Donnerstag, September 15th, 2016

 

BGW-Fotowettbewerb „Mensch, Arbeit, Handicap“

BGW/Judica Portner

BGW/Judica Portner

Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben: Diesem Thema widmet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) einen Fotowettbewerb zur Inklusion. „Mensch, Arbeit, Handicap“ lautet der Titel. In Medienpartnerschaft mit dem Magazin chrismon lädt die BGW Fotografinnen und Fotografen ab 18 Jahre zur Teilnahme ein. Ausgelobt sind Preisgelder von insgesamt 22.000 Euro.

Hintergrund ist die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die in Deutschland seit 2009 gilt. Kern der Konvention ist die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Handicap. „Eine zentrale Rolle kommt dabei der Arbeitswelt zu“, erklärt Prof. Dr. Stephan Brandenburg, Hauptgeschäftsführer der BGW. „Denn Arbeit schafft Struktur, verbessert die Möglichkeit soziale Beziehungen aufzubauen und trägt zum Selbstwertgefühl bei.“

Zum Wettbewerb

Der Fotowettbewerb der BGW leistet einen Beitrag zur Inklusion und damit zur Umsetzung der UN-BRK. Idealerweise werben die Wettbewerbsbeiträge in ihrer Grundaussage für eine inklusive Arbeitswelt. Es besteht jedoch keine Beschränkung bei der Motivwahl – alle Beiträge, die sich ernsthaft der Thematik widmen, sind willkommen. Pro Person kann wahlweise ein Einzelfoto oder eine bis zu fünf Motive umfassende Fotostrecke eingereicht werden. Einsendeschluss ist der 31. Mai 2017.

Über die Preisvergabe entscheidet eine Fachjury: Dirk Artes (Art-Direktor bei chrismon), Peter Bialobrzeski (Professor für Fotografie an der Hochschule für Künste Bremen), Lars Lindemann (Fotochef beim GEO-Magazin), Rainer Schmidt (ehemaliger Paralympionike) sowie Dr. Ulrich Bethge und Silvia Thimm (Mitglieder des BGW-Vorstands).

Die Prämierung der 15 besten Wettbewerbsbeiträge erfolgt Anfang September 2017 im Rahmen des Fachkongresses BGW forum in Hamburg. Weitere Informationen, etwa die genauen Teilnahmebedingungen, finden sich unter www.bgw-online.de/fotowettbewerb.

Behinderung und Inklusion in Deutschland

2013 lebten in Deutschland nach Daten des Statistischen Bundesamtes rund 7,5 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Schwerbehinderung. Davon hatten circa 62 Prozent eine körperliche Behinderung und rund 20 Prozent eine zerebrale, geistige und/oder seelische Behinderung. Bei etwa 18 Prozent der betroffenen Menschen konnte die Art der Behinderung nicht eindeutig zugeordnet werden.

Die Arbeitslosenquote der Menschen mit Schwerbehinderung betrug 2015 nach dem „Inklusionsbarometer Arbeit“ der Aktion Mensch 13,9 Prozent – gegenüber 8,6 Prozent in der Vergleichsgruppe ohne Schwerbehinderung. Über 181.000 Menschen mit Behinderung waren der Studie zufolge 2015 arbeitslos. Gleichzeitig waren von den sogenannten Pflichtarbeitsplätzen, die Unternehmen für die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen bereitstellen müssen, nur 33.000 unbesetzt.

Deutschland war einer der ersten Staaten, welche die UN-BRK am 30. März 2007 unterzeichnet haben. Am 26. März 2009 ist sie in Kraft getreten. Die Bundesregierung, viele Bundesländer, Landkreise, Kommunen und auch die gesetzliche Unfallversicherung haben Aktionspläne zur Inklusion herausgegeben und sind dabei, diese umzusetzen.

