Donnerstag, Mai 4th, 2017

 

Auftakt für Deutschlands erstes Contergan Schwerpunktzentrum

Am Donnerstag, 27. April, feierte die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik mit über 80 Gästen die Eröffnung des ersten medizinischen Schwerpunktzentrums für Contergan-Betroffene bundesweit. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens zeigte sich von dem neuen Angebot überzeugt.

 

Nümbrecht. Rund 2400 contergangeschädigte Menschen leben derzeit in Deutschland, über 800 von ihnen in Nordrhein-Westfalen. Bisher gab es nur wenige Angebote, die auf die Anforderungen der mittlerweile Mitte 50-Jährigen zugeschnitten waren – jetzt erhalten sie mit Deutschlands erstem ambulanten Zentrum für contergangeschädigte Menschen in der Nümbrechter Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik eine spezialisierte medizinische Anlaufstelle.

 

Vertrauen in das Gesundheitssystem geweckt

NRWs erstes ambulantes Zentrum für contergangeschädigte Menschen in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik (v.l.): Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, und Dr. Ursula Becker, Geschäftsführerin der Dr. Becker Klinikgruppe, eröffneten das Zentrum gemeinsam mit Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen e.V., und NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens.

NRWs erstes ambulantes Zentrum für contergangeschädigte Menschen in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik (v.l.): Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, und Dr. Ursula Becker, Geschäftsführerin der Dr. Becker Klinikgruppe, eröffneten das Zentrum gemeinsam mit Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen e.V., und NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens.

 „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, mit der Eröffnung dieses Zentrums zur notwendigen Verbesserung der Versorgungssituation für contergangeschädigte Menschen beizutragen“, erklärte Dr. Ursula Becker, Geschäftsführerin der Dr. Becker Klinikgruppe. Sie begrüßte die mehr als 80 Betroffenen, Angehörigen sowie Gäste aus der Politik und der Gesundheitsbranche, die zur Eröffnungsfeier in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik erschienen waren, darunter Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie betonte ebenfalls in ihrer Rede, wie sehr ihr die Versorgung Contergan-Betroffener am Herzen liege. Auch weil NRW Sitz der Firma Grünenthal sei, die das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan 1957 auf den Markt gebracht hatte, habe das Land eine besondere Verantwortung für die Geschädigten. „Wo viele von Ihnen kein Vertrauen in das Gesundheitssystem fassen können, das Ihnen oft nicht oder nur unzureichend geholfen hat, bildet Nümbrecht eine Ausnahme. Professor Peters hat über Jahre ein Vertrauensverhältnis zu Ihnen aufgebaut. Mit dem Zentrum ist uns nun ein wichtiger Schritt gelungen, Ihnen durch eine bedarfsgerechte Behandlung, Prävention und Unterstützung auch im Alter ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen“, wandte sich die Ministerin an die Betroffenen.

 

Wieviel Handlungsbedarf hier besteht, skizzierte Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen e.V. Der 55-jährige Betroffene berichtete von überforderten Medizinern und unzureichenden Versorgungsangeboten – und das, obwohl die Folgeschäden immer offensichtlicher würden. Die Frage eines Arztes: „Warum nehmen Sie denn noch immer Contergan?“ sei hier ein gravierendes Beispiel. Immer mehr Betroffene erlitten außerdem mittlerweile einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Folge angeborener Gefäßschäden.

 

Gründung eines Schwerpunkzentrums

„Über Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut“: Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Contergan-Betroffenen und Mitarbeitern der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik.

„Über Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut“: Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Contergan-Betroffenen und Mitarbeitern der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik.

Welche medizinischen Leistungen deshalb nötig sind, berichtete im Anschluss Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, der die ärztliche Leitung des Zentrums übernimmt. Gemeinsam mit der Uniklinik Köln hatte er von 2011 bis 2016 eine Langzeitstudie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit NRW durchgeführt, um die Folgeschäden contergangeschädigter Menschen zu evaluieren. Er betonte, dass die Betroffenen Ursprungsschäden über Jahrzehnte hinweg bemerkenswert gut kompensiert hätten. „Doch jetzt erfahren sie zunehmend körperliche und seelische Folgeschäden, die eine bedarfsgerechte Behandlung erfordern“, erklärte Prof. Peters. Gemeinsam mit Forschungspartner Prof. Dr. Christian Albus, Klinikleiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum Köln, hatte er sich deshalb für die Gründung von Schwerpunkzentren ausgesprochen.

