexander Strassburg. „Trotz des hohen Stressfaktors ist es doch eine ehrenvolle Aufgabe.“

Schon vor der Abreise nach Berlin musste er einiges organisieren. Telefonate mit Ärzten und die Beschaffung von medizinischem Material bis hin zu einem transportablen Ultraschall-Gerät standen auf der Agenda. Letzteres stammt aus der Teutoburger-Wald-Klinik, die in Sachen Orthopädie bestens ausgestattet ist.

Vor Ort zeigt sich dem Mediziner erfahrungsgemäß ein uneinheitliches Bild. Viele Teams bringen ihre eigene ärztliche Abteilung mit, andere Mannschaften sind aber auf die Ärzte vor Ort angewiesen.

Die Turnierärzte müssen zudem das Publikum und die über 300 Offiziellen absichern. „Da kann immer mal etwas passieren“, weiß Dr. Alexander Strassburg. Ob Sturz oder Grippe: Das medizinische Team steht stets mit Rat und Tat zur Seite.

Ohnehin ist der Teamgedanke ganz wichtig. In diesem Zusammenhang freut sich der Local Medical Officer über die Unterstützung durch den Deutschen Olympiaarzt Prof. Dr. Bernd Wolfarth, der als Ärztlicher Leiter an der Berliner Charité in der Abteilung Sportmedizin tätig ist.

Kontakt für Rückfragen:

Heiko Appelbaum
-Pressesprecher-
Medizinisches Zentrum für Gesundheit GmbH
MZG-Westfalen
Peter-Hartmann-Allee 1
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252/95-1038
E-Mail: h.appelbaum@medizinisches-zentrum.de

www.medizinisches-zentrum.de

 

 

 

Hits: 50