Oktober, 2011

 

Scheinlösungen helfen Patienten nicht: Psychologische Psychotherapeuten warnen vor Selektivverträgen

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Pressemitteilung Nr. 21/11
29. Oktober 2011

Psychologische Psychotherapeuten warnen vor Selektivverträgen

Die Fakten sind bekannt: Die Gesellschaft ist mit einer wachsenden Zahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen konfrontiert. Daraus resultieren Kosten im Gesundheitswesen aber auch eine steigende Zahl von Krankentagen und Frühverrentungen. Lange Wartezeiten verursachen Leid für Patienten und bergen die Gefahr von Chronifizierungen. Dass unter diesen Umständen von verschiedenen Seiten nach Lösungen gesucht wird, ist ausdrücklich zu begrüßen. Entscheidend für die Beurteilung dieser Lösungen muss aus Sicht der Verbandes Psychologischer Psychotherapeuten (VPP) im BDP in erster Linie das Wohl der Patienten sein.
Der erste Versuch, insbesondere die Kosten dieser Entwicklung besser in den Griff zu bekommen, liegt nun vor: ein Vertrag, der die gesamte neurologische, psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung außerhalb der Kassenärztlichen Vereinigung organisiert. Geschlossen wurde er in Baden-Württemberg zwischen AOK, der Bosch Betriebskrankenkasse, der Aktiengesellschaft MEDI-Verbund und weiteren Partnern. Hinter einer Fassade anscheinend attraktiver Regelungen verbergen sich, so die Vorsitzende des VPP, Eva Schweitzer-Köhn, für Patienten jedoch unvertretbare Risiken. „Eine rasche Terminvergabe, wie der Vertrag sie verspricht, macht die Defizite nicht wett. Wenn ich stattdessen nur per Überweisung durch den Hausarzt zu einem Therapeuten gelange, wenn ich keine Chance habe, diesen in einer probatorischen Phase zu prüfen, wenn ich als Patient auf mein Recht auf eine hochfrequente Langzeittherapie von Anfang an verzichten muss, dann ist das sehr problematisch.“ Würden Patienten dann noch erfahren, dass die Therapeuten Zuschläge erhalten bei einer verringerten Krankschreibungsrate und ihr Honorar mit der Dauer der Behandlung sinkt, dann würden sie sich mit Recht verraten fühlen, so die VPP-Vorsitzende. Wundern dürfe man sich hingegen nicht darüber, dass Vertragspartner, zu denen eine Aktiengesellschaft gehört, gewinnorientiert arbeiten – das sei deren Zweck.

Der VPP hat zudem fachliche Bedenken gegen den Vertrag. So sind bestimmte Verfahren nur bei bestimmten Erkrankungen erlaubt. Die störungsspezifische Indikation versuchten Therapeuten im KV-System zu verhindern; nun komme sie durch die Hintertür über solche Verträge wie in Baden-Württemberg. Wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspreche es auch, ab der 60. Stunde nur noch zwei Therapiesitzungen pro Monat zuzulassen. Solche Formalia ignorierten, dass sich oft erst im Verlauf der Behandlung die Schwere einer Erkrankung herausstellt. Die durch zahlreiche Untersuchungen bestätigte Tatsache, dass Langzeittherapien eine nachhaltigere Wirkung haben als kurze, wird mit dem Vertrag ebenfalls völlig ausgeblendet.

Der VPP wird gemeinsam mit dem Gesamtverband der Psychologinnen und Psychologen, dem BDP, alle ihm zur Verfügung stehenden Wege und Mittel nutzen, um Politik, Fachöffentlichkeit und Patienten über die Gefahren solcher Scheinlösungen zu informieren und eine Entwicklung aufzuhalten, in der wir am Ende in einer schönen neuen Vertragswelt aufwachen, in der es nur einer Gruppe besser geht: den Aktionären, nicht aber den Patienten.
Informationen zu dieser Thematik auch unter:
www.vpp.org/verband/lfv/baden/2011/111028_selektivvertrag.html

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 – 209 166 620
c.schaffmann@bdp-verband.de


Wenn die Seele krank macht – November ist Themenmonat Psychosomatik bei Asklepios

10-15 Prozent der Deutschen leiden an psychosomatischen Beschwerden

Hamburg.  Infektionskrankheiten gehen in den ökonomisch entwickelten Ländern immer weiter zurück, stressbedingte Erkrankungen wie Herzinfarkt und Depressionen sind auf dem Vormarsch. Darauf macht der Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit der Asklepios Klinik in Hamburg-Harburg, Dr. Hans-Peter Unger, im Rahmen der „Hanseatischen Nachtvorlesungen“ für medizinische Laien aufmerksam. 22 YouTube-Videos und fünf TV-Sendungen begleiten im November den Themenmonat Psychosomatik und die vier Patientenveranstaltungen der Hamburger Asklepios Kliniken.

