Mittwoch, September 20th, 2017

 

Schneller und einfacher in die Reha – gegen drohende Pflege

Reha-Tag am 23. September 2017: Dr. York Dhein, Johannesbad Gruppe, fordert besseren Zugang, mehr ambulante und wohnortnahe Angebote

Dr. York Dhein, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe.

BAD FÜSSING. „Reha vor Pflege“: Dieser Grundsatz ist gesetzlich verankert; doch immer noch mangelt es an der Umsetzung. Im Vorfeld des Deutschen Reha-Tags am 23. September 2017 bezieht Dr. med. York Dhein, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe, klar Stellung: „Der Zugang zu Rehabilitationsleistungen muss erleichtert werden. Denn nur so kann drohende Pflegebedürftigkeit vermieden werden.“ An die Reha-Branche gewandt sagt er deutlich: „Wir müssen die Reha zu den Menschen bringen, wohnortnah, ambulant und stationär verzahnt.“

In mehr als 1.200 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen mit knapp 120.000 Beschäftigten und insgesamt 170.000 Behandlungsplätzen werden Jahr für Jahr rund 2 Millionen Patienten behandelt. „Doch immer noch werden Rehabilitationsmaßnahmen nicht verordnet. Patienten müssen diese beim Arzt nachfragen, falls dieser die Reha nicht empfiehlt. Der Arzt beantragt dann die Maßnahme – das ist meist sehr kompliziert“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Johannesbad Gruppe, einem der zehn größten Reha-Anbieter in Deutschland. Ablehnungen sind die Regel. Der Weg in die Reha wird so erschwert, Anträge müssen wieder und wieder geschrieben werden. „Dabei zeigen Studien, dass Rehabilitation Pflege verhindern oder zumindest rausschieben kann“, weiß Dr. York Dhein.

Gegen Pflege und chronische Krankheiten

Gerade mit Blick auf die Rente mit 67 nimmt die Bedeutung für die Maßnahmen der Reha-Kliniken zu. „Die Menschen arbeiten länger und werden immer älter. Wer rechtzeitig eine Reha-Maßnahme erhält, kann auch im Alter fitter sein“, sagt Dr. York Dhein. Denn bei der Rehabilitation geht es um die Wiederherstellung der Arbeitskraft, die nicht die Krankenkasse sondern die Rentenversicherung finanziert.

Neben den älteren Menschen stehen auch Kinder stärker im Fokus der Reha-Anbieter. Sie profitieren vom neuen Flexirentengesetz. Denn: Jetzt steht ihnen und allen anderen chronisch kranken Kindern diese Maßnahme auch rechtlich zu. Dr. med. York Dhein wertet das als Meilenstein für viele Betroffene. „Die Kinderreha ist nun eine Pflichtleistung der Deutschen Rentenversicherungsträger. Das war eine ganz wichtige Entscheidung für die Gesundheit der Kinder“, sagt Dr. York Dhein und fügt an: „Eine Reha für Kinder kann jetzt bedarfsgerecht und nicht nur alle vier Jahre beantragt werden.“ Das Ziel der Behandlung ist die spätere Erwerbsfähigkeit der Betroffenen.

Immer mehr Kinder leiden an chronischen Krankheiten – 3,2 Millionen waren es 2013 laut Robert-Koch-Institut und damit 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Die Zahl der Anträge für Kinderrehabilitation hingegen geht kontinuierlich zurück. Waren es im Jahr 2008 nach Angaben der Deutschen Ärztezeitung noch 37.568 Anträge, sanken sie bis 2013 um 29 Prozent. Ein möglicher Grund: Die Antragstellung ist für viele Eltern schwierig und umfangreich. Auch Kinder- und Hausärzte wagen sich oft nicht daran, teilweise kennen sie den neuen Rechtsanspruch nicht oder scheuen den bürokratischen Aufwand. Dr. York Dhein fordert: „Das muss verbessert werden.“

Kurzer Weg in die Reha

Doch der Vorstandsvorsitzende spricht auch die Rehabranche an: „Wir müssen uns stärker am Bedarf der Patienten orientieren.“ Noch immer befinden sich die meisten Rehakliniken in ländlichen Gegenden. „Der Weg dorthin ist zu weit“, sagt Dr. York Dhein und fügt an: „Wir müssen näher zum Patienten, der in erster Linie unser Kunde ist.“ Mehr ambulante und wohnortnahe Angebote schaffen kürzere Wege. Die Johannesbad Gruppe reagiert mit ihrer Unternehmensstrategie auf diese Entwicklung.


