Dienstag, Februar 24th, 2015

 

18. Klinikvertretertreffen und 10. TRT-Treffen der DTL: Experten diskutieren über Therapien bei Tinnitus

Am vergangenen Wochenende kamen rund 60 Experten auf Einladung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) in die Habichtswald Klinik nach Kassel-Bad Wilhelmshöhe, um über Behandlungsmethoden bei Ohrgeräuschen zu diskutieren. Den Auftakt bildete am Freitag, den 20. Februar die Sitzung des Fachlichen Beirats der DTL. Am Samstag, den 21. Februar fand das 18. Klinikvertretertreffen und 10. TRT-Treffen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. statt.

Im Vorfeld der Veranstaltung wählte der Fachliche Beirat der DTL seine neuen Sprecher, die auf der Sitzung des DTL-Fachbeirats 2015 am 20. Februar bekannt gegeben wurden. Neuer Sprecher des Beirats ist Prof. Dr. Gerhard Hesse aus Bad Arolsen. Zum ersten stellvertretenden Sprecher des Beirats wurde Prof. Dr. Gerhard Goebel aus Prien am Chiemsee ernannt, zum zweiten stellvertretenden Sprecher wurde Dr. Sven Schmiedl aus Wuppertal gewählt.

DTL-Klinikvertretertreffen

Die Teilnehmer des 18. Klinikvertretertreffens und 10. TRT-Treffens der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vor der Habichtswald Klinik in Kassel-Bad Wilhelmshöhe.

Sowohl in der Sitzung des DTL-Fachbeirats als auch beim Treffen der Klinikvertreter und Tinnitus-Retraining-Therapie-Teams standen die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und deren Bewertung im Mittelpunkt. Nach einer Begrüßung des DTL-Geschäftsführers Michael Bergmann und einer Einführung von DTL-Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Goebel wurden am Samstagvormittag Fachvorträge zu den Themen Tinnitus und Hyperakusis gehalten. Zu Beginn referierte Prof. Dr. Gerhard Hesse, Chefarzt und Geschäftsführer der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, über den „Stand der medizinischen Therapie bei Tinnitus“. Ein akuter Tinnitus (bis drei Monate) müsse, so Prof. Hesse, klar vom chronischen Tinnitus (ab drei Monate) abgegrenzt werden. Ein Ohrgeräusch entstehe fast immer im Innenohr, jedoch sei das, was in der Hörbahn bei der Weiterleitung von Tönen geschehe, entscheidend dafür, ob der Tinnitus belastend sei. Prof. Hesse stellte fest, dass es bereits viele wirksame Therapien gebe, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, die als einzige der Methoden klar evidenz-basiert sei. Auch die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) und die Versorgung mit Hörgeräten seien sehr wirksam, ebenso die Hörtherapie sowie die Musiktherapie als wesentlicher Bestandteil der Hörtherapie, in Verbindung mit anderen Therapiebausteinen wie beispielsweise auch Entspannungsverfahren. Prof. Hesse ging auch auf Behandlungsmethoden mit unterschiedlichen medizintechnischen Geräten und Verfahren ein, wie Akustische Neurostimulation oder transkranielle Magnetstimulation etc., die jedoch allesamt keinen dauerhaften Erfolg brächten. Eine klare Absage erteilte er auch diversen Medikamenten und Durchblutungsmitteln, die komplett sinnlos seien.

Im Anschluss beschrieb Dr. Helmut Schaaf, Leitender Oberarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, „Die Rolle der Hörtherapie in der Tinnitus-Behandlung“. Der Tinnitus sei ein Phänomen der Hörwahrnehmung, das mit Hörschäden zusammenhänge, hilfreich könnten dabei Verhaltensänderungen und Konfliktbewältigung sein. Zunächst solle Dr. Schaaf zufolge abgeklärt werden, ob es organische Gründe für den Tinnitus gebe, wie beispielsweise ein Hörschaden, der frühzeitig versorgt werden müsse. Die Hörtherapie werde in Gruppen- und Einzeltherapie durchgeführt und umfasse Erklärungen und Erläuterungen für die Patienten sowie praktische Übungen zur Wahrnehmung von Geräuschen. Diese könnten unter anderem auch im Freien durchgeführt werden, wo sich die Patienten immer leiseren Geräuschen (zum Beispiel Brunnenplätschern) zuwenden und dabei auf ihre Empfindungen achten sollen. Das Gehörte und Empfundene werde dann anschließend mit dem Therapeuten besprochen. Auch die Progressive Muskelentspannung sei hier hilfreich.

Der Frage „Wie effektiv unterstützen manuelle Therapieverfahren eine Minderung der Tinnitus-Belastung?“ ging Dr. Robert Behrmann von der Gemeinschaftspraxis Dr. Robert Behrmann und Dr. Andreas Fischer aus Ditzingen nach. Bei der manuellen Therapie schaue man auf mögliche Funktionsstörungen im Bewegungsapparat sowie darauf, ob etwas auf craniomandibuläre oder craniocervicale Dysfunktionen hinweise, so Dr. Behrmann. Ist das Ohrgeräusch durch Bewegung des Kiefers oder der Halswirbelsäule beeinflussbar, sei ein Zusammenhang diesbezüglich sehr wahrscheinlich und eine Überweisung an einen Zahnarzt oder Orthopäden angezeigt. Jedoch ist diese Behandlungsform nicht isoliert von anderen zu betrachten: „Die manuelle Therapie bleibt ein Baustein im Gesamtsystem der Therapiebausteine“, sagte Dr. Behrmann.

