Freitag, Oktober 13th, 2017

 

Durch die ‚Sonnenaufgang-Brille‘: Wie Lichttherapie bei Depressionen helfen kann

Studie mit jungen Patienten startet an der LWL-Universitätsklinik Hamm

Im Gestell der Lichttherapie-Brille sind spezielle LED-Leuchten eingebaut, die mit einer Lichtintensität eines Sonnenaufgangs auf die Netzhaut wirken. Foto: LWL/Suilmann

Hamm (lwl). Welche Wirkung hat eine Lichttherapie bei Depressionen im Kindes- und Jugendalter? Dieser – wahrlich nicht nur in der kommenden ‚dunklen‘ Jahreszeit akuten – Frage spürt die Forschungsabteilung der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm (Träger: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL) nach. Und freut sich jetzt umso mehr über einen positiven Bescheid: Für eine Lichttherapie-Studie hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von knapp 1,8 Millionen Euro genehmigt.

Freuen sich über die Genehmigung der Lichttherapie-Studie in der LWL-Universitätsklinik Hamm: Prof. Dr. Dr. med. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor, (li.)und Prof. Dr. Tanja Legenbauer, Leiterin der Forschungsabteilung. Foto: LWL/Suilmann

Depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen zeigen eine hohe Zuwachsrate. Trotz der großen Bedeutung dieser Erkrankung im Kindes- und Jugendalter sind Effektivität und Sicherheit der gängigen medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungsansätze immer noch unzureichend untersucht. Ergänzende Behandlungen wie die Lichttherapie, die ohne Nebenwirkung auskommen, gelten aber als sehr vielversprechend. Hierbei kommt eine Lichttherapiebrille zum Einsatz: Sie wird morgens für eine halbe Stunde wie eine normale Brille aufgesetzt. In dem Gestell sind spezielle LED-Leuchten eingebaut, die mit der Lichtintensität eines Sonnenaufgangs auf die Netzhaut wirken. Normale Alltagshandlungen wie Frühstücken und Lesen sind damit möglich. Die handliche Brille könnte eine Alternative zur apparativ ungleich aufwändigeren Leuchtlampen-Therapie in Extra-Behandlungsräumen sein.

Die Lichttherapie-Brille stört kaum – Lesen zum Beispiel oder Essen sind ganz normal möglich. Fotos: LWL/Suilmann

„Studien an Erwachsenen belegen, dass eine morgendliche Lichttherapie nicht nur bei Winterdepression effektiv ist“, sagt Professor Dr. Dr. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm und einer der Studienleiter. „In unseren Vorstudien mit Jugendlichen konnten wir zeigen, dass sich vor allem der Schlaf der jungen Probanden verbessert hat“, sagt Prof. Dr. Tanja Legenbauer, Leiterin der Forschungsabteilung. „Vermutlich wird darüber die Depression günstig beeinflusst.“ Dies wollen Legenbauer und Holtmann in der geplanten Studie bei stationär behandelten depressiven Jugendlichen näher untersuchen. Ziel der Studie ist es, die Lichttherapie an einer größeren Patientengruppe zu erforschen und die Behandlungsdauer von derzeit zwei auf vier Wochen auszudehnen.

Hintergrund:
Im Rahmen der geplanten Lichttherapie-Studie hat die LWL-Universitätsklinik Hamm die verantwortliche Gesamtkoordination inne und kooperiert mit den Kinderpsychiatrien dreier weiterer Kliniken (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universität Ulm und Medizinische Hochschule Brandenburg in Neuruppin). So werden insgesamt 224 stationär behandelte Jugendliche mit Depressionen an der Studie teilnehmen und zusätzlich zur stationären Regelbehandlung untersucht. Nach 28 Tagen werden erste Effekte überprüft und die Patienten weitere sechs Monate beobachtet. Die ersten Patienten werden ab Februar 2018 behandelt, die Förderung läuft bis 2020.

Die LWL-Universitätsklinik Hamm im Überblick:
Die LWL-Universitätsklinik Hamm ist eine der größten Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland. Sie übernimmt die stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung für ca. 1,5 Millionen Menschen in der Versorgungsregion. Insgesamt verfügt die Klinik über 110 vollstationäre und 60 tagesklinische Behandlungsplätze in den fünf Tageskliniken Hamm, Rheda-Wiedenbrück, Bergkamen, Soest und Warendorf. Träger der Klinik ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Erste Anlaufstellen für Patienten oder deren Angehörige ist die Institutsambulanz der Klinik: LWL-Universitätsklink Hamm, Heithofer Allee 64, 59071 Hamm, Telefon 02381 893-3000.

