Mittwoch, Mai 4th, 2016

 

Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

LWL-Landeshaus in Münster mit dem Sitz der Hauptverwaltung. Foto: LWL/Arendt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:

Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
LWL: Diskriminierung in der Pflegeversicherung abschaffen

LWL-Sozialdezernent Matthias Münning Foto: LWL

LWL-Sozialdezernent Matthias Münning
Foto: LWL

Münster (lwl). „Behinderte Menschen müssen so normal wie möglich leben können. Dazu gehört, dass sie nicht weiter von der Pflegeversicherung diskriminiert werden „, sagte der Sozialdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Münning, am Mittwoch (4.5.) zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am kommenden Donnerstag (5.5.). Der LWL ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung.

Münning: „Bislang erhalten Menschen, wenn sie in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben, nicht die vollen Leistungen der Pflegeversicherung sondern höchstens 266 Euro im Monat. Diese Ungleichbehandlung ist nicht zu rechtfertigen.“ Insbesondere die UN-Behindertenrechtskonvention lasse eine unterschiedliche Behandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen nicht mehr zu. Münning schlug die Abschaffung der diskriminierenden Vorschrift im kommenden Bundesteilhabegesetz vor.

Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Cannabis als Medizin: Deutsche Schmerzgesellschaft begrüßt Beschluss der Bundesregierung

Mittwoch, 04. Mai 2016

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.

PRESSEMITTEILUNG

Schmerzpräsident Prof. Dr. Schäfer: „Ein wichtiger Schritt der Neu-Regulierung von Cannabis“

Berlin – „Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. begrüßt den heutigen Beschluss des Bundeskabinetts, den therapeutischen Einsatz von Substanzen aus der Hanfpflanze, den sogenannten Cannabinoiden, zu erleichtern.

 Sofern eine medizinische Indikation besteht, sollte eine unbürokratische Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen ermöglicht und ein kontrollierter Zugang von Patienten gewährleistet werden. „Allerdings bedarf es einer differenzierten Betrachtung und genauen Indikationsstellung sowie Qualitätssicherung der Therapie.“, so Prof. Dr. Michael Schäfer, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.

„Die vorliegenden Studien und Erfahrungsberichte zeigen deutlich, dass Cannabinoide einerseits in vielen Fällen nur sehr schwach schmerzlindernd wirksam sind, andererseits für einzelne ausgewählte Patienten durchaus hilfreich sein können. Diesen Patienten sollte daher eine Möglichkeit eröffnet werden, nach Versagen empfohlener Therapieverfahren einen individuellen Therapieversuch zu unternehmen“, so der Schmerz-Präsident. Sollte dieser erfolgreich sein, sollte die Gabe eines Cannabinoids in Absprache mit dem Patienten unter Berücksichtigung seiner Begleiterkrankungen, möglicher Kontraindikationen, der Patientenpräferenzen und dem Wirkungs-Nebenwirkungsprofil der jeweiligen Substanz erwogen werden, fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ., der mit rund 3.500 Mitgliedern größten wissenschaftlich-medizinischen Schmerzfachgesellschaft Europas.

Die Studienlage ist derzeit oftmals leider schwach. Nach derzeitigem Wissens- und Erfahrungsstand sind Cannabinoide bei einzelnen ausgewählten Schmerzpatienten ausreichend wirksam. In der Mehrheit der chronischen Schmerzpatienten zeigen Cannabinoide jedoch lediglich eine geringe bis mäßige Schmerzlinderung, sodass sie anderen bisher gebräuchlichen Schmerzmitteln nicht überlegen sind.

„Bemerkenswert ist, dass in Einzelfällen speziell ausgewählte Patienten, bei denen die gebräuchlichen Schmerzmittel versagen, von der Anwendung der Cannabinoide sehr stark profitieren“, so der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. Dies scheint insbesondere Patienten zu betreffen, deren Schmerzen eine spastische Komponente haben, wie z. B. bei der multiplen Sklerose, einer Querschnittslähmung oder Nervenverletzung. Auch manche Patienten mit neuropathischen Schmerzen bei HIV, bei denen erprobte Verfahren versagen, können in Einzelfällen eine deutliche Linderung durch Cannabinoide erfahren. Andere therapeutische Wirkungen, wie antiemetische, appetitsteigernde oder antientzündliche Wirkungen werden den Cannabinoiden zugeschrieben, jedoch liegen für diese Indikationen als auch für viele Schmerzsyndrome bisher keine qualitativ hochwertigen Studien vor.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. befürwortet daher im Einzelfall eine Behandlung mit Cannabinoiden in Betracht zu ziehen, empfiehlt aber, die Indikationskriterien weiterhin empirisch zu untermauern. Insbesondere sieht es die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. als dringend notwendig an, wie bei allen anderen schmerztherapeutischen Verfahren auch, ein solches Therapieverfahren immer im Kontext einer multimodalen Schmerztherapie und nicht als isoliertes Therapieverfahren anzuwenden. 

Wenn in diesem Sinne eine medizinische Indikation besteht, sollte der therapeutische Einsatz von Cannabinoiden und die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen entsprechend der Initiative der Bundesregierung ermöglicht werden.
Die Anwendung sollte durch eine obligate Erfassung und Analyse der Effektivität und unerwünschter Wirkungen begleitet werden, hierfür bietet das Schmerzregisterprojekt „KEDOQ“ der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. ideale Voraussetzungen.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. spricht sich weiterhin für die Durchführung methodisch hochwertiger Studien zur medizinischen Anwendung von Cannabinoiden in der Schmerzmedizin aus.