Allein in Hamburg leiden mehr als 200.000 Menschen an psychosomatischen Störungen. Die krankheitsbedingten Ausfälle durch psychosomatische Erkrankungen haben sich seit Mitte der 70er Jahre verfünffacht. Dem akuten Krankheitsbeginn geht in der Regel über mehrere Jahre ein Ungleichgewicht zwischen Risiko und Schutzfaktoren voraus. Diese Faktoren hängen mit dem Lebensstil und den sozialen Beziehungen zusammen, sind also durchaus beeinflussbar. Verschiedene Schutzmöglichkeiten können nach Erkenntnissen der Mediziner die Risiken mindern.

Themen der Patientenveranstaltung „Nachtvorlesung“

   - Ess-Störungen 3. November 2011, Asklepios Klinik Nord -
     Ochsenzoll
   - Stress und Neuroprotektion - wie schütze ich mein Gehirn? 10.
     November 2011, Asklepios Klinik Harburg
   - Körperstörungen 17. November 2011, Asklepios Westklinikum Rissen
   - Somatisierungsstörungen 24. November 2011, Asklepios Klinik
     Wandsbek

Beginn jeweils um 18:30 Uhr. Voranmeldung: 040 1818 826636. Veranstaltungskalender im Internet: www.asklepios.com/Nachtvorlesungen.Asklepios www.asklepios.com/Veranstaltungen_und_Termine.Asklepios

Themen der „Gesundheitsmedtropole“ auf Hamburg 1

   - Ess-Störungen (Reportagen; Mittwoch, 02. November 2011)
   - Ess-Störungen (Experten-Talk; Mittwoch, 09 November 2011)
   - Körperstörungen (Reportagen; Mittwoch, 16 November 2011)
   - Körperstörungen (Experten-Talk; Mittwoch, 23. November 2011)
   - Gynäkologische Psychosomatik (Mittwoch, 30 November 2011)

Jeweils um 17:45Uhr, 18:45Uhr, 19:45Uhr

Beispiel: Ess-Störungen – zwischen Hunger und Fress-Attacke

Nicht jedes ungewöhnliche Essverhalten ist krankhaft. Doch schon gut ein Fünftel der elf- bis 17-Jährigen in Deutschland zeigt Symptome einer Ess-Störung. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Aber auch Ältere sind betroffen. Ess-Störungen haben nach den Erkenntnissen der Mediziner fast immer psychische Hintergründe – sowohl das Hungern als auch übermäßiges Essen sollen Probleme wie zum Beispiel ein geringes Selbstwertgefühl oder Ängste lösen. „Und wenn jeder Tag mit einem Blick auf die Waage beginnt, dafür der Blick in den Spiegel aus Unzufriedenheit mit der eigenen Figur vermieden wird, ständig Kalorien gezählt und immer wieder Diätpläne geschmiedet werden und wenn nur noch selten auf den Speiseplan kommt, was man sich eigentlich wünscht – spätestens dann sollte man skeptisch werden“, sagen die Ärzte.

1.	Achtsamkeit in der Medizin
2.	Brustkrebs und Psyche
3.	Burnout (Reportage)
4.	Burnout (Talk)
5.	Depression im Alter (Nachtvorlesung nachgefragt)
6.	Depression bei Älteren (Talksendung)
7.	Essstörungen - Anorexie, Bulimie, Binge Eating & Co.
8.	Evolutionäre Medizin in Psychiatrie und Psychosomatik
9.	Fit im Job
10.	Frauen coachen Frauen (Rollen zwischen Arbeit und Familie)
11.	Herzbeschwerden bei organisch gesundem Herz
12.	Psychische Bewältigung einschneidender kardialer Ereignisse
13.	Psychokardiologie
14.	Psychoonkologie bei Brustkrebs
15.	Psychosomatische Erkrankungen im Alter
16.	Rücken- und Muskelschmerzen
17.	Schlafstörungen (Nachtvorlesung nachgefragt)
18.	Schlafstörungen und Stress (Reportage)
19.	Somatische Folgen von Stress (Reportagen)
20.	Somatische Folgen von Stress (Talk)
21.	Stress am Arbeitsplatz
22.	Verspannter Nacken und Rückenschmerzen
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Experten orten erhöhten Bedarf an physikalischer Medizin

Zu wenig Planstellen in Österreich – Unnötig viele Krankenstandstage und erhöhte Folgekosten

Wien. In Österreich gibt es nach wie vor zu wenige Planstellen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kostenstruktur im Gesundheitswesen, denn Studien belegen, dass durch den gezielten Einsatz von Physikalisten speziell bei der Behandlung von Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats sich jährliche Einsparungen in Millionenhöhe ergeben könnten.

Eine norwegische Studie zeigt, wie groß die Kostenersparnisse durch eine physikalische Kombinationstherapie tatsächlich sind: Krankenstände infolge von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats dauern unter physikalischer Kombinationstherapie exakt um 23,36 Prozent kürzer als eine Behandlung ohne physikalische Medizin. „Auf Österreich umgerechnet bedeutet dies, dass wir in einem Jahr bis zu 320 Millionen Euro allein bei den Krankenstandskosten einsparen könnten“, sagt dazu der zuständige Fachgruppenobmann in der Wiener Ärztekammer und Fachgruppen-Bundessprecher Friedrich Hartl.

