Dienstag, August 8th, 2017

 

Auch Gewerkschaften tragen Verantwortung

DKG zu den Aktionen von ver.di

Zu den Aktionen von ver.di zu Personalquoten erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum:

„ver.di macht es sich zu leicht. Ohne Rücksicht auf die Verfügbarkeiten am Arbeitsmarkt und die Finanzierungsmöglichkeiten der Krankenhäuser mehr Pflegepersonal zu fordern, das mag populär sein, hilft aber überhaupt nicht weiter. Die Gewerkschaft muss sich fragen lassen, mit welchem Personal die Kliniken denn die geforderten Stellen besetzen sollen. Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte in Deutschland ist leergefegt. Schon jetzt haben wir rund 10.000 Stellen im Pflegebereich in deutschen Krankenhäusern, die nicht besetzt werden können.

Sozial- und gesundheitspolitisch verantwortlich wäre dagegen, wenn die Gewerkschaft ver.di ihre Mitträgerschaft im GKV-System dazu nutzen würde, dass der GKV-Spitzenverband seinen Widerstand gegen eine vernünftige Refinanzierung der Mehrkosten der jüngsten Tarifabschlüsse aufgibt. Der Tarifabschluss 2017 verursacht in den Krankenhäusern ca. zwei Milliarden Euro Mehrkosten, sie erhalten über die Preisanpassungen aber nur die Hälfte erstattet. Die Koalition sieht für solche Fälle eine ergänzende Tarifausgleichsrate vor. Diese wird aber derzeit vom GKV-Spitzenverband verweigert. Die mit fast einer halben Milliarde Euro zu Buche schlagenden direkten Verbesserungen zur Förderung der Attraktivität der Pflegeberufe (Stellenhebungen, höhere Einstiegsgehälter und Neueinstufung z. B. in der Intensivpflege) werden von den Kassen nicht anerkannt.

Absolut inakzeptabel und äußert fragwürdig ist zudem, dass ver.di in einer bundesweiten Aktion Krankenhäuser unter Druck setzt und zu Verhandlungen über Personalbesetzungen auffordert. Die Koalition hat mit der jüngsten Gesetzgebung Personalbesetzungen in pflegesensitiven Bereichen der Qualitätssicherung zugeordnet und damit deutlich gemacht, dass Personalbesetzung nicht Angelegenheit der Tarifpartner ist. ver.di hat in der Expertenrunde der Koalition zur Vorbereitung dieser Gesetzgebung mitgewirkt und sich ebenfalls zur Zuständigkeit des Gesetzgebers und der Selbstverwaltungspartner in Personalbesetzungsfragen bekannt. Die DKG ist bereits in die Beratungen mit dem GKV-Spitzenverband zur Vorbereitung von Personaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen eingetreten. An diesem Prozess sind auch die Gewerkschaften beteiligt. Das ist der geordnete Weg. Die DKG fordert ver.di auf, diesen konstruktiv mitzugehen und nicht durch wilde Aktionen zu erschweren“.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundes- und EU-Politik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 1.956 Krankenhäuser versorgen jährlich 19,2 Millionen stationäre Patienten und rund 20 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,2 Millionen Mitarbeitern. Bei 97 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

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Großer Bedarf an Gesundheitsprävention bei Pflegekräften

40 Prozent sehen ihre Berufsbelastung kritisch

Gemeinsame Sitzung zur Auswertung der Studie: von links: Ilona Taylor (bpa), Dr. Christian Alex (ärztlicher Berater des Bayer. Heilbäder-Verbandes), Gabriella Squarra (Kurdirektorin Bad Reichenhall) und Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Ludwig-Maximilians-Universität. Foto: Raab

Gemeinsame Sitzung zur Auswertung der Studie: von links: Ilona Taylor (bpa), Dr. Christian Alex (ärztlicher Berater des Bayer. Heilbäder-Verbandes), Gabriella Squarra (Kurdirektorin Bad Reichenhall) und Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Ludwig-Maximilians-Universität. Foto: Raab

