Montag, November 20th, 2017

 

Herausragendes Engagement für Menschen mit Suchterkrankungen

 

Diotima-Ehrenpreis 2017 an Prof. Dr. Wilma Funke, Prof. Dr. Gerhard Bühringer, Prof. Dr. Johannes Lindenmeyer und Peter Missel verliehen

Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer Foto: BPtK

Prof. Dr. Wilma Funke, Prof. Dr. Gerhard Bühringer, Prof. Dr. Johannes Lindenmeyer und Peter Missel haben heute den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die deutsche Psychotherapeutenschaft ehrt damit in diesem Jahr eine Kollegin und drei Kollegen, die sich für die Versorgung von Menschen mit Suchterkrankungen engagieren. „Suchterkrankungen und übermäßiger Substanzkonsum stellen ein bedeutendes epidemiologisches, sozial- und gesundheitspolitisches Problem dar. Den alarmierenden Zahlen stehen jedoch noch immer erhebliche Missstände in der Prävention und Behandlung entgegen. Hinzu kommt, dass Suchtkranke in besonderem Maß von Stigmatisierung betroffen sind“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Mit dem Diotima-Ehrenpreis werden dieses Jahr eine Kollegin und drei Kollegen ausgezeichnet, die sich in ihrer Berufslaufbahn auf verschiedene Weise dieser Patientengruppe gewidmet haben und maßgeblich dazu beigetragen haben, Psychotherapie in der Behandlung von Suchtkranken zu etablieren.“

Foto: BPtK

Professorin Funke ist leitende Psychologin in den Kliniken Wied, 2010 wurde ihr der Professorentitel von der Katholischen Hochschule NRW in Köln verliehen. Ihr beruflicher Weg ist geprägt sowohl durch ihre Tätigkeit in der Forschung als auch in der psychotherapeutischen Versorgung. Mit ihrem stetigen Engagement, beide Bereiche zu verbinden, hat sie Wesentliches erreicht, um Menschen mit Suchterkrankungen eine wissenschaftlich fundierte Versorgung anbieten zu können und zentralen Fragen der Versorgungspraxis wissenschaftlich nachzugehen. So hat sie nicht nur zu einem fruchtbaren Austausch zwischen Praxis und Forschung beigetragen, sondern auch immer wieder zur Vernetzung unterschiedlicher Versorgungsbereiche.

Professor Bühringer wurde nach langjähriger Arbeit am Institut für Therapieforschung in München 2005 auf die erste deutsche Professur für Suchtforschung an der Technischen Universität Dresden berufen, die er nach wie vor als Seniorprofessor leitet. Sein gesamtes Berufsleben lang hat er sich der empirisch und experimentell begründeten Suchtforschung und der Entwicklung und Verbreitung von Behandlungsmethoden für Suchterkrankungen gewidmet. Damit hat er die Psychotherapie von Suchterkrankungen wissenschaftlich begründet und weiterentwickelt, und zwar gleichermaßen für stoffgebundene wie auch Verhaltenssüchte. Er hat sich auf verschiedensten Ebenen für einen Wissenschaftstransfer und die Evaluation und Verbesserung der Prävention und Gesundheitsversorgung eingesetzt. Damit hat er die Suchtkrankenhilfe in Deutschland maßgeblich stimuliert und geformt.

Professor Lindenmeyer leitet die Salus Klinik Lindow und ist seit 2016 Honorarprofessor für psychosomatische und Suchtrehabilitation an der Technischen Universität Chemnitz. Mit ihm wird ein Kollege geehrt, der die Psychotherapie bei Suchterkrankungen weiterentwickelt und im Versorgungssystem verankert hat. Der aber auch maßgeblich dazu beigetragen hat, dieses Wissen sowohl nachfolgenden Generationen von Psychotherapeutinnen und -therapeuten als auch Suchtkranken zur Verfügung zu stellen, auch indem er sich gezielt an Multiplikatoren und Medien gewandt hat.

Peter Missel ist leitender Psychologe der Median Kliniken Daun – Am Rosenberg und Vorsitzender des Eifeler Verhaltenstherapie-Instituts. Seinem Engagement und politischen Weitblick ist es zu verdanken, dass die Entwöhnungsbehandlung für Suchtkranke ein wesentlicher Bestandteil des Suchthilfesystems in Deutschland wurde und im internationalen Vergleich einzigartig ist. Er hat sich langjährig dafür eingesetzt, Psychotherapie als wesentliches Behandlungsmittel in der Entwöhnung und Psychotherapeuten als wichtige Berufsgruppe in der Rehabilitation von Suchtkranken zu etablieren.

Foto: BPtK

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach Diotima aus Mantinea benannt, einer mythischen Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen.

