Montag, Oktober 17th, 2016

 

Fünf Prozent der Jugendlichen in Deutschland pflegen Angehörige

Montag, 17. Oktober 2016, 11:30 Uhr

Zentrum für Qualität in der Pflege

PRESSEMITTEILUNG – ZENTRUM FÜR QUALITÄT IN DER PFLEGE

 

Bundesweit unterstützen etwa 230.000 der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig bei der Pflege

Berlin – Rund 1,9 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, werden zu Hause versorgt. In gut zwei Drittel dieser Fälle wird die Pflege ausschließlich durch pflegende Angehörige geleistet. Auch minderjährige Kinder und Jugendliche unterstützen regelmäßig bei Pflegeaufgaben in der Familie. Etwa fünf Prozent aller Jugendlichen in Deutschland – also rund 230.000 – sind dabei bedeutend in die Versorgung Angehöriger eingebunden. Dies zeigt eine repräsentative Befragung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) unter 1.000 12- bis 17-Jährigen.

„Wir sind als Gesellschaft gefordert, unsere Sinne für die Belange junger Pflegender zu schärfen. Denn obwohl sie oft mit besonderen Problemen konfrontiert sind, findet ihre Situation in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Auch in den Schulen ist das Thema oft nicht auf dem Radar. Es fehlt an gezielten Informations- und Unterstützungsangeboten für junge Pflegende“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

Dabei ist der Umfang der Hilfe, die pflegende Jugendliche leisten, beträchtlich. Die überwiegende Mehrheit von ihnen (90 %) hilft mehrmals in der Woche, ein Drittel (33 %) sogar täglich. Sie übernehmen vielfältige Aufgaben: Zumeist gehen sie den Pflegebedürftigen bei Einkäufen zur Hand (58 %) oder begleiten bei der Freizeitgestaltung (50 %). Viele von ihnen helfen ihren Angehörigen beim Zubereiten der Mahlzeiten (34 %), beim Aufstehen und Gehen (33 %) oder bei der Nahrungsaufnahme (27 %). Bei der Einnahme von Medikamenten oder bei der Körperpflege unterstützen 16 bzw. sieben Prozent ihr Familienmitglied.

Während die eine Hälfte der pflegenden Jugendlichen sich durch die Pflegesituation nicht beeinträchtigt fühlt (49 %), gibt die andere Hälfte (51 %) an, dadurch belastet zu sein. Konkret benennt mehr als die Hälfte der pflegenden Jugendlichen ihre Sorgen um den Angehörigen. Negativ wird auch der Mangel an Freizeit (12 %), die körperliche Anstrengung (10 %) oder niemanden zum Reden zu haben (9 %) empfunden. Positiv eingeschätzt wird hingegen von fast allen Befragten dieser Gruppe (93 %), dass sie helfen können. Sehr viele finden es außerdem gut, dass die Familie durch die Pflegesituation stärker zusammenhält (74 %).

„Es spricht erstmal nichts dagegen, junge Menschen in eine familiäre Pflegesituation einzubeziehen. Aber die Aufgaben müssen altersangemessen sein. Dominiert die Pflege den Alltag der Kinder und Jugendlichen, drohen emotionale, soziale und schulische Probleme. Langfristig kann all das chronische Erkrankungen und Nachteile in Bezug auf Bildung und Ausbildung zur Folge haben“, sagt Suhr.

Nach möglichen Unterstützungsangeboten gefragt, gibt jeweils ein gutes Drittel an, Hilfe durch einen Pflegedienst oder eine Beratung in Anspruch nehmen zu wollen (34 % bzw. 36 %). 24 Prozent würden sich gerne an ein Sorgentelefon wenden.

Anfang 2017 wird das ZQP einen umfassenden Report zum Thema pflegende Kinder und Jugendliche herausgeben. Mehr zur aktuellen ZQP-Analyse auf www.zqp.de.

Kontakt:

Torben Lenz

Tel: 030 275 93 95 – 15

E-Mail: torben.lenz@zqp.de

www.zqp.de

 


Anhörung zum Flexirentengesetz: DEGEMED fordert flächendeckende Gesundheitschecks für Arbeitnehmer und bedarfsgerechtes Reha-Budget

Presseinformation

 

 

Berlin, 17.10.2016

 

Mit dem Flexirentengesetz sollen Präventions- und Nachsorgeleistungen für Arbeitnehmer deutlich ausgebaut werden. In der heutigen Bundestagsanhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales begrüßte die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e. V. (DEGEMED) diesen Ansatz, forderte aber auch mehr Geschwindigkeit bei der Einführung freiwilliger Gesundheitschecks für Beschäftigte.

 

„Der Gesundheitscheck muss möglichst flächendeckend für alle Arbeitnehmer und vor allem für die ganz überwiegende Anzahl der Betriebe zur Verfügung stehen, die keinen eigenen Werks- oder Betriebsarzt im Betrieb angesiedelt haben. Wir brauchen diese Leistung außerdem so schnell wie möglich in der Regelversorgung.“, fordert DEGEMED-Geschäftsführer Christof Lawall. Er kritisiert damit den Gesetzentwurf, der bislang nur die Entwicklung von Modellprojekten vorsieht.

 

Die DEGEMED fordert außerdem ein flexibleres Reha-Budget, um die neuen Leistungen für Prävention, Nachsorge und im Bereich der Kinder- und Jugendreha zu finanzieren. „Wenn wir eine aktive und engagierte Präventionspolitik wollen, dann müssen wir auch den Mut haben, die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“, so Lawall in der Anhörung. Die Demografiekomponente, die der Gesetzgeber vor wenigen Jahren für die Rentenversicherung eingeführt habe, wirke ab 2018 aber als Bremse und müsse dringend geändert werden.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e. V. (DEGEMED) ist Spitzenverband der medizinischen Rehabilitation und vertritt in ganz Deutschland indikationsübergreifend die Interessen stationärer und ambulanter Reha-Einrichtungen in öffentlicher, freigemeinnütziger und privater Trägerschaft.

 

 

Weitere Informationen:

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V.

Dr. Matthias Witzmann

Fasanenstraße 5, 10623 Berlin

Tel.: 030 28 44 96 6, Fax: 030 28 44 96 70

E-Mail: m.witzmann@degemed.de

Internet: www.degemed.de