Mittwoch, Juni 8th, 2016

 

Ehrenamtlichen-Schulung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.: Medizinisches Wissen und psychologisches Rüstzeug bei Tinnitus

Bei der Schulung der ehrenamtlich Tätigen in der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), die vom 3. bis 5. Juni 2016 in Bonn-Bad Godesberg stattfand, stand relevantes Wissen für die Beratungspraxis und die Selbsthilfegruppen auf dem Programm. Die Vortragsthemen reichten von aktuellen Behandlungsmaßnahmen bei Tinnitus, Hyperakusis und Morbus Menière über die neue Tinnitus-Leitlinie und die Langzeit-Entwicklung von akutem Tinnitus bis hin zu psychologischen Themen wie Resilienz und Aufmerksamkeitslenkung. Rund 100 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet – darunter Selbsthilfegruppensprecher, DTL-Berater und Referenten – kamen zu der durch die IKK classic und das Bundesministerium für Gesundheit geförderten Veranstaltung.

Zunächst begrüßte Volker Albert, Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., die Teilnehmer am Freitagabend und berichtete über die Arbeit des Vorstandes. Im Anschluss referierte DTL-Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Goebel zum Thema „Update Wissen für die Beratungspraxis und Selbsthilfegruppen: Aktuelle Behandlungsmaßnahmen bei Tinnitus, Hyperakusis und Morbus Menière und deren Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung“. In seinem Vortrag stellte er auch die verschiedenen Therapiemöglichkeiten auf den Prüfstand. Ziel der Behandlung sei immer die Gewöhnung an das Ohrgeräusch, die sogenannte Habituation. Strategie eins besteht in der ständigen Suche nach einem Mittel, um den Tinnitus zu beseitigen – was jedoch kontraproduktiv ist, denn „nichts ist lauter als ein Ton, den du nicht hören willst“. Die Krux daran: „Man kann sich vom Tinnitus nicht einfach trennen und die Scheidung einreichen“, wie Prof. Goebel es treffend ausdrückte. Die zweite, weitaus effektivere Strategie ist die Gewöhnung, die Habituation. „Je positiver oder neutraler ein Geräusch besetzt ist, desto schneller kann die Gewöhnung erfolgen“, so Prof. Goebel. Daher spiele die Aufklärung eine sehr wichtige Rolle in der Tinnitus-Therapie. Je stärker jemand unter dem Tinnitus leide, desto eher lägen auch psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen vor. Genaugenommen werde nicht der Tinnitus behandelt, sondern die Auslöser und Begleiterkrankungen.

Am Samstagvormittag hielt Prof. Goebel stellvertretend für Dr. Elisabeth Wallhäußer-Franke, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, einen Vortrag zu deren Studie über die „Langzeit-Entwicklung von akutem Tinnitus (und die Bedeutung für die Beratungspraxis)“. Untersucht wurde der Zusammenhang von Hörschwelle und psychischer Gesundheit bei Tinnitus-Beginn mit der Tinnitus-Belastung nach sechs Monaten. Tinnitus-Lautheit und Belastung änderten sich im Studienzeitraum nicht, die Geräuschempfindlichkeit nahm jedoch ab. Als bestimmend für die Tinnitus-Lautheit stellten sich die Faktoren Depressivität und Hörverlust heraus. Dr. Wallhäußer-Franke zufolge spricht die Konstanz in der Tinnitus-Belastung im Untersuchungszeitraum für eine frühe Manifestierung des Tinnitus, und sie plädiert für eine Versorgung mit Hörhilfen und eine frühzeitige Erhebung von Depressionsmerkmalen. Daran anschließend sprach Prof. Goebel über die im vergangenen Jahr erschienene S3-Leitlinie chronischer Tinnitus der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. In der Leitlinienkommission vertreten waren auch Prof. Goebel und Volker Albert, letzterer für die Selbsthilfe. DTL-Mitglieder können die Leitlinie im geschlossenen Mitgliederbereich der Website www.tinnitus-liga.de abrufen.