 

Langjährige Expertise in Nümbrecht

Kompetenzen gebündelt: Gemeinsam mit einem multiprofessionellen Kompetenz-Team behandelt Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, (4.v.r.) im neuen Schwerpunktzentrum contergangeschädigte Menschen.

Kompetenzen gebündelt: Gemeinsam mit einem multiprofessionellen Kompetenz-Team behandelt Prof. Dr. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, (4.v.r.) im neuen Schwerpunktzentrum contergangeschädigte Menschen.

 In der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik hat die medizinische Versorgung contergangeschädigter Menschen Tradition: Seit 2000 betreibt Prof. Peters eine Contergan-Sprechstunde. Dieses Angebot wird nun abgelöst durch die umfangreichen Leistungen des Zentrums für contergangeschädigte Menschen. Statt rein ärztlicher Beratung erhalten die Contergan-Geschädigten nun Beratung, multidisziplinäre Diagnostik und Therapien. Dazu kommen sie für bis zu vier Tage (einer davon in der Uni Köln) in die Einrichtung. Alle Leistungen müssen nicht mehr privat von den Betroffenen gezahlt werden, sondern werden von den Kassen übernommen. Heil- und Hilfsmittel können die Ärzte der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Zukunft nicht nur empfehlen, sondern auch verordnen. Betreut werden die Patienten vom „Kompetenzteam Contergan“ der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, das sich bereits zu Zeiten der „Sprechstunde“ gebildet hatte. Es umfasst ca. 16 Personen, darunter zwei Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Masseure und Psychologen. Neu hinzugekommen ist eine Koordinatorin, die administrative Aufgaben übernimmt. Weitere Stellen werden jetzt nach Bedarf eingerichtet. Das Schwerpunktzentrum nutzt die Räumlichkeiten der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, die zu diesem Zweck bedarfsgerecht ausgestattet wurden. So hat die Rehaklinik beispielsweise im Nassbereich einen Ganzkörpertrockner installiert für Betroffene, die sich nicht selbst abtrocknen können.

Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist seit über 20 Jahren auf Rehabilitationsmaßnahmen in den Bereichen Neurologie, Orthopädie und Osteologie spezialisiert. Sie verfügt außerdem über eine interdisziplinäre neuro-orthopädische Station. Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik behandelt seit 2000 contergangeschädigte Menschen im Rahmen ihrer Contergan-Sprechstunde. Insgesamt behandelt die Klinik pro Jahr durchschnittlich 4.300 Rehabilitanden und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Standort Nümbrecht im Bergischen Land. Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik gehört mit acht weiteren Rehabilitationskliniken zur Dr. Becker Klinikgruppe. Das inhabergeführte Familienunternehmen mit Hauptsitz in Köln hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Rehabilitation des 21. Jahrhunderts zu gestalten. www.dbkg.de/rhein-sieg-klinik

 

Kontakt:

Dr. Becker Klinikgesellschaft mbH & Co. KG

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Verena Altenhoff

Parkstraße 10 / 50968 Köln /
Tel.: (+49) 221-934647 -45 /
Fax: -40 valtenhoff@dbkg.de http://www.dbkg.de

 


Klinik Königsfeld: Staffelstab übergeben

Prof. Dr. Marthin Karoff (li.) überreicht, begleitet vom Vorstandsvorsitzenden der DRV Westfalen Prof. Dr. Volker Verch (Mitte), den Staffelstab an seinen Nachfolger Prof. Dr. Frank C. Mooren

 

Ennepetal / Münster, 3. Mai 2017

– Sportmediziner Prof. Dr. Frank C. Mooren neuer Ärztlicher Direktor

– Übergabe bei Feierstunde vor Vertreterversammlung

– Verabschiedung des bisherigen Leiters Prof. Dr. Marthin Karoff

 

