November, 2013

 

Boom bei Gelenkersatz: Fluch oder Segen?

29.11.2013    

Bremen . Krankenkasse hkk präsentiert Gesundheitsreport zu endoprothetischen Operationen des Knie- und Hüftgelenks: Leichter Anstieg bei hkk-Versicherten im Gegensatz zu bundesweitem Trend / Forderung nach Ausschöpfung gelenkerhaltender Maßnahmen und besserer Aufklärung der Patienten / Ausführliche Informationen unter hkk.de

Die Endoprothetik – der operative Einsatz von Implantaten in den Körper, um geschädigte Gelenke dauerhaft zu ersetzen – verbessert die Lebensqualität vieler Patienten mit degenerativen Gelenkerkrankungen und ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Manche Experten sind jedoch davon überzeugt, dass rund zehn Prozent der Operationen in Deutschland unnötig sind. Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern (Organisation für Economic Cooperation and Development) ist Deutschland Spitzenreiter bei der endoprothetischen Versorgung mit Hüft- und Kniegelenken. Ärzte und Krankenhäuser müssen sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, das eigene wirtschaftliche Interesse über das ihrer Patienten zu stellen. Wird in Deutschland zu schnell operiert?

Für den heute in Bremen präsentierten hkk-Gesundheitsreport untersuchte Dr. Bernard Braun, Leiter des Bremer Instituts für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG), die Häufigkeit von endoprothetischen Operationen des Knie- und Hüftgelenks bei hkk-Versicherten. Dr. med. Bertram Regenbrecht, Chefarzt des Zentrums für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie der Roland Klinik Bremen, kommentierte als unabhängiger Fachexperte die Studienergebnisse aus dem Blickwinkel der klinischen Praxis.

Untersuchungsdesign

Auf Basis anonymisierter hkk-Versicherten-Routinedaten wurden die Entwicklung und Häufigkeit von endoprothetischen Operationen des Knie- und Hüftgelenks sowie von Revisionen (also Nachoperationen) bzw. Wechseln von Endoprothesen in den Jahren 2008 bis 2012 untersucht. Für die qualitative Analyse analysierte das BIAG auch die vor- und nachoperative Inanspruchnahme ausgewählter Leistungen wie ambulant-ärztliche Behandlungsfälle, Heil- und Hilfsmittel sowie Arzneimittel.

Immer mehr Operationen bei hkk-Versicherten

Im Untersuchungszeitraum stieg die Anzahl der Operationen bei hkk-Versicherten nahezu kontinuierlich an. Während im Jahr 2008 noch 598 operierte Hüft-Endoprothesen registriert wurden, waren es 2012 bereits 723 – eine Zunahme von 21 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Knie-Endoprothesen mit 347 Fällen in 2008 gegenüber 432 Fällen in 2012, was einer Steigerung von 24,5 Prozent entspricht.

Gleichwohl: hkk-Versicherte im bundesweiten Vergleich seltener operiert

Bundesweit stagniert laut Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) die Anzahl der erstimplantierten Hüft- und Knie-Endoprothesen seit 2009 auf hohem Niveau. Um die Vergleichbarkeit der hkk-Daten mit anderen Studien zu gewährleisten, verwendet die Studie die Zahl der Fälle pro 100.000 Versichertenjahre (VJ) als gemeinsame Berechnungsgrundlage. Dabei ergibt sich, dass hkk-Versicherte im Vergleich zum bundesweiten Behandlungsgeschehen seltener eine Knie-Prothese erhalten: Im Referenzjahr 2011 waren es 118,2 Erstimplantationen je 100.000 VJ, während der bundesweite Vergleichswert bei AOK-Versicherten 129,5 betrug. „Dieses Ergebnis überrascht nicht, da hkk-Versicherte im Durchschnitt jünger sind als AOK-Versicherte“, erklärt Braun. Im gleichen Jahr wurden bei der hkk 175,8 erstmalige Hüft-Endoprothesen je 100.000 VJ eingesetzt. In diesem Fall liegen jedoch keine Referenzzahlen für den Bundesdurchschnitt vor.

Mehr Revisionen und Wechseln, trotzdem kein Hinweis auf Qualitätsprobleme

Der hkk Gesundheitsreport zeigt einen deutlichen Anstieg von Revisionen und Wechseln bei hkk-Versicherten: Von 2008 bis 2012 zeigte sich bei Hüft-Endoprothesen ein prozentualer Anstieg von 75 Prozent; bei Knie-Endoprothesen lag dieser Wert bei 45 Prozent. Bundesweit nahmen die Revisionen und Wechseln bei Knie-Endoprothesen im Vergleichszeitraum mit 43 Prozent ähnlich stark zu; die Anzahl der Hüft-Endoprothesen ist jedoch seit 2009 leicht rückläufig. „Über die Gründe der steigenden Revisionseingriffe können wir nur spekulieren“, so Bernard Braun. Es müsse jedoch die durchschnittliche Standzeit eines erstimplantierten Hüft- oder Kniegelenks von 10 bis 15 Jahren berücksichtigt werden. Logisch ist: Eine steigende Anzahl Erstimplantationen führt zeitversetzt zu einer steigenden Anzahl von Revisionen. „Und je jünger die Patienten sind, desto wahrscheinlicher muss ein implantiertes Gelenk mindestens einmal ersetzt werden, verbunden mit allen Risiken und nachoperativen Beschwerden.“

Forderung nach Ausschöpfung gelenkerhaltender Maßnahmen und besserer Aufklärung

Die Menge der vor den Operationen verordneten Heilmittel sowie der schmerzmildernden oder -stillenden Verfahren erschien Dr. Braun relativ gering – „vor allem, da sie zur Vermeidung von Operationen beitragen können und ihren Nutzen nachgewiesen haben. Daher sollten solche Behandlungsmöglichkeiten vor einer OP voll ausgeschöpft werden,“ so Dr. Braun.