Zum Thema „Resilienz in der Hyperakusis- und Tinnitus-Behandlung“ referierte Mykola Fink, Leitender Psychologe an der Schön Klinik Bad Bramstedt. Resilienz bedeute Widerstandskraft oder Widerstandsfähigkeit. Es ginge dabei um den Umgang mit Krisen, Schicksalsschlägen und Stress, wobei nicht das Ziel sein solle, wieder den Zustand vor der Krise herzustellen. „Ich möchte als Mensch besser aus der Krise herausgehen, als ich hineingegangen bin“, so Fink. Dabei sei es sinnvoll, die Strukturen zu ändern, die dazu beigetragen haben, dass man krank geworden sei. Die Psychotherapie setze daran an, sehr aversive Gefühle auszuhalten. Unterstützend fördere die Progressive Muskelrelaxation den seelischen Prozess des Loslassens; sinnvoll seien auch Achtsamkeitsübungen, Meditation, Ausdauersport und Selbstaufmerksamkeit. Als Kerngedanke der Resilienz gelte: „Lerne, mit Krisen umzugehen, damit du gerüstet bist, wenn sie kommen.“

Am Nachmittag konnten die Teilnehmer aus einem umfangreichen Workshop-Programm wählen: „Praktische Entspannungsübungen für Beruf und Alltag nach Jacobson“ (Edith Baillieu, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Murnau); „Steigerung der Attraktivität der Selbsthilfegruppen auch für jüngere Betroffene“ (Gisela Nawroth, SHG Bremen, und Sybille Heil, DTL); „Integrative Bewegungstherapie“ (Katharina Backhauß, Bewegungstherapeutin, Schön Klinik Bad Arolsen); „Biofeedback als Behandlungsmethode bei chronischem Tinnitus“ (Dr. Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Korn,  Schön Klinik Roseneck, Prien am Chiemsee); „Frühkindliche und jugendliche Hörstörungen“ (Prof. Dr. Frank Rosanowski, Arzt für HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie, Nürnberg); „Selbsthilfeförderung von Gruppen auf örtlicher Ebene“ (Georg Hensel, IKK classic).

Der Sonntag begann mit dem Vortrag „Gesunde Ernährung und geeigneter Sport für Tinnitus-Betroffene“. Edith Baillieu schilderte darin die Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung und appellierte an die Zuhörer, kritisch gegenüber den wechselnden Moden der Ernährung und der Lebensmittelindustrie zu sein. Der Tinnitus lässt sich zwar nicht durch Ernährung heilen, aber eine ausgewogene Ernährung und auch die nötige Bewegung tragen entscheidend zum Wohlbefinden bei. Den Abschluss dieses thematisch sehr abwechslungsreichen Wochenendes bildete das Referat über „Aufmerksamkeitslenkung“ von Klaus-Dieter Müller, Leitender Psychologe an der MEDIAN Klinik am Burggraben in Bad Salzuflen. Tinnitus sei als eine Wahrnehmungsstörung zu begreifen. Dabei sei das Ziel, durch Aufmerksamkeitslenkung den Tinnitus nicht mehr zu hören und sich nicht mehr durch ihn gestört zu fühlen. Nur ein kleiner Teil von dem, was wir wahrnehmen können, gelange in unser Bewusstsein, so Müller. Das meiste werde herausgefiltert, sonst gebe es eine Reizüberflutung. Die Wahrnehmungsfilter werden erheblich durch anhaltende Versuche, den Tinnitus zu heilen, gestört: Durch Konzentration auf die Ohrgeräusche werde der Tinnitus verstärkt. So geschehe das Gegenteil von dem, was man wolle. Beim Achtsamkeitstraining wird man angeleitet, das Wahrnehmbare bewusst zu registrieren, es nicht zu bewerten und das Gegebene anzunehmen. Ziel sei es, die Aufmerksamkeit nicht auf den Tinnitus zu richten, sondern auf andere Belastungen, die man vermindern könne.

Bildunterschrift:
Medizinisches Wissen und psychologische Grundlagen bei Tinnitus, aber auch der Erfahrungsaustausch der Teilnehmer untereinander standen im Mittelpunkt der Ehrenamtlichen-Schulung der DTL in Bonn-Bad Godesberg. Foto: Sabine Wagner.DTL-Ehrenamtlichen-Schulung 2016

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Die DTL feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen: Seit drei Jahrzehnten bietet die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Hilfe zur Selbsthilfe – von Betroffenen für Betroffene. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.

