Dienstag, Oktober 25th, 2016

 

Beim Entlassmanagement verlangt das Schiedsamt vom Gesundheitssystem Unmögliches!

Der Rahmenvertrag zum Entlassmanagement zeigt vor allem auf der Prozessebene erhebliche Schwachstellen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat am 9. Januar 2017 Klage beim Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg gegen die Festsetzung des Rahmenvertrages zum Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V durch das erweiterte Bundesschiedsamt eingelegt. Die Klage hat, gemäß DKG, aufschiebende Wirkung, sodass die Rechtswirkungen des Rahmenvertrages bis zum Abschluss des Klageverfahrens suspendiert sind. Die DKG beabsichtigt, rein vorsorglich, auch die Kündigung des festgesetzten Rahmenvertrages zum 30.06.2018. Die nachfolgenden Ausführungen gelten unter Vorbehalt der Entscheidung des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg über die Anfechtungsklage.

Zielsetzung des Rahmenvertrages sei, dass der Patient und seine Bedürfnisse im Zentrum der Bemühungen aller an der Versorgung beteiligten Personen stünden. Gut gemeint, aber mit der am 13. Oktober 2016 getroffenen Schiedsamtentscheidung zum Entlassmanagement nicht zu verwirklichen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht vom bürokratischen Super-GAU und betrachtet selbstverständlich den Krankenhausbereich. Die DKG rechnet auch gleich aus, dass mindestens 50 Millionen Minuten Arbeitszeit gebraucht und jährlich 38 Millionen Blatt Papier durch das Ausfüllen von zwei Formblättern generiert würden.

Der AOK-Bundesverband macht bei seiner Betrachtung zum Rahmenvertrag Entlassmanagement einen kleinen Ausflug in das Wirtschaftsgeschehen außerhalb des Gesundheitswesens. Danach seien die Patienten Kunden der Krankenhäuser und diese hätten einen Anspruch auf einen After-Sales-Service, sprich Entlassmanagement. Erfolgreiche Unternehmen verfügten über einen derartigen Service und könnten damit Kunden an sich binden. Warum solle das Krankenhäusern nicht auch gelingen, so der AOK Bundesverband.

Damit meint die AOK wohl, dass das System kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen braucht. Eine Refinanzierung der anfallenden Kosten für das Bereitstellen des notwendigen Fachpersonals und der Leistungserweiterung für das Entlassmanagement sieht der Rahmenvertrag deshalb gar nicht vor. Der hausärztlich-geriatrische Betreuungskomplex wird bei niedergelassenen Ärzten mit € 16,59 pro Behandlungsfall vergütet – das Fachpersonal in Krankenhäusern erhält für vergleichbare Aufgaben kein Geld. Kein Wunder, dass die Kassen von einem After-Sales-Service der Krankenhäuser sprechen. Denn § 2 Absatz 3 des Rahmenvertrages schreibt den Anspruch des Patienten auf ein Entlassmanagement im Rahmen der Krankenhausbehandlung gegenüber dem Krankenhaus fest, gegenüber der Kranken- bzw. Pflegekasse besteht nur ein Anspruch auf Unterstützung.

Prozesse eines standardisierten Entlassmanagement mit multidisziplinärer Zusammenarbeit von Ärzten, Psychotherapeuten, Pflegepersonal, Sozialdienst, Krankenhausapothekern und weiteren beteiligten Berufsgruppen sind extrem komplex. Gemäß Rahmenvertrag erfolgt unter Verantwortung des Krankenhausarztes ein geeignetes Assessment und der patientenindividuelle Bedarf für die Anschlussversorgung soll möglichst frühzeitig erfasst und ein Entlassplan aufgestellt werden. Die Komplexität eines Entlassmanagements hat wohl auch das Schiedsamt erkannt, denn zukünftig wird zwischen patientenindividuellem Bedarf und komplexem Versorgungsbedarf nach der Entlassung unterschieden.