Zudem seien die Beratungsangebote für Patienten auszubauen. Dabei sollten insbesondere die nachoperative Gesundheits- und Lebensqualität realistisch dargestellt und überhöhte Erwartungen relativiert werden. Beispielsweise müssen viele Patienten damit rechnen, dass auch noch sechs oder mehr Monate nach einer Operation eine regelmäßige Weiterbehandlung und die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig sind.

Zur Patienteninformation empfiehlt der hkk-Gesundheitsreport so genannte Decision aids, die auf der Basis bestmöglichen und neutralen Wissens über die Folgen einer Operation informieren und eine an persönlichen Bedürfnissen orientierte Entscheidungsfindung ermöglichen. In einer 2012 veröffentlichten US-amerikanischen Studie nahm die Zahl der Patienten, die sich für eine Hüft- bzw. Knie-Endoprothesen-Operation entschieden, nach der Nutzung von Decision aids um 26 Prozent beziehungsweise 38 Prozent ab. Die hkk wird die Entwicklung solcher Entscheidungshilfen in Zusammenarbeit mit unabhängigen Experten unterstützen.

Demgegenüber betonte Dr. Regenbrecht von der Roland-Klinik Bremen die Bedeutung des persönlichen Arzt-Patienten-Gesprächs, da nur hier auf die individuelle Situation des einzelnen Patienten eingegangen werden könne. Zudem seien Krankengymnastik und andere Heilmittel nicht in jedem Fall geeignet, den Gelenkverschleiß und damit die Notwendigkeit einer Operation hinauszuzögern. Die hohe Zahl an Operationen in Deutschland könne vor allem durch den hierzulande sehr guten Zugang zur Gesundheitsversorgung begründet werden.

Ergänzend plädieren die Autoren des hkk-Gesundheitsreports für eine Teilnahme aller Kliniken am freiwilligen Endoprothesen-Register (EPRD, eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie). Diese zentrale Erfassungsstelle sammelt und analysiert Daten zu Erst- und Folgeoperationen, die künftig zur Qualitätsverbesserung genutzt werden sollen.

Über die hkk Erste Gesundheit:

Die hkk zählt mit mehr als 360.000 Versicherten (darunter 260.000 zahlende Mitglieder), 27 Geschäftsstellen und 2.000 Servicepunkten zu den 20 größten bundesweit geöffneten gesetzlichen Krankenkassen. Als erste Kasse in Deutschland zahlt sie ihren Mitgliedern bereits seit 2009 jährlich Beiträge zurück; für 2013 beträgt diese hkk-Dividende 100 Euro. Sie soll auch 2014 beibehalten werden. Gleichzeitig erweitert die hkk ihr breites Angebot an Extraleistungen: So können sich Versicherte die Kosten für Naturarzneimittel, Osteopathie, erweiterte Schwangerschaftsvorsorge und sportmedizinische Untersuchungen erstatten lassen. Vergünstigte private Zusatzversicherungen der LVM ergänzen das Angebot. Gute Noten erreicht auch die hkk-Servicequalität: 2013 vergab der TÜV Nord die Wertung „gut“, das M+M Versichertenbarometer die Note 1,73 für die Kundenzufriedenheit. Die hkk wurde 1904 gegründet und gehört zum Verband der Ersatzkassen (vdek). Mehr als 700 Mitarbeiter in Bremen und Oldenburg betreuen ein Ausgabenvolumen von 846 Mio. Euro bei Verwaltungskosten, die deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegen. Als Arbeitgeber bietet die hkk zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig fühlt sie sich einem nachhaltigen Umgang mit den Umweltressourcen verpflichtet.

Pressekontakt:

hkk Erste Gesundheit, Martinistr. 26, 28195 Bremen 
Holm Ay, Tel 0421.3655-1000, Maike Kromminga, Tel 0421.3655-3177 
presse@hkk.de; www.hkk.de

Pflege: Programm mit Potenzial

27.11.2013
bpa-Präsident beurteilt Koalitionsvertrag verhalten positiv

   

Berlin. Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), sieht nach vier verlorenen Jahren für die Pflege nun die Chance, ein gutes Stück voranzukommen. „Die Bedingung ist jedoch, dass aus Absichtserklärungen und Vereinbarungen harte Fakten werden und direkte Leistungsverbesserungen Vorrang vor Prestigeprojekten haben“, so Meurer, der vor allem den Ausbau der Betreuungsleistungen begrüßt, gleichzeitig aber die Klarstellung einfordert, dass dieser für alle Pflegebedürftigen und nicht nur für demenziell Erkrankte gilt.