München – Pflegekräfte haben einen großen Bedarf an Gesundheitsprävention. Über 40 Prozent sehen ihre Berufsbelastung kritisch, drei von vier Pflegekräften würden gerne an einem Präventionsprogramm teilnehmen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von fast 1.400 Pflegekräften in der Bundesrepublik im Rahmen des wissenschaftlichen Projekts „PFLEGEprevent“. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und dem Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Wissenschaftler des Lehrstuhls hatten die Befragung durchgeführt und dafür über 6000 Einrichtungen bundesweit kontaktiert. Zudem ließ der bpa Fragebögen und Flyer an über 1000 eigene Einrichtungen versenden.

Der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) und der bpa sehen mit diesen Ergebnissen ihre Meinung zur beruflichen Situation der Pflegekräfte bestätigt. „In der Pflege ist es fünf vor 12. Wir haben dringenden Handlungsbedarf“, so der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek. „Erst vor kurzem zeigte uns der BKK Gesundheitsatlas, dass die Zahl der Erkrankungen in der Pflege besorgniserregend ist. Die Beschäftigten in Pflege- oder Altenheimen sind im Jahr durchschnittlich 24 Tage krank, im Schnitt aller Berufstätigen waren es 16 Tage.“

Der Leiter der bpa Landesgeschäftsstelle Bayern Joachim Görtz ergänzt: „Die durch Krankheit bedingten Fehlzeiten wirken sich zudem belastend auf die Betriebsabläufe in den Pflegeeinrichtungen aus. Das Projekt kann deshalb auch dazu beitragen, dass alle Kolleginnen und Kollegen im Team gestärkt werden können.“ Ziel ist es, angesichts der hohen Belastungen der Pflegekräfte und des Pflegekräftemangels ein eigenes Präventionsprogramm für diese Branche zu entwickeln. Es soll zunächst im Staatsbad Bad Reichenhall durchgeführt werden. Das AlpenSole-Heilbad ist bekannt für seine innovative Produktentwicklung in der Prävention, mit Programmen wie „DurchatemZeit“ und das „Atemortnetzwerk“ und bietet daher ideale Voraussetzungen für dieses Pilotprojekt.

„Wir haben in dieser Befragung entscheidende Antworten für die Konzeption eines Präventionsprogramms erhalten“, so Prof. Dr. Dr. Angela Schuh. Die Pflegekräfte wünschen sich im Rahmen eines fünftägigen Präventionsprogramms neben Entspannungseinheiten, Bewegungsangeboten und aktiver Rückenschule vor allem Schulungen. Hier stehen die Themen „Teamarbeit stärken“, Bewältigung von Konfliktsituationen im Team und Umgang mit forderndem Verhalten der Pflegebedürftigen sowie Stress und Verhaltensänderung an oberster Stelle.

Auffällig bei der Umfrage: über die Hälfte der Pflegekräfte will bzw. kann für ein Präventionsprogramm keinen Urlaubstag opfern. Als Hauptgrund führen die Befragten ihre familiären Verpflichtungen an. Anhand der Befragungsergebnisse wird jetzt ein detailliertes Präventionsprogramm entwickelt. Die ersten Pflegekräfte sollen es Anfang 2018 in Bad Reichenhall durchlaufen. Mit dem Ziel, das Präventionsprogramm „PFLEGEprevent“ allen Kurorten zur Verfügung zu stellen, wird abschließend eine Handlungsanleitung zur prädikatsbezogenen Umsetzung entwickelt. Gleichzeitig fordern beide Verbände die Krankenkassen sowie die Arbeitgeber auf, dieses Präventionsprogramm für Pflegekräfte zukünftig im Rahmen einer Kur oder beruflichen Gesundheitsförderung zu bezahlen.

Weitere Infos zum Projekt „PFLEGEprevent“ gibt es auf der eigenen Homepage unter www.pflegeprevent.de.

Kontakt:

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