Die beeindruckenden Dimensionen belegen weitere Zahlen, die Hartl im Vorfeld des „3. Zentraleuropäischen Kongresses für physikalische Medizin und Rehabilitation“ und dem parallel dazu stattfindenden „7. Europäischen Sport Medizin Kongress“ in Salzburg nennt: „Allein im Jahr 2009 wurden in Österreich 461.000 Krankenstände unter Stütz- und Bewegungsapparat verbucht. Das sind in Summe mehr als 8,3 Millionen Krankenstandstage in nur einem Jahr beziehungsweise in etwa 18 Krankenstandstage pro Fall.“

Durch den verstärkten und gezielten Einsatz von Physikalisten ließen sich diese Krankenstandstage maßgeblich reduzieren. Hartl: „Unsere Arbeit hat, abgesehen von der menschlichen Komponente, also auch einen enormen gesellschaftspolitischen Nutzen.“ Der Fachgruppenobmann fordert daher von der Politik und der Sozialversicherung sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in stationären Einheiten, wie Rehabilitationseinrichtungen, Spitäler und Kureinrichtungen, die vermehrte Schaffung von Planstellen, um der hohen Nachfrage an physikalischer Medizin und Rehabilitation in Österreich effizient nachkommen zu können.

Zudem rechnet Hartl mit einem weiteren Bedarfsanstieg in den nächsten Jahren, bedingt durch viele Trendsportarten und die demografische Entwicklung und dem damit zusammenhängenden Anstieg von Verletzungsfolgen, degenerativen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats und den Folgen von Gefäßerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems, wie zum Beispiel Schlaganfälle.

Kongress in Salzburg vom 26. bis 29. November 2011

Die sozialmedizinischen Aspekte am Beispiel der Behandlung von Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats sind nur eines der Hauptthemen beim „3. Zentraleuropäischen Kongress für Physikalische Medizin und Rehabilitation“ und dem parallel dazu stattfindenden „7. Europäischen Sport Medizin Kongress“ in Salzburg.

Mehr als 600 Experten aus dem In- und Ausland werden noch bis einschließlich Samstag über sämtliche Aspekte der physikalischen Medizin sowie der Sportmedizin diskutieren, wobei Veränderungen von Muskeln und Gelenken im Alter, neue Trends bei der Behandlung von Sportverletzungen, Gelenksprobleme bei älteren Menschen sowie die generellen Möglichkeiten der physikalischen Therapie bei Sport-, Überlastungs- und Haltungsproblemen besondere Bedeutung zukommen. (hpp)

Rückfragehinweis: Ärztekammer für Wien – Pressestelle Dr. Hans-Peter Petutschnig Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289 hpp@aekwien.at http://www.aekwien.at


Lotsen sorgen künftig für optimale Nachsorge von Schlaganfallpatienten

Das federführend vom Dresdner Universitäts SchlaganfallCentrum (DUSC) und der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen aufgebaute telemedizinische Netzwerk SOS-NET etabliert mit dem „SOS- Care – Hilfe nach Schlaganfall“ eine weitere innovative Struktur für die optimale Krankenversorgung der Betroffenen. Am Weltschlaganfalltag findet in der Klinik für Orthopädie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus eine Informationsveranstaltung statt.

Im Mittelpunkt des neuen Angebots stehen speziell qualifizierte Case-Manager: Als Schlaganfall-Lotsen begleiten sie künftig Patienten nach Akutversorgung und stationärer Rehabilitation, in dem sie die Weiterbetreuung in deren häuslichen Umfeld koordinieren. Der erste Lotse nimmt am 1. November seine Arbeit auf. Das auf Schlaganfallpatienten zugeschnittene Versorgungskonzept ist Ergebnis des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts „Case Management an den Schnittstellen der integrierten Schlaganfallversorgung in der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen“. In dessen Rahmen wird zurzeit eine integrierte Versorgungsstruktur für Schlaganfallpatienten entwickelt und etabliert. Dazu gehört auch ein spezielles Weiterbildungsangebot der Dresden International University. Bevor der erste Lotse seine Arbeit aufnimmt, findet am Weltschlaganfalltag eine Informationsveranstaltung statt. Experten des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf und der Klinik Bavaria Kreischa klären Interessierte, Betroffene und ihre Angehörige über die Vorbeugung von Hirninfarkten ebenso auf wie über erste Anzeichen und eine optimale Rehabilitation.

Ergänzt wird die Vortragsveranstaltung durch Informationsstände der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe e.V., der Orthopädie und Rehatechnik Dresden GmbH, der Klinik Bavaria sowie des DUSC.