Über „Tinnitus bei Kindern und Jugendlichen“ sprach anschließend Prof. Hesse. Ohrgeräusche in dieser Altersgruppe nehmen nicht zu, sondern würden nur mehr beachtet, so Prof. Hesse. Er plädierte dafür, eine mögliche Hörstörung abzuklären und gegebenenfalls mit Hörgeräten zu behandeln. Ansonsten jedoch sei für eine weitere Behandlung ausschlaggebend, ob die Kinder selbst sagten, dass sie der Tinnitus störe oder sie darunter litten, da das kindliche Hörsystem extrem entwicklungsfähig sei. Oft reagierten die Eltern mit Sorge oder Angst, und dadurch werde verhindert, dass die Kinder das Geräusch habituierten, so dass es sich daher verfestige. Andererseits könne Tinnitus auch auf eine psychische Belastung hinweisen, oder der Tinnitus entstehe als Zeichen einer vegetativen Überreizung, beispielsweise durch Termindruck aufgrund vieler Hobbys etc. In diesen Fällen könne eine Behandlung bei einem Kinderpsychologen sinnvoll sein.

Abgerundet wurden die Vorträge durch Prof. Dr. Gerhard Goebels Ausführungen über „Neues in der Psychodiagnostik bei Tinnitus und Hyperakusis“. Er erläuterte, dass Hyperakusis häufig dem Tinnitus vorausgehe. Es handle sich hierbei um einen „Prä-Tinnitus“, und dies sei der einzige Zeitpunkt, an dem man die Ausprägung eines Tinnitus verhindern könne, indem man die Hyperakusis behandle. Prof. Goebel schilderte außerdem die Entwicklung des sogenannten „Mini-HK9“, eines von ihm und Prof. Dr. Wolfgang Hiller aus Mainz erstellten kleinen Hyperakusis-Fragebogens, der bessere Ergebnisse liefere als umfangreichere Fragebögen.

Am Nachmittag standen drei verschiedene Workshops zur Auswahl: „Praktische Aspekte der Hörtherapie – zum Mitmachen“ von Dr. Helmut Schaaf, „Integrative Bewegungstherapie in der Behandlung von Tinnitus und Schwindel“ von Katharina Backhauß, Bewegungstherapeutin der Schön Klinik Bad Arolsen, sowie „Meditieren über den Dächern Kalkuttas – Aufmerksamkeitslenkung bei Tinnitus und Hyperakusis“ von Jürgen Horn, Leitender Arzt der Klinik Berus in Überherrn-Berus.

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 13.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.

 

Kontakt:
Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Sabine Wagner
Am Lohsiepen 18
42369 Wuppertal
Tel.: 0202 24652-24
Fax: 0202 24652-20
E-Mail: s.wagner@tinnitus-liga.de
– Bei Veröffentlichung freuen wir uns über einen Beleg. –


Bevölkerung wird älter, aber ungesund / Deloitte-Studie: Zehn Prozent der Bevölkerung sterben an Folgen von Tabakkonsum

Düsseldorf/München. Deloittes „Global Healthcare Outlook – Common goals, competing priorities“ zeigt die demografischen Herausforderungen der Gesundheitsbranche. Die Lebenserwartung wird bis 2018 weltweit auf 73,7 Jahre ansteigen, was eine höhere Nachfrage an medizinischer Versorgung mit sich bringt. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung sind dann über 65 Jahre alt, in Westeuropa sogar über 20 Prozent. Die Behandlungsmethoden werden stetig verbessert. Ebola oder HIV stellen eine Herausforderung dar, dennoch bleiben Krebs und Herzkrankheiten als Folge von Bewegungsarmut und Fettleibigkeit häufigste Todesursache. Zehn Prozent der Todesfälle sind auf die Folgen von Tabakkonsum zurückzuführen. Regierungen spielen eine immer größere Rolle für den Gesundheitsbereich, da sie größtenteils die Ausgaben finanzieren und den Markt regulieren. Bei der Abdeckung mit Krankenhausbetten liegt Deutschland mit 7,3 pro 1.000 Einwohner vorne. Beim Personal herrscht in vielen Ländern Mangel und es werden dringend Ärzte und Pflegefachkräfte benötigt.

„Auch wenn Deutschland ein vergleichsweise gutes Gesundheitssystem und eine hohe Abdeckung mit medizinischem Personal und Krankenhäusern hat, müssen Konzepte entwickelt werden, die dies langfristig auch in ländlichen und strukturschwachen Regionen sicherstellen“, erklärt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner und Leiter Life Sciences & Healthcare bei Deloitte.