 

Ihr Ansprechpartner:
Kay Funke-Kaiser
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 030.278785-21
E-Mail: presse@bptk.de
Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
Arbeitsgemeinschaft der Landespsychotherapeutenkammern
Klosterstraße 64
10179 Berlin
Tel.:     030 278785-0
E-Mail: info[at]bptk.de

Auszeichnung für wissenschaftliche Arbeiten

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Dr. Johanna Fiess, Ilka Buchmann, Lisa Friedrich-Schmieder, Vorstandvorsitzende der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung (v.l.)
Stiftung-Schmieder-Preis 2017

06.11.2017, Allensbach

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Dr. Johanna Fiess, Ilka Buchmann, Lisa Friedrich-Schmieder, Vorstandvorsitzende der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung (v.l.)

Bei der Preisverleihung: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Dr. Johanna Fiess, Ilka Buchmann, Lisa Friedrich-Schmieder, Vorstandvorsitzende der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung (v.l.)

Zwei Nachwuchsforscherinnen dürfen sich 2017 über den Stiftung-Schmieder-Preis freuen: Die Psychologin Dr. Johanna Fiess erhielt für ihre Dissertationsschrift zum Thema Funktionell neurologische Störungen (FNS) den mit 2.000 Euro dotierten ersten Platz. Ilka Buchmann, ebenfalls Psychologin und Doktorandin am Zukunftskolleg der Universität Konstanz, erhielt den zweiten Platz, dotiert mit 1.000 Euro, für eine hochrangig publizierte Arbeit zum Thema Apraxie.

Die jungen Forscherinnen bekamen ihre Auszeichnungen am 20. Oktober 2017 im Rahmen des Dies Academicus an der Universität Konstanz von Lisa Friedrich-Schmieder, der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung, überreicht. „Wenngleich auch die anderen eingereichten Arbeiten von hoher wissenschaftlicher Qualität waren, fiel die Entscheidung der Jury einstimmig für die Auszeichnung dieser beiden Arbeiten, die über den wissenschaftlichen Horizont hinaus auch einen direkten Praxisbezug aufweisen“, so Frau Friedrich-Schmieder.

FNS sind komplexe Gesundheitsstörungen, die ihrem Erscheinungsbild nach wie eine neurologische Erkrankung erscheinen, ohne dass jedoch eine (hinreichende) körperliche Ursache ausgemacht werden kann. Betroffene können z. B. durch Lähmungen, Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Blindheit oder Taubheit beeinträchtigt sein. Frau Dr. Fiess konnte u.a. zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit FNS auffällig häufig emotionale Vernachlässigung in der Kindheit erfahren haben und, dass sie auf stark erregende, negative Emotionen körperlich mit (transient) verstärkten Symptomen reagieren. Dies bildet sich auch in hirnphysiologischen Korrelaten ab. Neben diesen neuen Befunden gelang es Frau Dr. Fiess, bislang nur theoretisch postulierte Zusammenhänge empirisch zu validieren und zu präzisieren.

Frau Buchmann befasst sich im Rahmen ihres Promotionsstudiums mit dem Phänomen der Werkzeugapraxie. Nach einer neurologischen Schädigung können die Betroffenen einen – ihnen eigentlich bekannten – Gegenstand und seine Bedeutung nicht mehr verknüpfen: Sie wissen also z.B. nicht, was sie mit einer Gabel oder einer Schöpfkelle anfangen sollen, was im Alltag bereits die Zubereitung einer Mahlzeit unmöglich machen kann. Schon in ihrer Masterarbeit hatte Frau Buchmann ein Diagnostikinstrument zur Erfassung der Gliedmaßen-Apraxie entwickelt (Diagnostic Instrument for Limb Apraxia – Short Version; DILA-S). Der nun ausgezeichneten Publikation lag die Auswertung der Daten von 53 PatientInnen mit erstmaligem links- oder rechtsseitigen Schlaganfall zugrunde, die mit diesem Diagnostikinstrument untersucht worden waren.

Die Preisträgerinnen und ihre ausgezeichneten Arbeiten:

Dr. rer. Nat. Johanna Fiess, M.Sc.
Dissertation: Die Bedeutung von Belastung, Emotionsverarbeitung und Körpersensitivität für funktionelle neurologische Symptome (FNS)

Ilka Buchmann, M.Sc.
Publikation: Buchmann I, Randerath J, Selection and application of familiar and novel tools in patients with left and right hemispheric stroke: Psychometrics and normative data, CORTEX (2017), doi: 10.1016/j.cortex.2017.06.001.

 

Kontakt:

Kliniken Schmieder (Stiftung & Co.) KG

Zum Tafelholz, 78476 Allensbach
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