 


Zwei von drei Senioren haben Angst vor Demenz und Verlust der Selbstständigkeit

Asklepios Kliniken

Hamburg

   - Umfrage im Auftrag der Asklepios Kliniken zeigt Sichtweise 
     älterer Menschen auf medizinische Versorgung in Deutschland 
   - Behandelnde Ärzte sollen in der Nähe erreichbar sein, sich 
     besser untereinander abstimmen und eine ganzheitliche, 
     fachübergreifende Behandlung anbieten

Zwei Drittel der über 65-Jährigen in Deutschland haben Angst, an einer Demenz zu erkranken. Fast ebenso viele fürchten im Krankheitsfall den Verlust der Selbstständigkeit. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, für die das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Asklepios Kliniken bundesweit fast 800 Senioren ab 65 Jahren zu Leben, Gesundheit und Umgang mit Krankheiten im Alter befragt hat. Von ihren Ärzten wünschen sich die Befragten vor allem drei Dinge: Sie sollen in der Nähe erreichbar sein, eine ganzheitliche Behandlung anbieten und bei unterschiedlichen Fachrichtungen besser zusammenarbeiten. „Die Studienergebnisse zeigen, worauf Mediziner den Fokus bei der Behandlung älterer Menschen legen sollten. Das generelle Ziel unser bundesweit inzwischen 14 geriatrischen, also auf Altersmedizin spezialisierten Fachabteilungen ist deswegen, die Patienten mobil und unabhängig zu halten, ihre Lebensqualität zu sichern und eine Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich zu vermeiden“, sagt Kai Hankeln, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Kliniken GmbH, die in ihren bundesweit 150 Gesundheitseinrichtungen jährlich 2,3 Millionen Patienten versorgt.

Mehr Angst vor dem Verlust geistiger Gesundheit als vor Schmerz, schweren körperlichen Leiden oder Geldmangel für Pflege

Laut Umfrage-Ergebnis hegen zwei Drittel der über 65-Jährigen große Befürchtungen, im Krankheitsfall ihre Selbständigkeit durch geistige Einschränkungen zu verlieren. 62 Prozent fürchten, diese Selbständigkeit durch körperliche Beschränkungen einzubüßen. Und 61 Prozent haben große Angst, dass ihre geistigen Fähigkeiten in Folge einer Demenzerkrankung nachlassen. Diese Sorgen um Eigenständigkeit und geistige Gesundheit sind damit sogar größer als die Angst, grundsätzlich einer unheilbaren oder schmerzhaften Krankheit anheim zu fallen: Davor hegen 55 Prozent der über 65-Jährigen große Befürchtungen. Eine unzureichende oder schlechte Pflege befürchten lediglich 43 Prozent. Davor, nicht über genug Geld für medizinische Hilfen oder eine professionelle Pflege zu verfügen sowie in einem Notfall nur unzureichend versorgt zu werden, haben weniger als vier von zehn Senioren große Angst. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die 434 befragten Frauen machen sich insgesamt größere Sorgen um die gesundheitlichen Belange im Alter als die 330 befragten Männer. Die Unterschiede betrugen zwischen 10 und 20 Prozentpunkten und waren damit deutlich.

Kernforderung: Ärzte müssen besser zusammenarbeiten

Im Hinblick auf die medizinische Versorgung wünschen sich die Senioren vor allem eine bessere Zusammenarbeit ihrer behandelnden Ärzte. 65 Prozent der Befragten halten es für sehr wichtig, dass sich Spezialisten mehrerer Fachrichtungen in einer Klinik gemeinsam um einen älteren Patienten kümmern, wenn er an mehreren Erkrankungen leidet. Aktuell sind erst 22 Prozent der über 65-Jährigen mit der Abstimmung ihrer Ärzte untereinander sehr zufrieden. Im Durchschnitt besuchen Senioren in Deutschland regelmäßig 1,6 Ärzte im Quartal. Dabei führen allerdings 19 Prozent gar keine regelmäßigen Arztbesuche durch, während 40 Prozent von ihnen zwei oder mehr Ärzte aufsuchen. „Deswegen ist eine gut koordinierte, fachübergreifende Zusammenarbeit entscheidend für die Qualität der medizinischen Versorgung älterer Patienten“, sagt Kai Hankeln, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Kliniken GmbH. Und weiter: „Die Geriatrie, also die Altersmedizin, ist eine besonders anspruchsvolle Fachdisziplin, weil viele Patienten unter mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden. Herz und Kreislauf, Stoffwechsel, Bewegungsapparat und Nervensystem können beeinträchtigt sein. Damit steigt im Alter auch das Risiko für Komplikationen, denn die Therapien müssen zusätzlich die häufig auftretenden Wechselwirkungen der medikamentösen Behandlungen berücksichtigen.“