Prof. Dr. Marthin Karoff (li.) überreicht, begleitet vom Vorstandsvorsitzenden der DRV Westfalen Prof. Dr. Volker Verch (Mitte), den Staffelstab an seinen Nachfolger Prof. Dr. Frank C. Mooren

Prof. Dr. Marthin Karoff (li.) überreicht, begleitet vom Vorstandsvorsitzenden der DRV Westfalen Prof. Dr. Volker Verch (Mitte), den Staffelstab an seinen Nachfolger Prof. Dr. Frank C. Mooren

Staffelstabübergabe in der Klinik Königsfeld in Ennepetal: Neuer Ärztlicher Direktor der Reha-Klinik der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Westfalen ist Prof. Dr. Frank C. Mooren. Er übernimmt damit die Nachfolge von Prof. Dr. Marthin Karoff, der mit Erreichen der Altersgrenze Ende April aus der Klinik ausgeschieden ist. Prof. Dr. Karoff war 1988 als leitender Arzt für die damals neu einzurichtende Kardiologische Abteilung zur Klinik Königsfeld gekommen.

Die Klinik Königsfeld ist eine der fünf eigenen Reha-Kliniken der DRV Westfalen und verfügt derzeit über 182 belegbare Betten. Schwerpunkt der Klinik ist die Rehabilitation für Patienten mit Herz-, Kreislauf- und Gefäß- sowie orthopädischen Erkrankungen. Allein in 2016 wurden in der Klinik Königsfeld fast 3.400 Patienten stationär und ambulant behandelt. Zudem wird an der Klinik intensiv Reha-Forschung betrieben. Die Klinik Königsfeld, an der aktuell 129 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Wohl der Patienten arbeiten, ist kooperierende Klinik der Universität Witten/Herdecke.

Für den neuen Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Frank C. Mooren wird die neue Tätigkeit eine verantwortungsvolle und spannende berufliche Aufgabe in seiner Heimatstadt. Denn der 53-jährige Sportmediziner ist Ennepetaler, der auch 1983 am Reichenbach-Gymnasium das Abitur gemacht hat. Nach dem Studium der Medizin und Chemie an der Ruhr-Uni Bochum und etlichen Stationen an Kliniken, Universitäten und Forschungseinrichtungen in NRW sowie auch in England war Mooren zuletzt Professor für Sportmedizin an der Universität in Gießen. Dort leitete er bis zu seinem jetzigen Wechsel die Abteilung für Sportmedizin und war zwischendurch zusätzlich Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sportwissenschaften.

Den Staffelstab der Klinikleitung erhielt Prof. Dr. Mooren von seinem Vorgänger überreicht – begleitet vom Vorstandsvorsitzenden der DRV Westfalen, Prof.  Dr. Volker Verch. „Ein Staffelstab ist bei einem Sportmediziner im doppelten Sinn sehr symbolträchtig“, betonte Prof. Dr. Verch. Die Übergabe fand in einer Feierstunde direkt vor der Vertreterversammlung der DRV Westfalen statt, die zu ihrer turnusmäßigen Sitzung dieses Mal in Ennepetal zusammengekommen war. Damit unterstreicht das Parlament des westfälischen Rentenversicherungsträgers den hohen Stellenwert, den diese Klinik und das Thema Rehabilitation insgesamt in der Rentenversicherung haben.

Der Vorstandsvorsitzende hatte zuvor Prof. Dr. Marthin Karoff für dessen fast 30 Jahre langen Einsatz und das erfolgreiche Wirken für Patienten und Klinik gedankt. Prof. Dr. Verch hob dabei die Doppelfunktion von Prof. Dr. Karoff hervor – als hochqualifizierter Arzt und Kardiologe wie auch als renommierter Wissenschaftler in und für die Reha-Forschung.

