2. Networking-Dinner von Softsolution am 16. März 2015 in Augsburg

Veröffentlicht am 22.04.2015 13:03 von Softsolution International Ltd.

 

 

 

Verfasser: Staatssekretär a. D. Neithart Neitzel

Das 2. Networking Dinner mit 170 Teilnehmern war geprägt durch zwei hoch interessanten Referaten von:
• Herr Thomas Keck: „Prävention und Rehabilitation 2015 – Bestandsaufnahme trifft auf Zukunftsperspektive“.
• Prof. Wallesch, BDH Elzach: „Die neurologische Frührehabilitation an der Schnittstelle zwischen Intensivmedizin und Rehabilitation“.

Rund 170 Vertreterinnen und Vertreter von Reha-Einrichtungen waren am 16. März 2015 bei Softsolution anlässlich des Rehawissenschaftlichen Kolloquiums der DRV zu Gast. Die Moderation hatte der erfahrene Reha-Experte Max Lux. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei Referate.

Erster Referent war Thomas Keck, Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, zum Thema „Prävention und Rehabilitation 2015 – Bestandsaufnahme trifft auf Zukunftsperspektive“. Er wies dabei in einigen Punkten neue Wege, die aufhorchen ließen. Als Beispiel sei seine Auffassung genannt, dass statt eines starren Renteneintrittsalters eine Festlegung auf 45 Versicherungsjahre erfolgen sollte; das ermögliche einen flexiblen Renteneintritt.
Zu Beginn seines Vortrages skizzierte Keck zunächst die Rahmenbedingungen, denen der Reha-Sektor ausgesetzt sei: Infolge steigender Lebenserwartung bei sinkender Geburtenrate gehe das Erwerbstätigenpotential kontinuierlich zurück; der Anteil älterer Arbeitnehmer steige. Gleichzeitig verändere sich das Patientenklientel hin zu multimorbiden und chronisch erkrankten Menschen. Bis 2017 würden die Baby-Boomer das reharelevante Alter erreichen, was in den nächsten Jahren zunächst einen steigenden Anstieg an Reha-Bedarf erwarten lasse und ab 2018 einen starken Abfall. Die Anzahl von Anträgen auf Erwerbsminderungsrente nehme zu, der drohende Fachkräftemangel verschärfe sich – nicht zuletzt aufgrund der Frühverrentungswelle infolge der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren. Ab 2033, wenn die Baby-Boomer in das Pflegealter rücken würden, seien steigende Wachstumsraten bei den Pflegebedürftigen zu erwarten. „Reha vor Pflege“ gewinne damit künftig zunehmend an Bedeutung.
Keck stellte sodann die Entwicklung der Antrags- und Bewilligungszahlen im Hinblick auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation wegen allgemeiner Erkrankungen für die Deutsche Rentenversicherung Westfalen und die gesamte Deutsche Rentenversicherung dar: Im Vergleich zu 2013 seien die Anträge bei der Deutschen Rentenversicherung Westfalen im Jahr 2014 um + 8,2 % auf 67.289 Anträge gestiegen, die Bewilligungen um + 4,8 % auf 45.025 Bewilligungen. Bundesweit habe sich im Vorjahr zwar auch ein Anstieg der Antrags- und Bewilligungszahlen gezeigt, dieser sei mit + 3,6 % Antrags- (1.565.574 Anträge) und + 5,1 % Bewilligungssteigerung auf 1.025.888 Bewilligungen jedoch weniger drastisch ausgefallen. Muskuloskeletale Erkrankungen, psychosomatische Erkrankungen sowie Neubildungen seien im stationären Bereich die häufigsten Reha-Indikationen.
Derzeit seien die Antragszahlen bei der Deutschen Rentenversicherung Westfalen mit – 5,7 % rückläufig. Vor dem Hintergrund des starken Anstiegs um gut + 8 % im Vorjahr befänden sich die Antragszahlen damit aber immer noch auf sehr hohem Niveau.