Unter einer Therapie mit Cannabinoiden kann es zum Auftreten von gering ausgeprägten zentralen Nebenwirkungen kommen, wie z. B. Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel, kognitive Beeinträchtigungen und Stimmungsschwankungen. Die bisherigen Studien beziehen sich auf kurze Behandlungszeiträume von wenigen Wochen bis Monaten, die besonderen Risiken einer Langzeitbehandlung sind weitestgehend unklar. Grundsätzlich ist aber für die Langzeit-einnahme und insbesondere bei Jugendlichen von einem Abhängigkeitspotential auszugehen und es kann in Einzelfällen zur Ausbildung von Angststörungen und Psychosen kommen.

Ein Themenheft, das den aktuellen Wissensstand und klinische Handlungsempfehlungen darstellt, ist im Februar 2016 in der medizinischen Fachzeitschrift „Der Schmerz“ erschienen.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist mit fast 3.500 persönlichen Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist Mitglied der IASP (International Association for the Study of Pain) sowie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).

Die Mitgliedschaft der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V ist interdisziplinär und interprofessionell und besteht aus Schmerzexperten aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege, Physiotherapie u. a. sowie wissenschaftlich ausgewiesenen Schmerzforschern aus Forschung, Hochschule und Lehre.

Etwa 23 Mio. Deutsche (28 %) berichten über chronische Schmerzen, 95 % davon über chronische Schmerzen, die nicht durch Tumorerkrankungen bedingt sind. Legt man die „Messlatte“ der Beeinträchtigung durch die Schmerzen zugrunde, so erfüllen 6 Mio. Deutsche die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerzes. Die Zahl chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen (Schmerzkrankheit) liegt bei 2,2 Mio. Deutschen.

Ansprechpartner für die Presse:

Thomas Isenberg

Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

presse@dgss.org, www.dgss.org

sowie Telefon: 030-39409689-1, Fax: 030-39409689-9

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.

Bundesgeschäftsstelle

Alt-Moabit 101b

10559 Berlin

 


Bewegter Praxisworkshop – Berufsförderungswerk Bad Pyrmont begrüßt den Hilfsmittelhersteller Invacare zum Rollstuhlseminar und Verkaufstraining

Das Foto zeigt Frau Bierbaß mit Teilnehmern bei der Justierung der Rückenlehne eines Rollstuhls.

Das Foto zeigt Frau Bierbaß mit Teilnehmern bei der Justierung der Rückenlehne eines Rollstuhls.

Mit gebeugtem Rücken, vorgerücktem Becken und mühsam gehobenen Kopf simuliert Frau Silke Bierbaß eine offensichtlich unbequeme Art in einem Rollstuhl zu sitzen. „Nun helft mir mal, mich so zu setzen, dass ich ohne Anstrengung nach vorne blicken und gut sitzen kann“, fordert die Referentin des Unternehmens Invacare die Teilnehmer des dreitägigen Rollstuhlworkshops am Berufsförderungswerk Bad Pyrmont auf.

Seit nunmehr 15 Jahren ergänzt das Seminar der Firma Invacare die Umschulung der Fachkräfte für Rehatechnik und Sanitätshauswaren praxisnah und patientenorientiert in den Bereichen Beratungstraining, Mechanik sowie Sitzen und Positionieren. „Häufig gelingt die individuelle Ausrichtung der Rückenlehnen von Rollstühlen in den Fachgeschäften vor Ort nur unzureichend“, erinnert Frau Bierbaß und ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk Bad Pyrmont in diesem Seminar verknüpft unsere praktische Erfahrung als Entwickler und Hersteller mit den Kenntnissen der Teilnehmenden aus Unterricht und Praktika. Ziel ist, die Umschüler und Umschülerinnen auf alltägliche Anforderungen Ihres Berufes vertiefend vorzubereiten.“

Für die späteren Absolventen des Berufsförderungswerkes ist dieser Workshop einer von mehreren: „Unsere Teilnehmenden erhalten auf diesen Workshops zusätzliches Detailwissen in einer Fülle, die sie für zukünftige Arbeitgeber besonders attraktiv macht“, betont Ralf Gröger, Fachbereichsleiter im Berufsförderungswerk.

Zur Überraschung der Anwesenden konnte der „gebrechlichen“ Frau Bierbaß nicht dadurch geholfen werden, durch Anspannen der Rückenlehne den gebeugten Rücken aufzurichten. Vielmehr führte das Lockern der Lehnengurte dazu, dass dem „Buckel“ mehr Raum nach hinten zur Verfügung stand und das Sitzen und Geradeausschauen nun auch ohne anstrengendes und ermüdendes Anheben des Kopfes erreicht wurde.

Die Unternehmen:

Seit 1985 sorgt Invacare auch in Deutschland für mehr Würde und Lebensqualität für ältere und körperbehinderte Menschen. Das Unternehmen bietet ein breit gefächertes Portfolio am deutschen Reha- und Hygienemarkt an.

Das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont ist neben dem Standort Weser-Ems und Goslar eines der niedersächsischen Berufsförderungswerke. Zur Hauptaufgabe der BFWs gehört die berufliche Rehabilitation nach Krankheit oder Unfall z.B. durch Qualifizierung, Umschulung oder integrative Unterstützung.

Kontakt: Tobias Bachhausen | tobias.bachhausen@bfw-stiftung.de | 0511 898 440 106 Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation | Kriegerstraße 1e | 30161 Hannover