Für Patienten und Angehörige wird die Situation dadurch nicht gerade überschaubarer. Stellen die Beteiligten im Rahmen des Assessments einen Versorgungsbedarf explizit für die Anschlussversorgung nach Krankenhausbehandlung fest, kann das Krankenhaus frühzeitig Kontakt zum weiterbehandelnden und ggf. weiterversorgenden Leistungserbringer aufnehmen, um die Überleitung des Patienten anzubahnen. Das macht auch Sinn, denn die durchschnittliche Verweildauer von Patienten in deutschen Krankenhäusern liegt bei 7,4 Tagen. Hat der Krankenhausarzt aber genehmigungspflichtigen Bedarf erkannt (z.B. häusliche Krankenpflege, genehmigungspflichtige Hilfsmittel) muss das Krankenhaus den Kontakt zur Kranken- bzw. Pflegekasse noch vor der Einbindung eines entsprechenden Leistungserbringers aufnehmen. Durch die patientenbezogene Abstimmung in den genannten Bereichen leitet die Kranken- bzw. die Pflegekasse das Antrags- bzw. Genehmigungsverfahren umgehend ein und nimmt Beratungspflichten gegenüber dem Patienten wahr. Dafür stellen bundesweit alle Krankenkassen ab 1. Juli 2017 zu ihren Geschäftszeiten die telefonische Erreichbarkeit eines für die Unterstützung des Entlassmanagements verantwortlichen Ansprechpartners sicher.

Den Prozess Entlassmanagement nach dem Rahmenvertrag schlüssig durchzudeklinieren ist nicht möglich. Am Tag der Entlassung soll der Patient und mit dessen Einwilligung der die Anschlussversorgung durchführende Arzt einen Entlassbrief, mindestens jedoch einen vorläufigen Entlassbrief erhalten. Zusätzlich ist verpflichtend eine Rufnummer eines zuständigen Ansprechpartners für Rückfragen der weiterbehandelnden Leistungserbringer anzugeben. Kenner im deutschen Gesundheitswesen werden schnell feststellen, dass diese „eine Rufnummer“ bei weiterbehandelnden Leistungserbringern nicht existiert, zusätzlich muss der Datenaustausch mit den Kostenträgern bei allen genehmigungspflichtigen Leistungen ratzfatz gehen, sonst weiß weder Patient noch Krankenhaus welche Leistungserbringer die Nachsorge übernehmen. Trotz allem muss aber das Krankenhaus gemäß § 8 Absatz 1 des Rahmenvertrages den Informationsaustausch mit den an der Anschlussversorgung des Patienten beteiligten Leistungserbringern sicherstellen. Ohne Digitalisierung und die entsprechenden IT-Strukturen ist das nicht umzusetzen. Man darf gespannt sein, ob bis 1. Juli 2017 IT-Strukturen vorhanden und juristische Fallstricke geklärt sind. Die Justitiare haben natürlich im Rahmenvertrag verankert, dass bei allen verordneten Leistungen das Recht des Patienten auf freie Wahl des Leistungserbringers sowie § 128 SGB V zu beachten sind. Jeder Krankenhausarzt weiß natürlich, dass anderweitige gesetzliche Regelungen dem entgegenstehen können, trotz alledem ist die Bevorzugung eines Anbieters nicht statthaft. Vereinbarungen oder Absprachen zwischen Krankenhäusern und Apotheken oder sonstigen Leistungserbringern veranlasster Leistungen, die auf eine Zuweisung von Patienten abzielen, sind unzulässig.

Da ein Entlassmanagement im Sinne von Case-Management nicht ohne Zuweisung an nachsorgende Leistungserbringer umzusetzen ist, bietet der Rahmenvertrag ein findiges Ergebnis, das aber an der Umsetzbarkeit scheitert, da Krankenkassen nicht über das notwendige Personal verfügen und die Frage nicht beantwortet wird, wer eigentlich was macht. Nach § 10 Absatz 1 ist es Aufgabe der Krankenkasse, gemeinsam mit dem Krankenhaus, rechtzeitig vor der Entlassung die für die Umsetzung des Entlassplans erforderliche Versorgung zu organisieren, etwa die notwendigen Leistungserbringer zu kontaktieren (z. B. Vertragsärzte, Reha-Einrichtungen, ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen) und für deren zeitgerechten Einsatz zu sorgen.

Zwar forcierten gesetzliche Änderungen zum Entlassungsmanagement eine oberflächliche Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe, doch bedarf es für die Etablierung tragfähiger Formen der integrierten und kooperativen Gesundheitsversorgung weiterer Voraussetzungen und Anstrengungen, die weit über den Rahmenvertrag Entlassmanagement hinausgehen. Da im Gesundheitswesen niemand für Aufbau und Pflege der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen strukturell verantwortlich und eine Finanzierung nicht gewährleistet ist, bleibt Interdisziplinarität auch nach der Schiedsamtsentscheidung ohne Leben.

