Mittwoch, Juni 29th, 2016

 

Präventionsgesetz: Rückenwind für mehr Zusammenarbeit

Gesetzliche Rentenversicherung (DRV), Krankenversicherung (GKV) und Unfallversicherung (GUV) müssen in den Unternehmen künftig verstärkt zusammenzuarbeiten. Auslöser ist die Bundesrahmenempfehlung zum Präventionsgesetz, die die Nationale Präventionskonferenz im Frühjahr vorgelegt hat. Das Handlungsfeld „Gesund leben und arbeiten“ ist darin als eines von drei Zielen formuliert. DRV, GKV und GUV sollen demnach den Arbeitsschutz, das Eingliederungsmanagement und die Gesundheitsförderung im Betrieb systematisch institutionalisieren und miteinander verzahnen. Dazu seien nicht nur die vorhandenen Strukturen zu nutzen. „Unabdingbar“ sei auch, relevante Beteiligte wie beispielsweise die Betriebsärzte frühzeitig einzubeziehen. GKV, GUV und DRV sollen sich zudem wechselseitig über die Vorhaben in einem Betrieb informieren sowie den jeweils ande-ren Partner bei Bedarf und „im Benehmen mit dem Betrieb“ einbinden.

Klar ist, dass das Präventionsgesetz die klassische Reha verändern wird. Gundula Roßbach, Direktorin der DRV Bund, betonte beim diesjährigen Reha-Kolloquium, dass der Grundsatz ,Reha vor Rente‘ zunehmend in ,Prävention vor Reha vor Rente‘ erweitert werde. Und Marion Kalwa, Dezernentin bei der DRV Bund, verweist darauf, dass die DRV seit 2009 den gesetzlichen Auftrag habe, präventive Angebote im Sinne einer „Risiko-Prävention“ aufzubauen. Rund 200 Angebote seien entwickelt, etwa 4.350 Männer und Frauen bislang erreicht worden. Das DRV-Rahmenkonzept zur Prävention von 2012 setzt auf die Klassiker der Gesundheitsförderung: Die Teilnehmenden reflektieren den eigenen Lebensstil, erfahren, wie sie sich gesünder ernähren können, trainieren Ausdauer und Kraft. Sie lernen mit Stress und seelischen Belastungen achtsam umzugehen und üben sich in Entspannungstechniken. „Die Pilotprojekte sind mittlerweile umfassend evaluiert worden. Jetzt wollen wir die bewährten Angebote flächendeckend ausrollen“, sagt sie.

Mit der Prävention rücken verstärkt jene Erwerbstätigen in den Blick, die aktuell keinen Reha-Bedarf haben,jedoch belastenden Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind. Sie sollen vor allem über die Werks- und Betriebsärzte erreicht werden. Während die GKV laut Bundesrahmenempfehlung vor allem die Unternehmen dabei unterstützen soll, Strukturen für innerbetriebliche Gesundheitsförderung aufzubauen und entsprechende Prozesse auf den Weg zu bringen, steht die „Vernetzung und aktive Zusammenarbeit mit Haus-, Werks- und Betriebsärzten“ explizit auf der To-Do-Liste der DRV. Experten gehen davon aus, dass Werks- und Betriebsärzte noch mehr als Lotsen und Berater gebraucht werden, die ihre Klienten zwischen präventiver Gesundheitsförderung, ambulanter Versorgung, Arbeitsmedizin und Rehabilitation die richtigen Wege weist. Dr. Agnes Evenschor-Ascheid, Arbeitsmedizinerin vom Medizinischen Zentrum der StädteRegion Aachen, sieht im Gesetz die Chance, die betriebliche Gesundheitsförderung in den Unternehmen zu intensivieren. „Wir müssen Mitarbeiter und Arbeitgeber davon überzeugen, dass frühzeitige präventive Angebote und Maßnahmen besser sind als lange Arbeitsunfähigkeitszeiten“, sagt sie.

Ein Modell, wie GKV und DRV bei der Prävention künftig Hand in Hand arbeiten können, ist das Präventionsprogramm „Plan Gesundheit“. Die DRV Rheinland und die Pronova BKK haben es gemeinsam entwickelt und 2011 an drei Chemiestandorten gestartet. Der zentrale Baustein des Programms ist die Kombination aus Gruppentraining und Begleitung durch einen „Präventionsmanager“. Die Initial- und Trainingsphase zu Beginn findet unter der DRV-Regie in einer ambulanten Reha-Einrichtung statt. Der Präventionsmanager steht den Teilnehmenden in den folgenden mehrmonatigen Bestätigungs- und Eigenverantwortungsphasen zur Seite und wird von GKV-Seite gestellt und finanziert.