Ärzte und Krankenschwestern gesucht

Für eine optimale medizinische Versorgung müssen Infrastruktur und der Nachwuchs bei Ärzten und Pflegepersonal gewährleistet werden. Dabei ist die Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften herausfordernd, auch wenn die Ärztezahl pro 1.000 Einwohner bis 2018 mit 1,8 weltweit konstant bleibt. Sowohl in Südafrika (0,6 Ärzte/1.000 Einwohner) als auch in Südostasien (Indonesien: 0,4/1.000) ist der Ärztemangel bereits heute akut. In Indien werden zusätzliche 1,5 Millionen Mediziner und 2,4 Millionen Krankenschwestern benötigt, um eine adäquate Versorgung sicherzustellen.

Medizinische Versorgung in Krankenhäusern

Die Abdeckung der medizinischen Versorgung variiert weltweit stark: In Westeuropa ist die Infrastruktur gut – in Deutschland ist die Anzahl von Krankenhausbetten mit 7,3 (2013) pro 1.000 Einwohner am höchsten. In Brasilien sind es hingegen nur 2,5 und in Mexiko nur 1,1 Betten. Indien müsste im kommenden Jahrzehnt 50 Milliarden Dollar investieren, um eine ausreichende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Derzeit gibt es lediglich ein Bett pro 1.050 Einwohner (=0,95/1.000).

   Land            Krankenhausbetten/1.000 EW* 
   Deutschland                7,3 
   Frankreich                 6,3 
   UK                         2,9 
   USA                        2,9 
   Brasilien                  2,5 
   Mexiko                     1,1 
   *2013

Luxusgut medizinische Versorgung

Bis 2018 steigt die Zahl gut verdienender Haushalte weltweit um 30 Prozent, mehr als die Hälfte davon aus Asien. Das Bevölkerungswachstum und der steigende Reichtum tragen zu höheren Kosten für medizinische Leistungen bei. Es herrscht Angst vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mit einer geringen (staatlichen) Basisversorgung und einer guten privaten Abdeckung für Besserverdiener. Bisher war die Versicherung häufig volumenbasiert, zukünftig wird sich dies jedoch hin zu einer stärkeren Leistungsorientierung verschieben. Es werden neue „Value-based Healthcare“-(VBC)Modelle entwickelt, unter anderem zur nutzenbasierten Vergütung von Krankenhäusern und Ärzten. In den USA erwarten Mediziner, dass die Hälfte ihrer Vergütung an das Behandlungsergebnis bzw. den Gesamtnutzen (Value) ihrer Leistung gekoppelt sein wird.

Verbesserte Behandlungsmethoden

Der demografische Wandel sorgt für eine höhere Nachfrage nach medizinischen Leistungen. Bessere Behandlungsmethoden bei Krebs sowie Herz- und Kreislauferkrankungen erhöhen die Lebenserwartung auf 73,7 Jahre (2013: 72,7 Jahre). Dennoch bleiben diese Krankheiten vor allem in Emerging Markets die häufigste Todesursache als Folge von Urbanisierung, einem bewegungsarmen Alltag und steigender Fettleibigkeit. Durch bessere Hygiene und breitere medizinische Versorgung gibt es in Entwicklungsländern eine geringere Kindersterberate und Infektionen werden weiter verringert. Ebola, HIV und resistente Tuberkuloseerkrankungen bleiben jedoch nach wie vor eine Gefahr. Bis 2020 werden voraussichtlich 7,5 Millionen Menschen an den Folgen von Tabakkonsum sterben, was zehn Prozent aller Todesfälle ausmacht.

„Regierungen sollten nicht nur durch geeignete Anreizsetzung Einfluss auf die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems und der Versorgungsstrukturen ausüben, sondern im Sinne eines integrierten Ansatzes auch die Prävention bei den Bürgern gezielt stärken, z.B. mit Kampagnen für einen gesunden Lifestyle“, schließt Dr. Gregor-Konstantin Elbel.

Die komplette Studie finden Sie unter http://ots.de/ncWDz zum Download.

Über Deloitte

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Die Mitarbeiter von Deloitte haben sich einer Unternehmenskultur verpflichtet, die auf vier Grundwerten basiert: absolute Integrität, erstklassige Leistung, gegenseitige Unterstützung und kulturelle Vielfalt. Sie arbeiten in einem Umfeld, das herausfordernde Aufgaben und umfassende Entwicklungsmöglichkeiten bietet und in dem jeder Mitarbeiter aktiv und verantwortungsvoll dazu beiträgt, dem Vertrauen von Kunden und Öffentlichkeit gerecht zu werden.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited („DTTL“), eine „private company limited by guarantee“ (Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht), ihr Netzwerk von Mitgliedsunternehmen und ihre verbundenen Unternehmen. DTTL und jedes ihrer Mitgliedsunternehmen sind rechtlich selbstständig und unabhängig. DTTL (auch „Deloitte Global“ genannt) erbringt selbst keine Leistungen gegenüber Mandanten. Eine detailliertere Beschreibung von DTTL und ihren Mitgliedsunternehmen finden Sie auf www.deloitte.com/de/UeberUns.

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