Donnerstag, August 24th, 2017

 

BDP empört über Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur fachlichen Entkernung der Psychotherapeutenausbildung

Pressemitteilung 5/2017 des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen
24. August 2017

 

Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen (BDP) sieht Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet

„In den vergangenen Jahren entstand für uns der Eindruck, dass die Rechtsprechung zunehmend die Wichtigkeit eines verlässlich hohen, akademischen Zulassungsniveaus für den Berufsstand des Psychologen verstanden hat“, sagt Dr. Michael Krämer, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP).

„Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist für mich nicht nachvollziehbar. Allein auf die Masterurkunde für die Zulassung zur Psychotherapeutenausbildung abzustellen würde bedeuten, dass es auf die Inhalte im Bachelor-Studium nicht ankomme. Derart über fehlende, aber zwingend notwendige Grundkenntnisse hinwegzugehen, gefährdet die Versorgungsqualität in Deutschland und führt zu nicht kalkulierbaren Schäden bei Patienten und Verbrauchern“, so Krämer weiter, „Patienten müssen sich auf die hohe fachliche Kompetenz von Psychologen und Psychotherapeuten verlassen können. Das Urteil führt zu einer Beliebigkeit beim Berufszugang und öffnet Tür und Tor für nachhaltig schädlichen Wildwuchs.“

Das Bundesverwaltungsgericht hat entgegen den beiden Vorinstanzen am 17.8.2017 entschieden, dass es für die Zulassung zur Psychotherapeutenausbildung genüge, einen Master in Psychologie zu haben. Ein fehlender Bachelor in Psychologie sei nicht beachtlich. Auch wenn die Urteilsbegründung noch aussteht, das Ergebnis ist fachlich nicht nachvollziehbar. Für den Psychotherapeutenberuf würde damit die grundständige Ausbildung in Psychologie als Basis fehlen. Damit wird im europäischen und internationalen Vergleich die falsche Richtung eingeschlagen. Erst kürzlich hat die europäische Psychologenvereinigung EFPA betont, dass die Psychotherapie ein Anwendungsgebiet der Psychologie ist. Auch in Deutschland wird bisher für die Zulassung als Psychologischer Psychotherapeut der Abschluss eines fünfjährigen (Diplom)Studiums der Psychologie verlangt (§ 5 PsychThG).

Bundesverwaltungsgericht Aktenzeichen 3 C 12.16

Diese Pressemitteilung steht auch als PDF zur Verfügung:
www.bdp-verband.de/bdp/presse/2017/PM_04-17.pdf

Ansprechpartner für die Presse:
Philipp Kardinahl, Pressereferent des BDP
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin
Tel. 030 – 209 166 620
Fax: 030 – 209 166 680
presse@bdp-verband.de

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) vertritt die beruflichen Interessen der niedergelassenen, selbständigen und angestellten/beamteten Psychologinnen und Psychologen aus allen Tätigkeitsbereichen. Als anerkannter Berufs- und Fachverband ist der BDP Ansprechpartner und Informant für Politik, Medien und Öffentlichkeit in allen Fragen der beruflichen Anwendung von Psychologie und Psychotherapie. Der BDP wurde vor 70 Jahren am 5. Juni 1946 in Hamburg gegründet. Heute gehören dem Verband rund 11.500 Mitglieder in 13 Landesgruppen und 11 Sektionen an.


gamescom 2017: Exzessive Mediennutzung birgt Risiken

Berlin,  21. August 2017

Zahl der computerabhängigen Jugendlichen steigt

Köln/Berlin, 21. August 2017. Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren sind pro Woche im Durchschnitt etwa 22 Stunden mit Computerspielen oder der Internetnutzung beschäftigt. Zu den Herausforderungen und Risiken der virtuellen Welt für junge Menschen informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich der Computerspielemesse gamescom, die vom 22. bis 26. August 2017 in Köln stattfindet.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärt: „5,8 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigen mittlerweile ein gestörtes Internet– oder Computerspielverhalten. Sie haben Schwierigkeiten, ihr Spiel zu kontrollieren und zeigen ‚Entzugserscheinungen‘ wie Aggressivität, Rückzug vom Alltag oder Depressionen. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, der wir mit Aufklärungskampagnen wie den ‚Net-Piloten‘ oder gezielten Hilfsangeboten wie der Online-Ambulanz ‚OASIS‘ wirksam entgegenwirken können. Aber auch die Eltern müssen wachsam bleiben, mit ihren Kindern darüber sprechen und ein medienkompetentes Vorbild sein: Wer selbst beim Abendessen das Smartphone oder Tablet nicht mehr weglegt, ist den Kids gegenüber wenig glaubwürdig und vermittelt sicherlich keine gesunde Online/Offline-Balance.“

Die aktuellen Zahlen der BZgA belegen, dass sich der Anteil computerspiel- und internetbezogener Störungen bei männlichen Jugendlichen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 erhöht hat. Bei den weiblichen Jugendlichen hat sich der Anteil in diesem Zeitraum von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent fast verdoppelt. Insgesamt nutzen Jungen bevorzugt Computerspiele, Mädchen hingegen interessieren sich vor allem für die sozialen Medien.