Interdisziplinäre Kooperationen in der regionalen Gesundheitsversorgung brauchen funktionierende IT-Lösungen, digitale Prozessabläufe und klare, rechtssichere Verantwortlichkeiten. Nach Vorliegen der Schiedsamtsentscheidung müssen Entlassmanagement Strukturen weiterhin finanziell durch Fördergelder oder Modellvorhaben unterstützt werden, da der Rahmenvertrag die Finanzierung eines Case-Managements nicht vorsieht. Fördergelder oder Drittmittel sind aber langfristig nicht tragfähig, weil daraus weder für Kranken- oder Pflegekassen noch Leistungserbringer rationale Finanz-, Personal- und Geschäftspläne entwickelt werden können.

Anläßlich der DEGEMED Veranstaltung am 25.11.2016 in Berlin wird der Autor zum Rahmenvertrag Entlassmanagement referieren:

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V. (DEGEMED): Anforderungen an ein Versorgungs- und Entlassmanagement in Reha-Kliniken, 25.11.2016, Berlin.


Immer mehr Knieverletzungen bei Frauen: Orthopäden und Unfallchirurgen fordern geschlechtsspezifische Prävention

Pressemitteilung zum DKOU 2016
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
25. bis 28. Oktober 2016, Messegelände Süd, Berlin

 

Berlin, Oktober 2016 – Die Zahl der Verletzungen von Frauen durch Sportunfälle oder Stürze ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als bei Männern. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der AOK Baden-Württemberg und des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Junge Frauen verletzen sich vor allem am Knie, während Seniorinnen immer öfter Brüche im Hüft- und Kniebereich erleiden. Orthopäden und Unfallchirurgen sehen angesichts dieser Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf und fordern Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen, um einen weiteren Anstieg der Verletzungsraten zu verhindern. Warum Frauen sich häufiger verletzen und wie sich Unfälle vermeiden lassen, erklären Experten auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2016 vom 25. bis 28. Oktober 2016 in Berlin.

 

Quelle: »Bauerfeind AG«, Zeulenroda

Quelle: »Bauerfeind AG«, Zeulenroda

Um die Verletzungsraten bei Männern und Frauen zu ermitteln, haben die AOK Baden-Württemberg, das Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universität Mannheim, das Sportinstitut der Universität Karlsruhe und der BVOU Daten von 3,8 Millionen Versicherten aus den Jahren 2008 bis 2013 ausgewertet und analysiert. Während dieses Zeitraums begab sich jeder zehnte Versicherte wegen einer Verletzung in ärztliche Behandlung. Vor allem die Knieverletzungen haben zugenommen, wie die Analyse zeigt: Bei den Frauen lag der Anstieg mit fast zehn Prozent dabei doppelt so hoch wie bei den Männern. „Insgesamt liegt die Verletzungsrate am Knie bei den Männern noch höher“, sagt BVOU-Präsident Dr. med. Johannes Flechtenmacher. „Die dramatische Zunahme bei den Frauen sollte jedoch Anlass geben, insbesondere Patientinnen besser über Verletzungsrisiken aufzuklären und geeignete Präventionsmaßnahmen umzusetzen.“

 

Bei jungen Männern und Frauen sind Sportunfälle der häufigste Grund für eine Verletzung – vor allem beim Skifahren, so die Ansicht des Experten: Die Fallzahl der Kniebandverletzungen bei Frauen lag zur Skisaison jedes Jahres um fast 30 Prozent höher als im Jahresmittelwert. „Falscher Ehrgeiz und Risikobereitschaft führen oft dazu, dass junge Menschen ihre Fitness überschätzen und stürzen“, so Flechtenmacher. „Wir brauchen Konzepte, um ein Bewusstsein für gesunden Sport zu schaffen, und Trainingsmethoden, um geschlechtsspezifische Schwachstellen zu stärken.“

 

Knochenbrüche im Kniebereich kommen bei beiden Geschlechtern etwa gleich häufig vor. Während Männer aber in jedem Alter gleich häufig einen Bruch erleiden, nimmt das Risiko bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr um das Siebenfache zu. Grund dafür ist eine geringere Knochendichte nach den Wechseljahren, mit der ein höheres Sturzrisiko einhergeht. Auch die Gefahr für einen Bruch an der Hüfte oder am Oberschenkelhals steigt mit zunehmenden Alter: Die European Association of Orthopaedics and Traumatology erwartet, dass sich die Zahl der Brüche in diesem Bereich bis 2050 verdoppeln wird. „Um zu verhindern, dass immer mehr ältere Menschen durch eine Verletzung ihre Selbstständigkeit verlieren, brauchen wir bessere Methoden zur Früherkennung der Osteoporose und zur Sturzprophylaxe“, fordert Flechtenmacher.