Die sich bildende Regierungskoalition ist bereit, im Laufe der Legislaturperiode jährlich bis zu fünf Milliarden Euro zusätzlich in die Pflegeversicherung zu stecken. Das müsste reichen, um die dringendsten Leistungsverbesserungen und zugleich die dringendsten personellen Verbesserungen in den Bereichen ambulante und stationäre Pflege zu erreichen – jedoch nur, wenn die Gelder tatsächlich da landen, wo sie benötigt werden.

„Allerdings“, so Meurer, „werden diese finanziellen Mittel sofort benötigt – zur Entlastung des Personals, zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs und um die sukzessive Entwertung der Pflegeleistungen durch die Inflation abzufedern. Außerdem müssen wir Fachpersonal im In- und Ausland gewinnen, um die Betreuung von Pflegebedürftigen personell aufzustocken. Die Pflege hat keine Zeit zu verlieren.“

Damit die Pflegereform gelingen kann, erneuert der bpa seine Forderung nach einer konzertierten Pflegeaktion, die Pflegekassen, Länder, Kommunen und Träger in der Pflege einschließt. „Denn viele Probleme liegen auf Länderebene, viele Probleme stecken in bürokratischen Hemmnissen, die der Bund allein nicht überwinden kann“, erläutert Meurer.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) bildet mit mehr als 8.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 245.000 Arbeitsplätze und circa 18.900 Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 19,4 Milliarden Euro.

Pressekontakt:

Herbert Mauel, Bernd Tews, Geschäftsführer, Tel.: 030-30878860,
www.bpa.de

Koalitionsvertrag: Krankenhäuser hätten mehr erwartet

  Pressemitteilung 27. November 2013

DKG zu den zentralen Inhalten des Koalitionsvertrages im Hinblick auf die stationäre Versorgung

 „Der Koalitionsvertrag formuliert hinsichtlich Qualitäts- und Personalvorhaltung höchste Anforderungen an die Krankenhäuser. Aber über die Verbesserung der finanziellen Ressourcen zur Sicherung der Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser werden keine bzw. nur rudimentäre Aussagen getroffen“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen.

Die unbestritten unzureichende Investitionsmittelbereitstellung durch die Bundesländer werde überhaupt nicht thematisiert, monierte Baum. Die dringend notwendigen Veränderungen im Vergütungssystem bei der Refinanzierung der laufenden Kosten, insbesondere der Personalkosten, würden zwar erkannt, blieben aber ebenfalls ohne konkreten Vorschlag. Gleichwohl sei zu begrüßen, so der DKG-Hauptgeschäftsführer weiter, dass die Personalkosten auf der Ebene der DRG-Kalkulation in ausreichender Höhe und Gewichtung berücksichtigt werden sollen. Immerhin positiv sei, dass Probleme wie die doppelte Degression, Mängel des Orientierungswertes und die unzureichende Ausgestaltung des Sicherstellungszuschlages als solche erkannt würden und die Finanzierung der Extremkostenfälle verbessert werden solle. „Es ist aber wenig hilfreich, die Krankenhäuser zu Soll-Personalvorhaltungen zwingen zu wollen, wenn nicht klar geregelt wird, dass die jährlichen Personalkostensteigerungen über die Vergütungen refinanziert werden“, so Baum.

Baum unterstrich, dass die Qualität der deutschen Krankenhausmedizin auf weltweit anerkanntem hohem Niveau sei. Schon heute würden in den jährlich veröffentlichten Qualitätsberichten umfassende Informationen einschließlich Qualitätsvergleichen geliefert. Baum warnte: „Eine Verknüpfung von Vergütung und Qualität ist der falsche Weg. Er fördert die Risikovermeidung und erschwert die medizinische Versorgung schwerstkranker Patienten.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundespolitik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 2.045 Krankenhäuser versorgen jährlich 18,3 Millionen stationäre Patienten und 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,1 Millionen Mitarbeitern. Bei 83,4 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundespolitik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 2.045 Krankenhäuser versorgen jährlich 18,3 Millionen stationäre Patienten und 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,1 Millionen Mitarbeitern. Bei 83,4 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

Kontakt:
Moritz Quiske (Ltg.)
Holger Mages
Dagmar Vohburger
Tel. (030) 3 98 01 -1020 / -1022 / -1023

Sekretariat
Stephanie Gervers
Tel. (030) 3 98 01 -1021
Fax (030) 3 98 01 -3021
e-mail: pressestelle@dkgev.de
web: www.dkgev.de

Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)
Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Wegelystraße 3
10623 Berlin


Die DEGEMED ist Kooperationspartner auf dem 16. IHR Kölner Personenschaden und Unfall-Kongress 2014

Die alternde Gesellschaft – Neue Herausforderungen für das Management von Personenschäden in der Kraftfahrthaftpflicht- und Unfallversicherung

Der demographische Wandel ist keine Überraschung mehr. Dennoch sind die Auswirkungen in vielen Bereichen noch nicht wirklich verstanden. Unser Kongress greift dieses Thema deshalb auf und will die auftretenden Probleme beschreiben und erste Antworten auf die kommende Entwicklung geben.