Die Veranstaltung findet statt am
Sonnabend, dem 29. Oktober 2011 ab 10.30 Uhr, im
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Hörsaal der Klinik für Orthopädie
(Haus 29 – Eingang Pfotenhauerstraße 90, 2. Obergeschoss).

Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und der häufigste Auslöser für bleibende Behinderungen. Die meisten dieser Hirnschläge entstehen durch ein sich dort bildendes Blutgerinnsel, das zu plötzlicher Unterversorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff führt. Nur das schnelle Eingreifen spezialisierter Ärzte bietet dann noch die Chance, in dieser Situation gravierende Schäden abzuwenden. Mit dem Schlaganfall-Netzwerk SOS-NET entstand dazu in weniger als fünf Jahren eine schlagkräftige telemedizinische Unterstützung für Notfallmediziner ostsächsischer Kliniken. Dank dieser Infrastruktur steht jedem Patienten vor Ort eine Akuttherapie nach den Standards einer Schlaganfall-Spezialstation offen. „Um Schlaganfallpatienten auch nach der Akutbehandlung im Krankenhaus und stationärer Rehabilitation optimal weiter zu versorgen, bedarf es jedoch einer umfassenden Weiterbetreuung. Leider können viele Betroffene darauf heute noch nicht zurückgreifen, weil es an entsprechenden Programmen und auch qualifiziertem Personal fehlt“, begründet Dr. Ulf Bodechtel, Leiter des Schlaganfall-Netzwerks SOS-NET, den Bedarf eines entsprechenden Nachsorgeangebots. Dank des im Mai 2011 initiierten und zum 1. November mit einem ersten Case-Manager startenden Netzwerks SOS-Care erhalten Betroffene die Chance, nach Klinik und Reha optimal weiterbetreut zu werden. Das vom Dresdner Universitäts SchlaganfallCentrum und der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen initiierte Netzwerk und die von dem Centrum sowie der Bavaria Klinik Kreischa finanzierte erste Stelle eines Case Managers koordiniert die Weiterbetreuung der Patienten. Auf diese Weise soll auch im häuslichen Umfeld sichergestellt werden, die Folgen des Schlaganfalls so weit wie möglich zu minimieren. In Fällen schwerer Einschränkungen sorgt der neue Manager dafür, dem Patienten ein Höchstmaß an Teilhabe im Alltag zu erhalten und nach Möglichkeit den Verbleib im häuslichen Umfeld zu sichern.

Der Case Manager ist Ergebnis des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts „Case Management an den Schnittstellen der integrierten Schlaganfallversorgung in der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen“. Im Rahmen des Projekts wird eine integrierte Versorgungsstruktur für Schlaganfallpatienten entwickelt und etabliert, die durch ein Case Management unterstützt wird. Um die Ziele des Projekts zu erreichen, bedarf es eines Integrierten Versorgungspfads, den das Projektteam des SOS-Care gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe entwickelt. Ferner ist die Umgestaltung der bisherigen Versorgungsstruktur in ein durch eine elektronische Fallakte und ein Case Management unterstütztes Versorgungsnetzwerk notwendig. Partner sind zu diesem Zweck die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management sowie die AOK Plus. Um für die praktische Umsetzung am Ende der Förderperiode ausreichend qualifiziertes Personal vorhalten zu können wird in dem Projekt zusätzlich in Zusammenarbeit mit der Dresden International University die zertifizierte Weiterbildung „Case Management von Schlaganfallpatienten“ erarbeitet und angeboten.

Programm der Informationsveranstaltung zum Weltschlaganfalltag
10.30 Uhr: Einlass
11.00 Uhr: Vortrag „Warnsysteme und Akutversorgung bei Schlaganfall“, Prof. Dr. Tobias Back, Chefarzt an der Klinik für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin; Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf
11.20 Uhr: Vortrag „Neurologische Rehabilitation“ Prof. Dr. Marcus Pohl, Chefarzt in der Abteilung Neurologie und Fachübergreifende Rehabilitation; Klinik Bavaria Kreischa
11.40 Uhr: Vortrag „Wie geht es weiter zu Hause? SOS-Care“, Dr. Ulf Bodechtel, Leiter Schlaganfallstation Dresdner Universitäts SchlaganfallCentrum; Universitätsklini-kum Dresden
12.00 Uhr: Vortrag „Risikofaktoren – und was kann ich tun um mein Risiko zu min-dern?“ Dr. Christiane Naue, Universitäts GefäßCentrum; Universitätsklinikum Dresden
12.20 Uhr: Plenumsdiskussion
12.30 bis 13.30 Uhr: Zeit für persönliche Gespräche mit den Referenten und an den Informationsständen.

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Dresdner Universitäts SchlaganfallCentrum
Dr. Ulf Bodechtel
Tel. 0351/ 458 4791
E-Mail: ulf.bodechtel@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer   Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


Vorteile eines Inhouse-Seminars vor allem zum GKV Versorgungsstrukturgesetz nutzen

Bei komplexen Themen und abteilungsübergreifenden Fragen ermöglicht nur ein Inhouse-Seminar alle Organisationsbereiche einzubinden und regionale Besonderheiten zu berücksichtigen !

