Dienstag, März 21st, 2017

 

Reha-Kolloquium: ein Netz gegen die Alkoholsucht

Pressemitteilung

21. März 2017

Nur zwei Prozent der Alkoholabhängigen finden einen Therapieplatz – Fachverband Sucht fordert schnellere Behandlung und bessere Prävention

BAD FÜSSING/FRANKFURT. 45,8 Jahre, männlich, erwerbslos, seit 15 Jahren abhängig: So sieht heute der durchschnittliche alkoholkranke Patient in stationären Suchtkliniken aus. Von den geschätzt rund 1,8 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland bekommen derzeit nur 40.000 pro Jahr einen stationären Therapieplatz – also gerade mal zwei Prozent. Außerdem greifen Hilfen durch Ärzte und Suchtberatungen im Vorfeld stationärer Therapien zu spät. „Wir müssen mehr in die Prävention und Früherkennung investieren“, fordert Rudolf Bachmeier, Qualitätsmanager der Johannesbad Gruppe, die vier Suchtkliniken betreibt, beim diesjährigen Reha-Kolloquium (20. bis 22. März in Frankfurt). „Ein rascher Behandlungsbeginn verkürzt die Leidenszeiten der Alkoholkranken, reduziert Folgeerkrankungen wie beispielsweise Krebs und verhindert ein soziales Abrutschen.“ Damit könnten auch die Kosten für das Gesundheitswesen gesenkt werden. Diese beziffert die Universität Hamburg in einer Studie mit rund 40 Milliarden Euro. Rudolf Bachmeier betont für den Fachverband Sucht (FVS) e. V.: „Ärzte, Beratungsstellen, Kliniken und stationäre Einrichtungen müssen sich besser vernetzen, um Menschen mit Suchterkrankungen schneller zu therapieren.“

Realität schreckt ab

In den Suchtkliniken der Johannesbad Gruppe in Bad Fredeburg und Furth im Wald wird Prävention gelebt: Sozialarbeiter der vier Häuser besuchen mit Patienten regelmäßig Schulen. Mit dem Präventionsprojekt „in between“ kommen auch zunehmend auswärtige Schulen zur Präventionsveranstaltung in die Johannesbad Fachklinik Fredeburg, die dafür mit Polizei und Suchtberatungsstellen zusammenarbeitet. „Wenn ein Abhängiger schildert, wie er in die Sucht gerutscht ist und wie hart es ist, wieder herauszukommen, beeindruckt das die Jugendlichen. Das schreckt stärker ab als jeder Film oder gar eine ganze Woche Prävention an der Schule“, sagt Romy Friederici aus der Johannesbad Fachklinik Fredeburg. Dieses Präventionsangebot nutzen auch Firmen wie Thyssen Krupp, Pierburg Neuss, Fuchs Meinerzhagen oder die Gemeinschafts-Lehrwerkstatt-Arnsberg GmbH. „Auszubildende bekommen in solchen Gesprächen einen intensiven Einblick in die Suchttherapie und mehr Verständnis für den schleichenden Weg in die Abhängigkeit“, erzählt Romy Friederici.  

Der Weg zurück ins Leben

Noch immer vermitteln Suchtberatungsstellen den Großteil der Patienten in die stationären Therapien. „Dabei sind meist Hausärzte die ersten Ansprechpartner – sie müssen besser geschult werden, um Suchterkrankungen und deren erste Symptome schneller zu erkennen“, sagt Rudolf Bachmeier. Derzeit kommen die meisten Überweisungen aus Beratungsstellen und Krankenhäusern. Eine engere Betreuung nach der Behandlung könne zudem die Rückfallquote weiter verringern. Rudolf Bachmeier sagt: „Das hilft, Krisen zu bewältigen und schafft eine schnellere Wiedereingliederung in das Leben und auch ein Zurück in den Beruf.“

Hintergrundinformation

„Effektivität der stationären Suchtrehabilitation – FVS-Katamnese des Entlassjahrgangs 2013 von Fachkliniken für Alkohol- und Medikamentenabhängige“ – Untersuchung des Fachverbandes Sucht, Bachmeier et al. (2016) SuchtAktuell 5 – 20:

Vermittler für Patienten in stationäre Therapien:

– 54,4 Prozent von Beratungsstellen
– 20,3 Prozent von Krankenhäusern (meist nach einem Entzug)
– 2,2 Prozent durch ärztliche oder psychotherapeutische Praxen

Therapieerfolg:

– 40,9 Prozent erfolgreich bzgl. Suchtmittelkonsum ein Jahr nach Beendigung der stationären Therapie (30,7 Prozent abstinent, 10,2 Prozent wieder abstinent nach Rückfall)

Gründe für Rückfälle in die Sucht sind:

– Frustration und Enttäuschung (28,6 Prozent)
– Depressionen (28,3 Prozent)
– Einsamkeit (22,1 Prozent)
– schwierige Lebenssituationen (21,5 Prozent)

 

Pressekontakt:

Simon Pink   
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Johannesbad Holding AG & Co. KG
Leitung Marketing & Unternehmenskommunikation
Johannesstraße 2
94072 Bad Füssing
Tel. +49 8531 23-2875
simon.pink@johannesbad.de
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Die Presseinformationen der Johannesbad Gruppe finden Sie unter www.johannesbad.de/presse.