Kontakt:
Jörg Grabenschröer
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutsche Rentenversicherung
Westfalen

Gartenstraße 194, 48147 Münster
Postanschrift: 48125 Münster
Telefon 0251 238-2049, Telefax 0251 238-2049
pressestelle@drv-westfalen.de
www.deutsche-rentenversicherung-westfalen.de


Mediziner wollen blinden Menschen helfen, gesunden Schlaf zu finden

Bild: Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät, kann das für Schlafstörungen sorgen. Dr. Wilfried Böhning will Betroffenen helfen. Foto: Heiko Appelbaum

Wenn die innere Uhr regelmäßig aus dem Takt gerät

 

Bild: Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät, kann das für Schlafstörungen sorgen. Dr. Wilfried Böhning will Betroffenen helfen. Foto: Heiko Appelbaum

Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät, kann das für Schlafstörungen sorgen. Dr. Wilfried Böhning will Betroffenen helfen. Foto: Heiko Appelbaum

Der Wechsel zwischen Tageslicht und Dunkelheit bestimmt maßgeblich die innere Uhr des Menschen. In unserer modernen Gesellschaft wird der Schlaf-Wach-Rhythmus zunehmend durch äußere Faktoren beeinflusst. Dazu gehört künstliche Beleuchtung, die im Winter Tageslicht simuliert.

Aber wie erleben vollblinde Menschen ohne Lichtwahrnehmung den Schlaf-Wach-Rhythmus? Der Großteil von ihnen kann nicht zwischen hell und dunkel unterscheiden, womit das „Stellen der inneren Uhr“, schlafmedizinisch als „Synchronisation“ bezeichnet, ausgeschlossen ist.

Vollblinde Menschen leiden dementsprechend häufig unter dem „Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndrom“ (kurz: „Non-24“).

„Aber auch bei nicht-sehbehinderte Menschen kann diese Schlafstörung vorkommen – wenn auch sehr selten“, sagt Dr. Wilfried Böhning. Er ist Schlafmediziner und leitet als Chefarzt das Schlafmedizinische Zentrum in der Karl-Hansen-Klinik sowie das Ambulante Zentrum für Schlafstörungen (AZfS). Beide Einrichtungen befinden sich in Bad Lippspringe.

Böhning wurde jüngst in das Experten-Gremium aufgenommen, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, Non-24-Patienten gezielt zu helfen.

„Wir sprechen bei Non-24 von einer massiven Schlafstörung mit erheblicher Auswirkung auf die gesamte Gesundheit der Betroffenen“, sagt Dr. Wilfried Böhning, „denn die Synchronisation der inneren Uhr steht in direktem Zusammenhang mit allen vom Tag-/Nachtrhythmus abhängigen Systemen wie der Hormon-, Atem- und Herzkreislaufregulation, kurz mit den Funktionsabläufen in nahezu allen Zellen im gesamten Organismus“. Böhning sieht es als große Herausforderung für Mediziner an, bei Betroffenen die richtige Diagnose zu stellen. „Glücklicherweise erkennen immer mehr Allgemeinmediziner Schlafstörungen bei ihren Patienten und überweisen diese dann zu Schlafmedizinern, die wiederum für eine optimale Therapie sorgen können.

Die Arbeitsgruppe „Non-24“ hat jetzt ein Rahmenpapier entwickelt. Dieses gibt eine kurze zusammenfassende Darstellung über die Charakteristika des „Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndroms“ sowie eine erste Übersicht über diagnostische und therapeutische Maßnahmen, welche geeignet erscheinen, die Versorgung von vollblinden, erwachsenen Non-24 Patienten in Deutschland zu optimieren. Ein Experten-Netzwerk wird zukünftig vollblinden Non-24 Patienten eine Behandlung zur Verfügung stellen, die dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung entspricht.

„Das ist ein erster großer Schritt in Richtung einer langfristigen Hilfe für die Betroffenen“, sagt Böhning.

Kurzfristig werden bundesweit Schlafsprechstunden speziell für Blinde angeboten – auch in Bad Lippspringe im Schlafmedizinischen Zentrum.