Das Angebot an Seminaren über die Änderungen und Auswirkungen des Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VStG) nimmt täglich zu und wird auch nach in Kraft treten im Januar 2012 weiter steigen. Interessierte fragen sich, welche Veranstaltung nützt meinem Verantwortungsbereich am besten und wie kann ich die erworbenen Informationen und Botschaften umsetzen ?

Aus Kostengründen wird meist ein Mitarbeiter zu bundesweit offenen Seminare geschickt, der am Seminarende vor der durchaus anspruchsvollen Aufgabe steht, die erworbenen (Er)kenntnisse für seine regionalen Bedürfnisse auszuwerten und den internen Abteilungen und dem Chef zu vermitteln. Vieles ist dann doch nicht mehr so überzeugend und eindeutig, wie in den makellosen Präsentationen dargestellt.

Am Beispiel der geplanten Änderungen der §§ 39 und 112 SGB V zum Entlassungsmanagement des GKV-VStG wird besonders deutlich, dass dieses sehr vielschichtige Thema in kein Power Point Format passt. Ein Entlassungsmanagement im Krankenhaus betrifft sehr unterschiedliche Organisationseinheiten (Sozialdienst, Controlling, Kaufmännische Leitung, Vertragsmanagement, Pflegedienstleitung, Qualitätsmanagement, Ärzte) und kann nur im Team erfolgreich umgesetzt werden.

„Der große Vorteil von Inhouse-Seminaren liegt darin, dass Themen auf Grundlage des einrichtungsinternen Bedarfs und der regionalen Besonderheiten eines Krankenhauses oder Unternehmens abgestimmt werden,“ sagt der Management Berater Thomas Bade. So erhalten die jeweils betroffenen Abteilungen die gleichen Informationen, um konsensual entscheiden zu können.

Die Vorteile liegen auf der Hand und überzeugen:

  1. Schulungstermine und Zeiten sind frei wählbar (auch an Wochenenden),
  2. Anpassung an regionale Besonderheiten und Themenschwerpunkte,
  3. Minimierung des durch die Teilnahme am Seminar verursachten Arbeitsausfalls,
  4. Ersparnis der Reisekosten für die Anreise der Mitarbeiter zum Seminarort.

Die juristisch meist makellose Aufarbeitung eines Bundesgesetzes zum Entlassungsmanagement nützt nicht sehr viel, wenn nicht gleichzeitig das regionale Landeskrankenhausgesetz und die vorhandene Versorgungsstruktur in der Region thematisiert werden. „Allein bei den Landeskrankenhausgesetzen haben wir heute schon sehr große Unterschiede, wie mit dem Entlassungsmanagement umgegangen wird und das muss entsprechend vermittelt und vor allem umgesetzt werden,“ führt Bade weiter aus.

In Bayern soll ein Entlassungsmanagement von Krankenhäusern angeboten werden, in Hessen sind die Krankenhäuser im Interesse der durchgehenden Sicherstellung und Optimierung der regionalen Versorgung der Patienten zur engen Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und den übrigen an der Patientenversorgung beteiligten ambulanten und stationären Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens verpflichtet und das Landeskrankenhausgesetz Nordrhein-Westfalen (NRW) untersagt jegliche Form der Zuweisung gegen Entgelt – sonst wird das Krankenhaus in NRW ganz oder teilweise aus dem Krankenhausplan herausgenommen.

Aus diesen Gründen bietet die Management Beratung Thomas Bade Inhouse-Seminare zum Entlassungsmanagement im GKV-Versorgungsstrukturgesetz an.

Diese Inhouse-Seminare haben Workshop-Charakter, um insbesondere die spezifischen Probleme einer Einrichtung anzusprechen und bestmögliche Lösungen zu erarbeiten. Der größte Vorteil ist aber, dass alle betroffenen Abteilungen und Organisationseinheiten einer Einrichtung teilnehmen können, um die sehr unterschiedlichen Belange der einzelnen Leitungs- und Leistungsbereiche zu berücksichtigen.

Ausgangspunkt der Tagesseminare ist die Einführung in die gesetzlichen Anforderungen an ein Entlassungsmanagement nach den §§ 39 und 112 SGB V des GKV-VStG unter Berücksichtigung des jeweiligen Landeskrankenhausgesetzes. Danach legt Thomas Bade einen Bericht über die regionalen Daten- und Bedarfsanalysen für den Nachsorgebereich vor (Fallzahlen der Qualitätsberichte, Leistungserbringerstruktur, Kassenverträge, Pflege).

Im Anschluss erfolgt ein Referat über die juristischen Fragestellungen zu einem Entlassungsmanagement und den notwendigen Kooperationen mit dem ambulanten Sektor (§ 128 SGB V, Zuweisung gegen Entgelt, Netzwerke) sowie die wettbewerbsrechtliche Absicherung unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Anforderungen.