„In der Prävention exzessiver Mediennutzung ist es entscheidend, Jugendliche frühzeitig im bewussten Umgang mit Medien zu schulen und auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam zu machen, um negativen Folgen wie Kontrollverlust und Vereinsamung entgegen zu wirken“, betont die Leiterin der BZgA, Dr. Heidrun Thaiss. „Für Schulen bietet die BZgA bundesweit mit den ‚Net-Piloten‘ eine Möglichkeit, das medienkompetente Miteinander unter Jugendlichen zu fördern, ganz ohne ‚erhobenen‘ Zeigefinger und mit einem Konzept der Prävention auf Augenhöhe.“

Im Rahmen des BZgA-Präventionsprogramms „Ins Netz gehen“ werden Jugendliche im Alter ab 12 Jahren sowie ihre Bezugspersonen in Elternhaus und Schule angesprochen. Für Schulen wurde das Programm „Net-Piloten“ entwickelt. Bei dem auf dem Peer-Ansatz  beruhenden „Net-Piloten“-Konzept werden Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren zur eigenverantwortlichen, maßvollen Nutzung von Computer und Internet geschult, um dann als Multiplikatoren ihr Wissen in Workshops für jüngere Jahrgänge weiterzugeben. Dabei werden sie inhaltlich von Lehrkräften und Fachkräften der Suchtprävention vor Ort unterstützt. Begleitend werden die Familien der Jugendlichen durch themenspezifische Elternabende in das Projekt eingebunden.

Exzessives Nutzungsverhalten zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene Probleme haben, ihre Internetnutzung zu kontrollieren und unruhig oder gereizt reagieren, wenn sie nicht online sein können. Für Menschen, die bereits ein problematisches Online-Nutzungsverhalten entwickelt haben, bietet zum Beispiel die LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum seit dem vergangenen Jahr den Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige (OASIS) an. Der Initiator Dr. Bert te Wildt sagt: „Für Internetsüchtige ist die Hemmschwelle, sich im Netz selbst Hilfe zu holen, offenbar niedriger, als sich direkt an eine Beratungsstelle zu wenden. Mehr als 10.000 Nutzer  haben bereits auf dem ‚OASIS‘-Portal den Selbsttest gemacht, um herauszufinden, ob sie oder ein Angehöriger unter Internetsucht leiden. Das Internet birgt zwar eine Suchtgefahr, aber es kann andererseits auch sinnvoll therapeutisch nutzbar gemacht werden.“

 

Auf der gamescom 2017 sind die BZgA mit den „Net-Piloten“ und „OASIS“ gemeinsam an einem Stand in Halle 10.2 vor Ort.

 

Mehr zum Thema:

 

  • Internetportal www.ins-netz-gehen.de mit Verhaltensänderungsprogramm „Das andere Leben“ (https://www.ins-netz-gehen.de/das_andere_leben/home)
  • Multiplikatoren-Internetportal www.multiplikatoren.ins-netz-gehen.de mit persönlichem Beratungsangebot für Eltern (http://www.multiplikatoren.ins-netz-gehen.de/multiplikatorenberatung)

 

Am Peer-Projekt „Net-Piloten“ interessierte Schulen und Suchtfachstellen können sich bei der Koordinationsstelle der „Net-Piloten“ unter update@cd-bonn(dot)de melden.

 

 

 

Weitere Informationsangebote der BZgA:

 

  • „Online sein mit Maß und Spaß“

Ein Elternratgeber zum richtigen Umgang mit digitalen Medien

  • „Computerspiele find ich toll! Wo ist das Problem?“

Flyer zum Thema „Computerspiele im Internet“ für Jugendliche

  • „Im Netz bin ich am liebsten! Wo ist das Problem?“

Flyer zur richtigen Nutzung von Internetangeboten für Jugendliche

 

Die Materialien können kostenlos bestellt werden:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln

Fax: 0221-8992257

E-Mail: order@bzga(dot)de

 

Die BZgA-Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015 – Teilband Computerspiele und Internetnutzung“ steht unter http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention/ zum Download zur Verfügung.