 

Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Klaudia Suilmann, LWL-Universitätsklinik Hamm, Telefon: 02381 893-5018, klaudia.suilmann@lwl.org
presse@lwl.org

 

LWL-Einrichtung:
LWL-Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche Hamm
Heithofer Allee 64
59071 Hamm
Karte und Routenplaner

 


Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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Menschen mit Tumorerkrankungen sind schmerzmedizinisch zu einem beträchtlichen Teil unter- und fehlversorgt

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

Das belegen aktuelle Ergebnisse aus einer Online-Befragung unter Betroffenen

Berlin. Um Informationen über die schmerzmedizinische Versorgung und das Ausmaß schmerzbedingter Beeinträchtigungen auf Lebensqualität und Alltag der Betroffenen standardisiert erfassen zu können, startete die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. und die Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V. gemeinsam Anfang des Jahres die „PraxisUmfrage Tumorschmerz“ (www.Praxisumfrage-Tumorschmerz.de). Bundesweit wurden Betroffene dazu aufgerufen, unter Verwendung eines standardisierten Online-Fragebogens Auskunft über ihre Schmerzen zu geben.

Die Ergebnisse der Online-Befragung decken ernstzunehmende schmerzmedizinische Versorgungslücken bei Menschen mit Tumorerkrankungen auf. „Die Erkenntnisse, die wir aus dieser Befragung gewonnen haben, sollten alle Beteiligten zum Umdenken motivieren“, erläuterte PD Dr. med. Michael A. Überall, Präsident der DSL, Vizepräsident der DGS und Leiter der Patientenumfrage am Rande des Schmerzkongresses in Mannheim. Bisher lagen von Patienten mit einer Tumorerkrankung zu wenige Daten über Häufigkeit, Charakteristik, Intensität und Ausmaß tumorschmerz-bedingter Beeinträchtigungen sowie die medikamentöse Behandlung vor, um die Versorgungsituation richtig einschätzen zu können. „Dabei ist eine effektive Schmerztherapie für die betroffenen Patienten eine wesentliche Voraussetzung, um am alltäglichen Leben mit einer befriedigenden Lebensqualität teilhaben zu können“, so die Einschätzung des Schmerzmediziners.

Die Analyse der Daten zeigt, dass ein Großteil der Befragten (n=3.707) neben Dauerschmerzen zusätzlich unter akuten Schmerzattacken leidet. Laut Überall könnten bei einem Drittel dieser Patienten (n=1.064) allein durch eine Optimierung der Dauerschmerztherapie die akuten Schmerzattacken vermieden werden. Bei den übrigen Patienten (n=2.643) wäre aus Sicht der Schmerzmediziner eine spezifische Notfall- / Rescuetherapie sinnvoll – diese erhält aber weniger als ein Drittel der dafür eigentlich infrage kommenden Betroffenen.

Schmerzmedizinische Ausbildung in allen beteiligten Disziplinen nötig

„Wir müssen die schmerzmedizinische Ausbildung in den beteiligten Disziplinen stärker fokussieren und die Bedeutung einer suffizienten, individualisierten schmerzmedizinischen Versorgung von Tumorpatienten mit Dauer- und Durchbruchschmerzen in Bezug auf Alltagsfunktionalität und Lebensqualität noch stärker verdeutlichen“, so die Schlussfolgerung des Schmerzexperten. Das gelinge z. B. durch spezifische Fortbildungsveranstaltungen sowie die Implementierung versorgungsrelevanter Leitlinien, wie der DGS-PraxisLeitlinie zu Tumorschmerzen und tumorbedingten Durchbruchschmerzen.

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000 Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie in rund 125 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen.

Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V.

Zur Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. gehören inzwischen mehr als 3.000 Mitglieder, die von spezifischen Informationsangeboten und individueller Beratung profitieren. Mehr als 80 regionale Selbsthilfegruppen bieten Patienten sogar konkrete Unterstützung vor Ort. Auf Bundesebene engagiert sich der Verein darüber hinaus für die Rechte von Betroffenen in Öffentlichkeit und Politik. Zudem hat die Patientenorganisation mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) einen starken ärztlichen Partner an der Seite – mit dem Überblick über die aktuellsten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Schmerzmedizin.

Weiterführende Links: 
www.PraxisUmfrage-Tumorschmerz.de 
www.dgschmerzmedizin.de 
www.schmerzliga.de

Kontakt:

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Geschäftsstelle
Lennéstraße 9 | 10785 Berlin
Tel. 030-8562188-0 | Fax 030-22185342
info@dgschmerzmedizin.de
www.dgschmerzmedizin.de

Deutsche Schmerzliga e.V.
Postfach 740123 | 60570 Frankfurt
info@schmerzliga.de
www.schmerzliga.de

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