„Als Berufsgenossenschaft beschäftigen wir uns zum einen damit, wie unsere Versicherten gesund und sicher arbeiten können – egal, ob sie mit einer Behinderung leben oder nicht“, erklärt Prof. Dr. Stephan Brandenburg. „Zum anderen gehört es zu unserem gesetzlichen Auftrag, Versicherte nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder im Falle einer Berufskrankheit wieder ins Berufsleben einzugliedern,“ so der Hauptgeschäftsführer der BGW. „In beiden Aufgabenbereichen spielt das Thema Inklusion eine große Rolle.“

 

Über uns

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist für knapp 8 Millionen Versicherte in rund 630.000 Unternehmen zuständig. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe beim Arbeitsschutz und beim betrieblichen Gesundheitsschutz. Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall sowie bei einer Berufskrankheit gewährleistet sie optimale medizinische Behandlung sowie angemessene Entschädigung und sorgt dafür, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Über chrismon

Das evangelische Magazin chrismon erscheint monatlich in einer Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren als Beilage zu verschiedenen Zeitungen – darunter „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine“, die „Süddeutsche Zeitung“ und „Welt am Sonntag“. chrismon erzählt – in großen, bildreichen Reportagen, in Interviews und Kolumnen –, wie Menschen heute leben. Was sie bewegt, was sie über Gott und die Welt denken, wie sie Konflikte bewältigen und wie ihnen Versöhnung gelingt. chrismon ist das Magazin für Menschen mit Gefühl und Verstand. Und mit Haltung.

Ansprechpersonen für die Presse:

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Torsten Beckel und Sandra Bieler, Kommunikation
Pappelallee 33/35/37, 22089 Hamburg
Telefon (040) 202 07-27 14, Telefax (040) 202 07-27 96
E-Mail: presse@bgw-online.de


Sucht kennt kein Alter

40 Jahre Therapie: Johannesbad Fachklinik Fredeburg ist Vorreiter in der individuellen Behandlung von abhängigen Senioren, jungen Süchtigen und Frauen

SCHMALLENBERG. Alkohol, Cannabis, Medikamente, Glücksspiel – sie alle können in die Sucht führen. Oft leiden Betroffene unter mehr als einer Abhängigkeit. In den vergangenen 40 Jahren hat die Johannesbad Fachklinik Fredeburg 37.000 Patienten mit diesen Indikationen behandelt. Zum Jubiläum veranstaltete die Einrichtung in Bad Fredeburg am Dienstag, 13. September 2016, eine Fachtagung zu „Aktuellen Fragestellungen in der Behandlung Suchtkranker“. Sucht und Alter, Sucht und Trauma, Sucht und Depression waren die drei Hauptthemen der Veranstaltung für Ärzte und Therapeuten.
Immer noch machen Alkoholabhängige den größten Teil der Suchtpatienten in der Johannesbad Fachklinik Fredeburg aus. Jedes Jahr werden hier rund 1.000 Betroffene therapiert. „Die Erfolgsquote ist dabei überdurchschnittlich gut“, sagt Chefarzt Dr. med. Dieter Geyer. Sein Team geht in der Behandlung auf spezielle Patientengruppen wie Frauen, Senioren und junge Menschen ein. „Die Therapie ist auf den einzelnen Patienten mit seinen persönlichen Defiziten und Problemen, aber auch mit seinen Stärken und Fähigkeiten ausgerichtet“, beschreibt Dr. Dieter Geyer das Konzept der Fachklinik.

Vorreiter bei altersspezifischer Therapie
Die Johannesbad Fachklinik Fredeburg hat als erste Suchtklinik bereits Ende der 70er Jahre Angebote für ältere Suchtkranke etabliert. Dr. Dieter Geyer erinnert: „Das galt als revolutionär, denn damals herrschte die Meinung vor, eine Therapie bei Alkoholikern über 50 Jahren bringe kaum Erfolg.“ Seit 1978 entwickelt die Johannesbad Fachklinik Fredeburg Behandlungskonzepte und Versorgungsstrukturen für ältere Suchtkranke. So koordinierte der Chefarzt ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Projekt zur regionalen Vernetzung der Suchtkranken- und Altenhilfe – mittlerweile wird dies erfolgreich umgesetzt. Die Behandlung älterer Suchtkranker erfolgt heute in einem von fünf Behandlungsteams mit insgesamt 48 Patienten – nach Alter geordnet. „Dabei umfasst unsere älteste Gruppe Patienten mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren“, erklärt Dr. Dieter Geyer. Ergebnisse dieser Behandlung stellte der Chefarzt in der vergangenen Woche auf dem Deutschen Suchtkongress in Berlin vor.