„Es hat sich besonders bei Musterverträgen und schriftlichen Dokumenten bewährt, dass auf die sehr unterschiedlichen eigenen Anforderungen einer einzelnen Einrichtung eingegangen wird,“ erklärt Thomas Bade. WORD ist fürs Schreiben, Einfügen und Speichern nun mal besser als Power Point.

Während eines Inhouse-Seminars erhalten alle Teilnehmer Musterverträge, um die Umsetzung des Entlassungsmanagement unter datenschutz- und wettbewerbsrechtlichen Aspekten zu gewährleisten sowie eine komplette Musterdokumentation für die zentralen Bereiche des internen Qualitätsmanagements im WORD Format.

Nähere Informationen


Barrierefreiheit wichtiger Schlüssel zur Enthinderung der Gesellschaft

„Anreize zur Willensbildung und Hilfen zur Ausgestaltung der Barrierefreiheit werden gebraucht“

Berlin.  Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit und die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention haben jetzt Politik und Gesellschaft aufgefordert, Barrieren systematisch aus den unterschiedlichen Perspektiven von Menschen mit Behinderungen für alle Lebensbereiche zu erfassen und schrittweise abzubauen.

„Barrierefreiheit ist für alle Menschen eine entscheidende Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, sie ist ein Schlüssel zur Enthinderung der Gesellschaft“, erklärte Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, anlässlich der Tagung „Die UN-Behindertenrechtskonvention: Deutschland auf dem Weg zur barrierefreien Gesellschaft“ heute in Berlin. In den Behindertengleichstellungsgesetzen von Bund und Ländern sei die Barrierefreiheit zentral verortet. Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention müssten die Gleichstellungsgesetze Barrierefreiheit auf alle Zielgruppen beziehen, den Anwendungsbereich auf den privaten Bereich stärker ausweiten und die Durchsetzungsinstrumente schärfen.

Andreas Bethke, Vorsitzender des BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit und Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes sagte, behinderungsübergreifend erarbeitete Standards und Praxishilfen sowie darauf aufbauend verhandelte Ausbildungsleitfäden, Zielvereinbarungen und Bahnprogramme könnten dazu beitragen, im privaten Bereich Barrierefreiheit als grundlegendes Prinzip zu verankern. Um Wirksamkeit zu entfalten, seien diese Elemente aber auf den allseitigen Willen zur Problemlösung angewiesen. Notwendig seien deshalb ebenfalls Förderinstrumente, die die Schaffung von Barrierefreiheit unterstützten. So könne beispielsweise das öffentliche Beschaffungswesen die Gewährleistung von Barrierefreiheit grundsätzlich zur Anforderung erheben. Auch Barrierefreiheit in Zulassungskriterien und finanziellen Förderprogramme seien sinnvoll. „In jedem Fall“, so Bethke, „werden Anreize zur Willensbildung und Hilfen zur Ausgestaltung der Barrierefreiheit gebraucht“.

Das BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit e. V. ist ein privater Zweckverband von derzeit 15 bundesweit tätigen Sozial- und Behindertenverbänden. Sein Ziel ist die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), insbesondere die Herstellung von Barrierefreiheit. www.barrierefreiheit.de

Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, eingerichtet im unabhängigen Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, hat gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Sinne der Konvention zu fördern und zu schützen sowie die Umsetzung der BRK in Deutschland zu überwachen. www.institut-fuer-menschenrechte.de/de/monitoring-stelle.html

Pressekontakt:

Bettina Hildebrand, Pressesprecherin
Tel.: 030 25 93 59 - 14 , Mobil: 0160 966 500 83
E-Mail: hildebrand@institut-fuer-menschenrechte.de

Grundsatz „Reha vor und bei Pflege“ konsequent umsetzen

Pressemitteilung 12-2011 (24.10.2011)

Bundesverband Geriatrie e.V. betont im Rahmen des Rehatages Potenzial von Rehabilitationsleistungen / Geriatrische Institutsambulanzen als Instrument zum Ausbau der Versorgung

Im Rahmen der jährlichen parlamentarischen Gespräche des Rehatages hat der Bundesverband Geriatrie e.V. die enge Verzahnung von Rehabilitation und Pflege betont. „Unsere Diskussionen mit Abgeordneten des Bundestages, Vertretern von Ministerien und Verbänden aus dem Rehabereich in den vergangenen Tagen haben bestätigt, dass der Zugang zu Leistungen der Rehabilitation für Menschen, die bereits Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, erleichtert beziehungsweise deren Anspruch auf eine den Notwendigkeiten entsprechende Rehabilitation überhaupt verwirklicht werden muss“, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands, Dirk van den Heuvel, am Montag in Berlin. Übereinstimmend sei festgestellt worden, dass das bestehende System verbessert werden müsse, um den Grundsatz „Reha vor und bei Pflege“ umzusetzen.