 

Die Studie von AOK, BVOU und Partnern ist die bislang größte deutsche Analyse von Knie- und Unterschenkel-verletzungen bei Männern und Frauen. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir das Geschlecht unserer Patienten bei der Behandlung nicht mehr außer Acht lassen dürfen und an geschlechtsspezifischen Präventions-, Behandlungs- und Rehabilitationskonzepten arbeiten müssen“, betont Dr. med. Manfred Neubert, Kongresspräsident des DKOU 2016. Weitere Unterschiede zwischen Verletzungen bei Männern und Frauen diskutieren Orthopäden und Unfallchirurgen auf einer Pressekonferenz am 26. Oktober im Rahmen des DKOU 2016.

 

Pressekontakt/Akkreditierung:

Pressestelle DKOU 2016

Anne-Katrin Döbler, Lisa Ströhlein

Postfach 30 11 20; 70451 Stuttgart

Tel.: 0711 8931-459; Fax: 0711 8931-167

E-Mail: stroehlein@medizinkommunikation.org

www.dkou.de


Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen in Schleswig-Holstein 2015: Zahl der Behandelten um zwei Prozent gestiegen

 

Statistik informiert … Nr. 159/2016

Im Jahr 2015 sind in den 63 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen in Schleswig-Holstein fast 137 100 Patientinnen und Patienten behandelt worden. Das sind gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr, so das Statistikamt Nord.

Die Zahl der aufgestellten Betten erhöhte sich um knapp ein Prozent auf 10 448. Die Bettenauslastung lag fast unverändert bei 84 Prozent. Bei der durchschnittlichen Verweildauer gab es eine leichte Abnahme um 0,4 Tage auf 23,4 Tage.

Kontakt:

Statistisches Amt
für Hamburg und Schleswig-
Holstein

Alice Mannigel
Telefon:  040 42831-1847
E-Mail:  Pressestelle[at]statistik-nord[dot]de

Fachlicher Ansprechpartner:
Thorsten Erdmann
Telefon:  040 42831-1757
E-Mail: thorsten.erdmann[at]statistik-nord[dot]de


Gehörlos ungleich arbeitslos

100-prozentige Erfolgsgeschichte: Frank Ilsebeck

Wenn Frank Ilsebeck seine Geschichte Revue passieren lässt, lächelt er glücklich. Im Moment kann es nicht besser laufen: Seine Ausbildung zur CNC-Fachkraft hat er erfolgreich abgeschlossen, hat Arbeit gefunden und auch in der Familienplanung stehen ihm positive Veränderungen bevor, denn in einigen Monaten wird er Vater.

Um mit einem Lächeln und seinem Ausbildungszertifikat in der Tasche vom Gelände des Berufsförderungswerks in Staßfurt zu gehen, hat er in den vergangenen Jahren viel gekämpft. Frank Ilsebeck ist von Geburt an gehörlos, hat eine schwere Krankheit hinter sich. Nachdem sich bei ihm die Arbeitslosigkeit wegen Insolvenz seines ehemaligen Unternehmens angekündigt hatte, bemühte er sich selbst um eine neue Perspektive und lernte daraufhin das Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt in Staßfurt kennen.

Während des RehaAssessments stellte sich schnell heraus, dass eine gewerblich-technische Ausbildung seinen Interessen und Kompetenzen entspricht. In einem vorgeschalteten Reha-Vorbereitungskurs sollten die schulischen Grundkompetenzen, wie Mathematik, Rechtschreibung und Grammatik, aufgefrischt werden. Dass das nicht einfach werden würde, zeigte sich ziemlich schnell. „Die deutsche Sprache, die sprechende und hörende Menschen täglich anwenden, stellt für Herrn Ilsebeck quasi eine Fremdsprache dar. Zum verbalen Kommunizieren mit den Teamkollegen und Lehrern, aber auch zum Verstehen von schriftlichen Anweisungen auf Arbeitsblättern sowie Fachtexten benötigt er die Unterstützung eines Gebärdendolmetschers“, erklärte Brigitte Kilian, Leiterin Qualifizierung im Bfw. So wurde eine ganz neue Unterrichtsstrategie geschaffen, die Frank Ilsebeck eine gesonderte Förderung ermöglichte. Während die Klasse Englisch lernte, trainierte der 26-Jährige Textverstehen in Deutsch. Immer an seiner Seite natürlich der Gebärdendolmetscher.