CYBATHLON Experience meets REHACARE 2017

 

Exoskelette: Junger Markt  mit viel Potenzial

 

Der Markt für Exoskelette steckt noch in den Kinderschuhen und wächst aktuell sehr stark.  Die Entwicklung der Systeme ist noch  lange nicht abgeschlossen. Einen Eindruck von ihrer aktuellen Leistungsfähigkeit, aber auch von  den Grenzen bietet bei der REHACARE 2017 vom 4. bis 7. Oktober in Düsseldorf die CYBATHLON Experience der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) in der Messehalle 4. Hinter diesem Eventformat stehen Show-Wettkämpfe, bei denen Menschen mit körperlichen Behinderungen u.a. unterstützt von Exoskeletten auf Hindernis-Parcours alltägliche Aufgaben bewältigen.

 

Biologisches Prinzip

Der Begriff  Exoskelett  kommt aus der Biologie. So heißen die Stützstrukturen der Körper von Insekten.  Überträgt man das Prinzip auf den Menschen, entstehen angetriebene Orthesen, die am Körper befestigt werden und ein großes Potential für die Rehabilitation freisetzen: Technische Exoskelette können gelähmte oder geschwächte Patienten bei alltäglichen Bewegungen unterstützen.

 

Zurzeit entstehen viele neue spezialisierte Exoskelett-Firmen, aber auch etablierte Firmen im Medizintechnikbereich beginnen sich mit der neuen Technologie zu beschäftigen.

 

Erste Einsätze in der Therapie

Erste Exoskelette für den Therapieeinsatz in Krankenhäusern kamen um das Jahr 2000 auf dem Markt. Rund 10 Jahre später rückten auch Systeme für die persönliche Unterstützung von Menschen mit Querschnittslähmung nach. Vor allem in der Therapie, vereinzelt aber auch bei Privatanwendern sind inzwischen weltweit Hunderte dieser Geräte im Einsatz. Der am schnellsten wachsende Anwendungsbereich ist die Industrie. Dort werden Exoskelette seit 2015 u.a. zum Heben und Transportieren schwerer Lasten eingesetzt.

 

Beim Cybathlon 2016 traten sieben Piloten mit komplett gelähmten Beinen auf dem Exoskelett-Hindernisparcours an.  Dabei zeigten sich die Fähigkeiten der Assistenzsysteme, aber auch ihre Grenzen: Einige Hindernisse konnten nicht von allen Exoskeletten gemeistert werden, was den Teilnehmern in Rollstühlen problemlos gelang. Außerdem war die körperliche Anstrengung den Piloten deutlich anzusehen.

 

Alltagstauglichkeit verbessern

Im nächsten Entwicklungsschritt wird es deshalb darum gehen, die Alltagstauglichkeit  der Geräte zu verbessern, sie robuster, sicherer und leichter zu machen. Zwei Schweizer CYBATHLON-Teams haben sich zu diesem Zweck zusammengefunden. Das Exoskelett-Team VariLeg der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) und das Rollstuhl-Team HSR Enhanced der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) planen für den CYBATHLON 2020 das gemeinsame Rennteam VariLeg Enhanced.

 

Ergänzende Konzepte

Die HSR untersucht auch Konzepte zur Teilunterstützung von Hüft- und Kniegelenken, die teilweise gelähmte oder geschwächte neurologische Patienten beim Gehen und Aufstehen unterstützen. Durch geschicktes Verlegen von Kabelzügen können die Antriebe weiter vom unterstützen Gelenk entfernt platziert werden. Dies ermöglicht eine deutlich schlankere Bauform des Gerätes, die auch im Namen „Exosuit“ zum Ausdruck kommt. Für Menschen mit vollständig gelähmten Beinen ist der „Exosuit“ allerdings kein geeignetes Fortbewegungsmittel. Eines Tages wird es vielleicht möglich sein, flexible Exosuits mit leichten Exoskeletten zu kombinieren.