Ältere Patienten wünschen sich auf Altersmedizin spezialisierte Ärztezentren

Vereinfacht wird die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachärzte, wenn sie unter einem Dach in einem Ärztezentrum oder einer Klinik arbeiten. Derartige Angebote bleiben aber noch deutlich hinter der Nachfrage zurück – bislang besuchen erst drei Prozent der Senioren ein Ärztezentrum. Aber weitere 22 Prozent, also mehr als jeder Fünfte, würde von seinen bisherigen Ärzten in ein Ärztezentrum wechseln, wenn er die Möglichkeit hätte. „Die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit und Kenntnis der Besonderheiten von Erkrankungen im fortgeschrittenen Alter beschränkt sich aber nicht nur auf die behandelnden Ärzte. Sie gilt für alle beteiligten Gesundheitsberufe. In den geriatrischen Fachabteilungen und zertifizierten alterstraumatischen Zentren von Asklepios kümmern sich deswegen Ärzte verschiedener Fachrichtungen, erfahrene Geriater (Altersmediziner), speziell geschultes Pflegepersonal, Logopäden sowie Ergo- und Physiotherapeuten gemeinsam als Team um jeden Patienten“, so Hankeln.

Spezialwissen der Geriater verringert das Risiko der Fehlmedikation

Während Fachärzte naturgemäß vorrangig die Behandlung ihres Gebietes im Auge haben, verfügt der Hausarzt über den besten Überblick. Gerade das häufige Problem von Neben- und vor allem von Wechselwirkungen und veränderten Reaktionen auf Wirkstoffe im Alter erfordert jedoch Spezialwissen, über das vor allem Geriater verfügen. Laut Umfrage nehmen zwei Drittel der befragten Senioren im Schnitt regelmäßig drei unterschiedliche Medikamente ein, und ein Viertel der Befragten kommt sogar auf fünf bis sechs Präparate. Dazu kommen bei 40 Prozent der Befragten noch die nicht verschreibungspflichtigen Ergänzungsmittel, die ebenfalls Neben- und Wechselwirkungen entfalten können. Immerhin 41 Prozent der über 65-Jährigen, die Medikamente einnehmen, haben bereits Wechsel- und Nebenwirkungen bei Arzneimitteln selbst erlebt. Weitere Ergebnisse der Umfrage: 60 Prozent der Befragten haben die Einnahme der Medikamente schon mal vergessen. 23 Prozent nehmen gar keine Medikamente dauerhaft ein.

Positiver Blick auf das eigene Leben

Abseits der Sorgen um die eigene Gesundheit und der Verbesserungspotenziale in der medizinischen Versorgung älterer Menschen zeigt die Befragung aber auch, dass es um die allgemeinen Lebensumstände der Senioren in Deutschland (noch) ausgesprochen gut bestellt ist. So geben 92 Prozent der befragten über 65-Jährigen an, dass sie mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind. 91 Prozent äußern sich so über ihre finanzielle Situation, 88 Prozent über die Anzahl ihrer sozialen Kontakte. Und immerhin 78 Prozent sind mit ihrer körperlichen Fitness zufrieden.

Zur Studie

Das Marktforschungsinstitut Forsa hat im März 2016 im Auftrag der Asklepios Kliniken bundesweit 764 nach Alter und Geschlecht repräsentativ ausgewählte Bürger ab 65 Jahren telefonisch befragt. Auf Anfrage erhalten Sie Infografiken mit den detaillierten Umfrageergebnissen.

Über Asklepios

Asklepios zählt zu den führenden privaten Betreibern von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Die Klinikkette verfolgt eine verantwortungsvolle, auf hohe Sicherheit und Qualität ausgerichtete nachhaltige Strategie. Auf dieser Basis hat sich Asklepios seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren dynamisch entwickelt. Aktuell beschäftigt der Konzern mehr als 45.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr 2015 wurden rund 2,3 Millionen Patienten in den 150 Einrichtungen des Asklepios-Konzerns behandelt.

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Kurzprogramm bei Hausärzten hilft gegen Panik

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Universitätsklinikum Jena Foto: UKJ

07.06.2016 12:00

 Deutschlandweite Studie wird präsentiert

Über 70 Praxisteams der „Paradies-Studie“ zeigen den Erfolg / Diskussion am 10. Juni in Berlin / Rund zehn Millionen Deutsche betroffen

Berlin (DGPPN/UKJ). Ein neues Kurzprogramm verbessert die Behandlung von Patienten mit Panik- und Angststörungen durch Hausärzte. Dies ist das Ergebnis der „Paradies-Studie“ mit dem Motto: „…der Angst entgegen, freier leben“. An dem Projekt des Institutes für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena (UKJ) nahmen 419 Patienten aus 73 Hausarztpraxen teil. Die deutschlandweite Studie wird am 10. Juni in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Universitätsklinikum Jena Foto: UKJ