Mit Optimismus und Willen in die neue berufliche Zukunft

Trotz der guten Förderung machten sich die zuständigen Mitarbeiter und Lehrer des Bfw Gedanken zur Integration in den Arbeitsmarkt: Beim Arbeiten an Maschinen hören die Fachkräfte, wenn etwas nicht stimmt. Wie soll das bei Frank Ilsebeck funktionieren? Das Erstellen von CNC-Programmen verlangt sehr gute Mathematikkenntnisse, Fachkenntnisse aus der Fertigungstechnik und Werkstoffkunde, das Lesen und Verstehen von technischen Zeichnungen sind unerlässlich. In vielen Firmen wird in Mehrschichtsystemen gearbeitet. Kann auch Frank Ilsebeck das leisten und ist er den Anforderungen gewachsen? Für Frank Ilsebeck gab es solche Fragen nicht! Er war immer höchst motiviert, zeigte großes Interesse und einen starken Willen, um diesen Weg zu meistern.

Nach erfolgreichem Abschluss aller Vorbereitungsmaßnahmen startete die Ausbildung mit einem ganz individuellen Stundenplan, aber mit allen notwendigen Inhalten, z. B. CNC-Theorie und Praxis, technische Mathematik, Fachenglisch. Zusätzlich zu dem individuellen Training wurde der Rehabilitand in den Unterricht der Ausbildungsgruppen integriert.

 

Selbstbestimmtes Leben ist das Ziel

„Herr Ilsebeck ist ein Teilnehmer, der keinen üblichen Verlauf im Bfw absolviert hat und auch die Mitarbeiter des Berufsförderungswerks vor einige Herausforderungen stellte“, so Brigitte Kilian. Sowohl durch das Zusammenspiel von Optimismus als auch starkem Ehrgeiz des Teilnehmers sowie das Engagement aller zuständiger Bfw-Mitarbeiter und Lehrer wurde aus der Ausbildung des Rehabilitanden eine 100-prozentige Erfolgsgeschichte. Während der Vorbereitungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bekam Frank Ilsebeck Unterstützung von allen Seiten im Bfw. Die Kompetenztrainer und Reha- und Integrationsmanager begleiteten ihn von Anfang an, die Arbeitsmarktexperten hatten die Integration in den Arbeitsmarkt stets im Auge. „Seit Beginn haben wir nach einem geeigneten Arbeitsplatz gesucht. Dieser musste bestimmte Voraussetzungen erfüllen, denn durch seine Erkrankung darf Herr Ilsebeck nicht in Nachtschichten arbeiten. Uns war klar, dass die Integration in den Arbeitsmarkt eine große Herausforderung werden wird. Gerade die CNC-Fachkräfte arbeiten nahezu vollständig im Drei-Schicht-System“, erklärte Michael Küchler, Arbeitsmarktexperte im Bfw.

Größter Wunsch von Frank Ilsebeck war es, wieder in ein Arbeitsverhältnis zu kommen, um ein selbstbestimmtes Leben mit regelmäßigem Einkommen zu führen. Und genau dieser Plan hat funktioniert. Frank Ilsebeck konnte nach mehrmonatigen Praktika in das Braunschweiger Unternehmen Sindermann Präzision GmbH integriert werden. „In diesem Unternehmen hat man das Potenzial von Herrn Ilsebeck sofort erkannt, sodass das Probepraktikum zu Beginn dieses Jahres sofort weitergeführt und die Anforderungen stets gesteigert wurden“, erklärte Michael Küchler.

Schnelle Fortschritte im Unternehmen

Dass das Unternehmen im Zwei-Schicht-System arbeitet und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit hörgeschädigten Menschen hat, ist natürlich optimal für den ehemaligen Rehabilitanden des Bfws. „Durch unsere Erfahrungen fiel uns die Einarbeitung von Herrn Ilsebeck nicht schwer. Bereits nach sehr kurzer Zeit konnte er die Maschinen mit einfachen Drehteilen bestücken und Änderungen im Programm vornehmen. Nach dem Praktikum konnte Herr Ilsebeck bereits kleine Programme selbst schreiben. Die Entwicklung ist so gut, dass wir sagen können, dass Herr Ilsebeck nach einem Jahr in unserem Unternehmen als vollwertiger CNC-Facharbeiter beschäftigt ist“, erklärte Bernd Massmann von der Sindermann Präzision GmbH. Aufgrund der schnellen Fortschritte sind seine Chancen auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis nach der Probezeit mehr als gut.