Der Anteil ganztägig ambulant erbrachter Leistungen habe 2014 in Westfalen 18,26 % betragen, der AHB-Anteil 32,88 % (Deutschen Rentenversicherung Westfalen), bundesweit 34 %. Keck plädierte für ein integratives Reha-Verständnis: Drei Wochen Reha reichten oft nicht aus, eine Kombination von stationär und ambulant sei sinnvoll.
Die Anträge auf Leistungen zur Kinder- und Jugendlichen-Rehabilitation seien in Westfalen seit 2009 kontinuierlich auf 2.936 Anträge und 1.608 Bewilligungen gesunken. Bundesweit habe sich seit 2008 eine ähnliche Entwicklung gezeigt, wobei im Jahr 2014 ein leichter Anstieg auf 63.050 Anträge und 37.457 Bewilligungen zu verzeichnen gewesen sei. Derzeit seien die Antragszahlen bei der Deutschen Rentenversicherung Westfalen mit – 8,5 % weiterhin stark rückläufig.
Häufigste Indikationen seien in Westfalen 2014 Adipositas, psychische Erkrankungen und Atmungserkrankungen gewesen.
Aufgabe der Rentenversicherung sei es, die (älteren) Beschäftigten beim Verbleib im Erwerbsleben bis zum 67. Lebensjahr zu unterstützen. Hierfür bedürfe es neben einer umfassenden, qualitativ hochwertigen Beratung eines möglichst frühzeitigen Einsatzes von Maßnahmen der Sicherstellung eines möglichst nahtlosen Übergangs von der medizinischen in die berufliche Rehabilitation, einer auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene, passgenaue und beruflich orientierte Rehabilitationsleistung (MBOR) sowie eines funktionierenden Netzwerkes unter Einbeziehung insbesondere auch der Sozialdienste der Reha-Einrichtungen als wichtige Kooperationspartner.
Ziel der Medizinisch-Beruflich Orientierten Rehabilitation (MBOR) sei die Stärkung der beruflichen Ressourcen sowie die nachhaltige berufliche (Re-)Integration. Für die Leistungserbringer bedeute dies die Schaffung individualisierter Rehabilitationsangebote, einen erhöhten Aufwand aufgrund von berufsbezogener Diagnostik durch die verschiedenen Berufsgruppen, berufsbezogene Gruppen und Arbeitsplatztraining. Damit würden an die internen Organisationsprozesse (z.B. bei Therapieplanung und Personaleinsatz sowie durch Intensivierung der Teamstrukturen) hohe Ansprüche gestellt.
Für die Leistungsträger erforderten erweiterte Angebote eine angemessene Anpassung der Vergütung an die Leistung und einen möglichst effizienten Mitteleinsatz bei begrenztem Budget.
In der Kinder- und Jugendlichen-Rehabilitation gelte es mangels eines konkreten Arbeitsplatzes, die Schul- und Ausbildungsfähigkeit stärker in den Fokus zu rücken. Reine Verhaltenstherapie ohne Betrachtung der Verhältnisse, in denen das betroffene Kind lebe, könne keine nachhaltige Lebensstiländerung anstoßen. MBOR in der Kinder- und Jugendlichen-Rehabilitation bedeute Verhältnistherapie im Sinne von Einbeziehung der Eltern sowie des häuslichen Umfeldes (u.a. Essen) und die Einbeziehung der Schule bzw. des Ausbildungsplatzes (Schulvermeider, psychische Verhältnisse).
Keck ging schließlich auf Modellprojekte der DRV Westfalen ein: So werde im Rahmen von „Reha Futur Real“ auch die berufliche Rehabilitation von Arbeitslosen angeboten. Dabei sei der Netzwerkgedanke ein Schlüsselaspekt. Für bestimmte Rehabilitandengruppen sei ein Case Management eingeführt worden.

Keck schloss mit dem Appell: „Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen erfolgreich meistern!“ Für eine erfolgreiche berufliche (Re-)Integration gelte es die Beratungsqualität weiter auszubauen, die Optimierung von Schnittstellen weiter voranzutreiben, Netzwerke aufzubauen, Kooperationen auszubauen und ein umfassendes Case-Management fest zu etablieren.