Ältere Menschen verursachen nicht nur Unfälle sondern sind auch immer häufiger von Unfällen betroffen. Siegfried Brockmann von der Unfallforschung des GDV gibt einen Überblick über die deutlichen Veränderungen im Verkehrsgeschehen, auf die Versicherer sich einzurichten haben.

Abfindung oder Case Management – eine schwierige Frage für den Regulierer. Was ist besser und zwar für alle Beteiligten? Diese Frage wird RA Bernd Höke anhand von Fällen aus der Praxis beleuchten. Polytraumata bei älteren Menschen stellen eine besondere Herausforderung im Klinikalltag dar. Über die Behandlungserfolge spricht Dr. Erik Wilde vom Universitätsklinikum Schleswig Holstein, Sektion
Unfallchirurgie.

Von den Leistungen der Sozialversicherungsträger profitieren zu können, heißt diese überhaupt zu kennen. Prof. Dr. Felix Welti von der Universität Kassel erläutert die Möglichkeiten der SV Träger und beschreibt den Nutzen für die Versicherer. Ältere Menschen haben nach einem Unfall einen besonderen Behandlungs- und Betreuungsbedarf.

Prof. Dr. Axel Prokop von der Unfallchirurgie Sindelfingen berichtet über die Erfahrungen seines Krankenhauses bei der Zertifizierung zum Zentrum für Alterstraumatologie.

Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie Campus Lübeckder Uniklinik Schleswig Holstein hat sich in einem Projekt mit der medizinischen Rehabilitation der Generation 55+ befasst. Über Erkenntnisse und Schlussfolgerungen informiert Dipl. Dr. Ruth Deck.

Das Programm des Kongresses finden Sie hier als PDF zum Download.


6. RehaKongress der RehaZentren Baden-Württemberg

Leben mit/trotz Krebs. Reha entscheidet.
Was folgt nach der Akuttherapie? Vom 07. bis 09. Mai 2014 findet der RehaKongress der RehaZentren statt

Die Zahl jährlich neu aufgetretener Krebserkrankungen in Deutschland hat von 1980 bis 2006 um 35%, bei Männern um mehr als 80% zugenommen. Fast jeder zweite Mann und jede dritte Frau muss damit rechnen, im Laufe des Lebens an einem bösartigen Tumor zu erkranken. Erfreuliche Fortschritte in der Tumortherapie, aber auch intensivierte flächendeckende Früherkennungsmaßnahmen führten in den letzten Jahren zu einer deutlichen Abnahme der Mortalität und damit steigenden Überlebensraten. So nimmt heute die Zahl der sogenannten Langzeit-Krebsüberlebenden („Cancer Survivors“) auch in Deutschland kontinuierlich zu. Insgesamt leben heute mehr als 50% aller Krebspatienten noch 5 Jahre nach Diagnose. Das Robert Koch Institut geht derzeit von ca. 3 Millionen Menschen in Deutschland aus, bei denen die Diagnose schon mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Fast alle Krebs-Langzeitüberlebenden leiden über Jahre bis teilweise Jahrzehnte an psychischen Symptomen als Folge der Grunderkrankungen und/oder Nebenwirkungen der Therapie. Darüber hinaus wird bei steigenden Überlebensraten zwangsläufig auch die berufliche Reintegration von Tumorpatienten in den nächsten Jahren verstärkt im Fokus stehen. Neben den psychosozialen Folgen der Krebserkrankung werden auch durch Krankheit und/oder aggressivere Therapieschemata verursachte Folge- und Begleiterkrankungen größere Beachtung finden müssen.

Der diesjährige Kongress der RehaZentren der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg wird alle diese aktuellen Entwicklungen im Bereich der Onkologie unter besonderer Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf die onkologische Rehabilitation aufgreifen.

Wissenschaftliche Leitung und Auskunft:

Prof. Dr. med. Monika Reuss-Borst
Ärztliche Koordinatorin der RehaZentren
Baden-Württemberg GmbH
Tel. 0971 919-113
Fax 0971 919-120
E-Mail: monika.reuss-borst@rehazentren-bw.de
Infos und Anmeldung:

Tel.: 0971 919-113
Fax: 0971 919-120
E-Mail: kontakt@rehakongress.de
E-Mail: julia.rippl@rehaklinik-am-kurpark.de
www.rehakongress.de


VdK zu Koalitionsvertrag: Absichtserklärungen müssen rasch Taten folgen

Der Sozialverband VdK Deutschland begrüßt die geplanten Vorhaben in der Sozialpolitik der künftigen Koalitionäre aus CDU/CSU und SPD im Großen und Ganzen. Die Schritte hin zu Verbesserungen bei Rente, Mindestlohn und Pflege müssen nun zügig umgesetzt werden. „Hier sollten den schönen Plänen nun wirklich auch Taten folgen! Die soziale Spaltung im Land muss mit konkreten Maßnahmen überwunden werden“, kommentiert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

„Dass jetzt eine Besserstellung für Mütter erfolgen soll, die vor 1992 Kinder bekommen haben, ist ein Erfolg unserer langjährigen Überzeugungsarbeit“, so Mascher. „Ein Rentenpunkt mehr für diese Mütter ist gut und wird den Frauen rund 28 Euro mehr im Monat bringen. Ziel bleibt jedoch die volle rentenrechtliche Gleichstellung mit den Müttern, die nach 1992 Kinder bekommen haben“, betont Mascher. Der VdK bleibt bei seiner Forderung, die Kosten dieser familienpolitischen Leistung aus allgemeinen Steuermitteln und nicht alleine von den Beitragszahlern bezahlen zu lassen.