„Wenn durch Rehabilitation Leistungen der Pflegeversicherungen verzögert oder vermindert werden können, ist dies ein direkter Vorteil für die gesetzliche Pflegeversicherung“, erläuterte van den Heuvel. Allerdings könne die Pflegeversicherung nicht eigenständig Rehaleistungen veranlassen bzw. genehmigen, da sie selbst kein Rehaträger ist. „Durch diese sozialrechtliche Trennung fallen das versorgungspolitische und das finanzielle Interesse auseinander, was von allen Beteiligten als zentrales Problem gesehen wird.“ Bei den Gesprächen habe Einigkeit darüber bestanden, dass eine Besserung dieser Situation nur durch die Ausgestaltung der gesetzlichen Pflegeversicherung als eigenständiger Rehaträger erreicht werden könne. Gerade angesichts der  durch die demografische Entwicklung noch wachsenden Bedeutung der Rehabilitation sei schnelles Handeln notwendig, so der Geschäftsführer des Bundesverbands Geriatrie.

In diesem Zusammenhang verwies Dirk van den Heuvel auf das Potenzial geriatrischen Institutsambulanzen, die in stationären Einrichtungen der Geriatrie die ambulante Versorgung von Patienten übernehmen könnten. „Eine solche, derzeit im Gesetzgebungsverfahren erörterte Variante könnte deutliche Vorteile für ältere und multimorbide Patienten bringen, die nicht adäquat von niedergelassenen Ärzten versorgt werden können.“ Zudem würde die insgesamt noch unzureichende Dichte der geriatrischen Versorgung zumindest kurz- bis mittelfristig kompensiert. „Alle am Gesetzgebungsverfahren Beteiligten sind hier gefordert, zügig eine ambulante Versorgung geriatrischer Patienten in den entsprechenden klinischen Einrichtungen zu ermöglichen“, bekräftigte der Geschäftsführer des Bundesverbands Geriatrie e.V.. Damit werde auch dem Anliegen des Versorgungsgesetzes, in unterversorgten Regionen eine fachspezifische Versorgung sicherzustellen, entsprochen.

Pressekontakt: Uwe H. Sattler

Bundesverband Geriatrie e.V.

Tel.: 030/339 88 76-14, Fax: 030/339 88 76-20

uweh.sattler@bv-geriatrie.de

Bundesverband Geriatrie e.V.

Vorstandsvorsitzender: Hon.-Prof. Dr. med. Dieter Lüttje

Geschäftsführer: Dirk van den Heuvel

Reinickendorfer Straße 61

13347 Berlin

Tel.: 030 / 339 88 76 – 10

Fax: 030 / 339 88 76 – 20

E-Mail: Geschaeftsstelle@bv-geriatrie.de

http://www.bv-geriatrie.de


Mängel bei der ärztlichen Versorgung der Patienten zielgerichtet beseitigen

Berlin.  Anlässlich der Bundestagsanhörung zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer: Die Bundesregierung muss jetzt nicht nur den Mund spitzen, sondern auch pfeifen. Um die Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung spürbar zu verbessern, greift der Gesetzentwurf zu kurz. Insbesondere der notwendige Abbau lokaler Überversorgung zugunsten unterversorgter Regionen bleibt unberücksichtigt. Zudem fehlen Impulse für die Barrierefreiheit von Arztpraxen, die der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention klar vorsieht. So kann sich auch die ärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen nicht verbessern. Damit die ärztliche Versorgung der Patientinnen und Patienten durchgreifend gestärkt wird, ist zunächst eine grundlegende Analyse der bundesweiten Versorgungsrealität erforderlich. Auf dieser Basis können zielgerichtet Maßnahmen entwickelt werden, zum Beispiel indem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Ärztinnen und Ärzte in unterversorgten Gebieten stärker ermöglicht wird. V.i.S.d.P.: Benedikt Dederichs

Pressekontakt:

Kontakt:
Benedikt Dederichs
SoVD-Bundesverband
Pressestelle
Stralauer Str. 63
10179 Berlin
Tel.: 030/72 62 22 129/ Sekretariat -123
Fax:  030/72 62 22 328
E-Mail: pressestelle@sovd.

Immer mehr Kinder nehmen Psychopharmaka – Anzahl teilweise mehr als verdoppelt

Hamburg.  Offenbar werden immer mehr Kindern und Jugendlichen Psychopharmaka verordnet. Der mit Abstand größte Anteil betrifft Medikamente gegen das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Daten der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen: Im Jahr 2006 erhielten noch fast 20.000 TK-versicherte Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren Pillen gegen die Aufmerksamkeitsstörung. Im Jahr 2010 waren es bereits rund 29.000. Bereinigt um den Zuwachs der Versicherten in der Altersklasse ist die Anzahl der betroffenen Kinder damit um 32 Prozent gestiegen.

Auch die Zahl der Kinder, die mit Risperidon, einem Wirkstoff gegen Aggressionen im Zusammenhang von Verhaltensstörungen, behandelt wurden, ist alarmierend: 2006 verordneten die niedergelassenen Ärzte noch 682 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren entsprechende Medikamente. 2010 waren es schon 1.532. Versichertenbereinigt hat sich die Anzahl der betroffenen Kinder damit mehr als verdoppelt.