 

Schlafbezogene Symptome beim „Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndrom“:

Periodisches Auftreten von

  • extremer Schläfrigkeit während des Tages
  • unbeabsichtigtes Schlummern („napping“) während des Tages
  • schlechte Schlafqualität bei Nacht
  • nächtliche Schlaflosigkeit
  • Durchschlafen, ohne sich am nächsten Tag erholt zu fühlen

 

www.medizinisches-zentrum.de

 

Kontakt für Rückfragen:

Heiko Appelbaum
-Pressesprecher-
Medizinisches Zentrum für Gesundheit GmbH
MZG-Westfalen
Peter-Hartmann-Allee 1
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252/95-1038
E-Mail: h.appelbaum@medizinisches-zentrum.de
www.medizinisches-zentrum.de

 

 


Expertentagung der biha und DTL am „Tag gegen Lärm“: Aufklärung ist Prävention

Wie wir Kinder vor Lärm schützen können war Thema der gemeinsamen Veranstaltung der Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha) und der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) zum „Internationalen Tag gegen Lärm“, die am 26. April 2017 in Köln stattfand. Namhafte Vertreter aus Medizin, Forschung und Praxis führten in das Thema ein und beleuchteten vor allem den Alltag mit Blick auf das sensible kindliche Gehör. Wo beginnt Lärm, welche Folgen hat er, warum müssen Kinder besonders geschützt werden?

Georg Jaspert, Delegierter der biha, betont, dass gerade für Hörakustiker, die jeden Tag mit den Folgen von Lärmeinwirkung konfrontiert seien, Lärmprävention sehr wichtig sei: „Mehr Sensibilisierung der Öffentlichkeit treibt die Prävention voran.“ Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, sieht Lärmschutz bei Kindern ebenfalls als enorm wichtiges Thema an. Hier spreche er auch als Vater.

24 Stunden auf Empfang: Wie Lärm entsteht und auf das Gehör trifft, weiß Siegrid Meier, Dozentin der Akademie für Hörakustik (afh) in Lübeck: „In der Natur gibt es fast nie nur einen Ton. Ein Geräusch ist daher fast immer eine Vielzahl einzelner Töne, die das Gehör des Menschen ständig, 24 Stunden am Tag, identifiziert.“ Eine unglaubliche Leistung, die zeigt, dass das Gehör geschützt werden müsse.

Ein Ton zu viel: Ein lauter Knall kann bereits zu viel sein, auch im Kinderzimmer: Ein platzender Luftballon erreicht eine Lautstärke von 150 dB, eine Spielzeugpistole ebenfalls. Quietscheentchen schlägt mit 130 dB zu Buche. Direkt neben dem Ohr kann dieser Krach das kindliche Gehör irreparabel schädigen.

Schon Schulkinder hören schlecht: Prof. Dr. Martin Walger, Leiter der Audiologie und Pädaudiologie der Klinik für HNO-Heilkunde an der Uniklinik Köln, Leiter des Cochlear Implant Centrums Köln und ebenso des Hörscreeningzentrums Nordrhein sowie Präsident der deutschen Gesellschaft für Audiologie: „4 bis 5 Prozent der Schulkinder sind von einem Hörverlust ab 25 dB und mehr betroffen. Hinzu kommt eine beträchtliche Dunkelziffer.“ Zu den bekannten Folgen von Lärm für das Gehör kommen Störungen von Schlaf, Herz- und Kreislaufsystem, Konzentration und Lernfähigkeit und eine erhöhte Stressanfälligkeit.

Unterschätzte Gefahr: „Besonders gefährlich sind Lärmimpulse“, weiß Professor Walger. „5 Prozent der Gehörschäden an Silvester betreffen unter 25-jährige, das sind Kinder!“ Hier wird deutlich, dass Eltern ihre Kinder schützen müssen, auch „weil Kinder selbst Lärm und seine Gefahren nicht einschätzen können.“