 Der VdK sieht zur Verringerung der Kluft zwischen Arm und Reich richtige Ansätze im Koalitionspapier. Es ist erfreulich, dass der vom VdK immer wieder geforderte gesetzliche Mindestlohn nun eingeführt werden soll. „Hier muss nun schnell gehandelt werden. Zur Eindämmung der Altersarmut ist der Mindestlohn ein wichtiges Instrument. Wir haben in Deutschland schon zu lange gewartet, dass sich die Politik hier bewegt, zum Wohl vieler Geringverdiener“, kritisiert Mascher.

 Der VdK sieht sich beim Thema Altersarmut durch zwei aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigt, die Deutschland international als Schlusslicht bei der Vermeidung von Armutsrenten sehen. Ulrike Mascher begrüßt daher die geplante Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren. Grundsätzlich erwartet der VdK von der künftigen Großen Koalition das Rentenniveau stabil zu halten, um das Armutsrisiko im Alter dauerhaft zu verringern. Das Thema Altersarmut betrifft vor allem die Erwerbsminderungsrentner. „Es ist für diese Menschen ein Fortschritt, wenn die beabsichtigte Anhebung der Zurechnungszeit bei der Erwerbsminderungsrente zum 1. Juli 2014 um zwei Jahre, von 60 auf 62 Jahre, kommt“, so Mascher. Zu den Abschlägen von 10,8 Prozent findet sich allerdings nichts im Koalitionsvertrag. „Die Erwerbsminderungsrentner dürfen von CDU/CSU und SPD nicht weiterhin mit der Beibehaltung der Abschläge bestraft werden. Sie müssen gestrichen werden!“, fordert Mascher.

 Die Absicht, die Situation der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen und Menschen, die in der Pflege arbeiten, zu verbessern sieht der VdK positiv. Jedoch ist seit Jahren der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ausgearbeitet, aber noch immer nicht umgesetzt. „Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen warten schon zu lange auf Verbesserungen. Insbesondere für die Demenzkranken müssen die gesetzlichen Voraussetzungen jetzt schnell geschaffen werden, um sie endlich ins Pflegesystem einzubeziehen“, betont Mascher.

Die vom VdK geforderte Abschaffung des Reha-Deckels soll laut Koalitionsvereinbarung nicht kommen. Die Deckelung anzuheben ist zwar besser als alles beim Alten zu lassen, hilft aber nicht langfristig. „Wir müssen als Land, das von der geistigen und körperlichen Fitness seiner Menschen lebt, mehr in die Reha investieren. Wir können es uns nicht leisten, hier am falschen Ende zu sparen. Jeder investierte Euro in die Reha ist eine Investition in die längere Leistungsfähigkeit der Menschen in Deutschland. Wir bleiben daher bei unserer Forderung, den Reha-Deckel abzuschaffen“, mahnt Mascher.

 Die künftige Bundesregierung steht in den zentralen gesellschaftlichen Bereichen Arbeit und Soziales vor entscheidenden Aufgaben für die Sicherung der Leistungsfähigkeit Deutschlands. Der VdK sieht richtige Ansätze zur Verbesserung bei den Themen Rente, Beschäftigung und Pflege. „Wir werden genau beobachten, ob die Große Koalition ihre Versprechen einhält. Sollte die künftige Regierung an Aufschieberitis zum Nachteil von Rentnern, chronisch Kranken oder Pflegebedürftigen kranken, dann wird der VdK mit seinen über 1,6 Millionen Mitgliedern und vielen Bündnispartnern das nicht stillschweigend hinnehmen“, resümiert Mascher.

Cornelia Jurrmann

VdK-Presseabteilung

Sozialverband VdK Deutschland
In den Ministergärten 4
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Koalitionsverhandlungen: Schlussrunde für sozialpolitischen Durchbruch nutzen

 

Dienstag, 26. November 2013,

SOVD SOZIALVERBAND DEUTSCHLAND

PRESSEMITTEILUNG

Berlin – „Aktuelle Studien zeigen, dass die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Deutschland steigt. Damit wächst der Handlungsdruck auf die heutigen Koalitionsverhandlungen, um einen Durchbruch bei den zentralen Themen der Sozialpolitik zu erzielen.“ Das erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer am Dienstag, anlässlich der Schlussrunde der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD. Der Sozialverband Deutschland erwarte, dass die Parteien am Ende des Koalitionspokers verbindliche Verbesserungen für das Millionenheer benachteiligter und von Armut betroffener Menschen auf den Weg bringen.