 

Den zweiten Vortrag hielt Professor Dr. Claus-W. Wallesch, Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Elzach, zum Thema: „Die Neurologische Frührehabilitation an der Schnittstelle zwischen Intensivmedizin und Rehabilitation“. Der Referent sagte, dass in dieser Phase B der neurologischen Rehabilitation die Erlangung der Reha-(Kooperations-)Fähigkeit im Mittelpunkt stehe, nach der der Patient in eine Rehabilitation der Phase C übergeleitet, in ein Akut-Haus verlegt, ins Pflegeheim oder nach Hause entlassen werde. Die Statistik für Elzach sah 2010 bei 657 Patienten eine Verlegung in die Reha für 56%, Verlegung in ein anderes Krankenhaus für 19%, in eine Pflegeinrichtung für 15%, nach Hause bzw. in ambulante Pflege für 7% vor; 3% der Patienten seien verstorben.
Die Betten für die neurologische Frühreha seien in den Krankenhausplänen der Bundesländer ausgewiesen, wobei es von Land zu Land erhebliche Unterschiede gebe.
Prominentester Fall sei nach seinem Skiunfall der Rennfahrer Michael Schumacher, der monatelang im Rahmen der Frührehabilitation in der Uniklinik Lausanne behandelt worden sei. Wesentliche Voraussetzung für die an die Akutversorgung anschließende Frührehabilitation sei, daß die Akutversorgung abgeschlossen, der Patient aber noch nicht kooperationsfähig sei. Die Fachplanung für Phase B in Baden-Württemberg sehe vor, dass alle Betten intensiv überwacht würden. In der Phase C sei der Patient bereits kommunikations- und interaktionsfähig, teilmobilisiert; er bedürfe nicht mehr der intensivmedizinischen Überwachung. In Elzach gebe es 15 Beatmungsplätze für Phase B.
Die Früheha – so Wallesch weiter – unterliege als Krankenhausbehandlung dem DRG-System unter OPS 8-552. Dieser sehe als Mindestmerkmale vor:

1. ein Frührehateam unter Leitung eines Facharztes für Neurologie,
2. ein standardisiertes Frühreha-Assessment,
3. eine wöchentliche Teambesprechung mit wochenbezogener Dokumentation bisheriger Behandlungsergebnisse und weiterer Behandlungsziele,
4. aktivierend-therapeutische Pflege durch besonders geschultes Pflegepersonal,
5. das Vorhandensein und den Einsatz vielfältiger spezifischer Therapiebereiche, darunter Physiotherapie, Neuropsychologie, Wasch-, Anzieh-, Ess- und Schlucktraining.

Wallesch bemängelte, daß die Pflegewissenschaft die aktivierend-therapeutische Pflege bisher kaum bearbeitet habe. Deshalb sei 2011 das „Elzacher Konzept und Leistungskatalog der Therapeutischen Pflege in der neurologischen Frührehabilitation“ gemeinsam mit dem MDK Baden-Württemberg erarbeitet worden. Der BDH-Bundesverband habe darüber hinaus zwei Promotionsstipendien in der Pflegewissenschaft ausgeschrieben.
Wallesch schloss mit mehreren möglichen, jedenfalls zu diskutierenden Zukunftsvisionen:
1. Ausweitung der Frühreha auf (allgemeine) Akut-Krankenhäuser als „Lazarette“ und interventionelle Spezialversorger,
2. Ausbau nicht interventioneller therapeutischer Medizin in speziellen Einrichtungen,
3. Ambulantisierung der stationären AHB-Rehabilitation (Phase D), falls nicht der Nachweis gelingt, dass Patienten durch stationäre Rehabilitation schneller an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.
Diese Anregungen wurden von den Teilnehmern an den Tischen diskutiert.

 

Sollten Sie noch Fragen zu den Themen/Referaten haben, können Sie sich gerne melden bei: uschalles@softsolution.de

Ute Schalles

E-Mail:   uschalles@softsolution.de Mobil:   +49 (0)179 155 15 80

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Adolf Tegtmeier Allee 11
99438 Bad Berka
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Ratsumiehenkatu 1
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Tel:     +358 (0)37800331
Geschäftsführer: Roland Tolksdorf

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