Johannesbad Gruppe

Der Entwicklung immer mindestens einen Schritt voraus sein: Das ist die Philosophie der Johannesbad Gruppe, einem der größten Gesundheitsdienstleister und unter den Top-10 der Rehabilitationsanbieter in Deutschland. Medizin, Hotellerie, Aus- & Weiterbildung sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement bilden die vier Säulen der Gruppe. Das Portfolio der neun Johannesbad Fachkliniken umfasst Rehabilitation, Anschlussheilbehandlungen sowie ambulante und Akuttherapien für Orthopädie, Urologie, Akutschmerztherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Vier Fachkliniken sind spezialisiert auf die Therapie von Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen. Darüber hinaus bietet die Johannesbad Gruppe Präventions- und Rehabilitationsangebote für Kinder und Jugendliche sowie Eltern-Kind-Maßnahmen an. Die Leistungen in Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) sind ganzheitlich angelegt und konzentrieren sich auf die Beratung sowie die nachhaltige Implementierung maßgeschneiderter Konzepte. Hierbei schöpft die Johannesbad Gruppe für ihre Kunden aus dem Know-how des fachmedizinischen Dienstleisters. Großen Wert legt die Gruppe auf Aus- und Weiterbildung. Dafür unterhält sie unter dem Dach der Johannesbad Akademie vier medizinische Fachschulen für Physio- und Ergotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister, die dort für die Johannesbad Einrichtungen und den Gesundheitsmarkt ausgebildet werden. Die sieben Johannesbad Hotels in Deutschland und Österreich sowie die Johannesbad Therme komplettieren das Portfolio der Gruppe. Die Therme in Bad Füssing zählt zu den größten Deutschlands. Sie zeichnet sich – laut Institut für Wasserchemie und chemische Balneologie der TU München – durch eines der am höchsten konzentrierten Heilwasser aus.
Bei allen Anwendungen zur Prävention, Therapie und Rehabilitation steht der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt. Dabei ergänzen komplementärmedizinische Disziplinen die Schulmedizin.
Die Johannesbad Gruppe beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von 120 Millionen Euro.


Medizinische Reha-Leistungen: Verbesserte Informationen für Migranten

Erscheinungsdatum: 20.03.2017

Verbesserte Informationen für Migranten zur Rehabilitation der Rentenversicherung

Medizinische Rehabilitationsleistungen der Rentenversicherung werden von ausländischen Versicherten deutlich seltener in Anspruch genommen als von Deutschen. Die Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen ist bei Versicherten mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit um rund die Hälfte niedriger als bei deutschen Versicherten. Rund 1,5 Prozent der Versicherten mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit nahmen 2015 medizinische Rehabilitationsleistungen in Anspruch, bei Deutschen waren es in dem Jahr rund drei Prozent. Von rund 4,4 Millionen ausländischen Versicherten haben rund 62.900 Versicherte von dem Angebot der Rentenversicherung Gebrauch gemacht, von 32 Millionen deutschen Versicherten waren es rund 950.000. Beispielsweise nahmen 2015 1,7 Prozent Türken, 2,1 Prozent Italiener, 1,3 Prozent Spanier und ein Prozent Polen die Leistungen in Anspruch.

Sprachbarrieren und Informationsdefizite sind häufig Gründe, warum Zuwanderer die Rehabilitationsleistungen der Rentenversicherung seltener als Deutsche nutzen. Migranten wissen teilweise zu wenig darüber, wie ihnen im Fall einer gesundheitlichen Einschränkung geholfen werden kann. Auch religiöse oder kulturelle Barrieren oder ein unterschiedliches Krankheitsverständnis spielen eine Rolle. Dazu ist „Reha“ aus den Ursprungsländern häufig nicht bekannt. „Gelingt es, Migranten stärker für die Rehabilitationsleistungen zu sensibilisieren, bringt dies den Betroffenen eine stabilere Gesundheit und trägt damit dazu bei, dass sie länger im Erwerbsleben bleiben und damit auch im Alter besser versorgt sind“, so Brigitte Gross, Direktorin bei der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Die Deutsche Rentenversicherung hat vielfältige Aktivitäten gestartet, um auf diese Entwicklung zu reagieren. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Rentenversicherung beispielsweise zusammen mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e. V. und der Medizinischen Hochschule in Hannover die mehrsprachige Aufklärungskampagne „MiMi – Mit Migranten Für Migranten“ gestartet. Ziel ist die verstärkte muttersprachliche Information von Migranten über die Rehabilitationsleistungen der Rentenversicherung. Im Rahmen des Projekts werden etwa Migranten, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, zu interkulturellen Gesundheitslotsen ausgebildet. Nach dieser Ausbildung führen sie Informationsveranstaltungen in den jeweiligen Lebensräumen und in der Muttersprache der Migranten durch. Darüber hinaus bietet die Rentenversicherung auch mehrsprachiges Informationsmaterial für Migranten an. Auch stellen sich die Rehabilitationseinrichtungen verstärkt auf die Bedürfnisse von Rehabilitanden ein, etwa durch mehrsprachige Ärzte oder therapeutisches Personal.

Die Thematik ist ein Schwerpunkt des diesjährigen Reha-Wissenschaftlichen Kolloquiums. Dieser Kongress findet vom 20. – 22.03.2017 in Frankfurt am Main statt.

Kontakt:

 

Deutsche Rentenversicherung Bund
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