Als vordringlich bezeichnete Bauer wirksame Maßnahmen gegen die Altersarmut. „Es besteht die Chance, der Gefahr wachsender Rentnerarmut zu begegnen. Mit der Mütterrente ist ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichbehandlung geplant. Die Aufwendungen dafür dürfen unserer Ansicht nach allerdings nicht aus Beitragsmitteln, sondern müssen als gesamtgesellschaftliche Aufgaben der Rentenversicherung aus Steuermitteln finanziert werden. Nötig sind zudem insbesondere Leistungsverbesserungen bei den Erwerbsminderungsrenten und eine Rückkehr zur lohnorientierten Rentenanpassung.“

In der Behindertenpolitik müsse der Koalitionsvertrag klare Impulse für mehr Inklusion im Arbeitsleben und im Bildungsbereich setzen. Bauer sprach sich für gesetzliche Vorgaben aus. Die Beteiligung von Behindertenverbänden müsse als grundlegendes Prinzip der künftigen Regierungsarbeit anerkannt werden.

Der SoVD erwarte, dass sich Union und SPD auf wirksame Maßnahmen gegen den sich abzeichnenden Pflegenotstand verständigen. „Angesichts des Anstiegs der Zahl pflegebedürftiger Menschen darf das Thema nicht länger geschoben werden. Es muss in den Koalitionsvertrag und nach einer Regierungsbildung sofort auf den Tisch“, sagte Bauer.

Zudem verwies der SoVD-Präsident auf die sich abzeichnenden Finanzierungsprobleme in der Gesetzlichen Krankenversicherung. „Es ist davon auszugehen, dass die Zusatzbeiträge künftig zwei Prozent übersteigen und der Sozialausgleich gestrichen wird. Diese Rechnung geht voll zu Lasten der gesetzlich Krankenversicherten.“

Die SoVD-Kernforderungen finden Sie hier: www.sovd.de/fileadmin/downloads/broschueren/pdf/BTW-2013_SoVD-Kernforderungen.pdf

Kontakt:

Benedikt Dederichs

SoVD-Bundesverband Pressestelle

Stralauer Str. 63

10179 Berlin

Tel.: 030/72 62 22 129/ Sekretariat -123

Fax: 030/72 62 22 328

E-Mail: pressestelle@sovd.de


Mehr Jobs, aber auch mehr Armut: Datenreport 2013 erschienen

26.11.2013

Wiesbaden. Deutschland erlebt seit Jahren einen Beschäftigungsboom, nie zuvor gab es so viele Erwerbstätige. Trotzdem sind heute mehr Menschen von Armut bedroht und mehr Menschen dauerhaft arm. Frauen trifft Armut häufiger als Männer. Deutlich gestiegen ist das Armutsrisiko der 55- bis 64-Jährigen. Unter den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) gilt jeder fünfte als armutsgefährdet. Dieses Bild zeichnet der heute in Berlin vorgestellte „Datenreport 2013. Ein Sozialbericht für Deutschland“. Statistiker und Sozialforscher haben darin Zahlen und Befunde zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt. Der Datenreport wird herausgegeben vom Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Soziooekonomischen Panel (SOEP) am DIW.

Deutschland hatte 2012 mit 41,5 Millionen so viele Erwerbstätige wie noch nie. Gleichzeitig war das Arbeitsvolumen niedriger als 1991. Die Zahl der Arbeitsstunden, die jeder Erwerbstätige durchschnittlich leistet, hat in den letzten 20 Jahren kontinuierlich abgenommen. Ein Grund: Immer mehr Menschen arbeiten gewollt oder unfreiwillig in Teilzeit. Zugenommen hat auch die atypische Beschäftigung: 2012 war gut jeder fünfte Kernerwerbstätige (22 %) atypisch beschäftigt – besonders betroffen sind Frauen (33 %), junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren (33 %) und Menschen ohne Berufsabschluss (37 %).

Trotz wachsender Beschäftigtenzahl sind heute mehr Menschen von Armut bedroht. 2011 lag der Anteil armutsgefährdeter Personen bei 16,1 % (2007: 15,2 %). Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Bei den 55- bis 64-Jährigen stieg das Armutsrisiko innerhalb von vier Jahren deutlich an: von 17,7 % im Jahr 2007 auf 20,5 % im Jahr 2011. Unter den 18- bis 24-Jährigen galten 2011 bereits 20,7 % als armutsgefährdet (2007: 20,2 %). Gleichzeitig hat die dauerhafte Armut zugenommen. Von den im Jahr 2011 armutsgefährdeten Personen waren 40 % bereits in den letzten fünf Jahren arm. 2000 betrug der Anteil der dauerhaft Armen 27 %.

Die sozial bedingten Unterschiede bei der Gesundheit haben in den letzten 20 Jahren zugenommen. Ein Beispiel: Mehr Frauen und Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe beurteilen heute ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“. Bei Frauen und Männern, die sehr gut verdienen, ist eine gegenläufige Entwicklung zu sehen. Armut wirkt sich auch unmittelbar auf die Lebenserwartung aus. Die mittlere Lebenserwartung von Männern der niedrigsten Einkommensgruppe liegt bei der Geburt fast elf Jahre unter der von Männern der hohen Einkommensgruppe. Bei Frauen beträgt der Unterschied acht Jahre. Das zeigen Daten des Soziooekonomischen Panels.

Die vollständige Pressemitteilung (inklusive PDF-Version) sowie weitere Informationen und Funktionen sind im Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter http://www.destatis.de/presseaktuell zu finden.

Der Datenreport steht im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) und des Wissenschaftszentrums Berlin (www.wzb.eu/de) kostenfrei als Download zur Verfügung. Die Buchausgabe ist bei der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de/publikationen) gegen eine Bereitstellungspauschale erhältlich.