1983 folgte die spezialisierte Behandlung Abhängiger zwischen 18 und 25 Jahren. „Menschen ab 55 Jahren litten und leiden häufig unter Altersstress, der durch Frühpensionierung, Arbeitslosigkeit, Verlust des Partners oder der Kinder durch Tod oder Scheidung bedingt ist“, sagt der Spezialist. Ältere greifen meist zu Alkohol oder Medikamenten als Suchtmittel. „Jugendliche Süchtige dagegen haben mit Traumatisierungen, Gewalterfahrung, Persönlichkeitsstörungen oder Arbeitslosigkeit zu kämpfen.“ Diese würden häufig zu illegalen Drogen greifen oder seien von Essstörungen oder pathologischem Glücksspiel betroffen.

Frauen sind anders abhängig als Männer
Anfang der 90er Jahre folgte die geschlechterspezifische Therapie. „Im Vergleich zu Männern entwickeln Frauen häufiger eine Medikamentenabhängigkeit. Auch eine kombinierte Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten ist bei Frauen häufiger“, erklärt der Chefarzt. Außerdem versuchen Frauen häufiger als Männer, mit der Einnahme von Suchtmitteln psychische Beschwerden zu unterdrücken. Etwa ein Drittel der Patienten der Johannesbad Fachklinik Fredeburg sind Frauen. Sie erfahren je nach Indikation in gemischt-geschlechtlichen Gruppen, differenziert nach Alter für Juniorinnen von 18 bis 25 Jahren oder Seniorinnen ab 55 Jahren oder in einer reinen Frauengruppe Therapie.
Die Johannesbad Fachklinik Fredeburg individualisierte in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Behandlung weiter und ging auf spezielle Gruppen ein wie beispielsweise auf Menschen mit depressiven oder psychotischen Erkrankungen und Sucht oder auf Patienten, die an ADHS und Sucht leiden. Spezifische Behandlungskonzepte für sogenannte Verhaltenssüchte wie beispielsweise die Spielsucht entwickelte die Fachklinik ebenso wie spezielle Trainingsmaßnahmen für die Rückführung Suchtkranker in das Erwerbsleben.

Von der Sucht zu den Süchten
Dr. Dieter Geyer verzeichnet einen Wandel in Bezug auf Abhängigkeitserkrankungen in den vergangenen 40 Jahren: „Während allmählich ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet, also Alkohol und Tabak als gefährliche und potenziell tödliche Suchtmittel akzeptiert werden, häuft sich bei den Behandlungssuchenden der Mehrfachkonsum, also die gleichzeitig vorliegende Abhängigkeit von Alkohol, Cannabis und Amphetaminen.“ Neue Suchtmittel wie „Legal Highs“, chemisch hergestellte, zum Teil noch frei verkäufliche Suchtmittel, kommen hinzu. Dieser Entwicklung haben sich die Suchttherapeuten in der Johannesbad Fachklinik Fredeburg angepasst. Sie vertieften vor allem die enge Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen, die an der Versorgung Suchtkranker beteiligt sind. „Seit vielen Jahren arbeiten wir vertrauensvoll mit ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen und Abteilungen der qualifizierten Entgiftung zusammen – das ist unsere Stärke“, sagt Dr. Dieter Geyer.

Bildunterschrift:
40 Jahre besteht die Johannesbad Fachklinik Fredeburg – bei einer Fachtagung anlässlich des Jubiläums sprachen Ärzte und Therapeuten über die Behandlung Suchtkranker. Mit dabei waren Professor Dr. rer. soc. Gerhard Bühringer, Inhaber der Professur des einzigen psychologischen Lehrstuhls für Suchtforschung (Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden), Christel Lüdecke, Chefärztin Asklepios Fachklinikum Göttingen, Dr. med. York Dhein, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe, Bernhard Halbe, Bürgermeister der Stadt Schmallenberg, Dr. med. Dieter Geyer, Chefarzt Johannesbad Fachklinik Fredeburg, und Professor Dr. med. Reinhart Schüppel, Chefarzt Johannesbad Fachklinik Furth im Wald.

Pressekontakt:
Simon Pink
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Johannesbad Holding AG & Co. KG
Leitung Marketing & Unternehmenskommunikation
Johannesstraße 2
94072 Bad Füssing
Tel. +49 8531 23-2875
simon.pink@johannesbad.de
www.johannesbad.de
Monika Schwefer
_________________________________________________
Johannesbad Kliniken Fredeburg GmbH
Öffentlichkeitsarbeit
Zu den drei Buchen 2
57392 Schmallenberg-Fredeburg
Tel. +49 2974 72-3605
monika.schwefer@fachklinik-fredeburg.de
www.fachkliniken-badfredeburg.de
Die Presseinformationen der Johannesbad Gruppe finden Sie unter www.johannesbad.de/presse.