Professor Dr. Hannsjörg Seyberth, Vorsitzender der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und ehemaliger Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Philipps-Universität Marburg: „Die Kinder stehen heute unter einem enormen familiären und schulischen Druck zu funktionieren. Verhaltensauffälligkeiten sofort mit Medikamenten zu bekämpfen, ist dabei der falsche Weg. Gerade vor dem Einsatz von Psychopharmaka sollten die Ursachen der psychischen Störung genau untersucht und wenn möglich mit anderen Therapiemöglichkeiten wie zum Beispiel Psycho- oder Verhaltenstherapie behandelt werden. Denn die Spätfolgen und Langzeitwirkungen von Psychopharmaka bei Kindern sind bisher nur wenig erforscht.“

Vor diesem Hintergrund geben auch die Antidepressiva-Daten Anlass zur Sorge. Zwar hat sich der Anstieg der betroffenen Kinder und Jugendlichen seit 2006 etwas verlangsamt. Allerdings fällt auf, dass ein Fünftel der Verordnungen Medikamente betrifft, die bei Kindern und Jugendlichen nicht eingesetzt werden sollen. Die Auswertung zeigt auch, dass viele fachfremde Mediziner wie zum Beispiel Hausärzte Antidepressiva verschreiben.

Dr. Martina Köthemann, Apothekerin bei der TK: „Die Behandlung mit Psychopharmaka gehört in die Hände von Fachärzten. Denn die Wirksamkeit und Risiken der verschiedenen Arzneimittel müssen genau abgewogen werden. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können bestimmte Antidepressiva schwere Nebenwirkungen wie Vergiftungen, Herz-Rhythmus-Störungen oder Suizidrisiko auslösen.“

Etwas Entspannung gibt es dagegen im Bereich der Schlafmittel (Hypnotika). Bereinigt um den Zuwachs der Versicherten ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre, die zwischen 2006 und 2010 Schlafmittel verordnet bekommen haben, um 14 Prozent zurückgegangen. „Allerdings sollten auch Schlafmittel bei Kindern nur im Extremfall verordnet werden“, so Seyberth.

Hinweis für die Redaktionen:

Weitere Informationen zum Thema Kinder und Arzneimittel gibt es in der gleichnamigen TK-Broschüre auf www.tk.de zum Download.

Pressekontakt:

Nicole Ramcke, TK-Pressestelle 
Tel.: 040-6909-3431
E-Mail: nicole.ramcke@tk.de

Alternativer Weltgesundheitsbericht vorgestellt

Soziale Determinanten entscheiden über Gesundheit

Frankfurt/Main. Es sind vor allem soziale Determinanten, die über die gesundheitliche Lage von Menschen entscheiden. Dazu zählen das Einkommen bzw. der Zugang zu Land, angemessene Ernährung, menschenwürdige Wohn- und Arbeitsverhältnisse, gute Bildungseinrichtungen und die volle Teilhabe am kulturellen Leben.

Darauf hat Thomas Gebauer, Geschäftsführer der sozialmedizinischen Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international, bei der heutigen Vorstellung des neuen, alternativen Weltgesundheitsberichtes „Global Health Watch 3“ auf der in Rio de Janeiro stattfindenden „World Conference on Social Determinants of Health“ der Weltgesundheitsorganisation WHO, hingewiesen.

„Es ist höchste Zeit, die dramatisch zunehmenden Ungleichheiten in der Gesundheit der Menschen zu schließen. Dazu bedarf es politischer Entscheidungen, die auch vor Eingriffen in das globale Wirtschaftssystem nicht halt machen. Menschen hungern nicht weil Nahrungsmittel fehlen, sondern weil der Markt als Verteilungsmechanismus den Zugang von der Kaufkraft abhängig macht. Die Ökonomie darf aber nicht weiter die Gesundheit dominieren“, fordert Gebauer.

Die Autoren des „Global Health Watch 3“, Wissenschaftler und Aktivisten aus mehr als 30 Ländern, fordern deshalb eine Reform zur Stärkung der WHO. Mit einer Demokratisierung und einer an den Grundsätzen der globalen Solidarität ausgerichteten Fiskalpolitik soll die WHO wieder in die Lage versetzt werden, als „führende und koordinierende Autorität“ in der Durchsetzung des Rechts auf Gesundheit zu wirken, wie es in ihrer 1948 verabschiedeten Verfassung heißt. Der alternative Weltgesundheitsbericht erscheint bereits zum dritten Mal und enthält viele Fallbeispiele, Analysen zur globalen Gesundheitssituation und Anregungen für Aktivitäten in der Auseinandersetzung um „Gesundheit für Alle!“. medico international ist Mitherausgeber.

Weitere Informationen auf: http://www.ghwatch.org/

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Für Nachfragen und Interviews mit Thomas Gebauer (zzt. Rio de
Janeiro) wenden Sie sich bitte an:

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