Weitere Auskünfte geben:

Destatis-Infoservice Telefon: (0611) 75-2405 www.destatis.de/kontakt

Dr. Roland Habich (WZB) Telefon: (030) 25491 300 roland.habich@wzb.eu

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb Anna Hoff Telefon: (0228) 99 515-200 anna.hoff@bpb.bund.de

Pressekontakt:

Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:
Statistisches Bundesamt
Pressestelle
Telefon: (0611) 75-3444
E-Mail: presse@destatis.de

Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen – die Gewinner des DGPPN-Medienpreises für Wissenschaftsjournalismus 2013

Presseinformation Nr. 18 | 25.11.2013

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

DGPPN Kongress l 27.–30.11.2013 l ICC Berlin

Was bedeutet es, psychisch krank zu sein? Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus zeichnet in diesem Jahr drei Beiträge aus, die einen eindringlichen Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen geben. Die Auszeichnungen werden am kommenden Freitag im Rahmen des diesjährigen DGPPN Kongresses verliehen. 

Zwei Printbeiträge und eine TV-Dokumentation erhalten den DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus 2013. Die Jury aus Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Journalisten musste ihre Entscheidung aus insgesamt 50 Beiträgen in den Kategorien Print, Online, TV und Hörfunk treffen. Eine der drei Gewinnerinnen ist Jana Kalms, die für ihren Film „Tabu – Psychisch krank im Job“ (Arte) ausgezeichnet wird. Die Dokumentation begleitet vier Menschen nach schweren psychischen Erkrankungen auf ihrem Weg zurück in die Arbeitswelt. Im Film berichten die Porträtierten offen von ihren Erfahrungen, von ihren inneren Konflikten und Ängsten. Sie alle brauchen lange, um zu akzeptieren, dass sie psychisch erkrankt sind. Jeder von ihnen muss intensiv daran arbeiten, um seine seelischen Probleme zu bewältigen und den Alltag wieder meistern zu können. Jana Kalms zeigt in ihrer Dokumentation eindrücklich auf, dass psychische Erkrankungen noch immer ein gesellschaftliches Tabu sind und viele Menschen aus Scham und Sorge um ihren Arbeitsplatz ihre seelischen Krisen lieber verschweigen. Im Verlauf ihrer Recherchen hat sie mit mehr als 50 psychisch erkrankten Frauen und Männern gesprochen.

Kann man eine Karriere als Professorin machen und gleichzeitig an Schizophrenie erkrankt sein? Diese Frage stellt Astrid Viciano in ihrem Beitrag „Elyn und die Dämonen“ (ZEIT Wissen, 3/2013), für den sie den DGPPN-Medienpreis in der Kategorie Print erhält. Sie porträtiert die Professorin Elyn Saks, die an der Gould School of Law lehrt und mit Schizophrenie lebt. Der Beitrag zeigt, dass Menschen auch mit schweren psychischen Erkrankungen am Berufsalltag teilhaben können. Während viele von ihnen auch heute noch mit Vorurteilen kämpfen müssen, vermittelt der Artikel eine andere, positive Sicht – ohne aber die schwer wiegenden Auswirkungen der Krankheit zu verschweigen: Gäbe es eine Pille, heißt es zum Schluss, die ihre Krankheit auf einen Schlag verschwinden ließe, Elyn Saks würde sie sofort nehmen. 

Simone Salden wird für ihren Artikel „Eine Leiche zu viel“ (DER SPIEGEL, 50/2012) ausgezeichnet. Das Porträt erzählt die Geschichte von Ernst Kappel, einem Polizisten aus Baden-Württemberg, der 2009 beim Amoklauf in Winnenden im Einsatz war und seitdem an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Die Autorin beschreibt, welche enormen und langjährigen Auswirkungen die psychische Erkrankung auf das Leben des Porträtierten hat. Ihr Artikel lenkt den Blick auf die Opfer und Angehörigen von Amokläufen und zeigt auf, wie umfassend und langfristig deren Unterstützung reichen muss. Damit leistet Simone Salden auch wertvolle Aufklärungsarbeit: Obwohl Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen gehören, ist in der Bevölkerung nur wenig darüber bekannt. 

Mit dem Leitmotiv „Von der Therapie zur Prävention“ rückt die DGPPN auf ihrem Jahreskongress ein hochaktuelles Thema in den Vordergrund. Über 9000 Teilnehmer werden ab Mittwoch in Berlin erwartet. Damit ist der DGPPN Kongress Europas größte Fachtagung im Bereich der psychischen Gesundheit. Der Kongress greift auch aktuelle gesundheitspolitische und gesellschaftliche Themen auf. Als Journalistin und Journalist können Sie sich direkt vor Ort für den DGPPN Kongress registrieren und Interviews mit Experten vereinbaren. Beachten Sie bitte die exklusiven Presseveranstaltungen

Hintergrund
Mit dem Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus würdigt die DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit engagierte Journalistinnen und Journalisten im Bereich Wissenschaftsberichterstattung der Print- bzw. Elektronikmedien für hervorragende Leistungen. Die Jury, zu der u.a. Ulrike Eichin (ZDF, Mainz), Joachim Müller-Jung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt/Main), Jochen Niehaus (Focus, München), Christian Weber (Süddeutsche Zeitung, München) sowie Volker Weinl (Bild am Sonntag, Berlin) gehören, hat die preiswürdigen Kandidaten in diesem Jahr aus insgesamt 50 Einsendungen ausgewählt. Voraussetzung für die Bewerbung sind Beiträge, die zur Popularisierung wissenschaftlicher Sachverhalte aus den Bereichen Psychiatrie, Psychotherapie sowie seelische Gesundheit beitragen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen. Die Zielsetzung der Stiftung gilt der Förderung der seelischen Gesundheit der Bevölkerung und die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. 

