20. Bad Arolser Tinnitus-Symposium und 30-jähriges Bestehen der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.

Veröffentlicht am 30.09.2016 10:03 von Sabine Wagner

Über 300 Tinnitus-Betroffene, Experten und Interessierte kamen am 23. und 24. September nach Bad Arolsen zum 20. Bad Arolser Tinnitus-Symposium und zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL). Anlässlich der beiden runden Geburtstage richteten die Schön Klinik Bad Arolsen, die Tinnitus-Klinik Dr. Hesse und die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. das Tinnitus-Symposium zum ersten Mal gemeinsam aus. Für die ausgebuchte Workshop- und Veranstaltungsreihe in der Schön Klinik Bad Arolsen, der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse und im städtischen Bürgerhaus wählten die Partner das Motto „Tinnitus und Hyperakusis – Aktuelles aus Forschung und Therapie im psychosomatischen Kontext“. Daran schlossen sich am 24. September eine Festveranstaltung zum 30-jährigen DTL-Jubiläum und die Mitgliederversammlung der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. an.

20-bad-arolser-tinnitus-symposiumDas Symposium startete am Freitagmittag in der Schön Klinik Bad Arolsen und der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse mit insgesamt zehn restlos ausgebuchten Themen-Workshops. 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich u. a. über Bewältigungsstrategien bei schwer belastendem Tinnitus, über das Leben und den Umgang mit Hyperakusis, über Morbus Menière, soziale Kompetenz mit Schwerhörigkeit und Tinnitus sowie über Tinnitus und Emotionen und deren Auswirkungen auf Betroffene und ihre Partner und Familien. Seinen würdigen Abschluss fand der erste Symposiumstag mit einer Festveranstaltung mit 180 Gästen, denen unter anderem eine eindrucksvolle Sandmalerei-Show geboten wurde.

Am Samstagvormittag fand die Vortragsveranstaltung des Symposiums im Bürgerhaus Bad Arolsen statt, zu der über 300 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Nach der Begrüßung des Bürgermeisters von Bad Arolsen, Jürgen van der Horst, hieß
Dr. Bernadette Talartschik, Leiterin des HNO-Bereichs der Schön Klinik Bad Arolsen, im Namen der Schön Klinik alle Besucher willkommen. Sie hob hervor, dass diese gemeinsame Veranstaltung anlässlich des 20. Bad Arolser Symposiums und des 30-jährigen Bestehens der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. etwas ganz Besonderes sei und zudem erstmals zusammen mit der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse ausgerichtet werde. „Ich freue mich über die große Resonanz auf unser Tinnitus-Symposium, das mit weit über 300 Teilnehmern einmal mehr die hohe Bedeutung professioneller und individueller Tinnitus-Therapien unter Beweis stellen konnte. Das überwältigende Interesse an den zehn Workshops, die bereits nach kürzester Zeit ausgebucht waren, zeigt, wie groß der Bedarf an diesem speziellen Angebot ist“, sagte Dr. Talartschik.

Volker Albert, Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga e. V., betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung des Miteinanders für eine erfolgreiche Tinnitus-Bewältigung: „Der Weg, seinen Tinnitus und die anderen Einschränkungen des Hörens abzumildern, ist ein Weg, der nur gemeinsam beschritten werden kann. Nur wer glaubt, schnell vorankommen zu müssen, sollte allein gehen. Wer jedoch weiterkommen will, sollte mit anderen gleichgesinnten Menschen zusammen gehen.“

Prof. Dr. Gerhard Hesse, Chefarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, würdigte in seiner Begrüßung das Verdienst der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. an der Entwicklung der Tinnitus-Behandlung in den letzten 30 Jahren. Die DTL habe dafür gesorgt, dass die Medizin sich um die Tinnitus-Betroffenen kümmere. „Mich freut, dass wir nach mittlerweile 20 Jahren ein so gut besuchtes, gut besetztes Symposium veranstalten konnten. Vor allem freut mich, dass die beiden Kliniken aus Bad Arolsen und die DTL dieses Symposium gemeinsam ausrichten konnten“, so Prof. Hesse.

Zum Auftakt der Vorträge referierte Prof. Dr. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums Charité – Universitätsmedizin Berlin, über „Grundlagenforschungsaspekte bei Tinnitus“. Sie schilderte die Mechanismen in Ohr und Gehirn, die bei der Tinnitus-Entstehung eine Rolle spielen. Zudem fasste sie den Stand der Forschung zum Thema Tinnitus und Stress zusammen. Stress habe viele Auswirkungen auf den Körper und führe auch zu Veränderungen in Gehirn und Hörsystem. Aus der Entwicklungsgeschichte begründet könne der Mensch kurze Stressphasen aushalten, besonders durch langanhaltenden Stress komme es jedoch zu chronischen Effekten.

Prof. Dr. Gerhard Hesse gab in seinem Vortrag zum Thema „Aktueller wissenschaftlicher Stand in der Tinnitus-Therapie“ einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und bewertete diese hinsichtlich ihrer Wirksamkeit. Bei einem akuten Tinnitus (von einer Dauer bis zu drei Monaten) sei eine hochdosierte Kortisontherapie angezeigt. Bei einem chronischen Tinnitus (ab drei Monaten) sei gemäß der 2015 erschienenen S3-Leitlinie insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie sehr wirksam. Ebenfalls seien auch die Versorgung mit Hörgeräten, die Hörtherapie, Musiktherapie und Entspannungstechniken sehr wirksam. Eine besondere Bedeutung komme der Aufklärung und Beratung des Patienten zu. Hier leiste die DTL einen entscheidenden Beitrag.