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Universitätsklinikum Jena
Foto: UKJ

Prof. Dr. Jochen Gensichen, Direktor des Jenaer Institutes für Allgemeinmedizin, erläutert den Hintergrund: „Fast zehn Millionen Deutsche leiden an Panik- und Angststörungen. Für die meisten bleibt der Hausarzt der einzige Behandler. Wir wollten die Hausärzte dabei unterstützen, eine gute Versorgung für ihre leidenden Patienten anbieten zu können.“ Die 2012 gestartete und jetzt abgeschlossene wissenschaftliche Studie wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
In Zusammenarbeit mit den Kollegen um Prof. Dr. Jürgen Margraf der Ruhr-Universität Bochum entwickelten die Jenaer Allgemeinmediziner ein verhaltenstherapeutisches Kurzprogramm. Dabei führt der Hausarzt den Patienten während vier Sitzungen schrittweise in die therapeutischen Expositionsübungen ein. Die Medizinische Fachangestellte der Hausarztpraxis unterstützt in regelmäßigen Telefonaten den Patienten bei seinen speziellen Übungen. Dazu wurden Hausärzte und ihre Angestellte vorher besonders geschult.

Ergebnis: Die mit diesem Programm behandelten Patienten waren zwölf Monate nach Abschluss weniger ängstlich (Effektstärke ES =0,37), weniger depressiv und waren mit der ambulanten Behandlung zufriedener als diejenigen, die nicht im Programm waren. Gensichen hält fest: „Es liegt nun ein wissenschaftlich geprüftes, sicheres und wirkungsvolles Vorgehen für die Behandlung der Panik- und Angststörung in Hausarztpraxen vor.“

Aus ökonomischer Sicht kann das Übungsprogramm auch überzeugen: In der von Gesundheitsökonomen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf begleitend durchgeführten Kosten-Nutzen-Bewertung zeigte sich für das Übungsprogramm ein „günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis“.

Dr. Iris Hauth, Präsidentin der der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), zeigt sich erfreut über diese Ergebnisse: „Hausärzte könnten nun sehr früh starten und die Patienten im Bedarfsfall dann gezielter überweisen. Das stärkt auch die gute Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und den weiterbehandelnden Fachärzten zum Wohle der gemeinsamen Patienten“

Gemeinsam diskutieren die Experten der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) am 10. Juni die richtigen Schlussfolgerungen aus der Studie. Sie rufen dazu auf, die wichtige Rolle der Praxismitarbeiterinnen weiter zu stärken. Das gezeigte Vorgehen sollte in die ärztliche Weiter- und Fortbildung, z.B. in die „Psychosomatische Grundversorgung“, integriert werden. Auch sollten die neuen Vertragsformen der GKV, wie die „Hausarztzentrierte Versorgung“ und die „integrierte Versorgung“ genutzt werden, um diese Studienergebnisse schnell in die Regelversorgung einfließen und so den Patienten zu Gute kommen zu lassen.

Unter dem Titel „Der Angst entgegen, freier leben“, werden die Ergebnisse am 10. Juni 2016 in Berlin vorgestellt und diskutiert – bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Stiftung Allgemeinmedizin.

Gemeinsame Presseinformation von:
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Stiftung Allgemeinmedizin und Universitätsklinikum Jena (UKJ)

Hinweis:
Zur Tagung am 10. Juni sind Sie herzlich eingeladen. Erforderlich ist eine Anmeldung per E-Mail an: allgemeinmedizin@med.uni-jena.de.

Termininformation:
10. Juni 2016, 11:00 bis 16:30 Uhr: „Der Angst entgegen, freier leben! Hausärztliche Behandlung und Case Management bei Panikstörungen und Agoraphobie“, Symposium zur Studie „PARADIES“
Ort: Hotel Aquino Tagungszentrum, Hannoversche Strasse 5b, 10115 Berlin-Mitte

Weitere Informationen zur Studie und Kontakt:
www.allgemeinmedizin.uni-jena.de
Prof. Dr. Jochen Gensichen
Universitätsklinikum Jena
Institut für Allgemeinmedizin
07743 Jena, Bachstraße 18
Tel.: 03641/9 39 58 00
Fax: 03641/9 39 58 02
E-Mail: Jochen.Gensichen@med.uni-jena.de


Weitere Informationen:

http://www.allgemeinmedizin.uni-jena.de