 

Um Exoskelette breiteren Bevölkerungsschichten verständlich zu machen, wird noch in diesem Jahr  der „Educational Exoskeleton“, kurz EduExo genannt, auf den Markt kommen. Es handelt sich dabei um einen Exoskelett-Lernbaukasten, der es ermöglicht, das Feld interaktiv zu erkunden und dabei fundiertes Fachwissen in den erforderlichen Disziplinen zu erlernen. Zielgruppe sind Schüler, Studierende, Lehrkräfte Bastler, und alle, die sich informieren wollen.

 

Autoren: Volker Bartenbach, Prof. Dr. Roger Gassert,  Meike Tarabori (ETH Zürich), Silvia Rohner, Prof. Dr. Christian Bermes (HSR)

Düsseldorf, 18. September 2017

 

Pressekontakt:

Manuela Preinbergs

Assistenz: Apostolos Hatzigiannidis

Tel.:      +49(0)211/4560-542/544

Fax:     +49(0)211/4560-87-542/544

E-Mail:  PreinbergsM@messe-duesseldorf.de

HatzigiannidisA@messe-duesseldorf.de

www.rehacare.de

 


VdK fordert Nationale Demenzstrategie

20. September 2017

Zum Welt-Alzheimertag

Zum Welt-Alzheimertag fordert der Sozialverband VdK Deutschland eine Nationale Demenzstrategie, die nicht nur Prävention, Behandlung, Pflege und Rehabilitation von Erkrankten, sondern auch die Begleitung, Schulung und soziale Sicherung von pflegenden Angehörigen umfasst. Weitere wichtige Bausteine sind die Koordinierung von Forschung, medizinischer und pflegerischer Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und die Schaffung von wohnortnahen Versorgungsstrukturen. „Die Phase der Einzelmaßnahmen, der Pilot- und Leuchtturmprojekte muss endlich in eine strukturierte Gesamtstrategie zum Wohle der an Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen münden. Es darf nicht noch mehr Zeit verstreichen“, sagt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September.

Etwa 1,6 Millionen Demenzkranke leben in Deutschland, zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen – Tendenz steigend. Trotzdem sind beispielsweise Krankenhäuser weder ärztlich noch pflegerisch angemessen auf diese Patienten eingestellt, kritisiert der Sozialverband VdK. „Wir brauchen dringend mehr geriatrisch geschultes Personal, auch in den Notaufnahmen“, erklärt Ulrike Mascher.

Der Hauptgrund für die fehlende Qualität in der Versorgung von Patienten mit Alzheimer liege aber vor allem im Personalmangel, sei es in Krankenhäusern oder in Pflegeeinrichtungen. „Der Mangel an Pflegekräften ist die größte Baustelle im Gesundheitswesen“, sagt Ulrike Mascher und appelliert an die zukünftige Bundesregierung: „Die Politik muss die Arbeit in Medizin und Pflege attraktiv machen und dort für gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung sorgen.“

Ziel der Pflegepolitik in der nächsten Legislaturperiode müsse es aber auch sein, pflegende Angehörige zeitlich, organisatorisch und finanziell noch besser zu unterstützen. Dazu gehören etwa weitere Anstrengungen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern, aber auch der Ausbau von Entlastungsangeboten sowie die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Pflegestützpunkten.

verantwortlich: Cornelia Jurrmann, Telefon: 030 / 92 10 580-401

„Soziale Spaltung stoppen!“, so lautet das Motto der VdK-Aktion zur Bundestagswahl 2017. Der Sozialverband VdK hat zu den Themen Rente, Gesundheit, Pflege, Behinderung und Armut Kernforderungen aufgestellt und Vorschläge zur Finanzierung einer solidarischen Sozialpolitik gemacht. Mehr Infos unter: www.vdk.de/btw17

 

 

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