Dr. Bernadette Talartschik erläuterte in ihrem Referat „Aus dem Alltag der Klinik – Fallbeispiele: Hyperakusis im psychosomatischen Kontext“ die unterschiedlichen Formen der Geräuschüberempfindlichkeit, einer krankhaften Überaktivierung im Bereich des zentralen Hörsystems. Sie schilderte, wie bei einer Geräuschüberempfindlichkeit durch sozialen Rückzug und Anwendung von Gehörschutz bei normalen Alltagsgeräuschen die Geräuschüberempfindlichkeit immer weiter verstärkt werde, sodass sich einige Menschen völlig in die Isolation zurückzögen. Bei der Therapie sei ein multimodaler Ansatz wichtig, bestehend aus der HNO-ärztlichen Diagnostik und Behandlung, der Aufklärung und Beratung des Patienten auf Augenhöhe sowie einer langsam adaptierenden Anpassung von Hörgeräten.

Am Nachmittag fanden die Jubiläumsfeier der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens sowie die Mitgliederversammlung der DTL statt. Bei der Feierstunde überbrachten DTL-Präsident Volker Albert, Prof. Dr. Gerhard Hesse, der Sprecher des Fachlichen Beirats der DTL, Dr. Volker Kratzsch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der HELIOS Klinik Am Stiftsberg in Bad Grönenbach, sowie der Präsident der Österreichischen Tinnitus-Liga, Mag. Dr. Manfred Koller, Glückwünsche an die Selbsthilfeorganisation. Die DTL-Mitglieder Tamara Oetting, Reinhard Heise und Norbert Pyttlik wurden für ihr langjähriges, außerordentliches Engagement als Ehrenmitglieder der DTL ausgezeichnet. Volker Albert wurde hingegen von Mag. Dr. Manfred Koller die Ehrenmitgliedschaft der ÖTL verliehen.

 

Bildunterschrift:
Referenten und Veranstalter des 20. Bad Arolser Tinnitus-Symposiums (v. l. n. r.), vordere Reihe: Dr. Bernadette Talartschik, Leiterin HNO-Bereich der Schön Klinik Bad Arolsen; Prof. Dr. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums Charité – Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Gerhard Hesse, Chefarzt Tinnitus-Klinik Dr. Hesse und DTL-Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Goebel. Hintere Reihe: DTL-Geschäftsführer Michael Bergmann; DTL-Präsident Volker Albert; Thomas Middendorf, Chefarzt der Schön Klinik Bad Arolsen; Dr. Christian Raible, Leiter der Schön Klinik Bad Arolsen und Jürgen van der Horst, Bürgermeister der Stadt Bad Arolsen. Foto: Schön Klinik Bad Arolsen.

Über die Schön Klinik Bad Arolsen
Die Schön Klinik Bad Arolsen ist die führende psychosomatische Fachklinik in Hessen. Die Klinik deckt das gesamte Spektrum der Psychosomatik ab und beinhaltet eine umfangreiche HNO-Expertise, die eine ausführliche HNO-Diagnostik und Therapie mit neurootologischem Schwerpunkt ermöglicht. So können gerade schwer belastete Tinnitus-Patienten und Patienten, die extrem unter Geräuschüberempfindlichkeiten leiden, sowie Schwindelpatienten umfassend im HNO-ärztlichen und psychosomatischen Kontext behandelt werden. Die Behandlungsschwerpunkte umfassen weiterhin Depressionen, dekompensierten Tinnitus und Hyperakusis, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom im Erwachsenenalter (ADHS), Burn-out-Syndrom, Essstörungen, Essstörungen im Jugendalter sowie weitere Indikationen (z. B. Angst- und Zwangsstörungen sowie Schwindelerkrankungen). Das Behandlungskonzept orientiert sich an integrativ-verhaltensmedizinischen Grundlagen.
Über die Schön Klinik
Die Schön Klinik ist eine Klinikgruppe in privater Trägerschaft (Familie Schön) mit den Schwerpunkten Orthopädie, Neurologie, Psychosomatik, Chirurgie und Innere Medizin. An 16 Standorten in Bayern, Schleswig-Holstein, Hessen und Hamburg behandeln 9.200 Mitarbeiter jährlich 99.000 Patienten.

Über die Tinnitus-Klinik Dr. Hesse im Krankenhaus Bad Arolsen
In der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse werden stationär Patientinnen und Patienten behandelt, die unter quälenden Ohrgeräuschen oder Tinnitus, Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis), Kommunikationsbeeinträchtigungen und allen Formen von Gleichgewichtsstörungen leiden. Aufbauend auf einer fundierten Diagnostik des kompletten Hör- und Gleichgewichtsorgans mit allen Möglichkeiten moderner neurootologischer Diagnostik wird dabei die spezifische Kompetenz zur Therapie des Hör- und Gleichgewichtsorgans mit psychosomatischen Behandlungsansätzen verzahnt. Der Patient wird so individuell und in seiner Komplexität, d. h. nicht „nur Ohr-“ oder „nur Seele”-bezogen behandelt. Diagnostik und Behandlung stehen dabei auf höchstem wissenschaftlichem Niveau und spiegeln auch eigene Forschungsansätze wider. Die langjährige Tradition der Behandlung des Tinnitus sowie von Hör- und Gleichgewichtsstörungen wird durch ihren Begründer, Prof. Dr. med. Gerhard Hesse, und sein Team fortgesetzt und konsequent weiter entwickelt.

Über die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 12.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland. Über 800 Fachleute gehören der DTL als Partner und fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörgeräteakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 90 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.

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