Hörscreening und Hörhilfen für die Kleinsten: Dr. Ruth Lang-Roth, Oberärztin und Leiterin der Phoniatrie und Pädaudiologie, Leiterin des Cochlear Implantzentrums der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Köln und Leiterin der Hörscreeningzentrale Nordrhein, ist Expertin für die Entwicklung des kindlichen Gehörs, frühkindliche Hörstörungen und ihre Diagnostik. Ungeborene hören bereits in der 25. Schwangerschaftswoche. Zwischen dem 2. und 4. Tag nach der Geburt wird der erste Hörtest, ein Hörscreening, unternommen. Dennoch werden manche Hörstörungen erst nach dem 12. Lebensmonat entdeckt, „wenn nämlich das heiß ersehnte ‚Mama‘ oder ‚Papa‘ ausbleibt“, weil sich aufgrund einer Hörschwäche die Lautsprache nicht entwickelt. Leichtere Beeinträchtigungen würden sogar erst im Schulalter entdeckt. Das 2009 eingeführte Hörscreening von Neugeborenen sei daher elementar wichtig.

„Hörbeeinträchtigungen sind die häufigste Sinnesbehinderung bei Kindern. Es betrifft 2 bis 3 Neugeborene unter 1.000. Und 50 Prozent aller kindlichen Hörstörungen entwickeln sich erst nach der Geburt.“ Regelmäßige Kontrolle ist wichtig. „Wir sind alle aufgefordert, wachsam zu sein. Kein Kind ist zu klein für eine Hörsystemversorgung“, sagt Lang-Roth. „Wir finden Lösungen, beispielsweise mit so genannten FM-Anlagen.“ Hier helfen Hörakustiker, die sich besonders auf die Versorgung von Kindern spezialisiert haben, die Pädakustiker.

Lärmschutz geht noch besser:  Prof. Dr. Katrin Neumann kennt die verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen für Lärmschutz im Kindesalter, das betrifft Spielzeuge wie Schulräume und das alltägliche Leben. Sie wünschte sich noch besseren Lärmschutz in Deutschland. „Eine Gesellschaft ist umso fortschrittlicher, je sensitiver sie damit umgeht“, sagt Neumann.

Schluss mit Schall: Dirk Köttgen, Hörakustiker-Meister, stellt verschiedene Gehörschutze vor, die es für Kinder und Babys gibt. Sie können bis zu 25 dB aus der Lärmspitze nehmen. Für Kinderohren sehr wichtig. Die regelmäßige Kontrolle ist wichtig, da durch das Wachstum der Kinder und damit auch ihrer Ohren der Schutz nicht mehr passt und Schall durchlässt.

Lärmbedingter Tinnitus bei Kindern: Michael Bergmann, Geschäftsführer der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., sagt: „Ja, lärmbedingte Ohrgeräusche treten auch schon bei Kindern und Jugendlichen auf. Bei Kindern, die normal hören, wird der Tinnitus sehr selten chronisch. Aber bei schwerhörigen Kindern tritt der chronische Tinnitus dagegen häufiger auf.“ Weiterhin führt Bergmann aus: „Oft fühlen sich die Kinder durch den Tinnitus gar nicht so sehr gestört, aber die Ursachen sollten in jedem Fall abgeklärt und gegebenenfalls entsprechend behandelt werden.“

Das Fazit der Experten: Gehörschutz beginnt mit der Aufklärung, er geht weiter mit der Architektur von Gebäuden und Räumen bis zur Ausstattung. Ein Teppich an der Wand – z. B. in Turnhallen – schützt schon deutlich vor Lärm. Lärmampeln und Lärm-Apps zeigen objektiv auf, wie laut es im Raum ist.

Die Experten fordern: „Prüfen Sie Ihre Hörgewohnheiten.“ Ständige Beschallung durch Radio, Fernseher, Computer oder Smartphone setzen Kinder einer ständigen Lärmquelle aus. Pausen sind für das kindliche Gehör unbezahlbar. In ruhiger Atmosphäre ein Buch vorzulesen wäre bereits eine wertvolle Auszeit. Der wohl einfachste und doch wichtige Rat an die Eltern und Erzieher: Mit der Entfernung von der Geräuschquelle nimmt die Lärmbelastung überproportional ab. 

 

Hintergrund zum Hörakustiker-Handwerk
Mit circa 6.000 Hörakustiker-Betrieben und rund 14.500 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit qualitativ hochwertigen, volldigitalen Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha) vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.

 

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.