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Fax.: 030.2404 772-29
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Pressemitteilung: Einblick in das Leben psychisch erkrankter Menschen – die Gewinner des DGPPN-Medienpreises für Wissenschaftsjournalismus 2013 (PDF; 179KB)


Zahlen psychisch Kranke den Preis für schwarz-rote Koalitions-Kompromisse?

Presseinformation Nr. 17 | 21.11.2013

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Die aktuellen Pläne der Koalitionspartner setzen das Gesundheitssystem in Deutschland weiter unter Druck. Insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit ist mit einer weiteren Verschärfung der heute schon angespannten Situation zu rechnen. Leidtragende sind die Patienten, ihnen droht eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung.

Die Koalitionspartner halten an den Plänen fest, für die Kliniken der Psychiatrie und Psychosomatik ein neues Vergütungssystem durchzusetzen. Dass dabei die Schwerstkranken nicht benachteiligt werden sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sinnvoll ist es auch, die Versorgung sektorübergreifend zu gestalten, d.h. die ambulante und stationäre Versorgung besser zu verzahnen, verstärkt neue Möglichkeiten in der ambulanten Versorgung zu schaffen und für mehr Transparenz zu sorgen.

„Alarmierend ist jedoch, dass die Koalitionspartner eine Verweildauerreduktion an den Kliniken fordern, ohne dass vorher entsprechende qualifizierte ambulante Versorgungsangebote aufgebaut wurden“, warnt DGPPN-Präsident Wolfgang Maier. „In den letzten 20 Jahren sind die Klinikaufnahmen drastisch gestiegen. Die Verweildauer der Patienten ist hingegen so stark gesunken, dass jede weitere Verringerung die Qualität der Versorgung in Mitleidenschaft ziehen wird. Drehtüreffekte sind mit dem aktuell eingeführten pauschalierenden Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) heute schon vorprogrammiert.“

Verweildauerverkürzungen können für die Patienten nur dann sinnvoll sein, wenn für sie ein leistungsfähiges ambulantes psychiatrisches System mit ausreichenden Therapieangeboten bereit steht. Doch das Gegenteil ist der Fall: Mit Quartalspauschalen von 50 Euro haben die behandelnden Ärzte nicht die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung, um Menschen mit psychischen Erkrankungen ihrer individuellen Bedarfslage entsprechend zu behandeln.

„Besorgniserregend ist auch, dass der vermehrte Bedarf an Krankenhausbehandlungen nach den Plänen der Koalitionspartner nicht finanziert werden soll“, stellt Professor Maier fest. „Stattdessen ist damit zu rechnen, dass der Mehrbedarf auch in der Psychiatrie und Psychosomatik im weiterhin ‚gedeckelten Finanzierungssystem‘ über die Reduktion der Behandlungszeiten im Krankenhaus kompensiert werden wird.“ Die DGPPN weist darauf hin, dass die Pläne der Koalitionspartner damit den sorgfältig geplanten Entwicklungen in den Ländern widersprechen: So hat das größte Bundesland NRW in seinem 2013 beschlossenen Landesbettenplan einen Mehrbedarf von mehr als 10 Prozent für die Fächer Psychiatrie und Psychosomatik festgestellt und angepasst.

Durch die Pläne der Koalitionspartner droht Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland eine Verschlechterung ihrer medizinischen Versorgung. Gerade Schwerstkranke haben das Nachsehen – die erklärte Absicht der Koalitionäre, diese nicht zu benachteiligen, verkommt zu einer Farce. Die DGPPN fordert die Koalitionspartner deshalb dringend auf, bei den „systematischen Veränderungen des Vergütungssystems in Psychiatrie und Psychosomatik“ dem Mehrbedarf an Krankenhausbehandlungen gerecht zu werden, wirtschaftliche Fehlanreize auszuschließen und vorzeitige, ökonomisch motivierte Entlassungen von Patienten zu vermeiden. Gleichzeitig muss die ambulante Versorgung gestärkt werden – patientenorientiert, integriert, sektorübergreifend und flächendeckend.

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Europas größte Fachtagung im Bereich der psychischen Gesundheit

Versorgungspolitische Themen stehen auch im Fokus des DGPPN Kongresses, der vom 27. bis 30. November 2013 in Berlin stattfindet. Als Journalistin und Journalist können Sie sich online für den DGPPN Kongress registrieren und Interviews mit Experten vereinbaren. Hier geht es zur Anmeldung.

Kontakt
Prof. Dr. med. Wolfgang Maier
Präsident DGPPN
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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E-Mail: pressestelle[at]dgppn.de

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