Neues PsychVVG: Wohin steuert die Versorgung psychisch kranker Menschen?

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:

Münster (lwl/tk). Was bringt das geplante „Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG)“, wenn es das Experiment namens PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) ablösen wird? Wie ist die Schere zwischen bestmöglicher Behandlung von psychisch kranken Menschen und ungebremstem Kosten-druck zu schließen? Können mehr „Therapien ohne Bett“ bis hin zu Hausbesuchen durch Klinikkräfte, wie es der LWL und zwei Krankenkassen in Bochum erproben, die höchstmögliche Behandlungsqualität sichern? Auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Techniker Krankenkasse (TK) zu einer Fachtagung in Münster suchten mehr als 100 Interessierte von der operativen Vor-Ort-Ebene bis hin zu Bundesgesundheitspolitikern Antworten auf diese Fragen.

Mit dem PsychVVG will die Bundesregierung die Vergütung und Versorgung der stationären psychiatrischen und psychosomatischen Behandlung verbessern, Transparenz schaffen und die sektorenübergreifende Behandlung weiterentwickeln. Ein wichtiger Baustein des Gesetzes ist Ambulantisierung. Diese soll gefördert werden und es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Matthias Löb, LWL-Direktor: „Mir persönlich ist die ambulante Versorgung ein wichtiges Anliegen, denn ich halte eine möglichst niedrigschwellige Versorgung der Patientinnen und Patienten für den richtigen Weg. Sie sollten vorrangig in ihrer Lebenswirklichkeit behandelt werden und nicht fernab davon in stationären Kliniken.“

Gleichermaßen sieht es Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW: „Wir benötigen ein Behandlungssystem, das es den psychiatrischen Einrichtungen ermöglicht, den Patienten nach Bedarf individuell – vollstationär, teilstationär, im häuslichen Umfeld und ambulant – zu versorgen.“ Dies setze allerdings eine adäquate Vergütung voraus.

Gegenwärtig sind diese wirtschaftlichen Anreize nicht gegeben. Daran ändert auch das neue PsychVVG nichts. Mögliche Lösungen dieses Problems erproben der LWL gemein-sam mit der TK und dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Dort gibt es seit zwei Jahren das Modellprojekt PINAH (Psychiatrie integrativ aus einer Hand). Ziel ist es, die ambulante Behandlung psychisch Erkrankter zu stärken. Das Besondere an PINAH ist: Je nach Bedarf sucht medizinisches, therapeutisches oder pflegerisches Fach-personal aus der LWL-Klinik den Patienten nach seiner stationären oder teilstationären Behandlung in seiner vertrauten familiären Umgebung auf. Damit wollen die Fachleute eine neue Form der „personalisierten Psychiatrie“ weiter vorantreiben. „Unser Ziel ist es, die Behandlungsqualität für psychisch Erkrankte spürbar zu verbessern“, sagt Günter van Aalst.

„PINAH fördert die Durchlässigkeit der Behandlung über die klinikinternen Sektoren sowie die Etablierung eines Bereichs mit Stationsungebundenen Leistungen (SUL) inklusive aufsuchender Leistungen im häuslichen Milieu (Hometreatment). Die SUL sollen prästationär Krisen auffangen helfen, die stationäre Behandlungsdauer deutlich verkürzen und poststationär Behandlungskontinuität sicherstellen“, erklärt Professor Dr. Meinolf Noeker, Landesrat LWL-Krankenhausdezernent. Anhand des Bochumer Modellvorhabens werde aufgezeigt, dass neue Wege zur Verbesserung der Versorgung und Behandlung psychiatrischer Patienten auch an einer psychiatrischen Universitätsklinik innovativ und beispielhaft gut etabliert werden können.

Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251591-235 und Beate Hanak, Techniker Krankenkasse, Telefon: 021193600-37, beate.hanak@tk.de, presse@lwl.org

Fotos zu dieser Pressemitteilung können Sie in unserem Newsroom herunterladen.

Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Noch im Beruf und schon dement

Logo Landesinitiative Quellenangabe: "obs/Kuratorium Deutsche Altershilfe"

 

Köln .  Berufstätige, die an einer Demenz erkranken, benötigen andere Unterstützung als ältere Menschen mit Demenz. Darauf macht die Arbeitsgruppe „Jüngere Menschen in der frühen Phase der Demenz“ der Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen aufmerksam.

Die Krankheit begann schleichend: Am Anfang konnte sich der Bankangestellte, nennen wir ihn Günther H., nicht mehr so gut konzentrieren. Der 51-Jährige wurde langsamer, manche Worte fielen ihm auch nicht mehr so schnell ein. Die Kollegen am Arbeitsplatz begannen zu tuscheln. Wegen einer depressiven Verstimmung wurde er schließlich krankgeschrieben. Doch bis die endgültige Diagnose feststand, dauerte es: Der heutige Frührentner und Hausmann hat eine Demenz.

Dement ist nicht gleich „alt“. Dass eine Demenzerkrankung nur im höheren Alter auftritt, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Sie kann auch Menschen treffen, die noch im Berufsleben stehen oder sogar noch mit ihren schulpflichtigen Kindern zusammen leben. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 24.000 Menschen, die noch nicht 65 Jahre alt und doch schon an Demenz erkrankt sind. Ihre Bedürfnisse und ihre Lebenssituationen unterscheiden sich von denen älterer Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Darauf macht die Arbeitsgruppe „Jüngere Menschen in der frühen Phase der Demenz“ der Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen aufmerksam.

Die bestehenden Pflege- und Betreuungsangebote für Demenzkranke „entsprechen in der Regel nicht den Bedürfnissen von jüngeren Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen“, sagt Gerlinde Strunk-Richter von der Informations- und Koordinierungsstelle der Landesinitiative Demenz-Service NRW im Kuratorium Deutsche Altershilfe. Junge Betroffene äußerten häufig, dass sie sich in Settings mit einer überwiegend hochaltrigen Klientel fehl am Platz und unwohl fühlten. „Austausch und Aktivitäten mit Gleichaltrigen sind der Wunsch jüngerer Menschen mit Demenz, betont Gerlinde Strunk-Richter.

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit in 31 Städten 44 Gruppenangebote für jüngere Menschen mit beginnender Demenz. Bei 22 von ihnen handelt es sich um Selbsthilfegruppen. „Die Tendenz ist steigend, es könnten jedoch noch mehr werden, vor allem im ländlichen Raum“, sagt Gerlinde Strunk-Richter. In den Gruppen können die jüngeren Demenzbetroffenen ihre Erfahrungen austauchen und sich mit Tipps gegenseitig unterstützen. Selbsthilfegruppen können so dazu beitragen, dass sich Menschen mit Demenz sicherer fühlen, ihr Selbstwertgefühl gestärkt wird und sie mehr Abwechslung im Alltag erleben.

Jüngere Menschen mit Demenz sind meist berufstätig, haben minderjährige Kinder oder ihre Kinder befinden sich in der Ausbildung. Sie leben in einer Partnerschaft, für die die beginnende Demenzerkrankung eine enorme Herausforderung sein kann. Sie haben vielfältige finanzielle und soziale Verpflichtungen. Das ist bei älteren Menschen mit Demenz oft nicht mehr der Fall. „Zu der Belastung, unheilbar erkrankt zu sein, kommt auch die Angst um den Arbeitsplatz und die finanziellen Auswirkungen“, betont die KDA-Expertin. Es ergeben sich Fragen wie beispielsweise: Wie geht man in einer Partnerschaft mit diesen Herausforderungen um? Wie erklärt man Kindern, warum der Vater oder die Mutter sich so verändert? Wo gibt es passende Unterstützungsangebote für die Familien? Wie kann die Ausbildung der Kinder gesichert werden? Wie kann der Ausstieg aus dem Beruf gestaltet werden? Und wie kann soziale Ausgrenzung in der Nachbarschaft und Freundeskreisen vermieden werden?

Unterstützt werden die Aktivitäten der Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen inhaltlich und finanziell vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesverbände der Pflegekassen. Informationen und Kontaktdaten sind im Angebotsüberblick auf der Website der Landesinitiative Demenz-Service NRW zu finden: www.demenz-service-nrw.de

Ansprechpartnerin:

Simone Helck: presse@kda.de
www.demenz-service-nrw.de